Sieben Gründe, weshalb die Karibik bald zum Cannabis-Hotspot werden könnte

Die Karibik Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass sich einige Staaten in der Karibik in den kommenden Jahren zum El Dorado für Cannabis und deren Nutzer mausern könnten. Lesen Sie die sieben wichtigsten Gründe hier.

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Mit Ausnahme von Kuba ist Cannabis in der ganzen Karibik sehr verbreitet. Grund hierfür sind historisch betrachtet die vielen Arbeiter/innen aus Indien, die im Zuge der britischen Kolonialherrschaft ihr „Ganja“ mitbrachten, um sich von der harten Plantagenarbeit zu entspannen. Seit den 1930er Jahren erhält zudem die Rastafari-Bewegung, die Cannabis als heiliges Sakrament betrachtet, nicht nur auf Jamaika immer stärkeren Zulauf. Mit Puerto Rico und Jamaika gibt es jetzt schon zwei Staaten mit medizinischem Cannabis-Programm, doch das scheint nur der Anfang von etwas viel Größerem zu werden. Seit die ersten US-Bundesstaaten re-legalisiert haben, scheint die Angst vorm Großen Bruder, der seine drogenpolitischen Interessen in der Karibik mitunter mit drastischen Mitteln durchgesetzt hat, nicht mehr all zu groß zu sein. Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass sich einige Staaten in der Karibik in den kommenden Jahren zum El Dorado für die illegalisierte Pflanze und deren Nutzer mausern könnten. Lesen Sie die sieben wichtigsten hier:

Jamaika hat just zum 70. Bob Marley Geburtstag 2015 Cannabis zu medizinischen, religiösen und wissenschaftlichen Zwecken legalisiert. Gleichzeitig wurde der Besitz von bis zu zwei Unzen für Erwachsene und der Anbau von bis zu fünf Pflanzen für den Eigenbedarf entkriminalisiert.

Außerdem  wurde 2015 eine paritätisch besetzte Cabinet Sub-Committee on Ganja gegründet, das die Regeln für den Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken ausarbeiten sollte. Der Entwurf für das Regularium steht, und Ende Januar wurde die Cannabis Licensing Authority (CLA) des Landes vom Komitee angewiesen, mit ihrer Arbeit anzufangen. Die Produzenten sitzen bereits in den Startlöchern und warten derzeit sehnsüchtig auf die ersten Anbaulizenzen. Zudem ist die Zahl der Verhaftungen wegen Ganja 2015 um 14.000 Fälle gesunken.


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Auf dem jüngsten Treffen der Karibischen Union (CARICOM), das Ende Januar 2016 auf St. Lucia stattfand, hat der Präsident von St. Vincent und den Grenadinen, Ralph Gonsalves, Cannabis als Alternative zu Bananen-Monokulturen ins Spiel gebracht. Einem Bericht von telesur.tv zufolge verspricht sich der Präsident nicht nur einen Nutzen für die heimische Wirtschaft, auch die Umwelt soll profitieren: „Das Resultat der Bananenwirtschaft ist Entwaldung und Erosion auf den Bergen und in den Tälern. So geht das mit Bananen jetzt seit 50 Jahren. Wenn es regnet, kommen Überflutungen, das Land wird in die Flüsse gespült, die Stauden werden ausgerissen und weg gespült, stauen die Flüsse an und zerstören Brücken und Häuser. Und sie töten Menschen.“

Unterstützt wurde der Präsident auf dem Treffen vom Vertreter des Caribbean Drug & Alcohol Research Institute in St. Lucia, Marcus Day, dem es in seinem Land nicht schnell genug zu gehen scheint: „Ich glaube, es ist an der Zeit, im 21. Jahrhundert anzukommen und das Verbot, das so viel Schmerz verursacht hat, zu beenden.“

Am weitesten ging Valentine James, ebenfalls Delegierter des Gastgeberlandes St. Lucia: „Ich habe das Gefühl, es gibt mehr zu exportieren als Bananen, weil es im Ghetto viele junge Menschen gibt, die es gerne anbauen und verkaufen würden. Bananen verkaufen sich nicht so schnell wie Marihuana.“

St. Vincent und die Grenadinen sind US-Angaben zufolge bereits jetzt einer der größten illegalen Cannabis-Exporteure der Region.


Genau einen Tag, nachdem Jamaikas neues Cannabis-Gesetz in Kraft getreten war, hat die Karibische Union eine Cannabis-Kommission gegründet, in der alle 15 Mitgliedsstaaten vertreten sind. Zur Gründung im März 2015 kündigte der Premier der Bahamas, Perry Christie, als damaliger Kommissions-Vorsitzender an, man werde „bald damit beginnen, sich mit den wirtschaftlichen, medizinischen und juristischen Aspekten des Cannabiskonsums zu beschäftigen und sich mit Betroffenen treffen, um sich eine Übersicht zu verschaffen.“ Noch hat die Kommission keine Ergebnisse präsentiert.


In Jamaika sollen Cannabis-Patienten gezielt als Touristen gelockt werden. Hierfür gibt es sogar ganz offiziell Unterstützung von Tourismusminister Wykeham McNeill, der die Reform „historisch und revolutionär“ nannte. Nachdem das Thema „Cannabis-Tourismus“ auch Thema einer Konferenz der Caribic Tourism Organisation (CTO) im Jahr 2014 war, liebäugelt nicht nur Trinidad und Tobago mit dem Gedanken, dem Beispiel Jamaikas bald zu folgen.


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Vor nicht ganz drei Jahren fand man bei Kamla Persad-Bissessar, von 2010-2015 Premierministerin von Trinidad und Tobago, fünf Gramm einer „Cannabis ähnlichen Substanz“, die niemals analysiert wurde. Deshalb kann jetzt auch niemand behaupten, Frau Persad-Bissessar sei eine Kifferin. Außerdem macht man sich auf den beiden Inseln ernsthafte Gedanken, dem Beispiel Jamaikas zu folgen.


Puerto Ricos Gouverneur Alejandro Garcia Padilla hatte schon eine Weile mit dem Gedanken gespielt, medizinisches Cannabis zu legalisieren, ohne jedoch den Eigenbesitz sowie den Konsum zu entkriminalisieren. Trotzdem war es für viele Beobachter überraschend, dass Padilla das neue Gesetz schon im Mai 2015 per Erlass verfügte. Mittlerweile sind auch dort die Regularien festgeschrieben, und die ersten Lizenzen werden in Kürze erwartet.


Die Caribbean Public Health Agency (CARPHA) ist in Sachen Cannabis ein wenig liberaler als WHO oder EU-Gesundheitsbehörden. Zwar ist sie nicht gerade begeistert und verweist auf die Notwendigkeit weiterer Studien, akzeptiert aber zumindest die grundlegende Notwendigkeit. Der Chef der Organisation, Dr. James Hospedales, schreibt hierzu: „Machen Sie weiter, aber sehr vorsichtig“ und verweist auf die immense Wichtigkeit des Jugendschutzes.


Die Aufbruchsstimmung in einigen Ländern darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Länder wie Guyana oder die Dominikanische Republik den Besitz und Konsum immer noch sehr drastisch bestrafen und bislang wenig von den neuen Ideen ihrer Nachbarinseln- und-staaten halten. Das könnte sich allerdings ändern, wenn die Cannabis-Kommission der Karibischen Union zu dem Schluss kommt, dass Puerto Rico und Jamaika mit gutem Beispiel voranschreiten.

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