Wer profitiert von dem Cannabisverbot?


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Cannabisverbot Mit dem Cannabisverbot wollte man die Gesellschaft vor Gefahren wie Mord, Chaos, Sucht und dem umfassenden Zusammenbruch schützen, wie es von Politikern bis hin zu Elternbeiräten verkündet wurde. Knapp ein Jahrhundert später hat es aber genau die Probleme verursacht, die es lösen sollte. Wer also profitiert wirklich von dem Cannabisverbot?

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Menschen, die gegen Cannabis eingestellt sind, neigen dazu, als erste Antwort auf diese Frage „der Drogenhändler“ zu sagen. Ihre Vorstellung davon ist grundsätzlich meistens eine Furcht einflößende, schattenhafte, durch Straßenlaternen kaum erhellte Figur, eine Silhouette mit der unvermeidlichen Kapuze und Kappe, die den ersten Schuss kostenlos verteilt, um so weitere, arglose Opfer in ihr Netz des Schreckens zu locken. Besser informierte und weniger für Propaganda empfängliche Leute brauchen einen Augenblick, um sich daran zu erinnern, dass „Drogenhändler“ auch für den lässigen Gärtner verwendet wird, der umsichtig „sortiert“. Solche Leute tragen auf Festivals meistens ein Seejungfrauenkostüm, treiben sich an der Imbissbude herum und fragen freundlich, ob jemand Hasch kaufen möchte, für seine Freunde oder auch für sich selbst.

Das Stereotyp eines „Drogenhändlers“Das Stereotyp eines „Drogenhändlers“

Es gibt viele „Drogenhändler“, die einzig und allein Cannabis anbieten (meist aus Gründen der Ethik, der persönlichen Sicherheit oder weil sie ihr Produkt selbst angebaut haben) und nach dem Grundsatz handeln: „Bei mir gibt es entweder Gras oder Hasch oder nichts“. Diese Gruppe profitiert nicht von dem Cannabisverbot; es schadet ihr sogar. Die andere Gruppe ist ein nicht sonderlich fest in der Realität verwurzeltes Stereotyp, jedenfalls wenn wir von Leuten sprechen, die nur mit Cannabis handeln, und es wird kaum zutreffender, wenn die gemeint sind, die auch geringe Mengen anderer Drogen anbieten. Noch andere Drogenhändler bieten eine größere Bandbreite von Substanzen an. Wenn eine ausgegangen ist, stellen sie eine andere zum Verkauf (eine Praxis, die auch zum Mythos von Cannabis als einer Einstiegsdroge beiträgt). Häufig sind es aber nicht einmal diese Leute, die problematisch sind oder den größten Vorteil aus dem Cannabisverbot einstreichen. Sie sind vielmehr nur die Verkäufer für organisierte kriminelle Gruppen. Erst wenn es um den Vertrieb großer Mengen geht, wird die Sache gefährlich, und je mehr Geld dabei im Spiel ist, desto größer werden die Gefahren.

Organisierte kriminelle Gruppen profitieren ganz sicher vom Cannabisverbot

So lange es illegal ist, wird Cannabis für das organisierte Verbrechen interessant bleiben. Warum sollte das bei einer stetigen Nachfrage, steuerfreien Gewinnen und einer nicht durch Vorschriften belasteten, relativ einfachen Produktion auch anders sein? Der EU-Drogenmarktbericht 2016 stellt fest, dass „der geschätzte Umfang des Einzelhandelsmarktes für Cannabis in der EU 2013 über 9,3 Mrd. Euro betrug, wobei die wahrscheinliche Bandbreite zwischen 8,4 und 12,9 Mrd. Euro lag. Das ist etwas weniger als zwei Fünftel des gesamten illegalen Drogenmarkts.“

Die Parallelen zwischen dem derzeitigen Status von Cannabis und demjenigen Status von Alkohol während der Prohibition in den USA sind offensichtlich. Die Mafia und vergleichbare Gruppen handeln heute nicht mehr mit Alkohol, weil er für sie keinen ausreichenden Profit abwirft. Ihre Methoden sind unethisch, skrupellos und von rücksichtsloser Effizienz. Sie ziehen diejenigen an, denen das schnelle Geld sehr viel mehr bedeutet, als die Qualität des Produktes, sichere und menschenwürdige Arbeitsbedingungen und sogar das Leben von Menschen. Kriminelle Organisationen sind auch nur zu gerne bereit, den Kredit für geliefertes Cannabis bei denjenigen zu verlängern, die keine Rückzahlung leisten können, um sie dann zu Taten zu zwingen, die sie sonst niemals tun würden, nur um die Schulden zu begleichen. Die illegale Cannabisproduktion im großen Maßstab führt zu hohen Beständen an Bargeld, das in den schwarzen Markt zurück fließt, früher oder später gewaschen und oder für die Finanzierung von Aktivitäten verwendet wird, die weitaus schädlicher sind als der Anbau von Cannabispflanzen.

Terroristen profitieren von dem Cannabisverbot

Organisierte Drogenkartelle sind aber nicht die einzigen Gruppen, die von dem illegalen Status von Cannabis profitieren. Neue Beweise der italienischen Polizei legen nahe, dass ISIS und die italienische Mafia beim Transport von Cannabis von Nordafrika nach Europa zusammenarbeiten. Franco Roberti, der Leiter der nationalen Anti-Mafia- und Antiterrorismus-Einheit Italiens, erklärte im April dieses Jahres, dass ISIS erhebliche Teile der europäischen Haschisch-Schmuggelroute in Libyen und rund ums Mittelmeer kontrolliert. Die terroristische Organisation erzielt offenbar etwa 7 % ihrer Finanzmittel aus dem Drogenhandel, obwohl Cannabis (und andere Rauschmittel) nach der Scharia strikt verboten sind. Im Koran (Sure 5:90) heißt es: „Rauschmittel … sind nichts als vom Satan stammender Schmutz. Vermeide [sie] also, damit du erfolgreich sein kannst.“ Ajatollah Ali Khamenei, eine geistliche Autorität und derzeitiges Oberhaupt der Islamischen Republik Iran, schreibt in seinem Buch Praktische Gesetze des Islam: „Es ist haram [aus religiöser Sicht verboten], Betäubungsmittel in irgendeiner Form zu nehmen. … Ebenso ist es haram, mit Betäubungsmitteln in irgendeiner Form zu handeln, d.h. sie zu befördern, transportieren, lagern, verkaufen, kaufen usw.“ (Offenkundig ist das Tun von ISIS aus muslimischer Sicht also ungeheuerlich.) Franco Roberti vertritt in seinem Buch Das Gegenteil der Furcht die Auffassung, dass eine Aufhebung des Cannabisverbots eine bessere Taktik als die seine Verschärfung wäre: „Eine Entkriminalisierung oder sogar Legalisierung wäre definitiv eine Waffe gegen Rauschgifthändler, unter denen sich auch Terroristen befinden könnten, die sich damit Geld verschaffen.“

Dies ist kein neues Phänomen, und bisweilen wird der finanzielle Aspekt dieser Geschäfte einfach vernachlässigt. Schon im Jahr 2002 vereitelten aber US-Behörden den Versuch von einem US-Bürger und zwei Pakistanis, Tonnen von Haschisch und Heroin gegen Stinger-Raketen zu tauschen, die sie dann der Al-Kaida verkaufen wollten.

Der Waffenhandel profitiert von dem Cannabisverbot

Terroristische Organisationen möchten sich bis an die Zähne bewaffnen. Ganz offenkundig fließt ein großer Teil ihrer Profite aus der Kontrolle des Drogenhandels in den Ankauf von Waffen. Das gilt aber auch für reine Drogenkartelle wie diejenigen, die an dem blutigen Drogenkrieg in Mexiko beteiligt sind, insbesondere an der Grenze zu den USA, wo der illegale Rauschgifthandel bereits Hunderttausende Tote gefordert hat. Es ist schwierig, präzise anzugeben, wie viel von den Profiten der Drogenkartelle allein aus Cannabis stammen. Schätzungen reichen von 15 bis 60 %, aber dies beruht allein auf dem Cannabis, das von Mexiko in die USA transportiert wird, und übergeht das Cannabis, das auf US-Boden von Drogenkartellen angebaut wird.

Die Drogenkartelle werden mit Waffen versorgt, die bei dem US-Militär oder bei mexikanischen Sicherheitskräften „abgezweigt“ wurden, und außerdem mit militärischen Waffen, die in den USA legal erhältlich sind. Dazu gehören vor 1986 hergestellte vollautomatische Waffen und in 43 US-Bundesstaaten auch „Sturmgewehre“, die wenig präzise als halbautomatische Schusswaffen mit großen Magazinen definiert werden. Der Schwarzmarkthandel mit letzteren wird durch die Tatsache erleichtert, dass in den meisten US-Bundesstaaten der Verlust oder Diebstahl von Schusswaffen nicht gemeldet werden muss. Die Waffen werden dann nach Mexiko geschmuggelt, mit Drogengeldern bezahlt und manchmal auch einfach gegen Cannabis eingetauscht. In einem aktuellen Bericht der Abteilung für organisiertes Verbrechen des mexikanischen Generalstaatsanwalts (PGR) über die bei Drogenkartellen konfiszierten Waffen heißt es: „… bei drei von vier Waffen handelt es sich um leistungsstarke Langwaffen, deren legale Nutzung auf bewaffnete Streitkräfte beschränkt ist.

Über 70 % davon stammten aus den USA. Bei den beschlagnahmten sichergestellten (sic) Waffen befanden sich auch Splittergranaten, Raketen und Antipersonenminen“.

Die M134 General Electric Minigun kann bis zu 166 Schüsse pro Sekunde abgeben und darf von US-Bürgern legal erworben werden. Foto: Pedro A. RodríguezDie M134 General Electric Minigun kann bis zu 166 Schüsse pro Sekunde abgeben und darf von US-Bürgern legal erworben werden. Foto: Pedro A. Rodríguez

Die Polizeikräfte werden von der mexikanischen bzw. der US-Regierung mit Waffen ausgestattet. Zwischen 2009 und 2015 erhielt Mexiko von den USA im Rahmen der Merida-Initiative Waffen, Ausbildung und Unterstützung im Wert von über 1,2 Mrd. $. Dieser Wert soll noch auf insgesamt 2,3 Mrd. $ steigen. Darin eingeschlossen sind u.a. Black Hawk-Hubschrauber, die von Sikorsky Aircraft, einem Tochterunternehmen des weltweit größten Waffenherstellers Lockheed Martin, produziert werden. Die beiden von den Drogenkartellen am häufigsten verwendeten Langwaffen sind das AK-47 und Gewehre im Kaliber .223 wie z.B. AR-15-Gewehre. Beide Typen werden in den USA hergestellt.

Schon durch einen kurzen Blick auf dieses Schlachtfeld wird absolut klar, dass die wahren Profiteure die Unternehmen sind, die die auf beiden Seiten verwendeten Waffen herstellen und verkaufen. Ob das Geld nun von Regierungen oder von Drogenkartellen stammt, ist gleich: Ein erheblicher Teil davon wird jedenfalls durch das Cannabisverbot erzeugt und fließt in Unternehmen, die diese Instrumente des Todes liefern. Das gilt für jedes Land, das von dem Krieg gegen (einige) Drogen betroffen ist.

Die Banken profitieren von dem Cannabisverbot

Wie bewegen sich diese gewaltigen Geldbeträge? Der legale Teil des Waffenhandels kann problemlos das Bankensystem nutzen. Wie sieht es aber bei der illegalen Seite aus? Zusätzlich gibt es einen großen Geldbetrag, der aus illegalen Drogen einschließlich Cannabis stammt, aber nicht für Waffen ausgegeben wird. Der aus Filmen bekannte, und mit Geld gefüllte Aktenkoffer, der von einer Hand in die verschwitzte nächste wandert, reicht nur für kleinere Geschäfte. Wenn es aber um Beträge im Bereich von Hunderttausenden geht, funktioniert dieses Transportmittel einfach nicht mehr.

Eine kurze Geschichte der Drogengeldwäsche

In den frühen 1980er Jahren stellte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris erstmals fest, dass erhebliche, der italienischen Mafia gehörende Beträge durch das internationale Bankensystem fließen und dabei gewaschen werden. Die Financial Action Task Force (FATF) wurde gegründet, um dies zu unterbinden, was ihr auch langsam, aber sicher gelang. Auch dadurch, dass die Banken größer und globaler wurden, wurde es für illegales Geld schwerer, in diese Systeme einzudringen.

Das änderte sich in den frühen 2000er Jahren. Die erste Finanzkrise brach aus, und die FATF-Kontrollen wurden geschwächt, insbesondere in Offshore-Gebieten. Dadurch wurde es für Geldmittel aus der Drogenkriminalität wieder möglich, ihren Weg in das Bankensystem zu finden. In Mexiko wickelten die Casas de Cambio genannten Wechselstuben, die auch internationale Geldtransfers durchführten und Reiseschecks einlösten, einen Großteil ihres Geschäftes über die American Wachovia Bank ab. Diese ist jetzt in der Wells Fargo-Bank aufgegangen, gehörte aber 2004 zu den größten Banken in den USA und drückte bei großen Transaktionen beide Augen zu, selbst wenn diese in Form von Bargeldeinlagen, Reiseschecks mit fortlaufenden Nummern und mit dem Ankauf von (unter anderem) Flugzeugen über ihre Casas de Cambio abgewickelt wurden.

Die Wachovia-Bank war dabei aber nicht allein. Die HSBC-Bank wickelte ein Volumen von 376 Mrd. $ (etwa 335,8 Mrd. €) für die Wachovia-Bank ab. Als die Wachovia-Bank 2009 untersucht und ihre Aktivitäten untersagt wurden, akzeptierte und transferierte die HSBC-Bank unbekümmert weiterhin große Geldbeträge von den Drogenkartellen. Mit den Casas de Cambio, mit Banken in Mexiko und Kalifornien, die sie erworben hatte, und mit ihren eigenen Niederlassungen ermöglichte die HSBC-Bank die Drogengeldwäsche und sogar Bankgeschäfte für terroristische Organisationen.

Eine Karte, die alle Länder der Welt zeigt, in denen HSBC operiertEine Karte, die alle Länder der Welt zeigt, in denen HSBC operiert

Natürlich haben die Banken von diesem Geld profitiert. Zwischen 2008 und 2011 sahen sich Banken der globalen Finanzkrise ausgesetzt und suchten verzweifelt flüssige Mittel, die kaum mehr aus legitimen Quellen und über Interbankdarlehen zu beschaffen waren. Teils wegen der wirksamen Maßnahmen der FATF in den Vorjahren, teils wegen der Ausweitung des Krieges gegen Drogen, durch den diese immer profitabler wurden, verfügten organisierte kriminelle Gruppen jedoch über die erheblichen Barmittel, welche die die Banken so dringend benötigten.

Das sind nicht nur Vermutungen. 2009 und 2012 gab Antonio Maria Costa, Direktor des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNDOC) zwei Interviews, in denen er ausdrücklich erklärte, dass Geld aus dem internationalen Rauschgifthandel verwendet worden war, um Banken während des Finanzkollapses zu retten. Hier ein Auszug aus dem Interview mit der Executive Intelligence Review von 2012:

„EIR: Bot die Finanzkrise kriminellen Vereinigungen eine Möglichkeit, ihr Geld einzuschleusen, oder war die Finanzkrise für die Banken, eine Möglichkeit, mehr Geld aufzutreiben?

Von welcher Seite kam es?

Costa: Die Durchdringung des Finanzensektors mit kriminellen Geldern war so umfassend, dass es wahrscheinlich korrekter wäre, zu sagen, dass es nicht die Mafia war, die versuchte, in das Bankensystem einzudringen, sondern die Banken selbst, die aktiv nach Kapital und dabei auch nach kriminellen Geldmitteln suchten, und dies nicht nur als Einlagen, sondern auch für den Erwerb von Beteiligungen und in manchen Fällen sogar mit einer Präsenz in Vorständen.“

Und 2009 erklärte er, dass dieses Schwarzgeld „das einzige flüssige Investmentkapital“ war, das einigen 2008 an der Schwelle zum Kollaps stehenden Banken zur Verfügung stand, und dass deshalb der größere Teil der 352 Mrd. $ (314 Mrd. €) umfassenden Drogengewinne von dem Wirtschaftssystem selbst wieder aufgesogen wurde. Gleich ob wissentlich oder nicht, hat demnach das gesamte weltweite Bankensystem vom Cannabisverbot profitierte, von den CEOs bis hin zu den Kassierern von dem Cannabisverbot.

Wer würde profitieren, wenn Cannabis legal wäre?

 So lang und ernsthaft dieser Artikel auch ist, wirft er an dieser Stelle Fragen auf, die viel Phantasie erfordern: In welchem Zustand hätte sich die Wirtschaft damals befunden und in welchem Zustand würde sie sich heute befinden, wenn der Handel mit Cannabis legal wäre? Wenn die gigantischen Geldmittel daraus also einlagen legal und deshalb zu versteuern wären? Wie viel von dem Geld, das derzeit für die Bewaffnung von staatlichen Sicherheitskräften ausgegeben wird, die den Krieg gegen Drogen führen, könnte für Schulen, das Gesundheitswesen und für kommunale Einrichtungen verwendet werden? Wen möchten wir lieber als Profiteur sehen – ethisch handelnde landwirtschaftliche Kooperativen oder Waffenhersteller? Und meinen Sie nach der Lektüre dieses Artikels immer noch, dass die an vorderster Front stehenden „Drogenhändler“ tatsächlich diejenigen sind, die von dem Cannabisverbot profitieren? Teilen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren mit.

 

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