Tollkirsche, Atropa belladonna

Atropa belladonna L. (Nachtschattengewächs; Solanaceae)

Tollkirsche Atropa belladonna L.

Tollkirsche Atropa belladonna L.

Übersicht

Die in Europa und Asien heimische Tollkirsche ist ein mehrjähriges, in einer Höhe von ca. 1 m sich verzweigendes Kraut, das eine Höhe von bis zu 1,5 m erreichen kann. Die pflaumig-behaarten, ellipsenförmigen Blätter können im ersten Jahr bis zu 20 cm lang werden, verkleinern sich danach aber wieder. Die Farbe der Glockenförmigen Blüten variiert von blau-violett bis zu einem matten rot. Nach Verblühen reift eine ca. 10 cm große Beere heran welche zuerst grün ist und sich anschließend glänzend Schwarz verfärbt. Die Früchte sind wohlschmeckend und nicht bitter, was die Verwechslung mit Kirschen begünstigt.

Anbau und Vermehrung

Die Tollkirsche ist eine winterharte Pflanze; im Winter stirbt sie bis zu den Wurzeln ab und treibt im Frühjahr neu aus. Damit deine Pflanze optimal wächst, sollte der Boden nährstoffreich, gekalkt und ständig feucht sein. Die Pflanze bevorzugt einen halbschattigen Platz, da sie bei zuviel Sonne verkümmert. Um dies auch in sehr sonnigen Gebieten zu gewährleisten ist ein Anbau zwischen Bohnenpflanzen üblich, die den nötigen Schatten für die Tollkirsche liefern.

Anfang März sollten die Samen zunächst in Schalen ausgesät werden. Dies ist ziemlich einfach, denn die Samen werden einfach auf das Aussaatsubstrat gelegt und angedrückt. Die Temperatur während der Aussaat sollte um die 20 °C betragen. Vom Aussäen bis zur Keimung dauert es ungefähr 4-6 Wochen; in den ersten 2-4 Wochen muss das Substrat mit den Samen auf 5 °C gekühlt werden und anschließend erfolgt normalerweise die Keimung. Wenn die Sämlinge ungefähr 2,5 cm hoch sind, sollten sie umgepflanzt werden mit ca. 45 cm Abstand zueinander. Nach dem Umpflanzen muss gut gewässert werden und es sollte ein paar Tage darauf geachtet werden, dass die Pflänzchen nicht zuviel Sonne abbekommen, also schön schattig halten.

Es ist auch möglich die Tollkirsche über Stecklinge von neu ausgetriebenen Schösslingen oder Wurzelstockablegern zu vermehren. Dies ist meist erfolgreicher als die Vermehrung über Samen, da nur ca. 60% der Samen auskeimen. Die Vermehrung über Stecklinge/Wurzelstockablegern geschieht ebenfalls im Frühling.

Im ersten Jahr werden die Pflanzen maximal 45 cm hoch und fangen im September an zu blühen. Jetzt kann schon mit der Ernte begonnen werden; allerdings sollten erstmal nur die Blätter und die Spitzen gesammelt werden um noch weiterhin Freude an der Pflanze zu haben und sie nicht direkt komplett kürzen. Anfang des Winters sollten sie auch wieder umgepflanzt werden, so dass sie ca. 75-90 cm auseinander stehen damit es im nächsten Jahr kein Platzmangel gibt. Mitte Juni im zweiten Jahr ist es dann soweit und die Pflanze kann 2,5 cm über dem Boden abgeschnitten werden. Wenn man Glück hat kann man dann im September ein zweites mal ernten. Im Herbst im vierten Jahr sollte die Pflanze dann komplett mit Wurzeln geerntet werden und durch neue Pflänzchen ersetzt werden.

Feinde

Zu den schlimmsten Feinden der Tollkirsche gehören Schnecken, Blattläuse und die Mottenschildlaus.

atropa belladonna
Tollkirschen

Ernte. Sowohl die Blätter als auch die Kirschen enthalten Alkaloide und können geerntet werden. Die Blätter sollten zwischen Mai und Juni geerntet werden, da sie in diesem Zeitraum den höchsten Alkaloidgehalt haben. Nach Ernte sollten sie sofort in der Sonne getrocknet und anschließend dunkel und Luftdicht gelagert werden. Welke oder farblose Blätter sollten nicht verwendet werden, da diese nur einen sehr geringen Alkaloidgehalt aufweisen. Der beste Zeitpunkt zur Kirschernte ist vor der vollständigen Reife. Die Kirschen werden ebenfalls an der Sonne getrocknet, allerdings entgegen den Blättern an luftigen Orten gelagert.

Wirkung

Der Verzehr von Früchten der Tollkirsche oder Pflanzenteile selber verursacht einen Rauschzustand in Form von Euphorie und Erregung, sowie starke Halluzinationen, der ca. 24 Stunden anhält, wobei man noch bis zu einer Woche Nachwirkungen in Form von psychisch verwirrten Zuständen erleben kann. Nach Einnahme, entweder durch Inhalation oder oral, tritt eine Wirkung ca. 6 Stunden ein.

Nebenwirkung

Zu den körperlichen Nebenwirkungen zählen Verwirrtheitszustände sowie Schweissausbrüche, ein Anstieg von Puls und Körpertemperatur, Verschlechterung der Sehschärfe, Durstgefühl, Gleichgewichtsstörungen, sowie Pupillenerweiterung. Während der Renaissance wurde die Tollkirsche wegen der pupillenerweiternden Wirkung als Schönheitswasser benutzt, woher sich der Namenszusatz „bella donna“ ableitet.

Wirkstoff

Die Hauptwirkstoffe der Tollkirsche sind die Alkaloide Atropin und Hyoscyamin, welche in den Wurzeln bis zu 0,3 Gewichtsprozent vorkommt.

Strukturformel L-Hyoscyamin

Strukturformel L-Hyoscyamin

Tollkirsche, Atropa belladonna
Tollkirsche