Schilderung einer ritualisierten Hanferfahrung

Bergmondwanderer
mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“
.
.

Der vorliegende Artikel ist die Schilderung einer ritualisierten Hanferfahrung, die passend zum Räucherthema erschien, da die Erfahrungen des Autoren deutlich von dem abweichen, was von Hanf zu erwarten wäre – ohne intensive Vorbereitung dürfte eine solche Erfahrung jedenfalls schwerlich nachvollziehbar sein. Wie bei allen Anwendungen von Pflanzen oder Substanzen die dem BtMG unterstehen, ist auch hier bei Nachahmung auf die Einhaltung bestehender Gesetze zu achten.

Wir waren der alltäglichen Welt entflohen und hockten nun im Kreis beisammen, auf der Suche, ob es da noch etwas anderes gebe, etwas, was die gewohnten Grenzen und Festlegungen übersteige, etwas, was nicht einfach voraussehbar war und gerade deshalb ungeahnte Erfahrungen barg. Wir waren gekommen, ohne, dass wir genau gewusst hätten, warum, es hatte uns einfach an diesen Ort getrieben, wie von einer höheren Macht gesteuert und nun harrten wir gespannt, auf die Dinge, die da kommen würden.

In der Mitte des Raumes erhob sich ein Leuchter, mit brennenden Kerzen, der die Achse des Universums versinnbildlichte und eine Vase mit goldgelb leuchtenden Sonnenblumen symbolisierte den Weltenbaum, der aus der Tiefe der Urwasser emporwuchs und dem schließlich alles Dasein entsprungen war. Darunter lagen die persönlichen Kraftobjekte der Anwesenden; Steine, Muscheln, Figuren und Statuetten, Kräuter und Räucherwerk und vieles, vieles andere, was von dort aus seine ätherische Energie zu entfalten vermochte, um heilend auf die Gruppe einzuwirken. Von der Erwartung auf eine großartige Vision getragen, bewaffneten sich viele mit einem Musikinstrument und bald schon ertönte ein Gesang von Trommeln, Rasseln und klingenden Glocken getragen. So ging es lange Zeit und die Strophen wollten kein Ende finden. Doch dies tat der Inbrunst der Beteiligten keinen Abbruch, sondern steigerte nur das Verlangen sich in den berauschenden Klängen zu verlieren und im ständigen Einerlei der monotonen Rhythmen verbreitete sich ein trancehaftes Empfinden, das uns Raum und Zeit zu entheben schien.

Inzwischen hatte der Oberschamane die Götter und Geister geehrt und mit glimmenden Salbei alle unguten Einflüsse vertrieben, hatte seine Zaubersprüche aufgesagt, zu den höheren Mächten gebetet und während des ganzen Rituals sorgsam die Zeremonialpfeife gestopft, die nun prall gefüllt mit den Kräutern der Götter darauf wartete, entzündet zu werden. Aufregung verbreitete sich und die Musik riss ab. Die Gruppe erstarrte in gespannter Erwartung. Der Schamane sprach noch ein Gebet, ehrte noch einmal die Ahnen und nahm dann den ersten Zug, um daraufhin die Pfeife weiter zu reichen. Begieriges Schnaufen durchfuhr nun den Raum und alle stellten sich die bange Frage: Würde ein einziger Zug zum Aufsteigen reichen?

Rauchschwaden tänzelten in die Luft, so, als wollten sie dem Himmel künden: „Wir kommen gleich.“ Jeder war versessen, den Geist der göttlichen Pflanze in sich aufzusaugen, von dem Wunsch beseelt, weit, weit weg, hinter die Sterne zu reisen.

Nachdem die Pfeife die Runde gemacht hatte, nahmen wir wieder die Gesänge auf und es dauerte nicht lange, da wurden wir wieder eins mit dem Rhythmus und ich bemerkte plötzlich, wie ich von der Last meiner eigenen Schwere frei wurde, als wäre ich ein wenig meinem Körper entrückt. Meine Knie schmerzten nicht mehr, trotz der unbequemen Sitzhaltung. All die innere Anspannung, die ich ständig mit mir herumtrug, fiel einfach von mir ab und ich fühlte mich leicht wie eine Feder im Abendwind.

Ich schwebte gerade auf einer seligen Welle des Glücks dahin, eines Glücks, von dem ich annahm, es würde nie ein Ende finden, da traf mich auch schon die Angst ganz unerwartet, wie ein Pfeil. Ich fürchtete die Kontrolle über mich zu verlieren, fürchtete, mir nicht mehr selber helfen zu können, fürchtete, einer höheren Macht, die ich nicht zu beeinflussen vermochte, ausgeliefert zu sein. Mein Ich wehrte sich dagegen, mit dem Weltganzen zu verschmelzen und blickte deshalb ängstlich im Kreis umher. Wo war ich hier nur hin geraten? durchfuhr es mein Innerstes. Wer waren all die Leute, die mich umgaben? Keinen einzigen von ihnen kannte ich. War ich etwa in das Nest einer Sekte geraten? Vielleicht würden sie mich nie, nie wieder von hier fortgehen lassen? Vielleicht waren in der Gruppe einige Schurken darunter, die ahnungslose Menschen in dieses einsame Haus lockten, sie ausraubten, vergewaltigten, vierteilten. Die gewaltigsten Verbrechen schossen mir durch den Kopf und kalter Schweiß benetzte meine Stirn und ich saß da, in der Erwartung, jeden Augenblick könnten die Bremer Stadtmusikanten durch das Fenster brechen und zu uns hinein in den Raum flattern.

Doch dann schob ich alle Bedenken beiseite und sagte mir, dass der Zustand den ich gerade erlebte, ein Risiko wert sei. War es nicht toll hier zu sitzen und dennoch davon zu fliegen? So schnell wie meine Ängste gekommen waren, so schnell verließen sie mich auch wieder und mein Empfinden wandelte sich geradezu in sein Gegenteil. Ich hatte den Eindruck gewonnen, als ob sich die Grenzen meines Ichs mehr und mehr aufzulösen begännen, denn ganz plötzlich bemächtigte sich meiner ein unbeschreibbares Gefühl der Zusammengehörigkeit mit der Gruppe. In diesem Augenblick war ich mir felsenfest sicher, dass alles was ich dachte, auch die anderen in diesem Raum denken würden, so, als wären wir in einem einzigen Geist vereint. Es war fast so, als wären all die vielen Menschen zu einem größeren Wesen verwachsen, zu einem Wesen, das zwar aus der Quelle all der Individuen gespeist wurde, aber dennoch eine eigene, in sich geschlossene Einheit bildete. Es war ein Wesen, das den ganzen Kreis der Anwesenden umfasste und mir wie eine riesige Zelle erschien. Der Altar mit dem Leuchter in der Mitte, das war die DNS, hier lag das Erbgut des Unbegreiflichen, des Numinosen verborgen, während die rhythmisch sich wiegenden Menschen im Kreis die Zellwand einer übergroßen Amöbe formten, die gerade durch einen winzigen Tropfen Wasser schwamm.

All meine Bedenken, die mich kurz zuvor noch gefesselt hatten, kamen mir jetzt so furchtbar lächerlich vor und ich genoss es, Teil eines umfassenden Organismus zu sein. Und dann wurde mir klar, dass in Wahrheit alle Menschen auf dieser Erde gemeinsam einen solchen Organismus bildeten und ein umfassendes Wesen formten, auch wenn wir dieses Geschöpf nicht zu erfassen vermochten, weil wir alle wie Zellen in seinem Innersten angesiedelt waren und seine Außenwelt für uns in einer anderen, unerreichbaren Dimension lag. Vielleicht besaß dieses Wesen eine höhere Realität als wir selbst. Vielleicht kam unserem Ich nur ein niedrigerer Wirklichkeitsgrad zu, so dass unsere wahre Identität in diesem umfassenden Wesen verborgen lag. Vielleicht war unser Ich überhaupt nur eine Illusion. In diesem Moment war ich mir vollkommen sicher, dass mein Geist mit diesem unfassbaren Übergeist untrennbar verbunden war und ich wusste, dass ich nach meinem Tode in dieses höhere Wesen eingehen würde, um mit ihm zu verschmelzen, eins zu werden und dadurch weiterzuleben, denn mein wahres Ich war nicht das, was ich hier in der Welt dafür hielt, sondern es war die Selbsterfahrung dieses, uns übersteigenden Wesens.

Ein Gefühl freudiger Gelassenheit überkam mich und dann sah ich wie wenig mir dies bisher in meinem Alltag bewusst gewesen war. Wie viel Mühe wendete ich Tag für Tag dafür auf, um mich von anderen abzugrenzen: wie viel Mühe kostete es mich, der Welt meine Person vorzuspielen? Was tat ich nicht alles dafür, dass andere meinem Ich die nötige Aufmerksamkeit zollten. Glänzend und strahlend sollte es nach außen hin wirken und wie schmerzhaft nagte es an meinen Eingeweiden wenn mir dies nicht so recht gelang und die erhoffte Anerkennung ausblieb. Dann war ich verzweifelt und Wut stieg manchmal hoch, weil ich fürchtete, nicht den notwendigen Respekt erhalten zu haben. Doch nun erkannte ich, dass diese Ich-Person in Wahrheit nur aus meinen zahllosen Ängsten bestand, Ängste, die aus dem Urgrund der Seele hervortraten und mich erstarren ließen, Ängste, die mich daran hinderten, mit dem Weltganzen zu verschmelzen, weil mein ganzes Streben darauf gerichtet war, mein Ich zu fördern und zu erhalten. Ich sah, wie ich mich in den Grund der

Erde verkrallte und wie ich mein Dasein nicht loslassen wollte. Alles was ich auch tat, diente nur der Verfestigung meines Ichs.

Und dann erkannte ich, wie aus meinen Ängsten Vorurteile gegenüber anderen Menschen erwuchsen und ich erfuhr, wie das, was ich den anderen anlastete, nur meine eigene Unsicherheit war. Ich sah, wie die zahllosen Verletzungen und Enttäuschungen, die ich in diesem Leben schon erlitten hatte, nicht einfach verschwunden waren, sondern sie hatten sich tief in mein Inneres eingegraben und schließlich durch mich in der Außenwelt wirksame Gestalt angenommen. Alles, was mir da draußen begegnete, so wurde mir klar, das war eigentlich nur ich selbst, es war das, was ich in der Tiefe meiner Seele mit mir herumschleppte und dann auf die Welt projizierte. Daher war die Welt ein Spiegel meiner selbst und ich sah, wie all das Negative und das Böse, das ich da draußen zu bekämpfen suchte, in Wahrheit in mir seine Wurzeln hatte. Das alles machte mich furchtbar traurig und ich musste bitterlich weinen, während ich alle Wesen um Verzeihung bat.

Der rhythmische Gesang der Gruppe war inzwischen einem sporadisch aufkeimenden „Laaa“ gewichen, das alle Energie zu bündeln schien. Als ich in die Runde blickte, hatte ich den Eindruck, von einer Schar erleuchteter Buddhas umgeben zu sein, die wie Statuen auf ihren Sockeln hockten und gemeinsam den einen klaren, unverfälschten Ton sangen, den Ton, dem vollkommene Harmonie entströmte. Auch ich war ein Buddha und stimmte in den Gesang mit ein, während ich mir sicher war, dass dieses sich ständig wiederholende „Laaa“ die Kraft besaß die Welt zum Besseren zu führen. Wir alle, die hier saßen, waren die Hüter des reinen Klanges, des Klanges, der alle Wunden zu heilen vermochte und der von uns in den himmlischen Sphären aufbewahrt wurde, damit er, trotz all der Dissonanzen auf der Erde, nicht verloren gehe. „Laaa…“ tönte es immer wieder durch den Saal und dann bemerkte ich, dass der Parkettfussboden in der Mitte unseres Kreises urplötzlich verschwunden war und nun ein riesiges Loch an seiner Stelle klaffte. Wie durch ein Fenster konnte ich hinaus sehen und erkannte, dass ich mich offensichtlich hoch oben im Orbit befand, denn ich vermochte ganz deutlich die Erdkugel unten liegen sehen. Ich sah die Wolken, die wie Watte wirkten und das Blau der Meere, das durch sie hindurchschimmerte. Wie ein funkelnder Saphir in der unendlichen Weite des Raumes, so wirkte die Erde, doch langsam begannen rotbraune Flecken das Bild zu trüben und der Edelstein drohte seinen Glanz zu verlieren. Um dies zu verhindern waren wir alle bemüht, den klaren Ton hinab auf den Planeten zu leiten, damit er dort unten seine wohltuende Wirkung entfalte, in der Hoffnung, dass aus den Missklängen eine harmonische Symphonie entstehe.

Im Taumel des eintönigen Gesanges zogen unzählige Bilder an mir vorüber und als ich meinen Blick schweifen ließ, da entdeckte ich im Hintergrund die Skyline von New York. Ich weiß nicht genau warum dieses Bild gerade jetzt auftauchte; vielleicht war für mich New York ein Symbol für Macht, Geld und Überzivilisation. Ich konnte jedenfalls ganz deutlich die Wolkenkratzer und die Straßenschluchten sehen und wenn ich mich darauf konzentrierte, hörte ich sogar den Lärm des Autoverkehrs. Auf der anderen Seite wusste ich aber auch, dass der Wolkenkratzer mit den Balkons in Wahrheit nur eine Schrankwand und dass das Dach mit den Wasserbehältern, in Wirklichkeit der Tisch war, auf dem die mit Tee gefüllten Thermoskannen standen. Ich wusste das alles, ich wusste, dass der Abgrund in eine Straßenschlucht nur ein Schatten war, aber dennoch sah ich New York ganz deutlich vor mir.

Doch diese Stadt, das war eigentlich nur ein Bild am Rande. Ich schaute mich ein wenig um, aber schon bald verlor ich das Interesse. Meine Aufmerksamkeit wurde stattdessen von dem inbrünstigen „Laaa“ gefesselt, denn ich erlebte, wie bei jedem Ton der Raum in schwingende Vibration geriet. Ich blickte in die Runde und sah die sich öffnenden Münder der Anwesenden, die wie Wasserspeier eines Brunnens wirkten und denen das heilsame „Laaa…“ entströmte. Es ergoss sich in die Mitte des Kreises und schien dort ein spannungsgeladenes Energiefeld zu erzeugen, das zunehmend an Intensität gewann. Es war mir so, als würden wir durch unsere fortwährenden Gesänge eine Art Plasma schaffen, eine Art Feinstofflichkeit, in dem es dem uns entrückten, höheren Wesen möglich war, sich für uns sichtbar zu manifestieren.

Ich bemerkte wie die Luft zu knistern begann und von dem vielleicht anmaßenden Verlangen getragen, Gott zu schauen, brüllte auch ich mein „Laaa…“ in die Runde. Die Energie in der Mitte stieg weiter an, türmte sich auf und wuchs schließlich zu einem riesigen Phallus vor unseren Augen empor. Wie gebannt betrachtete ich das kraftvolle Glied und ich begann zu beten, denn ich erkannte in ihm den Lingam des großen Gottes Shiva. Im Angesicht dieser Kraft begann mein Körper immer stärker zu beben, so als wolle sich der Geist aus der spröden Schale befreien und hinauf in die Unendlichkeit entfliehen. Und wirklich, ich hob mich hinfort, vielleicht nur einen kleinen, kleinen Augenblick, hob ich mich hinfort und flog hinauf, hinauf, zu der Spitze des Phallus, die weit, weit oben, im gleißenden Licht verborgen lag, um dort, abgeschieden, in der Welt der Formlosigkeit, ein Tröpfchen Zeitlosigkeit zu kosten.

Plötzlich brach das tragende „Laaa“ ganz einfach ab und albernes Gekichere mit ausgelassenem Gesang gemischt, durchdrang den Raum. In diesem Augenblick stürzte ich hinab. Ich fiel aus höchster Seligkeit zurück in die Welt und landete auf einer abschüssigen Strasse. Ich sah wie verzweifelte Menschen mir entgegenkamen und flüchtend nach einem Ausweg suchten. Ich sah, wie aufgebrachte Massen einander tot trampelten und wie vollbeladene Pferdefuhrwerke umstürzten und sich überschlugen. Ich sah das Chaos, ich sah Szenen vom Turmbau zu Babel und dann erlebte ich, wie der mächtige Phallus des Shiva über uns zusammenbrach und wir alle mit ihm hinab in die Tiefe gerissen wurden, in die Tiefe einer kulturlosen Zeit, mitten hinein in die Ursprünglichkeit der Natur.

Aufgebrachtes Affengekrächze, das schallende Gebrüll von Löwen und die eigenartigen Schreie exotischer Vögel durchfuhren den Raum.

Da wurden absonderliche Laute artikuliert, die in der primitiven Seele ihre Heimstatt hatten und die nun hervorströmten, um sich aus der Verbannung in untere Schichten zu befreien. Ich hatte den Eindruck, in einen Dschungel, irgendwo im tropischen Regenwald, verschlagen worden zu sein.

Die Frauen der Gruppe, die beieinander sassen und eine Hälfte des Kreises besetzten, hatten sich zwanglos zusammengerottet und erinnerten an eine Schar Katzen, die sich gemütlich räkelten und einander leckten und liebkosten. Gemeinschaft macht stark und so versuchten sie mit provozierenden Gesten und allerlei Geschrei auf sich aufmerksam zu machen, um die Männer, in der anderen Hälfte des Kreises, aus der Reserve zu locken. Irgendwie hatte diese Szene etwas ungemein Naturhaftes.

Die Ausgelassenheit der Frauen verunsicherte uns Männer jedoch sehr und wir wussten nicht so recht, was wir von diesem Schauspiel halten sollten. War dieses aufgedrehte Getue all der Weiber eine Aufforderung, unsere distanzierte Zurückhaltung aufzugeben? War es eine Aufforderung herüber zu kommen und in ihr Lager zu wechseln? Die Spannung stieg ins Unerträgliche. Sollte man seine Scheu überwinden und sich einfach gehen lassen? Was aber war, wenn sie uns nur aufzogen, wenn sie nur einen Witz mit uns machten? Wie stände man da, zurückgewiesen und verlacht?

Unschlüssig harrten wir auf unseren Plätzen. Die ungestüme Kraft, die von der Frauenschar ausging irritierte und hielt uns gleichzeitig auch in Schach. Es war fast so, als hätten sie, die Frauen, die Rolle der Männer übernommen, indem alle Initiative von ihnen ausging. Ein wenig verdutzt, vielleicht auch neidvoll, registrierten wir Männer den Rollentausch, abgedrängt in weibliche Passivität. Es war fast so, als hätten sich Yin und Yang verschoben, so, als stände die Erde auf dem Kopf.

Im Banne des Weiblichen, unfähig sich zu rühren, unfähig, auch nur einen krächzenden Ton hervorzubringen, unfähig, sich der fesselnden Spannung zu entledigen, schien es sicherer zu sein, so zu tun, als würde man das ganze Trara der Frauen gar nicht bemerken. Es war leichter die Augen zu schließen, als sich auf Peinlichkeiten einzulassen. Deshalb saßen wir da, wie die Heiligen, die Beine verschränkt und den Rücken kerzengerade in Meditationshaltung versunken und flüchteten in die Tiefe unseres Inneren, auf der Suche nach einem Ort, der uns Geborgenheit versprach, einen Ort, an dem es keinen Schatten gab, über den wir hätten springen müssen, und der uns Schutz bot, vor der Unerklärlichkeit des Weiblichen.

Gerade saß ich im Traum versunken auf meiner Lotosblüte und schaukelte im Wind dahin, als eine holde Fee mir einen erquickenden Zaubertrank schenkte. Ich schlürfte ihn voll der Wonne und dann dauerte es nicht lange, da spürte ich auch schon seine belebende Wirkung. Eine Flut, bestehend aus reiner Bewegung durchfuhr meine Glieder und ich sprang auf, um mich zu den Klängen der Musik zu wiegen. Ich ließ mich von den Rhythmen tragen, bis ich schließlich selbst ein Teil dieser Musik war. Ich schwebte durch den Raum, befreit von allen irdischen Beschränkungen, eins mit allem was mich umgab. Doch dann sah ich sie. Sie war dem feuchten Nebel entstiegen und nun einfach in mein Blickfeld getreten. So stand sie da und ich konnte meinen Blick nicht von ihr lassen. Sie erschreckte mich einerseits und flösste mir Furcht vor mir selber ein, doch gleichzeitig fühlte ich mich auf das Innigste zu ihr hingezogen. Für mich war sie nicht nur die Person, die sie war, sondern sie war die Frau der Frauen, der Urtypus des Weiblichen an sich. Sie war in diesem Augenblick sowohl meine Geliebte, wie auch meine Mutter und ich konnte es kaum erwarten, mit ihr zur Einheit zu verschmelzen.

Ihre Blicke ließen mich nicht mehr los und ich glaubte, in ihren Augen zu ertrinken. Sie hatte mich an den Händen gepackt und nun legte sie sich auf die Matte und zog mich zu sich hinab auf das Lager. Ich bemerkte, wie wohlige Wärme ihrem Körper entströmte und ich sah die sich wiegenden Brüste der Großen Mutter, die Mutter, die die ganze Menschheit geboren hatte. Es war mir so, als wäre ich zu meinem Ursprung zurückgekehrt, als wäre ich dort angekommen, wo irgendwann einmal alles begonnen hatte, wo das Dasein für mich seinen Anfang nahm. Als wollte ich das Tor des Lebens zurück durchschreiten, auf der Suche nach dem Urozean meiner Existenz. Verzweifelt presste ich meinen Kopf zwischen ihre Schenkel und schon bald empfand ich mich als der kleine Fötus, der zufrieden auf den Urwassern dahintrieb.

Ich schwamm umher und war gleichzeitig das Meer, aber ebenso auch ein Fisch im Wasser und ein Delphin, der über die Wogen sprang. Strahlende atemberaubende Bilder bauten sich auf: Tropische Inseln mit üppiger Vegetation tauchten aus der Tiefe des Urgrundes empor, umspült vom Strom meiner Empfindungen. Ich erlebte mich als eine Palme, die sich in der Briese des Meeres wiegte, aber auch als eine Blume, die sich der Sonne zuneigte. Fruchtbare Fülle beherrschte das idyllische Panorama und spiegelte eine Welt, in der es keine Not gab. All meine Bedürfnisse wurden sofort befriedigt, ohne, dass ich mich dafür anstrengen musste, ohne mich auf irgendeine Weise darum zu bemühen. Doch dann hörte ich aus der Ferne ein Lied, ein Lied, das vom Frau-Sein, von der Geburt und von den damit verbundenen Freuden und Leiden, kündete. Dieses Lied war wie ein unzertrennliches Band, das mich an die Weltlichkeit fesselte und schon bald wurde ich von einem Taumel gepackt, der mich ergriff und aus meiner Geborgenheit vertrieb. Vor mir schien sich ein unergründlicher Abgrund aufzutun, wie der gähnende Schlund eines fürchterlichen Ungeheuers. Über mir brach der Himmel entzwei und die Sterne fielen vom Firmament herab. Ich erlebte einen wahrhaften Weltuntergang und ich sah wie mein kleiner Kosmos zu staubiger Asche zerrann. Eine unerbittliche Kraft schob mich hinweg und ich bemerkte wie mich fremde, kalte Hände packten und aus meiner wohligen Vertrautheit rissen. Gnadenlos ins Leben geworfen, saß ich nun da und meine Augen schmerzten im aufflackernden Licht. Erschöpft schnappte ich nach Luft und stimmte ein in den kosmischen Schrei, der das ganze Universum durchdrang.

Kommentar von BERGMONDWANDERER

Entheogene Pflanzenrituale in unserer Kultur konzentrieren sich meist auf ein bewusstes Kreieren von Set und Setting, d.h. gute Musik, Düfte, Farben etc.

Der Pflanzenschamane geht darüber hinaus; er lädt die unsichtbaren Wesen als Begleiter ein, die Götter, Ahnen, Elementargeister und vor allem aber den Geist der Pflanze selbst, den „Häuptling“ oder die „Mutter“, mit deren Hilfe er die Zeremonie gestaltet. Darüber hinaus hat er eine Landkarte, ein Weltbild, in dem seine Reise stattfindet. Er weiß, dass dieses Weltbild lediglich eine Beschreibung der Wirklichkeit darstellt, eine Art Software, mit deren Hilfe er die Welt von seinen Absichten überzeugen kann.

Pflanzenschamanen stützen sich auf ein unsichtbares Netz der Kraft, sie sind der Mensch gewordene Pflanzengeist, dienen als Medium der Naturkräfte, wirken als Übersetzer und Kanäle der vegetativen, planetaren Intelligenz und haben oft nach einer langjährigen, differenzierten Ausbildung, Abkommen und Verträge mit ihren entheogenen Hilfsgeistern geschlossen, die Ihnen dann zu Heilung und Zauberei zur Seite stehen.

Wenn wir in unserer Kultur den Pflanzen Schamanismus neu beleben wollen, werden wir uns mit Diäten und Reinigungstechniken wie z.

B. Fasten, Isolation und Trancetechniken, Trancegesängen oder dem Schwitzhüttenritual beschäftigen müssen.

Dabei geht es gar nicht um eine Drogenerfahrung, sondern die Basis ist meist eine Bewusstseinserweiterung ohne die Mitwirkung psychoaktiver Substanzen. So müssen sich die Ayahuasqueros im Regenwald einer monatelangen, rigorosen Diät unterziehen mit nur zwei Kochbananen und zwei Räucherfischen am Tag, ohne Salz oder Zucker, ohne Kontakte nach Außen, um ihren Körper für die Kraft des Ayahuascas vorzubereiten. In anderen Traditionen gibt es ausschließlich Wurzeln und Wildpflanzen oder lange Fastenphasen. Wer mit der anderen, nichtalltäglichen Wirklichkeit kommunizieren will, sollte durchlässig werden ohne seine Standfestigkeit zu verlieren.

Vielleicht sind diese Wege für viele Menschen unserer westlichen Zivilisation nicht mehr gehbar, andererseits braucht die planetare Intelligenz neue Pflanzenschamanen um unsere desolate Verbindung zur Natur zu verbessern. Sie weiß, dass wir es bitter nötig haben aus unserer seltsamen, autistischen Realität auszusteigen und unsere Wahrnehmung für GAIA, die lebendige Erde zu öffnen. Ein Wissen, das bei den Naturvölkern noch selbstverständlich ist.

Der Hanf könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen, wenn wir lernen sein entheogenes Potential als Heilpflanze und Bewusstseinskatalysator richtig einzusetzen.

Richtig bedeutet, die direkte Zusammenarbeit mit dem Pflanzengeist im Konsens einer schamanischen Zeremonie, die sein eigentliches Potential hervorholt und Raum schafft für seine besonderen Fähigkeiten.

Dazu ist aber eine spezielle Schulung notwendig, die sich an Menschen wendet, die den Willen haben tiefer in die archaischen Ebenen des Seins hinab zu steigen und bereit sind über kulturelle und persönliche Grenzen zu gehen.

Die ersten Schritte dahin sind mehrtägige, schamanische Initiationen, die Körper, Geist und Seele reinigen und die Kommunikation mit der Natur ohne psychoaktive Helfer herstellen. Das Finden des Krafttieres, die Erforschung des Energiekörpers und das Erlernen der Sprache des Medizinrades sind einige der Grundlagen für gezieltes schamanisches Arbeiten. Atemtechniken, Trommelreisen, Trancetanz, Ekstasetraining, der Einsatz taoistischer Langlebigkeitselixiere und die Integration der erlebten Dinge in den Alltag sind dabei genauso wichtig.

Wenn der Geist dann gelernt hat, sich an die kollektive Intelligenz hinzugeben und eine Brücke zu bilden zwischen Tonal (dem Vorstellbaren) und dem Nagual (dem Unvorstellbaren), bekommt auch der Umgang mit Entheogen eine neue Qualität.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.