Wie Cannabissamen-Schmuggler die heutige Branche beeinflusst haben

Schmuggler Seitdem Menschen Cannabis kennen gelernt und seine vielen Vorzüge entdeckt haben, haben wir die Pflanze und ihre Samen mitgenommen, wenn wir in unbekannte Länder reisten und sie besiedelten. Über Jahre hinweg haben unzählige engagierte Personen und Gruppen für den Schmuggel von Cannabissamen ihre Freiheit riskiert.

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Seit der Zeit, als Menschen Cannabis kennen lernten und seine vielen Vorzüge entdeckten, haben sie die Pflanze und ihre Samen stets mitgenommen, wenn sie in unbekannte Länder reisten und sich dort ansiedelten.   Auf diese Weise haben die Menschen jahrtausendelang Cannabis über den Erdball verbreitet – und erst in den letzten rund hundert Jahren wurde dies auf einmal zu einer illegalen Praxis.

Doch trotz der Risiken, die mit dem Verbot verbunden sind, ist der globale Handel mit Cannabis und Cannabissamen niemals in Gefahr gewesen, zum Erliegen zu kommen. Und in all den Jahren haben unzählige engagierte Personen und Organisationen ihre Freiheit und sogar ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um Cannabis zu schmuggeln – oft wegen des Profits, aber ebenso oft wurden sie auch nur von dem Wunsch beseelt, das wertvolle Kraut mit denen zu teilen, die es schätzen.

Die Geschichten von Schmugglern alter Schule aus den 1960er- und 70er-Jahren sind in der Kifferkultur unserer Tage legendär; tagtäglich kann man von ihren Heldentaten und den gewaltigen Profiten lesen, die sie einkassiert haben. Aber das ist nicht das Hauptthema dieses Artikels.    Hier wollen wir uns vor allem mit der äußerst wichtigen – jedoch oft übersehenen – Rolle beschäftigen, die die Samenschmuggler bei der Entstehung der Cannabisbranche spielten, wie wir sie heute kennen.

Die Ursprünge des Cannabissamen-Sortiments

Die ersten Begegnungen der Menschheit mit Cannabis verlieren sich im Dunkeln der Vorgeschichte, aber es wird allgemein angenommen, dass wir schon vor dem Ende des Paläolithikums (Altsteinzeit) mit der Nutzung der Pflanze begonnen haben, also vor rund 10.000 Jahren.  Man vermutet, dass Cannabis ursprünglich in Zentralasien beheimatet war und dass die halbnomadischen Stämme, die seine Anwendungsmöglichkeiten zuerst entdeckten, bald mit seinem Anbau begannen.

In dem wegweisenden Werk Cannabis: Evolution and Ethnobotany (Clarke und Merlin, 2013) wird darauf hingewiesen, dass Cannabis eine der ersten Pflanzen war, die der Mensch bewusst angebaut hat, und dass es sogar eine fundamentale Rolle bei der Entwicklung der sesshaften Landwirtschaft spielte.

Wenn die Kultivierung einer Pflanze einmal begonnen hat, folgen bald danach mit Sicherheit Selektionsprozesse, um gute Ernten zu gewährleisten.   Dann werden die größeren, wohlriechenderen Pflanzen ausgewählt, solche, die bessere Fasern bzw. Öl erzeugen oder die einen aufregenden, berauschenden Effekt hervorrufen – seit Anbeginn der Landwirtschaft haben Cannabisbauern jahrtausendelang aus Dutzenden von Gründen das Erbgut ihrer Pflanzen verbessert.

Die Verbreitung der Cannabissamen

Samen sind also wertvoll für die Menschheit, und zwar schon seit Tausenden und Abertausenden von Jahren. Daher neigen wir Menschen dazu, unsere Samen mitzunehmen, wenn wir in ein anderes Land einwandern und uns dort ansiedeln, wie es in unserer Geschichte immer wieder geschehen ist.

Natürlich gilt das nicht nur für Cannabis – schließlich haben wir im Laufe von vielen Generationen alle möglichen Obst- und Gemüse-Cultivare entwickelt, die ein lebenswichtiger Bestandteil unseres menschlichen Kulturerbes sind. Um dieses Erbe zu erhalten, ist die Bewahrung der Samen unbedingt erforderlich, da die menschlichen Gemeinschaften ständig entwurzelt und neu angesiedelt werden.  Samen sind klein, leicht zu transportieren und zu lagern; und sie können darüber entscheiden, ob eine Gemeinschaft überlebt oder ganz zugrunde geht.

Das Überleben ist im Falle von Cannabis leichter, weil es sich um eine ungeheuer anpassungsfähige Pflanze handelt. Sie hat in so gut wie jedem Teil der Erde, den sie erreicht hat, Wurzeln geschlagen und neue Populationen hervorgebracht.  Die ihr eigene phänotypische Formbarkeit – in Verbindung mit unserer Bereitwilligkeit, ihre Entwicklung zu unterstützen – hat uns die riesige Diversität an Genen beschert, die wir heute genießen.

So hat sich Cannabis in den letzten zehntausend Jahren von Zentralasien aus in alle Himmelsrichtungen ausgebreitet – nach Süd- und Südostasien, wo es riesige tropische Strauchsorten entwickelt hat; nordwärts auf die Pole zu, wo die Wuchshöhe und der Cannabinoidgehalt mit jedem Breitengrad schrumpften, den es sich weiter von den gemäßigten Zonen entfernt hat; und westwärts nach Europa, Afrika und schließlich nach Amerika, wo es sich in eine große Vielfalt verschiedener Biotypen für Hunderte von Anwendungen aufgegliedert hat.

Wo ist Cannabis angekommen, und wie geschah das?

Diese exzellente Grafik von Barney Warf von der University of Kansas (Autor von High Point: An Historical Geography of Cannabis) veranschaulicht die Verbreitung von Cannabis von seinem mutmaßlichen Ursprung in Zentralasien aus.

Sensi SeedsDie Ausbreitung von Cannabis von seiner mutmaßlichen Heimat Zentralasien aus (© Barney Warf, University of Kansas)

Um 2000 v. Chr. hatte Cannabis Südindien, Ostchina, Japan, den Nahen Osten sowie Teile von Ost- und Nordeuropa erreicht.  Um 800 n. Chr. hatte es Nordafrika überquert und begann, sich in Südeuropa auszubreiten; und um 1200 n. Chr. hatte es schließlich Großbritannien erreicht. Ab dem 12. Jahrhundert führten arabische Händler Cannabis in Ostafrika ein, von wo es sich dann im 15. Jahrhundert um das Kap herum und in Westafrika ausbreitete.

Man nimmt an, dass viele Afrikaner, die im Zuge des transatlantischen Sklavenhandels zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert aus ihren Heimatländern verschleppt wurden, Cannabissamen mitnahmen, als sie in die Karibik und nach Südamerika kamen. Um das frühe 20. Jahrhundert hatte Cannabis auch die USA erreicht – gerade rechtzeitig, um in eine rapide zunehmende Feindseligkeit und den Aufstieg der Verbotsbewegung hinein zu geraten.

Verbot und globaler Handel mit Cannabissamen

An der Wende des 20. Jahrhunderts hatten die Regierungen rund um den Globus in Bezug auf Cannabis eine überaus negative Einstellung entwickelt, und in den folgenden Jahrzehnten übernahmen zahlreiche Staaten die Anticannabis-Gesetzgebung.  In den USA wurde Cannabis 1937 durch den Erlass des Marihuana Tax Acts effektiv verboten, da die Erzeuger nun unerschwinglich hohe Steuern für den Cannabisanbau zahlen mussten.

1961 wurde Cannabis nach internationalem Recht für illegal erklärt, und zwar infolge des UN-Einheitsabkommens über Betäubungsmittel. Nach dem Einheitsabkommen war der Handel mit Cannabissamen nicht verboten, aber viele Länder haben ihn dann doch verboten oder eingeschränkt – beispielsweise die USA, die den Import von nicht-sterilisierten Hanf- oder Cannabissamen verbieten, sofern er nicht speziell durch die DEA lizenziert ist.

Dennoch konnte keines dieser Gesetze das wachsende Interesse an Cannabis stoppen, und natürlich haben sie auch den internationalen Handel mit Cannabissamen nicht beendet, der sich entwickelte, als Grower und Züchter immer stärker nach neuen Sorten verlangten.

Allerdings war die Entwicklung der modernen Cannabisbranchen in den USA, den Niederlanden, in Spanien und in jedem Land, in dem kein cannabinoidreiches Cannabis beheimatet war, in hohem Maße von dem (oftmals illegalen) Transport der Samen aus den Regionen abhängig, in denen Cannabis von Natur aus wuchs.

Diese Branchen entstanden größtenteils in den 1960er- und 70er-Jahren, und die Samen, aus denen sie entsprangen, kamen über den berühmt-berüchtigten Hippie Trail – eine niemals unterbrochene Seidenstraße aus der Verbotsära, die sich von Südostasien bis nach Westeuropa erstreckte; mit Stationen in Indien, Nepal, Afghanistan und der Türkei.

Die Bruderschaft der Ewigen Liebe und der Hippie Trail

Die wohl verrufenste aller Drogenschmugglerbanden in der Glanzzeit des Hippie Trails, die Brotherhood of Eternal Love (Bruderschaft der Ewigen Liebe), war eine kalifornische Schmugglerorganisation, die in den 1960er- und 70er-Jahren aktiv war – sie wurde so berüchtigt, dass ihr der Spitzname „the Hippie Mafia“ verliehen wurde.

Sensi SeedsDer „Hippie Trail” der 1960er- und 70er-Jahre erstreckte sich von Südostasien bis nach Westeuropa (© Wiki Commons)

Die Bruderschaft war vor allem dafür bekannt, dass sie asiatisches Haschisch in riesigen Mengen in die USA schmuggelte und ebenso gewaltige Mengen LSD produzierte, doch sie war auch maßgeblich an der Einführung von Samen aus Nepal, Indien, Afghanistan und Mexikobeteiligt, die dann Dutzende von Untergrund-Growingcommunities als Basis für ihre Zuchtprogramme verwendeten.

Um 1976 hatten Züchter aus Fallbrook, Kalifornien, damit begonnen, die allererste Sinsemilla (samenlose)-Cannabissorte zu erzeugen, wofür sie Samen der Bruderschaft sowie von einem namenlosen Konsortium von Thai-Stick-Importeuren aus San Diego benutzten.

Cannabissamen-Schmuggler auf der ganzen Welt

Es hat zahllose Personen und Gruppen gegeben, die seit dem nahezu weltweiten Verbot des legalen Handels Cannabissamen geschmuggelt haben. Und es ist teilweise auch ihren gemeinsamen Bemühungen zu verdanken, dass sich der Cannabishandel in vielen Ländern so gut etabliert hat.

Man sagt sogar, dass der US-Präsident Thomas Jefferson „türkische Schmuggler anheuerte”, die ihm Hanfsamen aus China bringen sollten ; diese galten damals offensichtlich als die besten der Welt. Einiges deutet darauf hin, dass er persönlich Reiskörner aus Piemont in Italien herausschmuggelte (eine Stadt, die den Export von anbaufähigen Körnern zu dieser Zeit verbot). Und es gibt jede Menge Beweise dafür, dass er Hanf anbaute, aber ein überzeugender Beweis für die oft erzählte Legende über den Hanfschmuggel lässt sich anscheinend nicht finden.

Sensi SeedsSamen waren seit den Anfängen der Landwirtschaft stets eine der wertvollsten Ressourcen der Menschheit (© „thöR)

Die Niederlande, Spanien, die USA, die Tschechische Republik und eine ständig wachsende Zahl anderer Länder besitzen Samenbänke, die ihre Existenz den Bemühungen von Menschen verdanken, die Samen über Grenzen hinweg schmuggelten und dafür ihre Freiheit aufs Spiel setzten, wobei diese Samen oft aus Ländern mit äußerst strengen nationalen Gesetzen stammten.

So ist die Existenz der heutigen Cannabisbranche in Albanien (die ihren Mittelpunkt in dem Dorf Lazarat hat und bis vor Kurzem die größte in Europa war) vermutlich auf die Einführung geschmuggelter Samen aus Griechenland im Jahr 1991zurückzuführen. Bis zu ihrer effektiven Zerstörung durch Aktionen der Armee und der Polizei im Jahr 2015 hat die Cannabisbranche in Lazarat Tausende von Familien jahrelang mit einem sicheren Einkommen versorgt.

Es gibt weiterhin Verhaftungen wegen Cannabissamen

Zwar geht der generelle globale Trend zur Legalisierung von Cannabis mit einer zunehmenden Liberalisierung einher, doch viele Länder halten weiterhin an restriktiven Gesetzen fest, die sich in manchen Fällen auch auf den Handel mit Cannabissamen erstrecken.

Im Mai 2015 hat ein Berufungsgericht in Dubai einen 55-jährigen iranischen Geschäftsmann ins Gefängnis geschickt, der im Jahr davor versucht hatte, 13 kg Cannabissamen in die Vereinigten Arabischen Emirate zu importieren; er wurde zu zehn Jahren Freiheitsstrafe und zu einer Geldbuße von 50.000 UAE Dirham (etwa € 12.000) verurteilt. Und im August 2015 verhafteten die Behörden in Dubai fünf Männer in Verbindung mit einer Beschlagnahmung von über 148 kg Cannabissamen. In diesem Fall ist das Urteil noch nicht gesprochen.

Sensi SeedsOb es um die Fasern oder das Harz ging – Menschen haben Cannabisgene jahrtausendelang selektiert (© Wiki Commons)

Selbst Israel, dessen medizinische Cannabisbranche in weiten Teilen der Welt gelobt wird, hat strenge Gesetze in Bezug auf Cannabissamen.   So wurde berichtet, dass 2012 ein 32-jähriger Mann verhaftet wurde, nachdem die Polizei eine Samenpackung beschlagnahmt hatte, die online aus Großbritannien bestellt worden war. Das Bemerkenswerte an diesem Fall ist, dass die Polizei mit einem Haftbefehl aufgrund der Beschlagnahmung der Samen gekommen ist, obwohl gleichzeitig Cannabis und Cannabispflanzen im Besitz des Mannes gefunden wurden.

Aber einer der berühmt-berüchtigsten und am häufigsten verhafteten Verkäufer von Cannabissamen ist natürlich der Kanadier Marc Emery, der seit 1995 mehrere Gefängnisstrafen wegen Online-Samenverkaufs überstanden hat. Die letzte war eine fünfjährige Gefängnisstrafe, zu der ihn ein Bundesgericht in Seattle verurteilt hat, nachdem er in einer gemeinsamen Aktion Kanadas und der USA schließlich an die USA ausgeliefert worden war.  Allerdings hat Emery stets betont, dass er seine Geschäfte ausschließlich auf kanadischem Territorium durchgeführt habe; ihn als „Schmuggler“ zu bezeichnen, dürfte also nicht ganz korrekt sein.

Zwar versendet Sensi Seeds keine Samen in Länder, deren Gesetze dies verbieten, und empfiehlt auch keine Schmuggelversuche von irgendwelchen illegalen Materialien, aber es findet die Bemühungen der  Personen und Gruppen, die dies über Jahre hinweg getan haben, anerkennenswert. Denn sie haben damit oft große Risiken auf sich genommen und oft  kaum oder gar nicht davon profitiert (oder beides), und haben auf diese Weise zum Entstehen der Branche in ihrer heutigen Form beigetragen.

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