Salvia divinorum, Geschichte

Die Geschichte der ersten außerhalb Mexikos kultivierten Salvia divinorum Pflanzen

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“
Daniel J. Siebert (T.E.R. Vol # ;Übersetzung Anna Steinacker)

Vor einigen Jahren begann ich an einem umfassenden Buch über Salvia divinorum zu arbeiten. Das Buch, vorläufig „Göttlicher Salbei“ genannt, enthält ein Kapitel, in welchem die Geschichte dieser Pflanze bis ins kleinste Detail beschrieben wird. Im Zuge meiner Recherchen habe ich mit vielen Beteiligten gesprochen und korrespondiert, die für Einführung und Weiterverbreitung dieser Pflanze in den USA in den frühen Jahren nach ihrer Entdeckung verantwortlich waren. Mir wurde außerdem das Privileg zuteil, R. Gordon Wassons Korrespondenz und Feldforschungsnotizen zu studieren.

Es wurde allgemein angenommen, dass die ersten Salvia divinorum Pflanzen von Wasson in die Vereinigten Staaten eingeführt worden sind. Er erfasste einige Vertreter der Spezies hojas de la Pastora in dem Zeitraum Juni 1960 und Oktober 1962. In dem Bemühen, diese Pflanze zu identifizieren, schickte er seine Proben an Carl Epling, der damals die führende Autorität für Salvia–Arten in der Neuen Welt war. Dr. Epling lehrte

seit 1924 an der University of California at Los Angeles (UCLA) und wurde 1961 zum Professor Emeritus berufen. Sehr zur Unzufriedenheit Wassons waren die von ihm gesammelten Proben aus verschiedenen Gründen nicht ausreichend für eine Identifikation der Spezies. Endlich und nach vielen Mühen gelang es ihm im Oktober 1962, Exemplare zu erhalten, die ausreichend waren. Er erhielt diese Exemplare während einer Expedition mit Albert Hofmann in die Sierra Mazateca. Epling identifizierte sie als eine neue Art und veröffentlichte seine Beschreibung im Dezember 1962, zusammen mit einer separaten Abhandlung von Wasson, in welcher dieser die allgemeine Rolle der Pflanze in der Kultur der MazatecaIndianer untersuchte (Epling & Játiva-M 1962; Wasson 1962).

Viele, mich selbst inbegriffen, haben vermutet, dass Epling eine lebende Pflanze aus dem von Wasson erhaltenen Material verbreitete. Diese Annahme basierte teilweise auf dem Wissen, dass Epling 1963 dem Botanischen Garten der

UCLA eine lebende Salvia divinorum Pflanze schenkte, nur einige Monate nachdem er Wassons letzte Sendung von Exemplaren erhielt. Es wurde angenommen, dass alle Salvia divinorum Pflanzen, die bis 1979 in den USA gezüchtet wurden, aus Stecklingen der Pflanze von Epling gewonnen wurden (1979 brachte Leander J. Valdez zusätzliche lebende Pflanzen in die Vereinigten Staaten mit). Dieser ursprüngliche Stamm wurde in der ganzen Welt verbreitet. Er wird im allgemeinen „Wasson und Hofmann“Stamm genannt – ein Name, der auf seine mutmaßlichen Sammler hinweisen soll. Diese Bezeichnung wurde erstmals 1992 von der heute nicht mehr existenten Firma für botanische Spezialitäten „Of The Jungle“ verwendet. Sie führten ihn im Katalog unter dem Namen „Wasson und Hofmann“- Stamm, um ihn von einem anderen zu unterscheiden, der im selben Jahr eingeführt wurde, dem „Palatable“- Stamm (dt. „wohlschmeckend“), der im Dezember 1991 von dem Anthropologen Bret Blosser gesammelt wurde. Wie sich herausgestellt hat, wurde der „Wasson und Hofmann“- Stamm zu Unrecht so benannt. Dieser Stamm wurde nicht aus den von Wasson mitgebrachten Exemplaren gezogen – er wurde aus Ablegern von Exemplaren gewonnen, die ein anderer bemerkenswerter Mann, der Psychiater und Ökologe Sterling Bunnell, erhalten hatte. Aus Wassons Korrespondenz mit Epling und anderen geht deutlich hervor, dass er niemals lebende Exemplare von S. divinorum in die USA mitgebracht hatte. Die Exemplare, die er bekommen hatte, wurden alle in Mexiko getrocknet und gepresst.

Im Juni 1962 reiste Bunnell zusammen mit dem Dichter, Drehbuchschreiber und Essayisten Michael McClure in die Sierra Mazateca. Das Hauptziel ihrer Reise war das Sammeln lebender psilocybinhaltiger Pilzkulturen für Forschungsprojekte, an denen sie am Institute of Personality Assessment and Research an der University of California at Berkeley (UCB) beteiligt waren. Bereits einige Monate später, im Herbst 1962, kehrte Bunnell mit seiner ihm frisch angetrauten Ehefrau dorthin zurück. Während sie das Dorf Huautla de Jiménez besuchten, bekam er von dem mazatekischen curandero (Schamane) Isauro Nave – welcher ein wahrhaft außergewöhnlicher Mensch war – lebende Exemplare der Gattung hojas de la Pastora geschenkt. Bunnell brachte die Pflanzen mit nach Kalifornien und pflanzte sie bei sich zu Hause ein. Das war das erste Mal, dass S. divinorum außerhalb Mexikos wuchs. Er hinterlegte außerdem ein gepresstes Exemplar im Herbarium der UCB. Eplings botanische Beschreibung der Pflanzenart war noch nicht veröffentlicht worden, und somit war die Identität dieser Art zu dieser Zeit noch unbekannt (außer für Epling, Wasson und einige ihrer engen Vertrauten). Bunnells Herbariumsexemplar, das sich in voller Blüte befand, wurde am 24. November 1962 gesammelt, nur sechseinhalb Wochen nach dem von Wasson gesammelten HolotypusExemplar (erstes wissenschaftlich beschriebenes Exemplar einer Art, Anm.d.Ü.). Eplings Beschreibung der Art wurde gleichzeitig mit Wassons ethnographischer Abhandlung veröffentlicht, nur wenige Wochen nach Bunnells Rückkehr aus Mexiko. Nachdem er Eplings Veröffentlichung gelesen hatte, reiste Bunnell nach Los Angeles, um ihn zu treffen und ihm Pflanzen zu schenken, die dieser am UCLA züchten konnte. Eine Registratur des Botanischen Gartens der UCLA (heute Mildred E. Mathias Botanischer Garten) vermerkt, dass 1963 ein lebendes Exemplar S. divinorum in die Sammlung aufgenommen wurde. Die Registriernummer des Originals ist UCLA 63-104. Ein Exemplar gab Bunnell an Alexander Shulgin, der zu dieser Zeit in Walnut Creek, Kalifornien, für Dow Chemical arbeitete. Bunnells Pflanzen wurden später vermehrt und an andere botanische Gärten und Botaniker weitergegeben, und diese Pflanzen wurden weiter vermehrt. Dieser Stamm, der korrekterweise „Bunnell“- Stamm heißen müsste, war der erste kommerziell erhältliche und ist auch der gebräuchlichste. Es ist auf jeden Fall der am weitesten verbreitete kultivierte Stamm der heutigen Zeit.

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