Sensi Seeds-Interview mit Rick Simpson

Rick Simpson Rick Simpson wurde 2008 mit dem YouTube-Video „Run from the Cure“ innerhalb der Cannabiscommunity bekannt. Das Video zeigte sein Verfahren zur Herstellung eines Cannabiskonzentrats, von dem Rick Simpson behauptet, dass es Krebs und andere Krankheiten heilen kann. Sensi Seeds konnte vor Kurzem ein Interview mit ihm führen, als er zu Besuch in Amsterdam war.

Hallo Rick Simpson, danke für die Bereitschaft, mit uns zu sprechen. Zunächst: Wer sind Sie, und woher kennen die Leute Sie?

RS:
Ich komme aus Nova Scotia in Kanada und habe vor vielen Jahren die heilenden Eigenschaften der Extrakte entdeckt, die aus der Cannabispflanze gewonnen werden können. Insbesondere gilt das für die Indica-Sorten.

Ich bin eigentlich hier, um die Cannabispflanze zu befreien. Insbesondere für die medizinische Anwendung. Zunächst einmal hat niemand das Recht und hatte niemals jemand das Recht, diese Pflanze für illegal zu erklären. Sie wird gerade heute dringend benötigt, es gibt heutzutage so viele Leute mit Krankheiten. Unser Immunsystem wird durch unsere Umwelt geschädigt. Wir leben in einer vergifteten Welt, und es wird jeden Tag schlimmer.

Cannabis dient nicht nur der Gesundheit, es kann auch unseren Energiebedarf decken.

Wir müssen diese Pflanze befreien, da wir wirklich eine auf Hanf basierende Wirtschaft benötigen anstelle dieses Blödsinns, den wir heute auf Basis fossiler Brennstoffe betreiben. Cannabis dient nicht nur der Gesundheit, es kann auch unseren Energiebedarf decken, den Hunger beenden und die Menschen zurück aufs Land führen. Ich glaube, es kann so auch die Arbeitslosigkeit beenden. Es gibt der Menschheit eine Zukunft. Wir können diesen Planeten wieder in einen guten Zustand versetzen. Wenn wir aber in dem Tempo weitermachen, das wir derzeit vorlegen, glaube ich wirklich, dass wir innerhalb von 10 bis 15 Jahren ausgelöscht werden können. Und zwar deshalb, weil unser Immunsystem durch unsere Umwelt und alles, was darin ist, geschädigt wird. Wenn das Immunsystem geschädigt ist, gibt es keinen Schutz mehr.

S: Sie sind jetzt in Amsterdam. Ich weiß aber, dass Sie auch 2009 für den Cannabis Cup hier waren, wobei Sie den Preis als Freedom Fighter des Jahres erhielten. Ist es nun die erste Gelegenheit für Sie, die Dronkers-Familie zu treffen?

R: Nachdem ich 2009 den Cannabis Cup gewonnen hatte, fuhr ich nach Wien und traf dort zwei Söhne von Ben. Aber wir konnten eigentlich nichts machen. Ich war damals erschöpft, ausgelaugt von den ganzen Reisen, die ich gemacht hatte. Aber es war nett von den Dronkers, mir ein Apartment für diese Veranstaltung zu überlassen. Soweit ich das sehe, leisten sie gute Arbeit, weshalb ich mich über die Bekanntschaft mit ihnen freue.

Rick Simpson erhält auf dem Cannabis Liberation Day 2016 den Koos Zwart Award.Rick Simpson erhält auf dem Cannabis Liberation Day 2016 den Koos Zwart Award.

S: Kürzlich waren Sie der Ehrengast beim Cannabis Liberation Day, bei dem Sie den Koos Zwart Award (den im letzten Jahr Ben Dronkers gewonnen hatte) für Ihre Cannabisaktivitäten erhielten. Können Sie uns ein wenig mehr darüber erzählen?

R: Die gesamte Veranstaltung ist wunderbar, dachte ich schon damals. Bei vielen dieser Cannabisveranstaltungen tauchen häufig recht seltsame Leute auf. Aber bei dieser Veranstaltung traf ich auf viele Leute, die auf dem richtigen Weg sind, damit Cannabis in geeigneter Form legalisiert wird. Also war ich ziemlich begeistert, diesen Preis zu erhalten, und wirklich glücklich, an der Veranstaltung teilnehmen zu können. Der Cannabis Cup ist wie eine große Party, aber diesmal war es ernsthafter, und ich war sehr zufrieden damit.

S: Meinen Sie, dass Sie nochmals kommen werden?

R: Ja, klar. Ich wäre glücklich.

S: Sie arbeiteten jetzt gerade an Run from the Cure 2: Run to the Cure. Es gab ein erfolgreiches Crowdfunding, und der Trailer wurde 2014 vorgestellt. Können Sie uns ein wenig davon erzählen, wie geht es weiter? Wann können wir hoffen, den Film zu sehen?

R: Ich wünschte, ich könnte Ihnen das sagen. Ich bekomme ständig E-Mails, in denen ich nach Run from the Cure 2 gefragt werde. Ich arbeite daran. Tatsächlich stammt mehr als ein Viertel des eingeworbenen Geldes aus meiner eigenen Tasche, aus Buchverkäufen. Die Idee war, dass Christian Laurette [der Regisseur und Produzent von Run from the Cure und der geplanten Fortsetzung, die Red.] die Dokumentation fertigstellen und sobald wie möglich veröffentlichen sollte. Während der letzten beiden Jahre habe ich aber jeden Kontakt zu ihm verloren. Also weiß ich nicht, ob er unter Druck gesetzt wurde … die Gesellschaft hat so viele Möglichkeiten, einem Steine in den Weg zu legen. Ich glaube, dass Christian bei dem Original von Run from the Cure eine großartige Leistung erbracht hat, weiß aber wirklich nicht, was bei dem anderen Video passiert ist. Mein Ziel war immer, so viel Information wie möglich zu geben, aber jetzt, mit Run from the Cure 2, weiß ich wirklich selbst nicht Bescheid.

Rick Simpsons Weckruf

Es sind aber derzeit auch noch andere Dokumentationen in Arbeit. Wir haben in Indien eine Menge Bildmaterial gedreht, als ich letztes Jahr dort war. Daraus sollte Rick Simpsons Weckruf werden. Er wurde aber bislang nicht veröffentlicht. In den USA gibt es einen anderen Herrn, der einige große Dokumentationen gemacht hat und an dem Material interessiert ist.

Was ich den meisten Menschen empfehle, da es das Beste ist, was man tun kann, ist, mit dem Lesen von Zeitungen aufzuhören und nicht mehr fernzusehen. Ich habe meinen Fernseher 2003 abgeschafft und sehe seitdem nur noch Dokumentationen. Dabei lernt man wirklich, wie die Welt ist, in der wir leben. Nicht alles im Internet trifft zu, aber man muss in sich gehen und seine eigene Wahrheit finden. Sie können mir aber glauben, ich bin überzeugt, dass derartige Dokumentationen für jeden sehr lehrreich sind.

S: Können Sie uns erzählen, wie Sie erstmals von Cannabis hörten?

R: Wir hörten in den 1960er Jahren erstmals von Cannabis. Damals war ich etwa 20 Jahre alt, und alle meine Freunde hatten angefangen, Cannabis zu rauchen. Da ich aber viel klüger war als sie, blieb ich beim Alkohol. Als ich etwa 35 war, begann ich schließlich, selbst Cannabis zu rauchen und den Alkohol zu meiden. Das war eine sehr gute Erfahrung, denn es hilft, vom Schnaps weg zu kommen. Ich hatte Cannabis nie als medizinische Pflanze angesehen und wirklich nie daran gedacht, bis ich selbst verletzt wurde. 1997 erlitt ich eine schwere Kopfverletzung, bei der ein postkommotionelles Syndrom zurückblieb.

Die Ärzte gaben mir alle möglichen Medikamente, die aber nichts als Schaden anrichteten und meinen Zustand weiter verschlimmerten. Etwa ein Jahr nachdem ich verletzt wurde, sah ich eine Episode von „The Nature of Things“ mit Dr. David Suzuki, die den Titel „Reefer Madness 2“ trug. Dieser Film zeigte Cannabis rauchende Patienten, denen das sehr gut bekam, obwohl sie ernsthaft erkrankt waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich kein Cannabis, daher ging ich los und holte mir etwas von einem Freund. Ich rauchte es und bemerkte, dass es mir mehr half als irgendetwas, das mir die Ärzte gegeben hatten.

Das Programm für medizinisches Cannabis

In Kanada gibt es das Programm für medizinisches Cannabis, und ich dachte, dass ich von einem Arzt ein Rezept bekommen könnte. Aber alle Ärzte sagten mir dasselbe: „Das wird noch untersucht“, „es ist schädlich für die Lungen“. Ich habe an das Gesundheitssystem geglaubt, weil ich selbst 25 Jahre dafür gearbeitet habe. Ich bin Ingenieur, kein Arzt, habe aber in einem Krankenhaus gearbeitet. Also glaubte ich an das, was gemacht wurde. Ab 1999 lösten diese Medikamente bei mir Selbstmordgedanken aus. Verzweifelt ging ich eines Tages zum Arzt und fragte: „Was würden Sie davon halten, wenn ich aus Cannabis ein ätherisches Öl gewinnen und es schlucken würde, anstatt zu rauchen?“ Der Arzt zögerte, nachdem ich das gesagt hatte, und meinte: „Das wäre eine medizinisch sehr viel geeignetere Art der Anwendung.“

Aber er wollte mir immer noch kein Rezept geben.Dann habe ich selbst Cannabis angebaut und den Extrakt selbst gemacht.Ich schäme mich fast, das zu sagen, aber ich hatte Angst, ihn einzunehmen.Ich wusste, dass die Indica-Sorten stark sedierend sind, aber ich machte daraus ein Konzentrat.Ich wusste nicht, was ich sonst tun könnte, und hatte ein wenig Angst.Ende 2001, ungefähr drei Jahre später, bestellte der Arzt mich wieder in seine Praxis.Er sagte: „Es gibt nichts mehr, was wir für Sie tun können. Wir haben Ihnen alles gegeben, was wir haben. Sie sind also auf sich selbst gestellt.“Wieder bat ich um ein Rezept; wieder wurde es abgelehnt.So befand ich mich dann wirklich in der Lage, keine Wahl zu haben.Ich begann, abends eine Stunde vor dem Zubettgehen kleine Dosen des Extraktes zu nehmen. Als ich dann die Dosis erhöhte, fand ich den Schlaf und die Ruhe, die ich benötigte.Zu diesem Zeitpunkt hatte ich seit fünf Jahren keinen guten Schlaf mehr gehabt.Meine Denkprozesse klärten sich, ich bekam meinen Blutdruck unter Kontrolle, und ich konnte die Arthritis in meinen Knien heilen.Ich konnte wieder ein gesundes Gewicht erreichen und verlor 30, 40 Pfund.Es war wunderbar, dies alles zu erleben.Die Menschen in meiner Umgebung bemerkten es auch. Die Besserung war sehr deutlich.

Rick Simpson, Cannabisaktivist aus KanadaRick Simpson, Cannabisaktivist aus Kanada

Drei Hautwunden – warum aber sollte ich Krebs haben?

Ende 2002 ging ich zu meinem Arzt, um ihm drei Wunden zu zeigen, die ich hatte: Eine in der Nähe meines Auges an der Nase, eine an der Wange und eine auf meiner Brust. Ich hatte sie seit den 1990er Jahren. Sie wollten nicht abheilen. Ich befürchtete, dass es Hautkrebs wäre. Als der Arzt sie sich ansah, beunruhigte ihn die Wunde an meinem Auge am meisten. Er sagte, dass diese zuerst entfernt werden müsste und dass ich dann später nochmals kommen solle, um die beiden anderen Stellen zu behandeln. Ich wurde operiert. Als ich mir ungefähr eine Woche später die operierte Stelle in einem Vergrößerungsspiegel ansah, war sie infiziert. Das passiert heutzutage leider häufig in Krankenhäusern. Es war wirklich ziemlich übel.

Genau in dem Augenblick erinnerte ich mich an eine Studie, die etwa 1975 von einem lokalen Radiosender verbreitet wurde, bei der festgestellt worden war, dass THC, also der aktive Wirkstoff von Cannabis, Krebszellen abtötet. Damals dachte ich: „Also, das kann nicht stimmen.“ Denn ich hatte die Extrakte seit einem Jahr genommen, und wenn es stimmen würde, wie könnte ich dann Krebs bekommen haben?

Rick Simpson hätte beinahe noch nicht einmal das Öl genommen

Ich hasse es zu sagen, dass ich beinahe noch nicht einmal das Öl ausprobiert hätte.Aber ich dachte, schön, ich habe diese Stellen ja sowieso, also habe ich einen Öltropfen auf die Stelle auf meiner Wange und einen auf diejenige auf meiner Brust geträufelt und jeweils einen Verband darauf getan.Jeder, der Basalzellkarzinome hat, weiß, dass sich das anfühlt, als habe man Splitter wie von Holzspänen an der betroffenen Hautstelle.Das ist immer störend, und normalerweise ist die Stelle aufgedunsen oder leicht blutend und häufig eine offene Wunde.Sobald ich den Extrakt darauf gegeben hatte, bemerkte ich, dass das Splittergefühl sofort verschwand.Aber ich fühlte sonst nichts.Also ließ ich die Verbände, wie sie waren.

Ich erinnere mich, dass ich richtig geschockt war, als ich vier Tage später die Verbände abnahm und in den Spiegel schaute. Denn dort sah ich nur vollständig ausgeheilte, rosige Haut. Das Gleiche mit der Stelle auf meiner Brust. Ich habe dann Freunden und Nachbarn erzählt, was ich gemacht hatte, und sagte: „Ich glaube, dieser Extrakt der Cannabispflanze hat meine Krebserkrankungen tatsächlich geheilt“. Natürlich haben mich alle ausgelacht! „Ja klar, Rick, Cannabis heilt Krebs. Du bist wirklich verrückt.“ Ungefähr sieben Wochen später, trat der Krebs an der chirurgisch behandelten Stelle erneut auf. Ich beobachtete seine Entwicklung, die Schwellung und das Splittergefühl im Gesicht.

S: Wurde eine pathologische Untersuchung des entfernten Gewebes durchgeführt?

R: Ja, es gab eine Untersuchung [von der Stelle an der Nase, die Red.]

S: Und die anderen beiden?

R: Sie waren alle gleich, dasselbe Gefühl, dasselbe Aussehen. Diese kam zurück. Also habe ich einen Tropfen Öl auf die betroffene Stelle getan, einen Verband angelegt und vier Tage darauf gelassen. Dann nahm ich den Verband ab: Vollständig ausgeheilt. Das ist jetzt gut 13 Jahre her, und ich musste diese Bereiche niemals wieder behandeln.

Ein paar Tage später ging ich zu meinem Arzt, um ein Exemplar des pathologischen Berichts zu erhalten. Dort stand ganz klar: Basalzellkarzinom. Die Frau des Arztes arbeitete am Empfang und wusste, dass ich den Arzt mehrfach um Cannabis-Rezepte gebeten hatte. Ich sagte ihr, dass ich am Abend gerne wieder kommen und mit dem Arzt über etwas sprechen möchte, an dem ich arbeite. Sie sah mich an und sagte: „Worum geht es?“ Ich erklärte, dass der entfernte Krebs innerhalb von sieben Wochen wieder aufgetreten sei. Also hätte ich ihn und die beiden anderen Stellen mit Cannabisöl geheilt.

„Ich hatte die Extrakte bereits geschluckt und wusste also, dass es ungefährlich war.“

An diesem Punkt habe ich begonnen, anderen Leuten die Extrakte zu geben. Zunächst ging es um Hauterkrankungen wie Psoriasis, Hautkrebs, Verbrennungen dritten Grades; alles von dieser Art, die Heilwirkung ist wunderbar. Kurze Zeit später begann ich, den Leuten die Extrakte für die Behandlung von inneren Krebserkrankungen zu geben, denn ich dachte mir einfach, wenn sie äußerlich auftretenden Krebs heilen, warum dann nicht auch inneren? Ich hatte die Extrakte ja bereits geschluckt und wusste also, dass es ungefährlich war … Damit ging es dann so richtig los. Die Ergebnisse waren erstaunlich. Und dies erzählten die Betroffenen ihren Freunden und Nachbarn, und dann kamen mehr und mehr Leute.

Das Cannabiskonzentrat, von dem Rick Simpson sagt, dass es seinen Hautkrebs geheilt habeDas Cannabiskonzentrat, von dem Rick Simpson sagt, dass es seinen Hautkrebs geheilt habe

S: Können Sie uns erzählen, was Sie als Nächstes tun werden?

R: Ich werde Donnerstag nach Zagreb zurückfahren, hoffe aber, innerhalb der nächsten zwei oder drei Wochen nach Spanien oder Portugal reisen zu können. Einige dieser Staaten sind deutlich Cannabis-toleranter, sogar mehr als die Niederlande. Hinter verschlossenen Türen kann man eine Menge Cannabispflanzen ziehen. Ich möchte dorthin fahren und diese Extrakte bis zu höchsten medizinischen Standards perfektionieren. Das ist mein Ziel – die Medizin zu perfektionieren und den Preis zu senken.

Denn der ist das Problem auf dem Schwarzmarkt.Woran liegt das?An unseren Regierungen.Cannabis wurde über Tausende von Jahren als Feldfrucht angebaut, ohne jegliche Vorschriften.Warum benötigen wir jetzt Vorschriften?Die einfache Wahrheit ist, dass die Erlaubnis, Cannabis in geeigneter Form anzubauen, dazu führen würde, dass man für zehn Dollar medizinische Buds in höchster Qualität erwerben könnte.Denn es ist eine Feldfrucht, nicht anders als Getreide oder etwas anderes.Wir brauchen Freiheit. Ich habe immer gesagt, dass wir uns selbst befreien, wenn wir die Cannabispflanze freigeben.

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