Psychoaktive Gewürze

Markus Berger
mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

Winterzeit, Gewürzezeit … Dass Gewürze nicht nur zu Weihnachten die Speise veredeln und auch im Sommer die Brücke zum Paradies sind, ist keine Sensation, wohl aber ein unausgesprochenes, wenig beachtetes Mysterium. Warum ausgerechnet bittet Herausgeber Hartwin Rohde mich, für eine der Winterausgaben Entheogene Blätter einen Artikel zu diesem aromatischen Thema beizutragen ..? Wahrscheinlich locken die süßen Düfte besonders in den kalten Monaten, der Spekulatiuszeit, das Gemüt. Klar, der Grillmief schwindet langsam aus den Kleidern und Wohlgerüche finden wieder ihren Platz in der Nase des Menschen. Es gibt, und das wissen bislang die wenigsten, auch psychoaktive Gewürze. Nimmt man die, welche aphrodisische, also die Libido anregende Effekte erzeugen (können) dazu, müssten fast alle Aromata als psychotrop bezeichnet werden. Neben der abrissartigen Darstellung aller wichtigen Spezereien findet der Leser hier einen tieferen Einstieg in die Welt der geistbewegenden, berauschenden Gewürzpflanzen.

Vorweg: In diesem Abschnitt werden ausschließlich originäre Gewürzpflanzen behandelt, also Gewürze, die aus pflanzlichem Material (Blätter, Wurzeln, Samen, Früchte) bereitet werden. Das beliebte Salz z. B., als nicht botanisches Naturabbau-Produkt, ist in diesem Sinne kein Gewürz.

Im altdeutschen ‚Wurz‘, für Wurzel oder Pflanze, liegt der Ursprung des Wortes ‚Gewürz‘. Schon im fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden Spezereien als Nahrungszusätze und Heilmittel gebraucht. Mit ihnen wurde und wird, wie mit den typischen (anderen) psychotropen Gewächsen auch, immer Mystik und Magie in Verbindung gebracht. Im Volksglauben kommen Gewürze aus dem Paradies und stellen eine Verbindung zwischen diesem und dem Menschen dar. Ingwer (Zingiber officinale) und Zimt (Cinnamomum zeylanicum) sollen aus den Fluten des Nils, der ja bekanntlich dem Paradies entspringt, gefischt worden sein und der Pfeffer (Piper spp.) gedeiht auf wohlriechenden Feldern in der Nähe der paradiesischen Welten.

Aber psychoaktive oder sogar entheogene Gewürze, gibt es das? Ja, das gibt es. Natürlich sind diese aromatischen Pflanzenteile in den zum normalen Essen servierten Mengen nur wenig aktiv. Einige der unseren Müttern und uns gut bekannten Küchengewürze enthalten machtvolle Inhaltsstoffe, die entweder vielfältig psychoaktiv oder sogar erheblich psychedelisch wirken. Leider existiert nur sehr wenig Literatur zu diesem interessanten Themengebiet. Auch an Erfahrungsberichten mangelt es leider. Sollte ein Leser unter Umständen mit einer der hier besprochenen Würzpflanzen entheogene (oder aphrodisische) Erfahrung gemacht haben, wäre ich über eine Rückmeldung für künftige Publikationen glücklich

Im Folgenden werde ich auf Grundlage des heutigen Wissensstandes und meiner eigenen praktischen Erfahrungen darstellen, welche Gewürze geistbewegender Natur unsere Innenwelt betören und erstaunen können. Es handelt sich in der Hauptsache um drei Gewächse der Familie Piperaceae (Pfeffergewächse), um zwei Pflanzen der Familie Zingiberaceae (Ingwergewächse), um zwei Arten der Familie Apiaceae (Doldenblütengewächse) sowie jeweils eine Art der Familien Araceae (Aronstabgewächse), Solanaceae (Nachtschattengewächse), Labiatae (Lippenblütler) und Myristicaceae (Muskatnussgewächse).


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