Sucht auf Rezept: Valium fürs Volk

Von Markus Berger

Bei aller pharmakratischen, betäubungsmittelgesetzlichen Verunglimpfung solcher entheogenen Drogen wie Cannabis, LSD-25, Meskalin oder Psilocybin, produzieren Haus- und Klinikärzte unter Anstiftung der pharmazeutischen Industrie Benzodiazepin-Junkies en masse. Diazepam, besser bekannt unter einem seiner handelsüblichen Namen Valium®, ist eines der am sorglosesten verschriebenen Psychopharmaka überhaupt.

Dass dieses zu den Tranquillanzien gehörende Medikament ein unglaublich hohes Suchtpotenzial besitzt, von vielfältigen, auch lebensbedrohlichen Nebenwirkungen (wie Leberschädigung) begleitet wird und den Konsumenten tatsächlich betäubt, oftmals sogar psychisch und physisch lähmt, wird gern übergangen und ist bislang kein Grund zur Aufnahme des Psychopharmakons ins BtMG gewesen. Dass entheogene Substanzen wie oben genannte weder betäuben noch süchtig machen, scheint auch kein Grund zu sein, sie aus selbem Gesetz zu streichen, im Gegenteil: Vergleichsweise harmlose Pflanzen wie (die dem Diazepam annähernd indikationsgleiche) Piper methystikum (Kava-Kava) werden auch heutzutage immer noch verboten (Berger 2002).

Schauen wir uns dieses wahre Betäubungsmittel Valium® nun genau an, der Übersichtlichkeit halber im Packungsbeilagen-Stil.

 

Substanz:

Der Wirkstoff  Diazepam (7-Chlor-1,3-di-hydro-1-methyl-5-phenyl-2H-1,4-benzodiazepin-2-on (IUPAC)) gehört zur Gruppe der Benzodiazepinderivate (Tranquillizer) und kommt in der Natur in geringen Mengen in der Kartoffel, in Mais, Reis, Weizen und anderen Getreiden vor.

Außerdem sind Diazepam und Desmethyldiazepam als körpereigene Substanzen (Neurotransmitter) entdeckt worden – kommen also von Natur aus im menschlichen Körper vor (s.u.).

Pharmaka der Benzodiazepin-Familie sind Medikamente, die eine Beruhigung, Schlafförderung und Muskelerschlaffung bewirken. Benzodiazepine nehmen auf der Ebene des zentralen Nervensystems (ZNS = Gehirn und Rückenmark) Einfluss auf die Erregbarkeit der Nervenzellen.

 

Chemisches Synonym: C16H13ClN2O

 

Indikation:

Angstverminderung, Schlafförderung, Sedierung (Beruhigung), Muskelrelaxion

Geschichte:

Diazepam wurde 1963 als Nachfolger von Miltaun® (Wirkstoff: Meprobamat) und Librium® (Wirkstoff: Chlordiazepoxid) von der Pharmaindustrie eingeführt.  Diazepam war vor allem in den 70er und 80er Jahren sinnigerweise Symbol für Sucht, Betäubung und Volksverdummung.

Erst später fanden Wissenschaftler heraus, dass Diazepam und Desmethyldiazepam auch körpereigene Chemikalien, also natürliche Drogen des menschlichen Körpers sind, welche man als Endovalium bezeichnet (Rätsch 1998, Zehentbauer 2001). Vereinfacht gesagt, kommt Endovalium immer dann automatisch zum Einsatz, wenn Angst und Aufregung gedämpft werden müssen, wenn Mensch sich also in subjektiv furchterregenden Stresssituationen befindet.

 

Handelsnamen:

Diazep®, diazep®, Diazepam Desitin®, Diazepam®-Lipuro, Diazepam-ratiopharm®, Diazepam-Stada®, Faustan®, Psychopax®, T-quil®, Tranquase®, Valiquid®, Valium®, Valoxona® u. v. a.

 

 

Marktformen:

Injektionslösung, Klistier, Tabletten, Tropfen, Zäpfchen

Antidot (Gegenmittel):

Flumazenil; Handelsname: Anexate®

Kontraindikationen:

Diazepam darf nicht verabreicht werden bei Alkohol-, Medikamenten- und Drogensucht (Drogen wie Opiate, Crack, Amphetamine …), krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis), bekannter Atemfunktionsstörung (Ateminsuffizienz) und Überempfindlichkeit gegenüber Benzodiazepinen, insbesondere Diazepam sowie unter akutem Alkoholeinfluss.

Wirkungen:

In normaler medizinischer Dosis wirkt Diazepam angstlösend, beruhigend, leicht betäubend bis einschläfernd und muskelrelaxierend (muskelerschlaffend). Der Patient fühlt sich u.U. ein wenig high oder benebelt. In zu Rauschzwecken überdosierten Mengen verstärken sich die Wirkungen meist so sehr, dass der Konsument nach einem kurzen Highgefühl einschläft.

Nebenwirkungen & Gefahren:

Amnesie (der Konsument hat u.U. einen „Filmriss“), Atemdepression, eingeschränkte Leberfunktion (Diazepam kann bei Langzeiteinnahme schwere Leberschädigungen verursachen), Kopfschmerzen, Koordinationsstörungen, Müdigkeit, Schwindel, Tagessedierung (Nachwirken der am Abend eingenommenen Medikamente), verwaschene Sprache („schwere Zunge“), Verwirrtheit.

In Kombination mit anderen Medikamenten und Substanzen (Mischintoxikation) können gefährliche Wechselwirkungen beobachtet werden. Diazepam sollte niemals zusammen mit Alkohol engenommen werden, da der Alkohol die Möglichkeit einer Ateminsuffizienz enorm begünstigt. Zusätzlich potenzieren sich die einschläfernden/betäubenden Effekte, was dazu führen kann, dass Konsument seinen Atemstillstand und darauffolgenden Erstickungstod ‚verschläft’.

Im Idealfall wird unter einer Diazepam-Anwedung jedwede die Psyche beeinflussende Substanz gemieden.

Abhängigkeitspotenzial:

Nach 4-6 Wochen Dauerkonsum von Diazepam hat sich in aller Regel eine starke Abhängigkeit ausgebildet. Entzugssymptome bei Absetzen können sein: Depressionen, Muskelzittern, Suizid(absicht), Schmerzen.

Rechtslage:

Diazepam unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG), ist aber verschreibungspflichtig. Während meiner Recherche im Internet bin ich auf die Website eines Pharma-OnlineOrder-Unternehmens aus den USA gestoßen, die per VISA und MASTERCARD Diazepam im 30er-, 50er- und 100er-Pack weltweit frei an jeden versenden.

Interessant:

Der Wirkstoff Diazepam gilt als zuverlässiges Gegenmittel zu LSD-25, Psilocybin und Meskalin. Man kann also einen von diesen Entheogenen induzierten Trip mit Diazepam beenden. Dies ist z.B. dann interessant, wenn der Konsument sich auf einem sogenanten ‚Bad-Trip’ befindet, sich also eine Panik oder latent vorhandene Psychose nach Einnahme der psychedelischen Droge ausbildet.

Literatur:

BERGER, MARKUS, Im Schussfeld: Piper methysticum, Kava Kava – Das neue Feindbild, Hanf Journal Dezember 2002

RÄTSCH, CHRISTIAN, Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, AT-Verlag 1998

ZEHENTBAUER, JOSEF, Körpereigene Drogen, Patmos Verlag 2001

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