Aufzuchttipps für exotische Pflanzen

Da die Verfügbarkeit einiger Pflanzen zeitweise stark eingeschränkt ist, auch wenn die betreffenden Pflanzen oft keinen gesetzlichen Restriktionen unterliegen, werden wir in dieser und den folgenden Ausgaben einige Hinweise geben, mit deren Hilfe die Chance einer erfolgreichen Aufzucht, Vermehrung und Erhaltung seltenerer oder eingeschränkt verfügbarer Pflanzen verbessert werden kann. Natürlich ist darauf zu achten, dass eventuell vorhandene nationale Gesetze eingehalten werden. Sollte die Zucht oder der Besitz der gewählten Pflanze(n) genehmigungspflichtig sein, so ist eine entsprechende Genehmigung einzuholen.

 

Allgemeines

Aufzucht aus Samen

Das Keimen von Samen wird durch viele Faktoren beeinflusst: Die Keimruhe des Samens, Saattiefe, Temperatur, Licht, Wärme und Feuchtigkeit. Der Pflanzensame ist darauf ausgelegt, längere Perioden zu überleben, ohne von äußeren Bedingungen abhängig zu sein. Um ihn aus dieser Ruhe „aufzuwecken“ muss er zunächst dazu gebracht werden, Wasser aufzunehmen.

✧ Bei dickschaligen Samen kann die Hülle angefeilt oder aufgeknackt werden. (Vorsichtig, um das Samenfleisch nicht zu verletzen!)

✧ Nun sollten die Samen in warmem bis heißem Wasser eingeweicht werden, bis sie aufquellen. Zunächst in 3% Wasserstoffperoxid einweichen, das die manchmal in den Samenhülle vorhandenen keimhemmenden Stoffe zerstört und auch teilweise zu Sauerstoff zerfällt, welches der Keim benötigt. Nun wird das Peroxid mit demselben Volumen Wasser verdünnt für 24 Stunden eingeweicht, oder auch bis zu 4 Tagen, bis die Samen erkennbar aufquellen. Dann schnell einpflanzen!

✧ Hartschalige Samen kann man auch mit fast kochendem (75°C) Wasser übergiessen und 1- 12 Stunden quellen lassen. Aufgequollene Samen müssen bei dieser Methode sofort herausgefischt und gesät werden, da sie sonst buchstäblich ertrinken können.

✧ Manche Samen können nur keimen, wenn sie vorher eine Kälteperiode durchlebt haben (z.B.Hopfen, Kiwi, Bilsenkraut …). Diese kann man simulieren, indem man sie trocken oder in feuchte Erde eingebettet, einige Wochen in den Kühlschrank legt.

✧ Die meisten Samen haben einen jährlichen Kreislauf von Keimruhe und Keimfähigkeit. Zum Beispiel haben viele gemäßigte Spezies eine hohe Keimfähigkeit im März, die dann im Sommer abnimmt. Diese Keimruhe ist durch die hohen Sommertemperaturen bedingt, und daher kann man diese Samen unter kühleren Temperaturen ganzjährig aussäen.

Nachdem Du die Keimruhe überwunden hast, können die Samen aufkeimen. Die günstigsten Temperaturen liegen gewöhnlich zwischen 32°C und 15°C, am besten wird der Boden konstant auf 21°C – 24°C erwärmt.

Die Keimerde sollte besonders bei teuren oder exotischen Samen sterilisiert werden. Der feuchte Erdmix wird auf einem Blech im Ofen auf 80- 90°C erhitzt oder in der Microwelle für 10 Minuten bestrahlt. Die Zusammensetzung der Erde ist wichtig, im Idealfall sollten im fertigen Gemisch 2 Teile Festkörper, 1 Teil Luft und 1 Teil Wasser vermischt sein. Für Samen ist der Nährstoffgehalt nicht wichtig, da sie ihre eigenen Reserven haben. Eine gute Mischung besteht aus einer Hälfte Flusssand und einer Hälfte feinem Torf oder getrocknetem Moos. Die Oberfläche wird vor dem säen mit einem Brett glattgestampft und die Samen so tief eingedrückt, dass sie 2 x so viel Erde über sich haben, wie sie groß sind. Sehr feine Samen sollten hingegen auf der Oberfläche ausgestreut werden.

Diese musst Du durch Besprühen und Abdecken feucht halten.

Die Feuchtigkeit ist ein kritischer Faktor, da die Samen niemals austrocknen dürfen, weil sonst die sich bildenden Wurzelhärchen absterben und Eintrittspunkte für Krankheiten werden können. Am besten feuchtest Du die Keimgefäße oft durch Sprühen an. Die Gefäße, in denen die Samen keimen, sollten vorher mit einem Desinfektionsmittel (1% Wasserstoffperoxid) ausgewischt werden, um Schimmelsporen zu vernichten. Über kleinere Blumentöpfe kannst Du eine Plastiktüte stülpen, um ein feuchtes Mikroklima zu erzeugen.

Mit ein wenig Erfahrung und dem Wissen, wie die natürliche Umgebung der Pflanzen beschaffen ist, wirst Du in den meisten Fällen Krankheiten und Schädlinge vermeiden können. Versuche in jedem Fall, ohne Gifte auszukommen, gegen die meisten Schadinsekten gibt es natürliche Feinde, die sich früher oder später einfinden. Beobachte Deine Pflanzen und lerne von Ihnen. In ihnen liegt ein reicher Schatz, den sie zu Deiner Erleuchtung bereithalten, für den Preis, Ihnen eine Lebenswelt zu schaffen. Viel Spaß!

 

Stecklingsaufzucht

Stecklinge von erwachsenen Pflanzen zu ziehen ist vor allem dann günstig, wenn Du eine Pflanze mit besonderen Eigenschaften hast, die Du unbedingt erhalten willst. Z.B. hast Du eine besondere Kreuzung durch Fremdbestäubung und Aufzucht von Samen erhalten und willst nun von dieser Pflanze mehrere „Sicherheitskopien“ haben, oder Du möchtest eine Zierpflanze, die zu groß geworden ist, verjüngen. Besonders wichtig ist die Stecklingsvermehrung bei vielen Obstbäumen, die oft erst nach mehreren Jahren geschlechtsreif werden, also Blüten und Früchte tragen. Wenn Du von einem der erwachsenen Bäume einen Steckling ziehst, so ist dieser immer noch geschlechtsreif, und produziert, sobald er kräftige Wurzeln ausgebildet hat, Früchte in derselben Qualität wie der Mutterbaum. Du kannst auch zu jeder Jahreszeit eine Pflanze vermehren, ohne auf Samenbildung angewiesen zu sein.

Womit wir auch schon beim Kern des Problems wären: Du schneidest von einer gesunden Pflanze einen Trieb ab, wobei Du möglichst steril vorgehst, um keine Keime auf die Wunde zu bringen. Dieser Trieb hat Blätter und intakte Leitungsbahnen (die Du beim Abschneiden natürlich nicht gequetscht hast, da Du immer ein scharfes, sauberes Messer benutzt) – aber keine Wurzeln!

Wenn Du ihn einfach in Erde einpflanzen würdest, sähe er nach zwei Tagen ziemlich vertrocknet aus und würde sterben. Du musst also für Folgendes sorgen:

Erstens darf die Pflanze möglichst wenig Wasser aus den Blättern verdunsten. Dies erreichst Du, indem Du die unteren großen Blätter abschneidest oder den ganzen Trieb mit Bast locker zusammenbindest. Zusätzlich solltest Du Deine Stecklinge in eine wasserdampfgesättigte Atmosphäre bringen. Das kann ein kleiner Anzuchtkasten mit durchsichtigem Plastikdeckel sein oder einfach eine Plastiktüte, die Du über den Blumentopf stülpst. Doch Achtung: Die feuchte Luft begünstigt auch die Entstehung von Schimmel, der natürlich den empfindlichen Steckling angreifen würde. Also nimm steriles Substrat und lüfte die Stecklinge täglich kurz.

Zweitens musst Du alle Bedingungen schaffen, die zu schneller Wurzelbildung führen: Es gibt spezielle Hormonpulver im Gärtnerbedarf zu kaufen, mit denen Du den Stamm des Stecklings bestäubst (nicht die Schnittstelle selbst, damit verstopfst Du die Leitungsbahnen!) (Die Anschaffung von Stecklingshormon lohnt sich meistens, da eine Packung so ergiebig ist, dass sie fürs Leben reicht.) Außerdem bildet jede Pflanze kräftigere Wurzeln, wenn sie nur wenig Nährstoffe angeboten bekommt. Aus diesem Grund solltest Du als Substrat keine vorgedüngte Blumenerde nehmen, sondern inertes Material wie Torf oder Hydrokultursubstrat. (Im Handel werden auch kleine gepresste Torfballen angeboten, die sich gut für Stecklinge eignen.) Außerdem regst Du die Wurzelbildung an, indem Du das Substrat warm hältst. Hierfür gibt es spezielle elektrische Heizmatten und beheizbare Anzuchtschalen. Übrigens bilden manche Pflanzen nur an den Internodien Wurzeln aus, also an den Stammknoten an denen auch Blätter sprießen. Der Schnitt wird daher kurz unter einer Blattverzweigung vorgenommen, und die ersten Blätter werden abgebrochen oder abgeschnitten. Dieser Knoten wird seitlich mit Wurzelhormon bestäubt und unter die Oberfläche des Substrats gebracht.

Eine Abart der Stecklingsvermehrung ist das Abmoosen: Hierbei wird der Stamm der Mutterpflanze an einer günstigen Stelle eingeschnitten, der Schnitt mit etwas Wurzelhormon bestäubt und mit feuchtem Moos oder inertem Substrat umwickelt. Wenn die Packung ständig feucht gehalten wird (mit Cellophan umwickeln!) bilden sich bald Wurzeln und der Trieb kann ganz abgetrennt und eingepflanzt werden.


Vermehrung in Stichworten

Unter Vermehrung versteht man die Reproduktion von Pflanzen. Dabei wird zwischen zwei verschiedenen Methoden unterschieden. Die Erste erfolgt durch die Anzucht durch Samen oder Sporen und die Andere besteht aus der vegetativen Vermehrung. Die vegetative Vermehrung ist eine ungeschlechtliche Vermehrung von Pflanzen mit Hilfe von Pflanzenteilen.

Aussaat und Anzucht
Die Samen einjähriger Pflanzen keimen direkt nachdem sie im Frühling auf Erde gesät wurden. Andere Pflanzen produzieren Samen mit harten Samenschalen, welche erst geknackt werden muss oder die Samen benötigen eine spezielle Samenruhe bevor sie keimen können.

Anrauhen und quellen lassen: Große Samen müssen vor dem Keimen oft in übernacht in Wasser eingeweicht werden. Manche Samen, wie die Mescal Bohnen und die der großen Holzrose, werden nicht quellen bevor diese nicht leicht angeraut oder angeritzt werden. Dabei ist es wichtig nur einen kleinen Teil der Samenschale anzuritzen, damit der Embryo nicht verletzt wird. Sobald die Samen gequollen sind, müssen sie direkt auf Erde ausgebracht werden, da sich ein zu langes Quellen negativ auf die Keimungsrate auswirken kann.

Stratifikation: Manche Samen müssen vor dem Aussäen stratifiziert werden, dies beendet die Samenruhe. Durch das Stratifizieren im Kühlschrank täuscht man eine Kälteperiode mit einem anschließend hohen Temperaturanstieg vor. Damit soll verhindert werden, dass die Pflanzen durch die Sonnenstrahlen im Winter oder Frühjahr zu früh keimen. Dafür werden die Samen in einen Plastikbeutel mit etwas feuchtem Sand oder Vermiculit gegeben und für einige Tage/Wochen in den Kühlschrank gelegt und später an einem relativ warmen Ort zum Keimen gebracht.

Samen brühen: Andere Samen mit einer harten Samenschale müssen mit kochendem oder siedendem Wasser behandelt werden. Dazu werden die Samen in eine Tasse gegeben und mit kochendem Wasser übergossen. Während das Wasser abkühlt quellen die Samen. Diese Prozedur wird solange wiederholt bis die Samen Quellen.

Chemische Behandlung: Chemikalien kommen bei den Samen zum Einsatz, welche weder durch Stratifikation noch durch Quellen zum Keimen gebracht werden können. Unter natürlichen Bedingungen werden die Samenhüllen solcher Samen durch die Verdauungssäfte von Vögeln und anderen Tieren, die die Samen fressen, aufgeweicht. Für diese Behandlungen werden Säuren wie Essig, Schwefelsäure oder Alkane wie Natriumhypochlorid verwendet.

Anzuchtmaterial: Das Anzuchtmaterial sollte sowohl nährstoffarm sein als auch ein gutes Wasserspeichervermögen besitzen. Hier ist Cocossubstrat zu erwähnen. Es erfüllt alle Ansprüche, ist nährstoffarm, hat ein gutes Wasserspeichervermögen und ist sehr durchlässig, so dass beim Vereinzeln der jungen Pflanzen die Wurzeln nicht geschädigt werden.  Durch einen kleinen Schuss Isopropylalkohol in das Quellwasser kann das Anzuchtsubstrat keimfrei gemacht werden.