Rechtlicher Status von Cannabis in Dänemark – ein Überblick

Dänemark Dänemark ist ein kleines skandinavisches Land, das an Deutschland grenzt. Die Öresund-Brücke stellt eine Verbindung zu Schweden und somit auch zwischen den Städten Kopenhagen und Malmö her. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen ist eine Community ansässig, die sich Freetown Christiania nennt und berühmt-berüchtigt ist für ihren Cannabishandel. 

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Ungeachtet der offenbar liberalen Haltung des nordischen Landes in Bezug auf Cannabis gelten hierfür relativ strenge Gesetze.

Die Legalität des Besitzes, Verkaufs und Anbaus von Cannabis

Cannabiskonsum und -besitz

In Dänemark wird der Konsum von Drogen nicht als kriminelles Vergehen betrachtet und daher nicht gesetzlich reglementiert. Der Besitz von Drogen gilt jedoch sehr wohl als Straftat und kann mit einer Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren bestraft werden.

Seit 2004 (als das Betäubungsmittelgesetz von 1955 erheblich überarbeitet wurde) bestimmt das Gesetz, dass Personen, die im Besitz einer „geringen Menge” einer Droge angetroffen werden, verwarnt werden (oder ENCOD zufolge wird ihnen – je nach angetroffener Menge – eine Geldbuße auferlegt). Allerdings können wiederholte Gesetzesverstöße dazu führen, dass dennoch Anklage erhoben wird, selbst wenn es sich um geringe Drogenmengen handelt.

Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen Cannabis und anderen Drogen.  Seit 2004 ist es den Gerichten gesetzlich vorgeschrieben, „die schädlichen Effekte einer Droge“ zu bedenken; was in der Praxis bedeutet, dass Cannabisvergehen generell weniger streng bestraft werden als Vergehen in Bezug auf „härtere“ Drogen.

Verkauf von Cannabis

In Dänemark kann auch der Verkauf von Drogen mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden.  Wenn es jedoch um große Mengen oder um einen hohen Profit geht, können höhere Strafen verhängt werden.  So droht bei einem Verkauf von „größeren Mengen“ an „eine große Menge von Personen zur Erreichung eines hohen Einkommens“ eine Strafe von bis zu zehn Jahren Gefängnis.

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Und der Verkauf einer „erheblichen Menge einer besonders gefährlichen Droge“ kann sogar mit maximal sechzehn Jahren Gefängnis bestraft werden.

Zwar unterscheidet das Gesetz nicht zwischen dem Verkauf von Cannabis und dem einer anderen Droge, aber da es äußerst unwahrscheinlich ist, dass Cannabis jemals als „besonders gefährliche Droge“ angesehen wird, ist auch eine Verhängung der Höchststrafe sehr unwahrscheinlich. Nichtsdestoweniger haben dänische Gerichte im Jahr 2007 einen der bedeutendsten und berüchtigsten Haschischschmuggler des Landes, Claus Malmqvist, zur Höchststrafe von sechzehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Cannabisanbau

In Dänemark gibt es keine Gesetze, die speziell den Anbau von Cannabis regeln. Wenn Personen des Cannabisanbaus – selbst in kleineren Mengen – überführt werden, müssen sie jedoch damit rechnen, wegen Produktion oder Verkauf von Drogen angeklagt zu werden.

Dennoch scheint eine beträchtliche Anzahl von Dänen selbst Cannabis anzubauen, wie eine Studie der Aarhus University herausfand, die 2013 vom Zentrum für Alkohol- und Drogenforschung der Universität veröffentlicht wurde. Diese Studie zeigt auf, dass mindestens 1.200 Dänen Cannabis zuhause anbauen und dass der Anbau bei einem erheblichen Anteil von ihnen medizinischen Zwecken dient.

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Rechtlicher Status von Cannabis in Kopenhagen und Christiania

Offiziell existiert die Community der Freetown Christiania seit 1971, und die berüchtigte Pusher Street – mit ihren festen Verkaufsständen für Cannabis und Haschisch – hat sich bald danach etabliert. Der illegale Cannabishandel durfte dort viele Jahre lang relativ unbehelligt durchgeführt werden, aber mit der Zeit wandelte er sich von einer auf Heimanbau basierenden Hippie-Branche in einen Schwarzmarkt, der von Gangs betrieben wurde.

2004 entschieden sich die Behörden, den Handel zu beenden; doch schließlich bauten die Verkäufer ihre Stände selbst ab, um einer Polizeirazzia zuvorzukommen. Doch es dauerte nicht lange, bis der Cannabisverkauf erneut stattfand; und heute scheint der Handel so schwunghaft zu florieren wie eh und je.

2011 nahm der Stadtrat von Kopenhagen einen Antrag an, innerhalb des Stadtgebietsden kontrollierten Verkauf von Cannabis zu erlauben , und zwar mit einer überwältigenden Mehrheit von neununddreißig Stimmen bei nur einer Gegenstimme. Dieses Gesetz sollte die Eröffnung von dreißig oder vierzig offiziellen Geschäften steuern, die offenkundig Ähnlichkeit mit den Coffeeshops haben sollten  – allerdings waren die Stadträte, die den Antrag unterstützten, daran interessiert, das Verfahren über das regressive niederländische „Hintertür“-System hinaus auszudehnen und auch den Verkauf und Import von Cannabis zu erlauben.

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Der Antrag aus Kopenhagen wurde jedoch vom Gesetzgeber auf nationaler Ebene abgelehnt, ebenso wie es bereits drei Jahre zuvor einem ähnlichen Antrag ergangen war.  Gegenwärtig sind offenbar keine neuen Anträge geplant.

Medizinisches Cannabis in Dänemark

In den letzten Jahren hat sich Dänemark der Idee des medizinischen Cannabis gegenüber aufgeschlossen gezeigt. 2011 wurde das von GW Pharmaceuticals hergestellte Mittel Sativex zugelassen, und zwar zur Behandlung der spastischen Anfälle, die durch Multiple Sklerose verursacht werden. Dies war das erste moderne Medikament auf Cannabisbasis, das in Dänemark verkauft wurde.

Aber schon vorher durften Ärzte Marinol und Nabilon (synthetische Formen von THC) verschreiben, wenn eine spezielle „Erlaubnis für den Einsatz noch nicht zugelassener Arzneimittel“ vorlag, da diese Medikamente nur von anderen Ländern zugelassen und lizenziert waren. Das dänische Gesundheitsministerium überwacht und lizenziert Anwendungen dieser Art und hat seit 2004 fast 3.000 Genehmigungen erteilt.

Berichten zufolge erhielt es jedoch auch zwei Anträge zur Anwendung eines Cannabismittels von Bedrocan, die abgelehnt wurden.  Das Ministerium stellte dazu fest, dass es die Anwendung von Bedrocan wohl nicht akzeptieren werde, da es sich dabei nich tum ein „gebrauchsfertiges medizinisches Produkt” handelt,  und erklärte an anderer Stelle, es sei „ziemlich unwahrscheinlich, dass rohes Cannabis als Medikament zugelassen werde”, da es „eine große Zahl von schädlichen Wirkungen hat”.

Es liegt also auf der Hand, dass noch viel Arbeit zu tun ist, bis das Potenzial und die Bedeutung von Medikamenten aus der gesamten Cannabispflanze von den dänischen Gesundheitsbehörden anerkannt werden.

Allerdings wurde im Oktober 2014 berichtet, dass die dänische Koalitionsregierung sich darauf geeinigt hätte, mindestens 35 Millionen Kronen (derzeit € 4,7 Millionen) für „Forschungsprojekte über Schmerzlinderung, inklusive der Anwendung von medizinischem Cannabis“ zur Verfügung zu stellen. Je mehr Fortschritte die Forschung macht, desto mehr können die Vorbehalte in Bezug auf Cannabis aus der ganzen Pflanze möglicherweise ausgeräumt werden.

Im Dezember 2015 legte die progressive Mitte-Links-Partei Alternativet einen Gesetzentwurf vor, der den Einsatz von Cannabis für medizinische Zwecke erlaubt. Einem Artikel von März 2016 zufolge gibt es derzeit eine „kleine parlamentarische Mehrheit”, die die Legalisierung von medizinischem Cannabis befürwortet. In demselben Artikel wird auch berichtet, dass Alternativet zusätzlich vorgeschlagen hat, auf mehreren kleinen dänischen Inseln (die gegenwärtig wirtschaftliche Probleme haben) medizinisches Cannabis anzubauen!

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Geschichte des Cannabis in Dänemark

An kühle Klimazonen angepasste, hanfähnliche Cannabissorten tauchten wahrscheinlich erstmals vor rund zweitausend Jahren auf dem heutigen dänischen Territorium auf. Man nimmt an, dass Cannabis vor rund viertausend Jahren zuerst den Nordwesten Russlands und die Randgebiete Europas erreichte und sich in den nächsten zwei- oder dreitausend Jahren weiter westwärts ausbreitete.

In Dänemark wurden Hanfsamen in mindestens drei Siedlungen der Wikinger gefunden, die auf ungefähr 375 bis 550 n. Chr., 650 bis  1000 n. Chr. und 750 bis 900 n. Chr. datiert wurden. Rottegruben aus der Zeit von 800 v. Chr. bis  1050 n. Chr. sind in Dänemark ebenfalls gefunden worden, was nahe legt, dass die Fasern der Pflanze um diese Zeit bereits genutzt wurden (es könnte sich aber auch um die frühe Nutzung von Flachs- oder Nesselfasern in dieser Region gehandelt haben).

Nicht nur in Dänemark, sondern auch im nahe gelegenen Deutschland, in Schweden und in Norwegen hat man zahlreiche Funde gemacht, die alle die Hypothese untermauern, dass Cannabis vor mindestens zweitausend Jahren in dieser Region eingeführt wurde.

Sicher ist, dass sich um das siebzehnte Jahrhundert herum in Dänemark eine blühende Hanfindustrie etabliert hatte. Auf der dänischen Insel Fünen wird erzählt, dass das Wissen über die Hanfanbautechniken von Matrosen mitgebracht wurde, die aus den baltischen Ländern zurückkehrten.

Da das dänische Klima im Vergleich zum übrigen Skandinavien relativ mild ist, kann Hanf hier besser gedeihen als beispielsweise in Norwegen. Im Jahr 1629 verlangte der gemeinsame Herrscher über Norwegen und Dänemark, König Christian IV, dass die dänischen Bauern Hanf zur Belieferung seiner Schiffsflotte anbauen sollten, wofür er sogar die nötigen Samen zur Verfügung stellte.

Sein Nachfolger, König Christian V, ging noch einen Schritt weiter, indem er in seinem dänischen Gesetz von 1683die Bauern zum Hanfanbau verpflichtete:

„Jeder Bauer, der einen ganzen Hof besitzt und keinen Scheffel Hanfsamen sät, sowie der, der einen halben Hof besitzt und keinen halben Scheffel sät, soll von seinem Herrn als starrsinniger und widerwilliger Diener angeklagt und bestraft werden, es sei denn, er würde beweisen, dass er keinen geeigneten Boden hierfür hat.”

Industriehanf in Dänemark

In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts starb die Hanfindustrie in Dänemark aus, so wie überall in Europa und in einem großen Teil der restlichen Welt. Als ein EU-Gesetz den Hanfanbau wieder erlaubte, ging Dänemark rasch dazu über, Experimente durchzuführen, indem es zwischen 1998 und 2000 mehrere Testfelder mit verschiedenen Kultivaren anpflanzte, um den Ertrag, die Faserqualität etc. zu untersuchen.

Doch der Aufschwung der dänischen Hanfindustrie blieb aus, und ein im Jahr 2003 veröffentlichter Bericht weist darauf hin, dass es zur Zeit der Abfassung des Berichts nur einen einzigen Hanfbauern in ganz Dänemark gebe. Es ist nicht bekannt, warum so wenige dänische Bauern Hanf anbauen; wie in anderen EU-Ländern ist auf Antrag eine staatliche Lizenz erhältlich, und es ist legal, Hanf zur Produktion von Fasern, Biomasse und als „Wildpflanze“ anzubauen.

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2015 entdeckten dänische Forscher eine neue Methode zur Extraktion einer Chemikalie, die als Gewinnung von Bernsteinsäure aus Hanfbezeichnet wird. Bernsteinsäure ist für eine große Bandbreite von industriellen Anwendungen unverzichtbar, sie wird für gewöhnlich aus Erdöl gewonnen. Dass es nun möglich ist, sowohl diese Säure als auch Ethanol aus Hanf zu gewinnen, steigert den Nutzen von Hanf für die Chemieindustrie und lässt ihn von größerem potenziellen Wert erscheinen als Getreide (aus dem nur Ethanol erzeugt werden kann, aber in größeren Mengen als aus Hanf, weshalb es im Allgemeinen als wirtschaftlich lohnender betrachtet wird).

Ebenfalls 2015 hat der dänische Rat für Landwirtschaft und Lebensmittel seinen Wunsch bekanntgegeben, Cannabis zu legalisieren, und zwar in einem ähnlichen gesetzlichen Rahmen wie dem, der bereits in mehreren US-Staaten eingeführt wurde. Der Vorsitzende des Rates für Landwirtschaft und Lebensmittel, Lars Hvidtfelt, erklärte:

„Der Cannabiskonsum ist hier in Dänemark oft diskutiert worden, aber wir müssen nun ein für alle Mal die Möglichkeiten und Risiken der Pflanze analysieren und die Mythen ausräumen. Auf diese Weise können wir herausfinden, ob wir eine ähnlich bedeutende Cannabisbranche wie in den Vereinigten Staaten aufbauen könnten.  Die Cannabispflanze kann für Baumaterialien, Kleidung, als Medizin und für den Freizeitkonsum verwendet werden, das Potenzial ist also enorm groß, sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Industrie. Doch dafür ist es erforderlich, dass unsere Gesellschaft übereinstimmend der Meinung ist, dass dies der richtige Weg für uns ist.  Wenn ich sehe, dass sich der Cannabisanbau in den USA zu einer Milliarden-Dollar-Branche entwickelt hat, glaube ich nicht, dass wir es uns leisten können, unsere Möglichkeiten nicht zu erforschen.“

Nach dem EU-Gesetz dürfen dänische Bauern lediglich Hanf mit einem maximalen THC-Gehalt von 0,2 Prozent anbauen.  Hvidtfelt sagte, dass diese Gesetze geändert werden müssten, um andere Anwendungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel den Konsum zu medizinischen Zwecken und zur Entspannung zu erforschen.

Seine Kommentare ernteten breite Zustimmung und viel Beifall unter den Politikern aller großen Parteien – eine positive Einstellung gegenüber Cannabis, die sich in der öffentlichen Meinung widerspiegelt (einem vor kurzem erschienenen Bericht zufolge sind 71 Prozent der Dänen für die Legalisierung der medizinischen Anwendung, während nur 25 Prozent die vollständige Legalisierung unterstützen).

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