Wissenschaft der Cannabinoide 101: Was ist Cannabichromen?

Cannabichromen Cannabichromen (CBC) ist ein in der Natur sehr häufig vorkommendes Phytocannabinoid und wahrscheinlich das am zweithäufigsten in Cannabis enthaltene Cannabinoid. CBC lindert nachweislich Schmerzen und Entzündungen bei Nagetieren, somit könnte es sich zur Behandlung von Magen-Darm-Krankheiten und Entzündungen bei Menschen eignen.

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Cannabichromen (CBC) ist eines der besser erforschten Phytocannabinoide, aber seine Eigenschaften und Merkmale sind weitgehend unbekannt, selbst innerhalb der Cannabisbranche. Doch im Zuge der Weiterentwicklung der Branche wird die große Bedeutung von Cannabichromen für die Verwendung in der Medizin immer deutlicher.

Darüber hinaus ist es jetzt leichter geworden, an CBC-reiche Sorten zu kommen, da viele Cannabisapotheken in den USA die Cannabinoidprofile ihrer Sorten untersuchen – dennoch müssen interessierte Bürger immer noch mehrere seriöse lokale Apotheken anrufen, um die richtige Medizin zu finden.

Cannabichromen (CBC) ist ein in der Natur sehr häufig vorkommendes Phytocannabinoid, und es ist wahrscheinlich das am zweithäufigsten in Cannabis enthaltene Cannabinoid. CBC kann nachweislich antinozizeptive (schmerzstillende) und entzündungshemmende Effekte bei Nagetieren erzeugen; allerdings sind noch Studien an Menschen erforderlich, um sein wahres medizinisches Potenzial festzustellen.

Chemische Struktur und Eigenschaften von CBC

CBC wird – ebenso wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) – durch eine enzymatische Umwandlung des Vorgängerstoffs Cannabigerol (CBG) erzeugt. Genauer gesagt: Cannabigerolsäure (CBGA, die zu CBG decarboxyliert) reagiert mit einem Enzym in den Trichomdrüsen der Cannabispflanze, um Cannabichromensäure (CBCA) zu bilden, die dann wiederum zu CBC decarboxyliert.

CBC hat dieselbe molekulare Formel wie THC und CBD: C21H30O2. Obwohl viele Cannabinoide dieselbe chemische Formel haben, sind die Atome innerhalb des jeweiligen Moleküls etwas anders angeordnet.  Dies verleiht den einzelnen Molekülen ganz verschiedene chemische Eigenschaften; so erklärt sich zum Beispiel die berühmte Fähigkeit von THC (und eine offensichtlich einzigartige unter den Phytocannabinoiden), sich an den CB1-Rezeptor zu binden und einen kraftvollen psychoaktiven Effekt zu erzeugen.

Das CBC-Molekül (© Wiki Commons)Das CBC-Molekül (© Wiki Commons)

CBC teilt den psychoaktiven Effekt von THC nicht, und es ist nicht einmal völlig sicher, ob es überhaupt irgendeinen Effekt auf die Cannabinoidrezeptoren ausübt, da einige seiner Effekte nachweislich unabhängig von den Rezeptoren ablaufen.   Dennoch besitzt CBC verschiedene interessante pharmakologische Wirkungen, und man nimmt an, dass es die Wirkung von THC und anderen Cannabinoiden wesentlich beeinflusst.

CBC in der Cannabispflanze

In einer Studie aus dem Jahr 1975, Komponenten der Cannabis sativa L. XI: Cannabidiol und Cannabichromen in Proben bekannten geographischen Ursprungs (Holley et al.), fand man heraus, dass CBC das in allen getesteten Cannabisproben das am zweithäufigsten vorhandene Cannabinoid war – was in manchen Fällen wohlgemerkt 64 Prozent des gesamten Cannabinoidgehalts bedeutet! Allerdings hat diese Studie Landrassensorten aus den 1970er-Jahren getestet – und es ist unwahrscheinlich, dass die für den Handel bestimmten Indoorsorten von heute, die vor allem wegen ihres hohen THC-Gehalts gezüchtet wurden, derart hohe CBC-Anteile enthalten.

Eine andere Studie, die 2002 veröffentlicht wurde, Das Erbe des chemischen Phänotyps in Cannabis sativa L. (de Meijer et al.), zeigte, dass CBC „im Cannabinoidanteil der Jungpflanzen überwiegt und mit zunehmender Reife abgebaut wird”; und eine frühere Studie (Haschisch-Bestandteile. Photochemische Produktion von Cannabicyclol aus Cannabichromen; Crombie et al., 1968) schrieb, dass CBC in Anwesenheit von Hitze und Licht in der Natur zu Cannabicyclol abgebaut wird, ebenso wie THC in der Natur zu Cannabinol (CBN) abgebaut wird.

CBC lindert Schmerzen, die durch Schädigung der Nervenzellen verursacht werden (© ZEISS Microscopy)CBC lindert Schmerzen, die durch Schädigung der Nervenzellen verursacht werden (© ZEISS Microscopy)

Interessanterweise berichtete die Studie aus dem Jahr 2002 auch über die Existenz „morphologischer Varianten, die einen ‚anhaltend jugendlichen Chemotyp‘ (prolonged juvenile chemotype = PJC) besitzen“ und die bis zum Reifestadium einen erheblichen CBC-Anteil behalten.    Diese „PJC“-Sorten bringen weniger Brakteen (Deckblätter) und Bracteolen (die kleinen, entlang der Blüten wachsenden Blätter) sowie weniger Trichome hervor. Außerdem wurde nachgewiesen, dass die Verminderung der Lichtmenge den CBC-Anteil in den PJC-Pflanzen erhöhte und dass diese Sorten insgesamt imstande waren, „pharmazeutische Rohstoffe von hoher CBC-Reinheit“ zu produzieren.

Das medizinische Potenzial von CBC

Heute wird angenommen, dass CBC potenziell verschiedene medizinische Anwendungsmöglichkeiten besitzt, von denen viele mit immunologischen oder homöostatischen Prozessen zusammenhängen. Mehrere Studien haben das Potenzial von CBC untersucht, und auch wenn die CBC-Forschung sich generell noch im Anfangsstadium befindet, sind die Ergebnisse bislang vielversprechend.

Wirkung gegen Depressionen:

In einer 2010 durchgeführten Studie an Mäusen wurde bewiesen, dass Cannabichromen (CBC) und Cannabidiol (CBD) „signifikante Wirkungen” bei Anzeichen einer Depression zeigen. So erzielte CBC eine signifikante Verminderung der Unbeweglichkeit, und zwar bei Dosierungen von 40 und 80 mg/kg.   

Entzündungshemmende Wirkung:

In einer im Jahr 2010 veröffentlichten Tierstudie fand man heraus, dass ein von Lipopolysacchariden verursachtes Pfoten-Ödem (Schwellung) durch die Gabe von CBC reduziert wurde. Es konnte auch gezeigt werden, dass dieser Effekt unabhängig von den CB-Rezeptoren auftrat, da Antagonisten ähnliche, durch THC hervorgerufene Effekte blockierten, jedoch nicht die durch CBC hervorgerufenen Effekte.  Darüber hinaus stellte diese Studie fest, dass THC und CBC in einem Synergieeffekt zusammenarbeiten, um eine stärkere entzündungshemmende Wirkung zu erzielen, wenn sie gemeinsam verabreicht werden – ein großartiges Beispiel einer Interaktion zwischen Cannabinoiden!

Schmerzlindernde Wirkung:

Eine Studie an Ratten aus dem Jahr 2011 wies nach, dass sowohl CBD als auch CBC nozizeptive Schmerzen (Schmerzen, die durch Schädigung des Nervs selbst ausgelöst werden) bei Ratten verminderten, und zwar durch eine komplexe Anzahl von Interaktionen mit Proteinen, von denen bekannt ist, dass sie die schmerzlindernde Reaktion regulieren.

Interessanterweise  wurden diese Effekte durch die Wirkung der Antagonisten der  CB1-Rezeptoren blockiert, was anzeigt, dass CBC eine gewisse Affinität zu den Cannabinoidrezeptoren hat.

CBC erhöht vermutlich die Überlebensrate erwachsener Stammzellen (© pennstatenews)CBC erhöht vermutlich die Überlebensrate erwachsener Stammzellen (© pennstatenews)

Motilität des Magen-Darm-Trakts:

Eine weitere Studie an Ratten aus dem Jahr 2012 ergab, dass CBC eine Hypermotilität des Margen-Darm-Trakts  (Durchfall) normalisiert, ohne die Durchgangszeit durch den Darm zu verkürzen. Dies ist von klinischem Interesse, denn die meisten Medikamente gegen Durchfall werden aufgrund der drastisch reduzierten Durchgangszeit mit Verstopfung assoziiert.  CBC könnte also eine bedeutende Rolle spielen, wenn es darum geht, Mittel auf Cannabinoidbasis für Leiden wie die entzündliche Darmerkrankung zu entwickeln.

Neuroprotektive Wirkung:

Eine faszinierende Studie, die 2013 veröffentlicht wurde, bewies, dass CBC die Lebensfähigkeit (d. h. die Rate der gesunden und überlebenden) Vorläuferstammzellen in erwachsenen Mäusen erhöhte, wahrscheinlich durch einen komplexen Mechanismus, an dem Adenosintriphosphat (ATP; das für den Energieaustausch zwischen den Körperzellen verantwortliche Enzym) beteiligt ist.

Doch CBC hemmte offenbar auch die Differenzierung dieser Stammzellen zu Astroglia; das sind wichtige Neuronen, die bei Reparatur- und Homöostaseprozessen eine bedeutende Rolle spielen.  Bleibt zu hoffen, dass weitere Studien die Wirkungen dieses Phänomens erforschen und ihr Potenzial für die Medizin richtig einschätzen werden.   

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