Wachsendes Interesse an Hanf und medizinischem Cannabis in Japan

Japan In Japan werden immer mehr Stimmen laut, die ein Ende der Null Toleranz-Politik für Cannabis fordern. Eine politische Partei will das Forschungsverbot für die Cannabispflanze aufheben, um medizinisches Cannabis zu legalisieren. Inzwischen wächst auch das Interesse an Industriehanf. Können wir bei aller Vorsicht schon von einem Comeback sprechen?

hemp and medical cannabis in Japan-sensi-seeds

Japan besitzt eines der strengsten Antidrogengesetze der Welt. So kann man bereits mit 5 Jahren Gefängnis bestraft werden, wenn man zum ersten Mal mit einem Joint erwischt wird. Eine neue politische Partei in Japan, die „New Renaissance Party“ (= Neue Reform-Partei bzw. Shint? Kaikaku), will dies nun ändern. „Wir werden vorschlagen, das Verbot der Erforschung (von Cannabis, die Red.) aufzuheben, um herauszufinden, wie die Pflanze tatsächlich wirkt”, teilte Saya Takagi Reuters mit. Durch die Legalisierung der Erforschung der Pflanze hofft die New Renaissance Party, im Interesse einer großen Gruppe von Patienten zu handeln, die von medizinischem Cannabis in Japan profitieren würde.

Die Legalisierung hilft einer wachsenden Anzahl von älteren Menschen

In Japan steigt der Bedarf an medizinischem Cannabis auffallend schnell. Das liegt hauptsächlich an der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung des Landes. Von den 127 Millionen Einwohnern Japans sind einer Schätzung aus dem Jahr 2014 zufolge 33 % älter als 60 Jahre, und etwas mehr als ein Viertel ist über 65 Jahre alt. Deshalb gibt es immer mehr pflegebedürftige Menschen. Und leider wird auch in Japan bei vielen Älteren Krebs diagnostiziert.

Heute ist sich das Land durchaus bewusst, über welche heilsamen Eigenschaften die Cannabispflanze verfügt. Das ist zum einem darauf zurückzuführen, dass Cannabis und Hanf in Japan schon seit Urzeiten bekannt sind. Zudem weiß man, dass Cannabis außerhalb Japans häufig dazu verwendet wird, die Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu lindern. Auch die Tatsache, dass immer mehr US-Bundesstaaten und andere Staaten medizinisches Cannabis legalisieren, wird aufmerksam registriert. „Es wäre eine große Hilfe für die Patienten, wenn der Einsatz von Cannabis zu Heilzwecken erlaubt würde“, sagte Kimiko Yajima, ein 78-jähriger Krebspatient aus Tokio, gegenüber Reuters. „Denn es wäre einfach wunderbar, weniger Schmerzen zu haben, und sei es nur vorübergehend“.

Dennoch ist in Japan seit nunmehr beinahe 70 Jahren ein knallhartes Gesetz gegen Cannabis in Kraft: Das Cannabis Control Law (Gesetz zur Bekämpfung von Cannabis). In Artikel 4 dieses Gesetzes wird selbst der Gebrauch von medizinischem Cannabis ausdrücklich verboten. Die New Renaissance Party will diese Bestimmung so schnell wie möglich abschaffen.

Patienten gehen für medizinisches Cannabis in Japan auf die Barrikaden

In den Vereinigten Staaten ist die Legalisierung von Cannabis erst dann richtig vorangetrieben worden, als das Thema in den Massenmedien Beachtung gefunden hatte. Plötzlich wurde man auf Patienten aufmerksam, die medizinisches Cannabis aus illegalen Quellen erwarben, weil sie sich anders nicht mehr zu helfen wussten. Obwohl das Thema eigentlich tabu war, interessierten sich die Medien auf einmal für Geschichten über Cannabis zur Behandlung von Krebs und zur Bekämpfung von Epilepsie. Das hat entscheidend dazu beigetragen, dass medizinisches Cannabis von der Politik immer stärker unterstützt wurde. Inzwischen ist medizinisches Cannabis in 25 US-Bundesstaaten sowie im District of Columbia legal.

Sensi SeedsMasamitsu Yamamoto sucht die Öffentlichkeit, wenn es um medizinisches Cannabis in Japan geht.

Gut möglich, dass sich die Dinge in Japan ähnlich entwickeln. Denn die Aufmerksamkeit für Menschen, die sich für medizinisches Cannabis einsetzen, nimmt zu. Zurzeit kämpft Masamitsu Yamamoto dafür, unter den Politikern mehr Unterstützer zu finden. Aus welchem Grund? Weil die Polizei bei einer Durchsuchung seines Hauses im Dezember 2015 200 Gramm Cannabis entdeckt hatte. Es handelte sich um medizinisches Cannabis, das Yamamoto zur Behandlung seines fortgeschrittenen Leberkrebses einnahm.

Bevor Yamamoto Cannabis anbaute, nahm er Kontakt zu den japanischen Ministerien für Gesundheit, Justiz und Landwirtschaft auf, um zu fragen, warum Cannabis für medizinische Zwecke illegal ist und warum keine klinischen Studien hierzu durchgeführt werden. Und die stereotype Antwort lautete, dass derartige Studien über Cannabis in Japan nicht gestattet sind. Aber seine Studie am eigenen Körper lieferte vielsagende Ergebnisse: Yamamotos Gesundheitszustand hat sich durch Cannabis enorm verbessert. Doch obwohl er die Pflanze nie verkaufte oder weitergab, wurde er verhaftet. Aber gerade durch den Fall von Yamamoto ist medizinisches Cannabis nun in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, wodurch die Diskussion um Cannabis neu entfacht werden konnte.

Wird Hanf wegweisend für Japan?

Bei den letzten regulären Wahlen der Mitglieder des japanischen Parlaments hat die New Renaissance Party leider keine Sitze gewonnen. Die Pro-Cannabis-Partei trägt zwar dazu bei, dass das kontroverse Thema Cannabis öffentlich diskutiert wird, aber es ist doch sehr fraglich, ob man in absehbarer Zeit dem Beispiel der USA folgen wird.

Schon wahrscheinlicher ist, dass Industriehanf der Cannabispflanze in Japan wieder zu einem positiveren Image verhilft. Der Hanfanbau ist in Japan nur in sehr geringem Ausmaß erlaubt. Man benötigt hierfür eine Lizenz, die an sehr strenge Regeln gebunden ist. Verschiedene Parteien möchten das ändern und fühlen sich in dieser Frage durch das Kyoto-Protokoll ermutigt. Dieses im Jahr 1997 getroffene Abkommen ist Bestandteil des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen für die Klimapolitik; es regelt den Ausstoß von Treibhausgasen.

Am 2. Juli 2016 trafen sich zahlreiche Hanfbefürworter, um am ersten Kyoto Hemp Forum (Hanfforum) teilzunehmen. Sie sprachen über Nachhaltigkeit, über den besorgniserregenden Zustand des Klimas und über die Bedeutung der Aufhebung des internationalen Verbots des Anbaus von Industriehanf. Die Konferenz fand im Internationalen Kongresszentrum Kyotos statt; also am gleichen Ort, an dem das Kyoto-Protokoll unterzeichnet wurde.

Sensi SeedsAkie Abe, die Ehefrau des derzeitigen Ministerpräsidenten von Japan, Shinz? Abe.

Zu den prominenten Rednern gehörte auch Akie Abe, die Ehefrau des derzeitigen Ministerpräsidenten von Japan, Shinz? Abe. Die Frau des Präsidenten ist eine leidenschaftliche Befürworterin des Hanfanbaus, und das bekräftigt sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. In einem Interview mit einer japanischen Zeitschrift äußert sie sich beispielsweise wie folgt: „Sämtliche Bestandteile der Hanfpflanze können effizient verwertet werden“. Und später sagt sie im gleichen Interview: „Obwohl dies in Japan verboten ist, glaube ich, dass die Pflanze auch eine Menge nützlicher medizinischer Anwendungsmöglichkeiten bietet“.

Weitere Teilnehmer an der Konferenz waren u. a. Chris Conrad, Autor des Buches „Hennep: Lifeline To The Future“, sowie der Gründer von Sensi Seeds, Ben Dronkers. Schauen Sie sich hier ein Video an, in dem Chris Conrad und Ben Dronkers während des Kyoto Hemp Forums zu sehen sind.

Können wir von einem Comeback sprechen?

Zusammenfassend ist festzustellen, dass es nun eine politische Partei in Japan gibt, die sich für medizinisches Cannabis stark macht. Diese New Renaissance Party wird durch Überläufer aus der regierenden Liberal-Demokratischen Partei (LDP) des Präsidenten Shinz? Abe angeführt. Seine Frau Akie bekennt öffentlich, sie würde sich wünschen, dass Hanf und medizinisches Cannabis legalisiert würden. Auf einer Konferenz war sie sogar die Hauptrednerin zu diesem Thema. Unterdessen finden Patienten, deren Gesundheit sich durch medizinisches Cannabis verbessert hat, bei den Medien immer öfter ein offenes Ohr.

Zwar lehrt die Geschichte, dass tief verwurzelte Gesetze sich nicht so einfach ändern lassen. Dennoch gibt Sensi Seeds die Hoffnung nicht auf, dass sich diese vielversprechenden Entwicklungen fortsetzen und zu einem Comeback von Cannabis führen. Das würde in erster Linie Japan zugutekommen. Aber natürlich hätte es auch positive Auswirkungen auf den ganzen asiatischen Kontinent, wo knallharte Cannabisgesetze an der Tagesordnung sind. Wir werden die Entwicklung weiterhin im Auge behalten.

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