Waldmeister, Galium odoratum

Ethnische Namen:

Herzensfreude, Gliedkraut, Magerkraut, Unser lieb Frau Bettstroh, Sternleberkraut, Woodruffasperule (E), Aspérule odorante (F), Caglio odoroso (I), Lievevrouwebedstro (NL).

Kurzbeschreibung:

10-20 cm hoch mit einer kriechenden Sproßachse und mit in 7 bis 8 zählig als Quirl angeordnet sitzenden, lanzettigen Blättern. Die kleinen Blüten sind meist weiß, selten rötlich und haben eine trichterartige Form. Sie sind in Doldentrauben angeordnet. Blütezeit ist Mai. Die Früchte haben hakige Borsten. Der ab und an geäußerste Hinweis, Waldmeister würde sich nur über die Wurzelstöcke und Klonung verbreiten, ist wohl eher ein Märchen, auch wenn sich seine Vermehrung auf diese Weise sicher einfacher gestaltet.

Inhaltsstoffe:

Im Waldmeister ist Cumarin, welches eigentlich als Cumaringlykosid vorliegt. Beim Trocknen wird erst das Cumarin abgespalten, welches dem Waldmeister erst seinen Duft und seine Wirkung gibt. Weitere Inhaltsstoffe des Waldmeisters sind: Asperulosid (ein weiteres Glykosid) und Bitter- sowie Gerbstoffe. Cumarin ist in vielen Pflanzen enthalten und dient in der Medizin als Baustein synthetischer Antibiotika (z.B. Novobiocin) und gerinnungshemmender Mittel (Antikoagulantien, z.B. Marcumar, Sintrom; verschreibungspflichtig).

Cumarin

Droge:

Waldmeisterkraut (Galii odoratae herba); das vor oder bei beginnender Blütezeit gesammelte Kraut wird an kühlem schattigem Ort schnell getrocknet. Geruch nach Cumarin, Geschmack würzig, bitter, herb [Roth, Daunderer … 1994].

Wirkungen:

Die Wirkung des Waldmeisters ist direkt von seinem Cumaringehalt abhängig. In Maßen verwendet, ist es ein Stimmungsaufheller und kann helfen, Kopfschmerzen zu vertreiben, Waldmeister ist ein leichtes Beruhigungsmittel, welches auch die Herztätigkeit etwas regulieren kann. Dem Waldmeister werden auch entzündungshemmende, Verdauungsfördernde und gefäßerweiternde Eigenschaften zugesprochen. Wird Waldmeister in zu großen Mengen zugeführt, so stellen sich unangenehme Wirkungen des Cumarin ein. Es wird von Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafsucht bis hin zu lebensbedrohlichen Wirkungen wie Atemlähmungen berichtet.

(Volks)medizin:

Waldmeister ist keine offizielle Heilpflanze, wurde aber als Hauptanwendungsfall lange als Entzündungshemmer, Kopfschmerzmittel und Beruhigungsmittel genutzt.

Weitere Anwendungen:

✧ Kopfschmerz und Migräne

✧ Verdauungsbeschwerden

✧ Magenschmerzen

✧ Leberentzündungen

✧ Gebärmutterentzündung

✧ Beschwerden in der Menstruationspause

✧ Harnsteinbildung

✧ Wassersucht

✧ Krämpfe

✧ Gefäßverengung, Krampfadern

✧ Entzündungen

Die medizinische Nutung wurden folgendermaßen vorgeschlagen [Müller, 1937]:

„Das Kraut, zerdrückt und auf hitzige Geschwülste, Beulen und Geschwüre gelegt, nimmt die Hitze und zeitigt alles, was aufbrechen muss, um die Stirn gebunden stillt es das Kopfweh. Der daraus bereitete Maitrank wirkt sehr blutreinigend. Das daraus destilllierte Wasser kühlt innerliche Hitze, stärkt die Nerven und führt Gries ab. Das getrocknete Kraut, in Kästen gelegt, verleiht den Kleidern und der Wäsche nicht nur Wohlgeruch, sondern schützt auch vor Motten u.dgl.“

Die Wirkung auf „hitzige Geschwülste, Beulen und Geschwüre“, ist der antibiotischen Wirkung des Waldmeisters zuzurechnen, was ihn in einer Zeit, in der Antibiotika unbekannt waren, zu einer sehr wertvollen Pflanze machte. Doch auch heute noch wird Waldmeister als sinnvolles Hausmittel erwähnt.

Im Kontext der entheogenen Nutzung kann diese Pflanze ihr Potential als Beruhigungsmittel und Stimmungsaufheller sehr gut entfalten. Berichten zufolge kann ein weniger gut verlaufendes Psilocybin- oder LSD-Erlebnis mit Angstzuständen, unangenehmer Verwirrtheit, Paranoia und ähnlichen Eigenschaften eines „Bad-Trip“ schon durch geringe Gaben Waldmeisteressenz, Waldmeistertinktur oder Waldmeisterbowle massiv beruhigt werden. Die Wirkung der Entheogene wird zwar nicht unterbrochen, doch der Waldmeister kann eine willkommene Hilfe sein. Die Worte: „Die landen schön sanft wieder auf der Erde“ fassen es kurz.

Zubereitung:

Waldmeistertinktur: 20 g Waldmeister auf 100 ml 60% Alkohol (fünf Tage ansetzen). Von der Tinktur 20 Tropfen in etwas Wasser auflösen oder auf einem Stück Zucker einnehmen. Man kann das natürlich auch pur auf einem Löffelchen nehmen, doch der Geschmack dürfte um einiges zu intensiv sein.

Bei der Zubereitung der Maibowle scheiden sich dann die Geister, ältere Rezepte [Müller, 1937] sprechen von einer längeren Ziehzeit des Krautes.

„Es wird daraus der Maitrank bereitet, indem man die jungen Triebe in eine Porzellanschüssel legt, sie mit Wein und Obstmost übergiesst und beliebig Zucker zusetzt. Den Wein läßt man 1/4- 1/2 Stunde daran stehen. Dann wird er getrunken. Man kann in ganz geringer Menge noch die Blätter der Melisse, der schwarzen Johannesbeere, Gundelrebe, Erdbeere usw. beisetzen. Ein solcher Kräuteransatz kann 2 Tage lang stehen bleiben und mehrere Aufgüsse erleiden, ohne daß der Wein weniger würzig wird.“

Ein etwas aufwändigers Rezept für medizinischen Maitrank:

  • 30 g Waldmeisterblüten und -blätter
  • 20 g Walderdbeerblätter
  • 10 g Blatter der Schwarzen Johannisbeere
  • 10 g Blätter der Gundelrebe.

Alles in eine angewärmte Porzellanschüssel geben, mit 150 g Puderzucker bestreuen, zudecken, nach 2 Stunden 3 Liter guten, alten Weißwein darübergiessen, 2 bis 3 Stunden ziehen lassen und abseihen. Dieser Trank ist sehr belebend, herzstärkend, verdauungsfördernd und muss nach den Mahlzeiten getrunken werden.

Neuere Publikationen [Roth, Daunderer … 1994] hingegen sprechen davon, das Kraut keinesfalls einweichen zu lassen, sondern es nur, in einem Sieb aufbewahrend, mit Wein oder Saft zu übergiessen. Für eine Maibowle soll demnach auch nicht mehr als 3g getrockneten Krautes auf einen Liter Flüssigkeit genutzt werden.

Die etwas schneller hergestellte, und ebenso schmackhafte Zubereitung des Waldmeisters ist wohl der Waldmeistertee oder -aufguss:

25 g Trockenkraut mit 1/2 l kochendem Wasser überbrühen, 3 Minuten ziehen lassen, Tagesdosis 3 Tassen.

Eine Zubereitung zwischen Bowle und Tinktur ist ein „medizinicher, stärkender und verdaungsfördernder Wein“:

„1 gute Handvoll getrockneten Waldmeister, 40 g Zucker, 1 saftige Apfelsine, 2 l trockenen Weißwein.- Den Zucker und die in zwei Hälften geteilte Apfelsine in ein Gefäß geben, den Waldmeister darüberstreuen und den Weißwein dazugießen. Das Gefäß verschließen und 24 Stunden lang stehen lassen. Am nächsten Tag filtern, die Orange und den Waldmeister zu Brei zerdrücken, zu dem Wein geben und das Gefäß wieder verschließen. Nach 24 Stunden noch einmal filtern. Trinken Sie von diesem Wein ein kleines Glas vor den Hauptmahlzeiten.“

Rechtliche Situation

Die Verwendung von Aromastoffen ist in Deutschland durch die Aromenverordnung geregelt. Da Cumarin für einige Zeit als leberschädigend und leicht krebserregend gehalten wurde, entschloss man sich, diese Substanz in die Aromenverordnung als Verbotener Stoff des §2 Anlage I aufzunehmen. Daran hat sich trotz veränderter Datenlage nichts geändert. In Deutschland darf bei gewerbsmäßiger Herstellung ein Cumaringehalt von 5 ppm nicht überschritten werden, der kommerzielle Einsatz von Cumarin und Waldmeisterkraut ist zur Herstellung von Essenzen nach Aromenverordnung nach wie vor verboten. ■

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

0 Comments

  1. HorstCase

    11/09/2011 at 12:06

    waldmeisterkraut aus der apo. 10 esslöfel auf 2liter ergibt 6 tassen 3 pro person schnell hintereinander getrunken macht angenehm müde und man träumt gut ^^ weitere „tests“ folgen

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