Psilocybin haltige Pilzarten im europäischen Raum

Vorkommen, Morphologie und Inhaltsstoffe

Dr. Jochen Gartz und Markus Berger

In der Übersicht werden umfassend die bekannten und einheitlich definierten Psilocybin haltigen Pilze Europas dargestellt. Unter Einbeziehung historischer Aspekte wird besonders auf die Verbreitung, Beschreibung und die indolischen Inhaltsstoffe der einzelnen Arten aus verschiedenen Gattungen eingegangen.

Nachdem durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von R.G. Wasson, R. Heim und A. Hofmann in den Jahren 1953 bis 1958 verschiedene, seit Alters her verwendete, psychoaktive Psilocybe- Arten Mexikos „entzaubert“ wurden (Allen & Gartz 2001a; Gartz 1999), richtete sich das Forschungsinteresse natürlich auch auf ähnliche oder identische Pilze anderer Kontinente (Gartz 2002a). Dabei konnte A. Hofmann 1963 das Psilocybin auch in einer europäischen Art, Psilocybe semilanceata (FR.) Kumm., nachweisen. Diese Pilzspezies war zu dieser Zeit schon 150 Jahre bekannt und wurde in verschiedenen Ländern teilweise vorzüglich in Pilzbüchern beschrieben und mit Aquarell abgebildet – stets jedoch mit solchen heute eher amüsanten Vermerken wie „wertlos“ (vgl. Gartz 1999; 2003).

Einer von uns (J.G.) hat innerhalb von 20 Jahren neben anderen Arten, vor allem auch die europäischen Spezies botanisch, chemisch und kulturell umfassend untersucht. Diese kritische Beschreibung resultiert hauptsächlich aus dieser Forschung und bezieht andere Quellen mit ein.

Obwohl die Gattung Psilocybe (Kahlkopf ) die meisten und potentesten Arten umfasst, kann man die anderen Spezies nicht ‚Nebengattungen‘ (Stamets 1999) zuordnen. So umfasst z.B. die Gattung Inocybe (Risspilz) mehr Pilzarten als Psilocybe in Europa und wahrscheinlich auch in der Welt.

Psilocybin ist durch die Phosphatgruppierung relativ stabil. Diese kann durch verschiedene Enzyme, die weit verbreitet sind, im wässrigen Millieu leicht unter Bildung vom instabileren Psilocin abgespalten werden. Die Weiteroxydation des Psilocins unter Enzym- und Lufteinfluss bildet dann blaue Produkte, die bei vielen psilocybinhaltigen Pilzen im Alter oder bei Druck, meist auf die Stiele, beobachtet werden (Gartz 1999, Stamets 1999). Die Stärke der Blauung lässt aber keinen Rückschluss auf die Menge der Substanzen im Pilz zu.

Andererseits ist Psilocin auch eine mögliche Vorstufe der Biosynthese des Psilocybins und so kann nicht festgestellt werden, woher das Psilocin im Pilz stammt. Es ist also wichtig festzuhalten, dass die noch zu erwähnenden Analysedaten nur Momentaufnahmen von bestimmten Fruchtkörpern verschiedener Aufsammlungen darstellen. Allerdings sind inzwischen auch bestimmte Mengenverhältnisse innerhalb einer Art bekannt, z.B. bei Psilocybe semilanceata.

Schlussbemerkung:

Pilze aus weiteren Gattungen (z.B. Agrocybe, Hygrocybe, Mycena) könnten bei einzelnen Arten ebenfalls noch Psilocybin enthalten, eindeutige und konstante Beweise existieren aber bis heute nicht. Die psychoaktiven Amanita-Arten (Fliegen- und Pantherpilz) haben eine differente Pharmakologie durch Isoxazolderivate (Muscimol und der biochemische Vorläufer Ibotensäure) und passen nicht in diesen Rahmen, auch nicht verschiedene Claviceps-(Mutterkorn-) Spezies mit ihren wechselnden, komplizierter gebauten Indolalkaloiden, aus denen 1938 von Albert Hofmann das LSD halbsynthetisch hergestellt wurde.

Bis heute ist in Europa keine Porlingsart (Polyporus sp.) bekannt geworden, die psychoaktive Wirkung oder entsprechende Inhaltsstoffe besitzt. Diesbezügliche Berichte aus anderen Erdteilen mit scheinbar identischen Arten Europas, sind daher mit entsprechender Vorsicht zu genießen.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“


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