Salvia divinorum – Pipilzintzintli, Ska Maria Pastora

Eine Salbei-Art mit charakteristischem, dicken vierkantigen Stengel, an dessen Kanten sich oft ein dünner Blattsaum entlangzieht. Die Pflanze kommt nur in Süd-Mexico und auch dort extrem selten vor. Sie galt als Zuchtform mit unbekannter Wildform. In neuerer Zeit wird dies gelegentlich bezweifelt.

Verwendung: Die getrockneten Blätter können geraucht werden, die wirksame Dosis liegt zwischen 0,25 und 2 Gramm. Schnelles Rauchen ohne große Pausen ist wichtig. Alternativ können etwa 8-24 frische Blätter zusammengerollt und in den Mund genommen werden. Man beißt dann zwei-, dreimal auf diesen „Zigarren“ herum und saugt den extrem bitteren Saft aus. Diesen behält man mehrere Minuten im Mund und wiederholt die Prozedur, bis die Blätter keinen Saft mehr enthalten. Das in der Literatur beschriebene Verfahren, die Blätter zu zerquetschen und mit Wasser gemischt zu trinken, funktioniert nicht. Salvinorin wird oral ausschließlich über die Mundschleimhaut und nicht über den Verdauungstrakt aufgenommen. Reines Salvinorin kann geraucht werden; wegen der extrem kleinen Mengen (die wirksame Dosis liegt bei 0,2 bis 0,6 Milligramm) ist dies ein recht unsicheres Verfahren, bei dem es leicht zu wirkungsloser Unterdosierung oder zu Überdosierungen mit Kontrollverlust kommt.

Wirksame Inhaltsstoffe: Salvinorin A, ein Diterpen – kein Alkaloid! Salvinorin B wurde ebenfalls entdeckt, aber noch nicht auf Psychoaktivität bei Menschen überprüft. Der Gehalt an Salvinorin A liegt bei l ,5 g/kg getrockneter Blätter. Salvinorin A ist damit nicht nur das einzige bisher bekanntgewordene psychoaktive Diterpen, sondern auch die bisher wirksamste natürliche halluzinogene Substanz, bezogen auf die Dosis. Salvinorin A ist recht stabil, in getrockneten Blättern hält es sich Jahre.

Wirkungen: Salvia divinorum wirkt halluzinogen, jedoch in einer Weise, die sich deutlich von den Wirkungen bisher bekannter psychoaktiver Substanzen abhebt. Sie ist nicht mit den Wirkungen von LSD, Mescalin oder Psilocybin vergleichbar. Die wichtigsten Punkte:

• Die Wirkung setzt nach etwa zehn Minuten rapide innerhalb von ein bis zwei Minuten ein und hält etwa eine Stunde an, beim Rauchen etwa eine halbe Stunde lang.

• Ein häufiger Inhalt bei höheren Dosen ist der Eindruck, sich in ein Objekt zu verwandeln.

• Es gab in keinem Fall Tendenzen zu Dauergebrauch oder häufigen Gebrauch. Im Gegenteil machten auch Personen mit freiem Zugang zu Blättern dieser Pflanze nur selten von ihr Gebrauch.

• Die Droge ist gut kontrollierbar, die Erfahrung läßt sich, wenn nötig, problemlos unterbrechen. Augen öffnen und ein wenig Konzentration genügt.

• Wenn die Droge exakt wie beschrieben eingenommen wird, wirkt sie zuverlässig bei mindestens 80% aller Versuchspersonen. Der Rest zeigt sich gegen die Wirkung fast oder vollständig immun oder benötigt mehrere, manchmal bis zu zehn Versuche, bis die Wirkung gespürt wird.

Nebenwirkungen: Keine Nebenwirkung der Droge bekannt. Überdosierung ist nur beim Rauchen reinen Salvinorins möglich. In solchen Fällen kann es zu vorübergehendem Kontrollverlust kommen. Versuchspersonen stehen auf, gehen herum, sind sich aber dessen nicht bewußt und fallen z.B. über herumliegende Gegenstände. Ein anwesender Aufpasser kann dies problemlos unter Kontrolle bekommen. Dieser Zustand hält nicht lange an. Agressive Handlungen wurden in keinem Fall beobachtet. Auch bei forcierten Versuchen gelang es nicht, diesen Kontrollverlust durch das Kauen von Blättern oder das Rauchen von Blättern zu provozieren, so daß diese beiden Methoden als sicher gelten können. Auch mit einem Extrakt (über die Mundschleimhaut resorbiert) läßt sich keine Überdosis aufnehmen. Vermutlich puffert die Schleimhaut erstmal das Salvinorin und gibt es langsam und gleichmäßig an den Blutstrom ab. Aus mehr als dreißig Selbstversuchen und mindestens fünfzig weiteren Ver- suchen anderer Personen, über deren Ablauf ich informiert war, oder bei denen

ich anwesend war, und aus den Erfahrungen von Daniel J. Siebert sind mir keine wesentlichen Nebenwirkungen und keine Nachwirkungen bekannt geworden (mit Ausnahme des Kontrollverlusts bei Überdosen von gerauchtem reinen Salvinorin A). Die Mazateken, die die Pflanze auch als Heilpflanze verwenden, halten sie für sicher. All dies schließt natürlich mögliche Spätfolgen wie z.B. Leber- oder Nierenschäden oder auch Cancerogenität nicht aus, wenn ich sie auch nicht für wahrscheinlich halte. Es wurden bis heute keine Studien zur Toxzität von Salvia durchgeführt. Leichte Zustände von Unwohlsein (ruhelose Beine, Engegefühl im Brustraum, o.a.) kommt besonders am Anfang gelegentlich vor, geht aber schnell vorbei. In 5% der Fälle konnten starke Schweißausbrüche beobachtet werden.

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