Uruguay fährt die erste Ernte von legalem Cannabis ein

Legal Uruguay, das erste Land der Welt, das die Produktion und den Konsum von Cannabis legalisiert hat, hat den Beginn des Verkaufs in Apotheken in den nächsten Monaten angekündigt. Nun beginnt sich die Legalisierung von Cannabis in Uruguay auszuzahlen, und die erste Ernte von als Genussmittel legal angebautem Cannabis kann eingefahren werden. Hier weiterlesen.

Uruguay fährt die erste Ernte von legalem Cannabis ein

Uruguay hat unter Präsident José Mujica als erstes Land der Welt die Produktion und den Konsum von Cannabis legalisiert und im vergangenen Herbst den großen Schritt zum kommerziellen Anbau von Cannabis unter staatlicher Kontrolle unternommen. Die uruguayische  Regierung hat den Auftrag zum Cannabisanbau an zwei Privatunternehmen vergeben und kündigte außerdem an, dass es in den Apotheken in ca. acht Monaten zum Verkauf stehen werde. Nun scheint der Moment gekommen, in dem sich die Legalisierung von Cannabis in Uruguay auszahlt und die erste Ernte von legal angebautem Cannabis eingefahren werden kann, das als Freizeitdroge verkauft werden soll.

Es sind etwa zweieinhalb Jahre vergangen, seit das Parlament von Uruguay das wegweisende Gesetz zur Regulation von Cannabis verabschiedet hat, das den Cannabismarkt legalisiert und die kommerzielle Produktion von Cannabis unter staatliche Kontrolle stellt, den Vertrieb dabei aber privaten Einrichtungen überlässt und außerdem die Vermarktung und den Konsum von Cannabis als Genussmittel, zu medizinischen Zwecken und als industrieller Rohstoff erlaubt.

Nach der Vergabe des Auftrags zum Anbau von Cannabis an zwei Privatunternehmen am 1. Oktober 2015 und der Ankündigung, dass wahrscheinlich ab Mai 2016 dasCannabis in zugelassenen Apotheken öffentlich zum Verkauf steht,  hat die uruguayische Regierung auch eine neue öffentliche Informations- und „Sensibilisierungs“-kampagne über die „Folgen des Konsums“ von Cannabis auf den Weg gebracht. Die Regierung beabsichtigt damit, eine Politik umzusetzen, die auf Gesundheitsförderung und Schadensminderung abzielt und einen Beitrag zur Bekämpfung des Drogenhandels und der organisierten Kriminalität leistet.

Die beiden Unternehmen Simbiosys und Iccorp, die von der Behörde zur Regulierung und Kontrolle von Cannabis IRCCA (Instituto de Regulación y Control del Cannabis) bei der Ausschreibung für den Anbau und Vertrieb des kommerziellen Cannabis ausgewählt wurden, werden in einer ersten Phase jeweils zwei Tonnen Cannabis pro Jahr für einen Markt von potenziell 160.000 Konsumenten in einem Land mit 3,5 Mio. Einwohnern produzieren. In der dritten Juniwoche dieses Jahres haben beide Unternehmen mit der Ernte begonnen, und Informationen weisen darauf hin, dass beide Firmen bei ihrer ersten Ernte eine Menge von ca. 300 Gramm pro Pflanze erreichen.

Uruguay fährt die erste Ernte aus dem legalen Cannabisanbau durch zwei Privatunternehmen ein (CC. deviat_ed)Uruguay fährt die erste Ernte aus dem legalen Cannabisanbau durch zwei Privatunternehmen ein (CC. deviat_ed)

Von der Ernte zum Vertrieb in den Apotheken

In einer Presseerklärung gab der Präsident der  nationalen Drogenkommision JND (Junta Nacional de Drogas), Juan Andrés Roballo, bekannt, dass „die erste Ernte der beauftragten Unternehmen bald verfügbar ist“. Diese arbeiten bereits seit Februar 2016 an der Cannabisproduktion auf den Feldern und in den Anlagen der IRCCA. Der Cannabis-Anbau wurde unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. Nach Angabe der Regierung sind alle bisher durchgeführten Maßnahmen untersucht und geprüft worden, und die laufenden Kontrollen werden auch beibehalten, um sicherzustellen, dass das Anbauverfahren, das sowohl für das Land als auch für fast den gesamten Rest der Welt eine neue Erfahrung ist, korrekt abgeschlossen wird.

Aus den bisher veröffentlichten Informationen geht hervor, dass die Ernte der Pflanzen im Laufe der nächsten Juniwoche fortgesetzt wird. Nach Beendigung der Ernte wird die Trocknung und das Reifen des Cannabis zwei Wochen und die manuelle Verarbeitung des Erntegutes eine weitere Woche in Anspruch nehmen.

In den darauf folgenden drei Wochen werden die Abfüllung, Verpackung und Lagerung des Cannabis für den weiteren Vertrieb erfolgen. Nach Abschluss dieses Verfahrens (voraussichtlich im August 2016) wird das Cannabis dann in den Apotheken verkauft, die das Endprodukt in Verpackungen zu 5 und 10 Gramm erhalten werden.

Offenbar werden ca. 50 Apotheken an dem legalen Verkauf von Cannabis beteiligt sein, eine Anzahl, die nach Angabe von Roballo Anfang Juni  für die erstmalige Umsetzung des Projekts ausreichen soll. Diese Apotheken werden den Vertrieb an die Konsumenten übernehmen.

Das in Uruguay angebaute Cannabis kann von registrierten Verbrauchern bei am Programm teilnehmenden Apotheken erworben werden (CC. James McNally)Das in Uruguay angebaute Cannabis kann von registrierten Verbrauchern bei am Programm teilnehmenden Apotheken erworben werden (CC. James McNally)

Die Vertragsbedingungen mit den uruguayischen Apotheken

Zur Festlegung der Rahmenbedingungen, nach denen die Apotheken das im eigenen Land produzierte Cannabis verkaufen sollen, haben die Apothekenverbände eine Vereinbarung mit der IRCCA unterzeichnet, deren Ausarbeitung einige Monate in Anspruch genommen hat und in der die Voraussetzungen für die Aufnahme einer Apotheke in das System zum Vertrieb von Cannabis zu nicht-medizinischen Zwecken  geregelt sind, ebenso die Bedingungen für den Verkauf selbst, der Mitte des Jahres 2016 beginnen soll.

In der von der örtlichen Presse veröffentlichten Vereinbarung  „werden die Rahmenbedingungen für den Betrieb und die Voraussetzungen für den Systembeitritt von Apotheken geregelt, außerdem Einzelheiten für den Verkauf und die sichere Ausgabe des Produkts”. Diese Vereinbarung ist Teil der Umsetzung des Gesetzes 19.172, das die Produktion und den Verkauf von Cannabis gestattet und reguliert und 2013 vom uruguayischen Parlament verabschiedet wurde.

Die Unterzeichnung dieser Vereinbarung zwischen der IRCCA und den Apothekenverbänden stellt einen ersten Schritt dar, um danach unter Aufsicht der Regulierungsbehörde alles Weitere im Zusammenhang mit der Bestellung bei und der Belieferung durch die mit der Produktion beauftragten Unternehmen regeln zu können. Den Apotheken werden alle für die Vermarktung und Lagerung von Cannabis nötigen Informationen zur Verfügung gestellt.

Die zweite Etappe der Legalisierung besteht laut offizieller Mitteilung in der Durchführung „technischer Tests sowie von Verbindungstests zum IRCCA-Informationssystem, durch das die Rückverfolgung und das Management der Bestellungen und Lieferungen sichergestellt werden kann“.

Die Vereinbarung legt darüber hinaus fest, dass der Einkaufspreis für die Apotheken 0,90 US-Dollar pro Gramm und der Verbraucherpreis etwas mehr als 1 US-Dollar betragen wird (im ersten Produktionsjahr).

Vertrieb von Cannabis an die Apotheken

Die Distribution von Cannabis vom Standort der Produktion und Verpackung bis zu den vertriebsberechtigten Apotheken wird im ganzen Land mindestens alle zwei Wochen durchgeführt.

Die Regierung hat außerdem darauf hingewiesen, dass die Apotheken das von der IRRCA für die Apotheken entwickelte Webportal  zur Abwicklung ihrer Bestellungen nutzen müssen. Die Behörde selbst kümmert sich um die Auswertung der Bestellungen und „behält sich das Recht vor, gemäß der Verfügbarkeit Änderungen daran vorzunehmen“.

Ferner wurden die von den Transport- und Vertriebsfahrzeugen zu erfüllenden Voraussetzungen festgelegt. Diese „müssen geschlossen sein, ohne Kennzeichen fahren, mit Geräten zur Satellitenrückverfolgung ausgestattet und für den Transport von bis zu 100 kg Cannabis in Päckchen von je 5 und 10 Gramm geeignet sein“. Die gesamte Distribution muss von einer Sicherheitsmannschaft begleitet und überwacht werden, so wie es auch für andere Schritte des legalen Cannabisanbaus vorgeschrieben ist.

Das Cannabis wird in den Apotheken in Verpackungen zu 5 und 10 Grammvertrieben (CC. Sergey Galyonkin)Das Cannabis wird in den Apotheken in Verpackungen zu 5 und 10 Grammvertrieben (CC. Sergey Galyonkin)

Cannabis-Verpackung

Das Cannabis wird den Apotheken in beschrifteten 5- und 10-Gramm-Verpackungen nebst Packungsbeilage übergeben. Nach offizieller Angabe müssen die Informationen auf der Verpackung die geprüfte  Art der psychoaktiven Pflanze, ihren wissenschaftlichen Namen, die Sorte und die prozentualen Anteile an THC und CBD angeben, sowie die Verabreichungsmethode (Inhalation, Infusion ofrt Verdampfung) und darauf hinweisen, die Packungsbeilage zu lesen.

Ebenso müssen das Nettogewicht des Produkts, der Name des Herstellers, die Lizenznummer sowie das Abfüll- und Verfallsdatum und eindeutige Hinweise zur Aufbewahrung angegeben werden.

Packungsbeilage ist Pflicht

Dem Produkt muss in der Verpackung eine Packungsbeilage mit Informationen für den Konsumenten zu den Eigenschaften des Produkts beigefügt werden. Wie bei Medikamenten sind alle Packungsbeilagen einheitlich gestaltet, damit der Konsument die Informationen über die Zusammensetzung, Hinweise, Dosierung, Gegenanzeigen, Vorsichtsmaßnahmen, Neben- und Wechselwirkungen des betreffenden Mittels leicht finden kann.

Bei dem in Uruguay angebauten Cannabis muss die Packungsbeilage darauf hinweisen, dass der Konsum von Cannabis Risiken für die Gesundheit mit sich bringt, Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem hat (obwohl die Wirkungen von Cannabis bei Krankheiten wie Parkinson, der Multiplen Sklerose und dem chronischen Erschöpfungssyndrom äußerst positiv sind), Abhängigkeit sowie unerwünschte Wirkungen bei gleichzeitigem Konsum von Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen hervorrufen kann (aber auch bei der Abhängigkeit von Opiaten helfen kann). Es wird außerdem empfohlen, sich vor dem Cannabiskonsum von seinem Arzt beraten zu lassen, wenn man unter einer akuten bzw. chronischen Krankheit leidet oder wenn sich mögliche Gegenanzeigen einstellen.

Ebenso wird darauf hingewiesen, die Substanz außerhalb der Reichweite von Minderjährigen zu halten und nicht in ihrer Anwesenheit zu konsumieren, nebst der Warnung, dass der Konsum von Cannabis während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert ist und unter Cannabiseinfluss keine Fahrzeuge oder Maschinen bedient werden dürfen.

Dem abgepackten Cannabis muss eine medizinische Packungsbeilage wie bei allen gesetzlich zugelassenen Medikamenten beiliegen (CC. gaelx)Dem abgepackten Cannabis muss eine medizinische Packungsbeilage wie bei allen gesetzlich zugelassenen Medikamenten beiliegen (CC. gaelx)

Wie sich Cannabiskonsumenten registrieren lassen können

Die Registrierung der Konsumenten erfolgt streng vertraulich. Registrierte Konsumenten können in den zugelassenen Apotheken bis zu 10 Gramm Cannabis pro Woche kaufen, d.h. 40 Gramm pro Monat und Person.

Für die Eintragung im nationalen Register bei den uruguayischen Postämtern müssen einige Anforderungen erfüllt sein, wie die Volljährigkeit und die uruguayische Staatsbürgerschaft. In Uruguay wohnhafte Ausländer müssen nachweisen können, seit mindestens zwei Jahren in Uruguay wohnhaft zu sein.

Laut Gesetz ist der Verkauf von Cannabis an Minderjährige verboten. Darüber wird eindeutig darauf hingewiesen, dass das Produkt nur für den persönlichen Bedarf bestimmt ist, nur in den Apotheken verkauft und nur innerhalb der Landesgrenzen konsumiert werden darf. Der Weiterverkauf des Cannabis in- und außerhalb des Landes ist ebenfalls untersagt.

Daneben ist darauf hinzuweisen, dass die derzeitige Gesetzeslage „es verbietet, bei der Arbeit unter Cannabiseinfluss zu erscheinen oder Cannabis während der Arbeitszeit oder am Arbeitsplatz zu konsumieren“. Ferner ist es verboten, unter Cannabiseinfluss Auto zu fahren und das Produkt in geschlossenen öffentlichen Räumen zu konsumieren.

Uruguay bleibt auf dem Weg der Cannabis-Legalisierung

Jeder Staat muss seinen eigenen Weg finden, und Uruguay hat die Schritte unternommen, die zur vollständigen Legalisierung von Cannabis erforderlich sind, und nun auch das erste unter staatlicher Kontrolle angebaute Cannabis geerntet. . Dadurch ist das Land zum Wegbereiter für die Überwachung und Regulierung  eines derart komplexen und kontroversen Marktes geworden. Uruguay wird seine Wettbewerbsfähigkeit beim Preis und vor allem bei der Qualität des so erzeugten Produkts zeigen. Der große Nutznießer wird der uruguayische Konsument sein, sowohl hinsichtlich seiner Gesundheit als auch in finanzieller Hinsicht.

Uruguay hat zur Bewältigung der Drogenprobleme und speziell zur Lösung des Cannabisproblems einen neuen Weg eingeschlagen. Statt der klassischen Prohibition arbeitet das Land an einer Legalisierungslösung, um so die Gesundheit der Uruguayer und ihre Freiheitsrechte zu schützen und seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.

Das Land beschreitet damit zweifellos einen innovativen Weg, den alle Welt mit besonderer Aufmerksamkeit und mit Interesse verfolgt. Zu einem Zeitpunkt wie heute, in dem wir in der Welt die beiden gegensätzlichen Pole – in einigen Ländern steht auf Cannabiskonsum die Todesstrafe, während in anderen Ländern die Märkte legalisiert werden – sowie die verschiedenen Modelle und die Varianten dazwischen beobachten können, repräsentiert das Modell Uruguays eine Alternative, die man auf keinen Fall aus dem Auge verlieren sollte.

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