Wie (und warum) man ein Hanfhaus baut

Hanf „Ökohäuser“ werden weltweit immer beliebter, da Menschen verzweifelt nach einem nachhaltigeren Leben suchen. Hanf ist in der Ökohaus-Industrie bereits ein wichtiger Baustoff und könnte einen entscheidenden Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft leisten. Wie können wir diese wertvolle, erneuerbare Ressource am (kosten-)effektivsten nutzen?

Konventionelle Baupraktiken werden weltweit immer unhaltbarer. Wir werden nicht nur mit der Notwendigkeit konfrontiert, Häuser für die wachsende Bevölkerung zu bauen, sondern üben auch stets mehr Druck auf unsere Ökosysteme aus, da wir unsere natürlichen Ressourcen mit offenbar unaufhaltsamer Geschwindigkeit ausbeuten.

So verstopfen wir unsere Städte Jahr für Jahr mit immer mehr Menschen – mit verheerenden Auswirkungen auf unsere Umwelt -, in einem verzweifelten Versuch, diesen an sich unhaltbaren Lebensstil aufrechtzuerhalten.

Wie (und warum) man ein Hanfhaus baut

Warum wir die Verstädterung überdenken müssen

Aus diesen Gründen beginnen sich viele Leute nach einer Alternative zu sehnen. Selbstverständlich ist es nicht nur die fehlende Nachhaltigkeit, die diese Menschen stört – sondern vor allem auch der unnatürliche Verlust der Gemeinschaft, die damit einhergehende Entwurzelung, die gefährliche Luftverschmutzung und der Mangel an Sonnenlicht sowie an Grünflächen für die gedeihliche Entwicklung der Kinder.

Zahllose Gründe sprechen dafür, dass Menschen in kleineren, grüneren Gemeinschaften besser leben. Langsam, aber sicher stellen wir fest, dass sich diese Erkenntnis an den maßgeblichen Stellen immer mehr durchsetzt – in den Medien, in den Herzen und Köpfen der Öffentlichkeit und in bestimmten weitsichtigen Behörden verschiedener Länder überall auf der Welt.

Ein weiterer, ganz wesentlicher Punkt: Wohnen wird in den großen, attraktiven Städten der Welt zunehmend unerschwinglich, wegen der geradezu wahnwitzigen Preise bzw. Mieten. Viele finden die Vorstellung, der „Massen“-Gesellschaft den Rücken zuzukehren und aufs Land zu ziehen, immer unwiderstehlicher – und nicht wenigen bleibt bald gar nichts anderes mehr übrig.

Ein schönes Hanfhaus, das 2009 in Großbritannien gebaut wurde (© BRE_Group)Ein schönes Hanfhaus, das 2009 in Großbritannien gebaut wurde (© BRE_Group)

Ökohäuser können ein Teil der Lösung sein

Es kann also durchaus sein, dass Sie zu den Tausenden von Menschen gehören, die ihre Optionen für ein Eigenheim genau gegeneinander abwägen, und vielleicht kam Ihnen dabei schon die Idee, einen passenden Standort für den Bau Ihres eigenen, nachhaltigen Ökohauses zu suchen.

Hanf wird immer beliebter, wenn es um die Wahl eines umweltfreundlichen Baumaterials geht. Er hat viele Vorteile, einschließlich exzellenter Feuchtigkeits- und Temperaturregulierungseigenschaften; er ist leicht und flexibel, aber dennoch äußerst langlebig, und zudem bemerkenswert feuerbeständig sowie resistent gegen Schimmel und Parasiten-/Insektenbefall.

Hanf wächst schnell, benötigt kaum Pflanzenschutzmittel oder Dünger, und der Prozess der Umwandlung von geerntetem Hanf in Baumaterial ist einfach und unschädlich für die Umwelt. Daher wollen wir uns auf Hanf als primären Bestandteil unseres hypothetischen Ökohauses konzentrieren – und wenn Sie mehr über seine Vorzüge und Nachteile im Vergleich zu anderen Ökobaustoffen erfahren möchten, lesen Sie doch einmal diese informative Quelle.

Wie müssen wir nun vorgehen, um diese Pläne zu verwirklichen?

Das Konzept des Kaufs eines Fertighauses ist einschüchternd genug, und viele sind schlicht überfordert, wenn sie auch noch die Verantwortung für seinen Aufbau übernehmen sollen. Aber wenn die Bedingungen stimmen, kann man damit eine Menge Geld sparen, und außerdem ist es die ideale Methode, um sicherzustellen, dass Sie genau das Heim erhalten, das sie sich wünschen.

Wir haben hier nicht die Absicht, einen vollständigen Leitfaden zum Bau eines Ökohauses aus Hanf zu liefern; vielmehr wollen wir den Lesern eine allgemeine Anleitung für die grundlegenden Erwägungen und Vorgehensweisen bieten, die für einen guten Start unverzichtbar sind.

Hanfbeton muss über einen Rahmen aus Holz oder Stahl gelegt werden (© stuff tara has seen)Hanfbeton muss über einen Rahmen aus Holz oder Stahl gelegt werden (© stuff tara has seen)

Planung & Budgetierung Ihres Hanfhauses

Die Planung des Budgets steht natürlich an erster Stelle. Sofern Sie nicht schon über Kenntnisse in Bezug auf den Häuserbau verfügen (oder in der glücklichen Lage sind, einen Freund oder Verwandten mit einem Bauunternehmen zu haben!), werden Sie wohl Geld für einen Architekten lockermachen müssen – das sollten Sie also in Ihren Ausgaben einplanen.

Im Allgemeinen belaufen sich die Kosten für Architekten auf rund 10-15 % der gesamten Baukosten, aber diese können je nach Ihrem Standort und Plan unterschiedlich ausfallen. Hier nennen wir einen in Großbritannien ansässigen Architekten, der auf Hanf spezialisiert ist; in Ihrer Region finden Sie sicherlich ähnliche Spezialisten.

Der Architekt erstellt einen Entwurf Ihres Hauses, unter Berücksichtigung der von Ihnen gewünschten Zahl der Räume und Etagen. Was die Nachhaltigkeit betrifft, ist ein kleineres Haus im Allgemeinen von Vorteil – es reduziert buchstäblich den Abdruck auf dem Boden, senkt die Kosten für Baumaterialien und vermindert die langfristigen Kosten für Heizung und Instandhaltung des Hauses. Tatsächlich werden sogenannte „Minihäuser“ zurzeit sowieso immer beliebter, wenn Sie so ein Haus also an Ihre Bedürfnisse anpassen können, bauen Sie es!

Schauen Sie mal auf die Partnerliste der Internationalen Hanfbau-Vereinigung, um sich für den Anfang mit ein paar Ideen und Optionen vertraut zu machen, und wenn Sie einen zuverlässigen Fachmann in Ihrer Region kennen, melden Sie dies doch einfach im Kommentarfeld – das wäre sicher eine große Hilfe für Gleichgesinnte in Ihrer Gegend.

Außerdem ist es eine gute Idee, vor dem Grundstückskauf einen grundlegenden Plan zu haben; der Plan kann immer noch den Erfordernissen des Standorts angepasst werden, wenn Sie dies wünschen. Aber selbst wenn es nur ein grundlegender Plan ist – damit können Sie die auf Sie zukommenden Kosten weit effektiver kalkulieren.

Hanfbeton ist eine Mischung aus Hanfwerg, Kalk und Wasser (© leighblackall)Hanfbeton ist eine Mischung aus Hanfwerg, Kalk und Wasser (© leighblackall)

Wie Sie den richtigen Standort für den Bau Ihres Hanfhauses finden

Der nächste wichtige Schritt besteht darin, den geeigneten Standort für den Bau Ihres Hanfheimes zu finden. Das hängt vor allem von den regionalen Gesetzen, Vorschriften, Preisen und dem verfügbaren Baugrund ab. Überlegen Sie gut, bevor Sie einen Standort wählen. Internetquellen helfen Ihnen möglicherweise, ein geeignetes Grundstück zu finden – beispielsweise beschreibt diese Anleitung, wie Einwohner Großbritanniens Bauland finden und erwerben können.

Ein bereits bebautes Grundstück kann die beste Option sein – zum Beispiel könnte ein altes, baufälliges Cottage abgerissen und durch ein weit langlebigeres und nachhaltigeres Haus ersetzt werden.

In manchen europäischen Ländern, wie in Spanien und Italien, wurden ganze Dörfer und Kleinstädte verlassen, zum Teil aufgrund der Schwierigkeit, sie ans Stromnetz anzuschließen – aber wenn sie zu netzunabhängigen Gemeinschaften umfunktioniert werden könnten, würden sie zahlreiche Probleme auf einmal lösen.

Diese Vorgehensweise wird für gewöhnlich bei der Bebauung von unerschlossenem Land bevorzugt – doch man kann kaum von einem Ökohaus sprechen, wenn die Lebensräume unzähliger Vögel und Insekten wegen seines Baus zerstört werden!

Alte Industriegebiete könnten ebenfalls in Betracht gezogen werden (alles, was Stadtgebiete „grüner“ macht, ist in dieser Phase eine Überlegung wert), aber da diese oft mit Industriemüll verseucht sind, kommen sie eher für langfristige Projekte infrage, bei denen es einige Jahre vor der Bebauung um die Phytosanierung des Bodens durch Hanf geht. Viele Menschen möchten ihre eigenen Lebensmittel direkt neben ihrem Ökohaus anbauen, daher ist es in diesen Fällen besonders wichtig, dass der Boden sauber und gesund ist!

Wenn Sie gerade dabei sind, ein Grundstück zu erwerben (sorgen Sie dafür, dass Sie eine Planungsgenehmigung von Ihrer lokalen Behörde haben, BEVOR Sie in Land investieren), sollten Sie Ihre Strategie so anpassen und verfeinern, dass Ihr Budget nicht überschritten wird, und einen möglichst effektiven Gebrauch von den verfügbaren Mitteln machen.

Vielleicht planen Sie, Ihre Stromanschlüsse vom Versorgungsnetz legen zu lassen (immerhin gibt es immer mehr Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energien), aber viele Menschen, die am Bau eines Ökohauses interessiert sind, legen Wert darauf, ihren Energiebedarf selbst zu decken. Deshalb sollten Sie Ihre diesbezüglichen Optionen und Kosten überprüfen – zum Beispiel Sonnenkollektoren, passive Solarheizungen, Recyclingsysteme für Abwässer, Regenwasserspeicher, Windturbinen und sogar Micro-Hydro-Systeme (Kleinwasserkraftwerke).

Lesen Sie dazu mal die Blog-Tipps für Minihäuser zur Erzeugung sauberer Energie durch und sehen Sie sich dieses Posting „Machen Sie Gebrauch von“ näher an, um mehrere Optionen eingehend untersuchen zu können.

Die Kosten der Installation solcher Technologien sind drastisch gesunken, und die Versorgung eines kleinen Hauses mit 100 % erneuerbaren, sauberen Energien dürfte somit leichter sein, als Sie glauben!

Pläne für neue Wohnhäuser auf Hanfbasis im schottischen Hochland (© achabeag.co.uk)Pläne für neue Wohnhäuser auf Hanfbasis im schottischen Hochland (© achabeag.co.uk)

Welche Materialien brauchen Sie? Und woher bekommen Sie sie?

Der nächste wichtige Punkt ist die Bezugsquelle Ihrer Materialien und deren Besorgung. Zumeist werden Sie Hanfbeton über einem Holzrahmen verwenden, aber Sie können auch Stahl- oder Betonrahmen benutzen. Der große Nachteil von Hanfbeton besteht darin, dass er nicht tragfähig genug ist, um Dächer oder mehrere Stockwerke ohne Rahmen abzustützen. Im Allgemeinen werden Sie auch auf Betonfundamenten arbeiten, da Hanfbeton für Fundamente nicht geeignet ist.

Was ist Hanfbeton eigentlich? Es handelt sich um eine simple Mischung von Hanfwerg, auch bekannt unter der Bezeichnung „Schäben“ oder „Kerne“- also das holzige Innere des Hanfstamms, das übrigbleibt, wenn alle Fasern entfernt wurden -, mit Kalk und Wasser. Im Bauwesen bezieht sich „Kalk“ auf Kalziumoxid und Kalziumhydroxid, die aus Kalkstein und Kreide gewonnen werden. Mischungen aus Wasser, Naturfasern und Kalk, der die Fasern miteinander verbindet, sind jahrtausendelang beim Bau nachhaltiger Häuser verwendet worden.

Wo können Sie Hanfbeton denn nun kaufen? Wenn Sie sich für ein Unternehmen entschieden haben, das sich auf den Hanfbau spezialisiert hat, führt es wahrscheinlich alle Materialien, die Sie brauchen, und hat gebrauchsfertige Blöcke und Paneele im Angebot. Beispielsweise bietet der niederländische Hanfhersteller Hempflax eine große Bandbreite von gebrauchsfertigen Hanfblöcken und -paneelen sowie einen Beratungsservice, der Schritt für Schritt erklärt, wie sie anzuwenden sind.

Andernfalls können Sie sich nach Hanfwerg-Anbietern umsehen und Paletten oder Lastwagenladungen des Wergs kaufen und dann selbst mischen – ein relativ einfaches Verfahren, das jedoch den Gebrauch eines großen „Zwangsmischers“ erfordert (der einem konventionellen Trommelmischer, der nicht die gleichmäßigste Mischung gewährleistet, vorzuziehen ist).

Wenn Sie Ihren Hanfbeton selbst mischen wollen: Die Kosten hierfür können stark schwanken, je nach lokaler Verfügbarkeit und den jeweiligen Vorschriften. So kann 1000 kg (2200 Pfund) unverarbeitetes Hanfwerg rund $ 1100 in den USA (€ 980) kosten, wo der Hanfanbau noch immer nicht vollständig legal ist, und nur € 340 in Italien ($ 380), wo Hanf seit Jahrzehnten legal ist.

Hier finden Sie einen exzellenten Leitfaden, wie Sie Hanfbeton selbst mischen können, sowie Empfehlungen für die richtigen Hanf-Kalk-Wasser-Anteile (die äußerst wichtig sind, um die Wasserabdichtung und Haltbarkeit sicherzustellen) und Tipps zur Verbauung von Hanfbeton (sogar bis hin zur Zahl der pro Projekt benötigten Stunden/Arbeitskräfte).

Verlassene Städte und Dörfer könnten mit Hanf neu gebaut werden (© shewgaze)Verlassene Städte und Dörfer könnten mit Hanf neu gebaut werden (© shewgaze)

Könnten Sie in einer auf Hanf basierenden Öko-Gemeinschaft leben?

Wenn Sie darüber nachdenken, ein Hanfhaus zu bauen, werden Sie feststellen, dass Sie mit diesem Gedanken in Ihrem Wohnort nicht alleine sind. In diesem Fall könnten Sie womöglich mit diesen Leuten kooperieren, um die benötigten Materialien en gros zu günstigeren Preisen zu kaufen und relevantes Wissen in Bezug auf Hanf und Ihren Wohnort auszutauschen.

Vielleicht gibt es sogar schon örtliche Gruppen oder Gemeinschaften, denen Sie sich anschließen können; oder Sie haben die Möglichkeit, eine neue Organisation aus Gleichgesinnten zu gründen, um beim Bau von Ökohäusern zusammenzuarbeiten, oder sogar, um ganz neue, netzunabhängige Gemeinschaften ins Leben zu rufen! Hanf könnte somit die ideale Basis für langfristige, netzunabhängige, nachhaltige Gemeinschaften darstellen, da auf nur einem Hektar Land genug Hanfwerg für ein 135 m2 (1,450 square feet) großes Haus geerntet werden kann. Es kann auch auf dem Baugrundstück oder in dessen Nähe angebaut werden, um noch mehr Transportkosten zu sparen!

In vielen Ländern der Welt sind hierfür schon Präzedenzfälle geschaffen worden. So dient Hanfbeton in der kleinen schottischen Siedlung Achabeag als Grundlage für den geplanten Bau von zwanzig Ökohäusern; die ersten zwei Prototypen sind bereits fertiggestellt worden. Die Planer hoffen, dass Achabeag „als Vorbild für neue, nachhaltige Gemeinschaften in ganz Nord- und Westschottland fungieren wird“.

Hanfbeton wurde in den 1980er-Jahren in Frankreich entwickelt. Es basierte auf einer wiederentdeckten historischen Rezeptur, deren Gebrauch in früheren Jahrhunderten weit verbreitet war. Seitdem die heutige Form des Materials von dem französischen Unternehmen Isochanvre entwickelt wurde, diente es als Basis für über 250 Häuser in verschiedenen Orten in ganz Frankreich.

Heute gibt es Hanfhäuser in Großbritannien, Italien, Frankreich, Belgien, der Schweiz, den Niederlanden sowie in den USA, Kanada und in vielen anderen Ländern der Welt. Zurzeit führt die University of Bath in Großbritannien eine dreijährige Studie durch, in der vorgefertigte Hanfbeton-Paneele entwickelt werden sollen, die das Bauen mit Hanf künftig noch einfacher machen könnten!

Gegenwärtig sind die Kosten für Hanf mit denen von konventionellen Baustoffen vergleichbar, und darüber hinaus ist er so häufig empfohlen worden, dass er jetzt ernsthaft in Erwägung gezogen werden sollte. Und da die Hanfindustrie expandiert und Hanf immer beliebter wird, werden die Kosten wahrscheinlich sinken, und Bauen mit Hanf wird noch erschwinglicher werden!

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