Psilocybe cubensis – Anbau

Seit Hofmann und Wasson die Kunde über die Zauberpilze weltweit verbreitet haben, besteht der Wunsch diese ‚Zauberpilze‘ in nicht tropischen und subtropischen Gebieten anzubauen. Nach vielen Versuchen und Studien fand man heraus, dass Psilocybe cubensis von allen halluzinogenen Pilzen am einfachsten in unseren Breitengraden zu kultivieren ist. Der Anbau von Psilocybe cubensis erfordert extreme Sauberkeit, da sich die in der Luft befindenden Schimmelpilzsporen oder Bakterien sich ebenfalls in den Nährmedien einnisten können und somit die Psilocybe cubensis Kulturen verdrängen. Wenn man alles richtig gemacht hat, kann man innerhalb von 6 Wochen ausgereifte Pilze aus Sporen erhalten. Der Anbau der Pilze lässt sich generell in folgende 7 Schritte unterteilen (Psilocybinhaltige Pilze):

  • Gewinnung der Sporen
  • Aufbringung der Sporen auf einem Nährmedium zur Myzelanzucht
  • Weitervermehrung durch Umsetzung des dikaryoten Myzelstückchen
  • Übertragung auf Roggensubstrat
  • Vermischung des Roggensubstrats mit Erde
  • Einleitung der Fruchtung
  • Die Ernte

Im folgenden werden die 7 Schritte weiter beschrieben (diese Anleitung bezieht sich zum größten Teil auf das Buch ‚Das Pilzzuchtbuch‚ von Schuldes und Lanceata, 1999 und aus ‚Psilocybin, Ein Handbuch für die Pilzzucht‚ von Oss und Oeric, 1976).

Gewinnung der Sporen

Benötigte Materialien:

  • Frischen und ausgereiften Psilocybe cubensis
  • Scharfes Messer
  • Blatt Papier oder Objektträger aus Glas
  • Petrischale (aus Glas, da sie sonst beim sterilisieren schmelzen würden)
  • Desinfektionsmittel (z.B. Sagrotan med., ohne die Zusätze von Seife wie z.B. handelsübliches Sagrotan)
  • Spiritusbrenner

Die Kulturen werden aus Sporen gewonnen, welche erstmal beschafft werden müssen. Hierzu nimmt man voll entwickelte Psilocybe cubensis und schneidet den Pilzhut mit einem scharfen Messer ab. Man sollte versuchen, so wenig Stiel wie möglich am Hut dran zu lassen, da sonst die Lamellen nicht richtig aufliegen können. Nun nimmt man sich eine saubere Unterlage (Papier oder Glas), und legt den Pilz flach mit den Lamellen nach unten darauf. Der Pilz sollte mit einer Petrischale abgedeckt werden, um Kontaminationen oder Verlust von Sporen durch einen Luftzug zu vermeiden. Nach 24 Stunden sollte man dann einen geeigneten Abdruck gewonnen haben. Eine Papierunterlage für den Sporenabdruck ist sehr einfach zu handhaben und ist immer verfügbar, sie birgt aber auch die Gefahr der Kontamination durch andere Pilzsporen oder Bakterien, da sie nicht sterilisiert werden kann. Für ein keimfreies Arbeiten bietet sich daher eine Glasunterlage an, die vorher mit Sagrotan med. gereinigt wurde, und kurz über einer Spiritusbrennerflamme erhitzt wurde. Geeignetes Glas ist zum Beispiel ein Objektträger, wie sie auch in der Mikroskopie verwendet wird, wobei man einfach mehrere zusammen schiebt und anschließend nach Erhalt der Abdruckes einzeln in Plastiktüten aufbewahrt. Das Papier wird einfach ordentlich gefalten, so dass keine Sporen herausfallen können, oder die Glasträger fest in Plastiktüten verpacken (Psilocybin, Ein Handbuch für die Pilzzucht, 1976). Jetzt muss man genügend reines Myzel aus den Sporen erzeugen, um mehrere Nährböden oder wie in Schritt 3 den Roggen beimpfen zu können. Hierzu werden im ersten Schritt die Sporen auf ein steriles Nährmedium aufgetragen.

Myzel-Anzucht auf einem Agarmedium

Zur Anzucht von reinem Myzel bieten sich mehrere Nährböden an, die einfach in der Herstellung sind und keine exotischen Zutaten benötigen. Die Nährmedien die am meisten Verwendung in der Psilocybe cubensis Anzucht finden, sind der Kartoffel-Dextrose-Agar KDA), der Malzextrakt Agar (MEA) oder der Hunde-Agar (HG). In den folgenden Absätzen wird die Herstellung, sowie die Vor- und Nachteile jeder Nährmedien beschrieben.

Kartoffel-Dextrose-Agar

Für diesen Agar benötigt man:

  • 300 g Kartoffeln
  • 25 g Agar
  • 12 g Dextrose
  • 1 Teelöffel Bierhefe

Als ersten Schritt muss man die Stärke aus den Kartoffeln gewinnen, die nachher als Nährstoff für die Pilze dienen wird. Hierzu wäscht man die Kartoffel ordentlich, und schneidet sie mit Schale in kleine Stücke. Anschließend kocht man sie ca. 1 Stunde in Wasser um die Stärke zu entfernen. Die Stärke befindet sich nun im Sud, welcher von den Kartoffel mit Hilfe eines Siebes getrennt und aufgefangen wird. Nun füllt man den Sud mit Wasser auf, bis man ein Gesamtvolumen von 1,1 L Wasser hat (Sud + zusätzlichem Wasser). Anschließend rührt man die 25 g Agar, die 12 g Dextrose und den Teelöffel Bierhefe in den Sud ein einrühren. Man wird die Hefe nicht komplett lösen können, was aber keine negativen Auswirken hat. Nun muss die Mischung 3 Minuten lang köcheln, wobei ständig gerührt werden muss, um ein Überkochen zu vermeiden. Nach dem Kochen etwas abkühlen lassen und den noch warmen Agar in saubere Petrischalen gießen. Die Gesamthöhe des Agars in den Petrischalen sollte ca. bei 3-5 mm liegen. Den Agar auskühlen und damit fest werden lassen. Der Vorteil dieses Agarmediums ist, dass er schön klar ist. Ein Nachteil kann sein, dass aufgrund des hohen Zuckeranteils die Pilze wenig kräftig wachsen können.

Hunde-Agar

Für diesen Agar benötigt man:

  • 30 g Hundetrockenfutter
  • 25 g Agar
  • 1,1 L Wasser

Dieses Nährmedium ist sehr leicht herzustellen, da man einfach nur alle Zutaten in einen Topf packen und ca. 3 Minuten kochen lassen. Dann kann es auch schon, sobald ein wenig abgekühlt, warm in die Petrischalen gegossen werden. Der Vorteil dieses Nährmediums ist, dass die Zutaten sehr preiswert sind, wobei ein Nachteil sein könnte, dass der Agar immer trüb sein wird, wodurch eventuelle Kontaminationen nicht erkannt werden.

Malzextrakt-Agar

Für diesen Agar benötigt man:

  • 25 g Malzextrakt
  • 20 g Agar
  • 1,1 L Wasser

Bei diesem Agar werden auch wieder alle Zutaten zusammen gemischt und anschließend 3 Minuten gekocht. Die warme (nicht heiß) Lösung wird dann wie zuvor beschrieben in die sauberen Petrischalen überführt. Für gewöhnlich reicht 1 L Nährmedium zum Befüllen von ca. 30 Petrischalen (10 cm Durchmesser).

Benötigte Materialien für die Sterilisation des Agar-Nährmedium:

  • Schnellkochtopf mit Locheinsatz (sollte geeignete Größe haben und anschließend auch die Einmachgläser zu fassen)

Egal welcher Agar hergestellt wurde, es ist von großer Wichtigkeit, dass anschließend die befüllten Petrischalen keimfrei (sterilisiert) werden. Da man meist keinen Autoklaven zuhause rum stehen hat, der mit Hilfe von Hitze, Wasserdampf und Druck arbeitet, kann man sich aber schon mit einem gewöhnlichen Schnellkochtopfes (Dampfdruckkochtopf, erreicht Temperaturen von 120 °C) helfen, der einen gelochten Einsatz besitzt. Diesen einfach bis zu ca. 3 cm mit Wasser füllen, und das Lochgitter umgedreht hinein legen. Darauf werden dann die Petrischalen (mit Deckel) gestapelt (diese dürfen nicht im Wasser stehen, damit sie nicht voll Wasser laufen). Dann wird der Topf nach Bedienungsanleitung verwendet, und ca. 35-45 Minuten bei Maximaldruck und Temperatur gehalten. Anschließend den Topf, ohne ihn großartig zu bewegen, da sonst das Agar aus den Petrischalen laufen könnte, langsam auskühlen lassen. Während des Auskühlens zieht der Topf Umgebungsluft ein, die kontaminiert sein könnte. Um eine Kontamination weitgehend zu vermeiden, sollte man den Topf mit einem sauberen und nassen Handtuch abdecken, welches als Filter fungiert. Es ist auch sehr wichtig, den Topf erst zu öffnen, wenn er Umgebungsdruck und Temperatur erreicht hat, da sonst bei einer plötzlichen Druckänderung der Agar überschäumen könnte. Nachdem die Agarplatten ausgekühlt sind, werden sie wieder fest und sind steril. Nun kann man mit der eigentlichen Myzelanzucht beginnen. Bevor man aber mit der eigentlichen Myzelanzucht beginnt, ist es noch ratsam zu testen, ob die Sterilisation der Petrischalen erfolgreich war. Hierzu lagert man sie einfach 6-8 Tage und wartet ab, ob etwas in ihnen wächst. Wenn nach dieser Zeit ca. 90% der Petrischalen noch frei von Verunreinigungen sind, kann man davon ausgehen, dass die Sterilisation erfolgreich war und die nicht kontaminierten Platten weiter verwenden.

Bei der Anzucht des Myzels ist es wieder sehr wichtig sauber zu arbeiten damit keine Kontaminationen entstehen. Für die Myzelanzucht benötigt man:

  • Sporenabdruck
  • Impfnadel (mit Lanzettförmiger Schneide, auch Präpariernadel genannt)
  • Spiritusbrenner
  • Impfkiste

Eine Impfkiste ist nicht unbedingt notwendig, erhöht aber beträchtlich die Chancen einer Myzelanzucht ohne Kontaminationen. Man findet sehr gute Anleitungen im Internet, wie man sich eine Impfbox herstellt, z.B. in dem Buch ‚Das Pilzzuchtbuch‚ von Schulders und Lanceata, 1999. In der Impfbox werden dann alle Handlungen durchgeführt (wobei der Spiritusbrenner natürlich AUSSERHALB der Box steht!). Zuerst wird der gesamte Arbeitsbereich desinfiziert, dazu gehören die Hände, die Tischplatte, das innere der Impfkiste (durch Sprühen von Sagrotan med. von unten nach oben in die Box; einmal 30 Minuten vor Beginn der Arbeit, und dann noch mal 10 Minuten vorher) und alles andere, womit man während der Arbeit noch in Kontakt kommt. Das Desinfizieren der Hände ist besonders wichtig, und sollte wie folgt gemacht werden: Zuerst werden die Hände und Unterarme gründlich mit Seife und heißem Wasser gewaschen, und anschließend mit einem sauberen Handtuch abgetrocknet. Anschließend sprüht man soviel Desinfektionsmittel auf Hände und Unterarme, bis sie feucht glänzen. Man muss darauf achten, auch Desinfektionsmittel zwischen die Finger und vor allem unter die Fingernägel zu bekommen, was am besten durch Kratzen der von Desinfektionsmittel feuchten Handinnenflächen geht. Anschließend die Hände trocknen lassen und nichts mehr anfassen, was nicht dringen angefasst werden muss. Danach kann die Arbeit in der Impfkiste los gehen. Zuerst nimmt man die Impfnadel und hält sie in die Bunsenbrennerflamme um sie zu sterilisieren, bis sie anfängt rot zu glühen. Dann kann man mit dem Animpfen der Kulturen beginnen. Man taucht die noch heiße Impfnadel in das Agarmedium damit sie abkühlt, und damit sich ein kleiner Agarfilm auf der Impfnadel ausbildet. Damit kann man anschließend die Sporen von dem Sporenabdruck besser aufnehmen, da sie an dem Agarfilm haften bleiben. Man nimmt nur eine ganz geringe Menge von dem Sporenabdruck auf, gerade soviel, dass man die Sporen mit dem bloßen Auge auf der Öse erkennen kann. Dann hat man bereits tausende Sporen aufgenommen. Es ist auch sehr wichtig, dass man den Bereich von dem man die Sporen aufnimmt so klein wenig möglich hält, um Kontaminationen zu vermeiden, da man den Sporenabdruck nie ganz steril bekommt. Nun nimmt man die Impfnadel mit den Sporen und tupft diese an drei verschiedenen Stellen mittig auf die Agarplatte. Es ist wichtig, dass während des Eintauchens der heißen Impfnadel als auch des Impfens der Deckel nur einen kleinen Spalt breit angehoben wird er wird gerade soweit angehoben, dass man mit der Impfnadel hinein kommt und arbeiten kann und anschließend sofort wieder verschlossen, um einer Verkeimung aus der Luft vorzubeugen. Es ist auch sehr wichtig, nichts außer den Sporenabdruck und nachher den Agar mit der Impfnadel zu berühren, damit man nicht Bakterien oder sonstige Pilzsporen aufnimmt und somit sein Nährmedium kontaminiert. Nachdem man die Platten angeimpft hat, sollte man diese noch luftdicht verschließen. Hierzu eignet sich besonders Parafilm, da es sehr elastisch aber auch haftend ist. Man schneidet sich einfach einen geeigneten Streifen Parafilm zurecht und wickelt diesen um den Spalt zwischen Petrischale und Deckel. Nun kann sich die Luft im inneren durch Temperatur- oder Druckänderungen ausdehnen und zusammenziehen, ohne das die nicht sterile Umgebungsluft eindringen kann. Wer kein Parafilm zur Hand hat, kann auch Frischhaltefolie benutzen, die er sich in Streifen zurecht geschnitten hat. Die Sporen sollten, wenn sie nicht älter als 1 Jahr alt sind, nach ca. 5-9 Tagen keimen und das Myzel heranwachsen. Da man viele Sporen aufgetragen hat, vereinigen sich die monokaryotischen Myzele vereinigen sich dann in der Petrischale zu einem dikaryotischen Myzel, welches weiter vermehrt werden kann.

Weitervermehrung

Materialien benötigt für die Weitervermehrung des Myzels sind:

  • Styroporbox (zur Aufbewahrung der angeimpften Petrischalen)
  • Impfnadel
  • Spiritusbrenner
  • Impfbox
  • Desinfektionsmittel (z.B. Sagrotan med.)
  • Frische Petrischalen mit Agar-Nährmedium

Das Myzel wird bei optimaler Temperatur (ca. 25 – 27 °C, kann auch kälter gedeihen, was aber einer Verlangsamung des Wachstums zur Folge hat). Myzele von Psilocybin cubensis haben ein watteartiges Aussehen, sind weiß, und überwachsen das Nährmedium. Nach ca. 10-20 Tagen sollte das Myzel den Agar soweit überwachsen haben, dass nur noch ca. 1 cm bis zum äußeren Rand nicht bewachsen ist. Nun ist die Zeit gekommen das Myzel zu vereinzeln und zur Weitervermehrung auf frische Agarplatten zu impfen. Man kann das Myzel auch aufbewahren, indem man es bei ca. 2 bis 4 °C lagert, was eine Stilllegung des kompletten Metabolismus zur Folge hat, aber das Myzel noch nicht absterben lässt. Bei einer sauberen und kühlen Lagerung sollte das Myzel eigentlich mindestens 4 Jahr haltbar sein.

Manchmal ist es gar nicht so einfach Verunreinigungen von anderen Kontaminationen zu unterscheiden, deswegen sind die verschiedenen Phänotypen (äußeres Erscheinungsbild) von verschiedenen Kolonien hier im groben beschrieben.

Schimmelpilz: Der Schimmelpilz sieht zu beginn fast wie das Myzel von Psilocybee cubensis aus (weiß und fasrig). Ab dem 4-5 Tag allerdings bildet sich in der Mitte ein gefärbter Fleck, der sich mit der Zeit über die ganze Kolonie ausbreitet. Meist ist dieser Fleck grün gefärbt.

Bakterien: Bakterien bilden keine faserigen Strukturen wie Pilze aus, sondern wachsen in kleinen kreisförmigen Kolonien, die meist eine glatte Oberfläche haben und über das komplette Medium verteilt sind. Sie können jegliche Farbe annehmen und da meist viele verschiedene Bakterienarten nebeneinander wachsen, ist nach einer Kontamination die Platte bunt gepunktet.

Hefe: Hefekolonien überziehen in kürzester Zeit die komplette Agarplatte mit einer schleimigen Schicht die meist graubraun gefärbt ist.

Die verunreinigten Platten müssen sofort entsorgt werden und dürfen auf gar keinen Fall innerhalb der Wohnung geöffnet werden, da sonst eine sehr hohe Kontaminationsgefahr für die anderen Platten besteht.

Die Übertragung des Myzels auf frische Platten findet wieder in der Impfkiste statt. Hierzu wird alles wieder sterilisiert und desinfiziert (wie bereits zuvor beschrieben). Zuerst beginnt man wieder mit der Sterilisation der Impfnadel; dazu wird sie in die Flamme des Spiritusbrenners gehalten, bis sie rot glüht. Nun taucht man sie ein bis zweimal in das zu beimpfende (ohne Myzel) Agarmedium, damit sie abkühlt. Nun muss man ein Stück aus dem vorher erhaltenen Myzel herausschneiden und auf die frische Agarplatte legen. Man sollte nie direkt Myzel vom Rand oder aus der Mitte entnehmen, da dort die Wahrscheinlichkeit einer Kontamination am Wahrscheinlichsten ist, sondern immer dazwischen. Jetzt nimmt man die Impfnadel und schneidet ein paar Mal parallel zueinander (ca. 2-3 mm Abstand) in das Myzel. Anschließend schneidet man noch einige Male im rechten Winkel zu den ersten beiden Schnitten, so dass man am Ende mehrere Quadrate erhält, welche man vorsichtig herauslösen kann. Wenn man ein Myzelplättchen mit der Impfnadel zügig herausgelöst hat, wird dieses mittig auf die frische Agarplatte gelegt. Die Impfnadel kann ruhig in den Agar versenkt werden, damit das Myzel leichter abgestreift werden kann. Alles sollte wieder bei minimal geöffneten Petrischalen und so schnell wie möglich geschehen, damit keine Verunreinigungen in die Petrischalen gelangen können.

Manchmal kommt es vor, dass Myzele in Petrischalen spontan Fruchtkörper bilden. Wenn das geschieht, sollte der Deckel der Petrischale durch Frischhaltefolie ersetzt werden und anschließend können diese dann wie zuvor beschrieben bei ca. 2 bis 4 °C gelagert werden.

Man kann nicht nur aus einem Myzel Pilze weiter vermehren, sondern auch durch Klonen. Hierzu wird einfach ein frischer (der Pilz sollte so frisch wie möglich sein) Pilz benutzt. Zuerst bereitet man wieder seine Arbeitsutensilien (Impfkiste, Hände, Impfnadel etc.) vor wie zuvor beschrieben und sterilisiert bzw. desinfiziert alles. Nachdem die Impfkiste dann desinfiziert wurde, legt man den Pilz hinein und reißt (nicht schneiden, da durch die Klinge Verunreinigungen ins innere Fleisch gelangen können) ihn der Länge nach in 2 Hälften. Man darf das Innere nicht mit den Händen berühren. Danach glüht man die Impfnadel aus und schneidet ein kleines Stückchen Fleisch aus dem Inneren des Pilzes heraus. Wichtig ist, dass keine äußeren Teile mit abgeschnitten werden, da diese voller Keime sind. Dazu sucht man sich einfach die dickste Stelle des Pilzes, egal ob Hut oder Stiel. Das so heraus geschnittene Stück wird anschließend auf eine frische und sterile Agarplatte gelegt, und nach ca. 5 Tagen sollte ein neues Myzel wachsen.

Übertragung auf Roggensubstrat

Materialien benötigt für die Übertragung auf das Roggensubstrat:

  • Getreide (vorzugsweise Roggen)
  • Gips
  • Impfnadel
  • Impfbox
  • Spiritusbrenner
  • Einmachgläser
  • Schnellkochtopf

Um genug Myzel zu gewinnen, um das endgültige Substrat zu beimpfen, muss man zuerst das Myzel auf Roggensubstrat wachsen lassen. Es können auch andere Getreidearten verwendet werden, allerdings ist Roggen am preiswertesten. Das Roggensubstrat wird in Einmachgläser gegeben. Wichtig bei den Einmachgläsern ist, dass sie gerade sind, oder am besten noch nach unten zulaufen, damit man die Kultur später problemlos heraus schütteln kann. Man sollte Einmachgläser mit einem Mindestvolumen von 500 mL verwendet, und sie müssen verschließbar sein. Je nach Größe des Einmachglases werden unterschiedliche Mengen an Wasser und Getreide hinzu gegeben:

Volumen des Einmachglases (mL) Getreidemenge (g) Wassermenge (mL)
500 225 275
750 172 228
1000 120 180

Man gibt das Getreide und das Wasser in das Glas, und fügt anschließend noch ca. ½ bis 1 gestrichen Teelöffel Gips hinzu. Diese Mischung rührt man anschließend um, und verschließt das Glas mit dem Deckel. Um Kontaminationen zu vermieden, wird noch Alufolie um den Deckel und den oberen Rand des Glases befestigt. ACHTUNG! Die Einmachgläser nicht luftdicht verschließen, da sie sonst während des sterilisierens platzen können! Die so vorbereiteten Gläser werden erneut auf den umgedrehten Locheinsatz im Schnellkochtopf gestellt. Man sollte den Topf wieder ca. 3 bis 4 cm mit Wasser füllen, und nach erreichen des maximalen Drucks und Temperatur ca. 1 ½ Stunden kochen lassen (Man muss aufpassen, dass der Topf nicht austrocknet, daher die Kochplatte gerade so heiß machen, dass das Wasser gerade eben kocht!). Das Abkühlen sollte wieder mit Hilfe eines feuchten Handtuchs erfolgen. Nachdem der Druc im Topf 0 ist, kann man die Gläser heraus nehmen und luftdicht verschließen. Die noch Handwarmen Einmachgläser nun aus dem Topf raus holen, und die Getreidekörner vereinzeln. Nachdem die Getreidekörner sterilisiert wurden, klebt meist ein Block aus Körnern unten am Boden des Glases. Man benötigt aber vereinzelte Körner. Diese erhält man, indem man das verschlossene Glas gegen seine GESCHÜTZTE (z.B. durch einen Boxhandschuh) Handfläche schlägt, bis das Roggensubstrat locker im Glas ist. Die oben angegeben Verhältnisse sind Richtwerke, können aber je nach Getreide schwanken. Das richtige Verhältnis muss ausgetestet werden, damit kein Brei entsteht, oder sich die Körner ohne Schütteln von einander lösen. Sollte dies gesehen, muss die Wassermenge entweder um ca. 5-10 mL reduziert, oder erhöht werden. Um zu testen, ob die Sterilisation erfolgreich war, lässt man die Einmachgläser mit dem Getreide einfach wieder 6-8 Tage stehen, und wartet ab, ob sich Verunreinigungen bilden. Wenn über 90% noch frei sind von Bewuchs, dann war die Sterilisation ausreichend.

Um nun den Roggen zu beimpfen, desinfiziert und sterilisiert wieder alles wie in den vorherigen Kapiteln beschrieben. Man stellt sich eine Petrischale mit Myzel und zwei Roggengläser in die Impfkiste. Die Petrischale wird auf eines der beiden Roggengläser gestellt, um den Transferweg von der Petrischale in das Roggensubstrat zu kurz wie möglich zu halten, damit keine Verunreinigungen in das Glas oder in die Petrischale gelangen können. Nun wird aus dem Agar bewachsen mit dem Myzel wieder Quadrate mit ca. 1 cm Kantenlänge geschnitten (mit der Impfnadel, wie bereits zuvor beschrieben), und 3 dieser Quadrate in das Roggensubstrat gegeben. Es ist hier auch wieder wichtig so schnell wie möglich zu arbeiten und die Deckel nur zu weit wie nötig zu öffnen! Man dreht und wendet das geschlossen Einmachglas bis alle 3 Stücke mit von Roggen umschlossen sind, und anschließend schütteln man ein paar Mal, um Myzelfäden aus dem Agar zu lösen und im Roggen zu verteilen, damit sich später an diesen Stellen ein neues Myzel bilden kann. Die Gläser werden in einer Styroporkiste bei 21-28 °C gelagert, was ein schnelles Wachstum des Myzels fördert. Sie sollten im Dunkeln stehen und aam besten hoch gelegen, da die Wärme nach oben steigt und es dort immer ein wenig wärmer ist. Die Styroporkiste sollte alle 2 Tage gelüftet werden und dabei wird direkt kontrolliert, ob sich Verkeimungen gebildet haben. Schimmelpilze sind wieder sehr einfach zu erkennen (an der grünlichen Färbung), wohingegen Bakterien schwieriger auszumachen sind. Die meisten Bakterien bilden eine schleimige Schicht auf den Roggenkörnern, der diese verklebt und sehr unangenehm riecht. Kontaminierte Gläser müssen umgehend entsorgt werden, da sie sonst die anderen gesunden Kulturen anstecken. Nach ca. 4-5 Tagen sollte sich ein kreisrunder, weißer Hof um die Agarstücke gebildet haben. Wenn man solche Höfe erhalten hat, ist es Zeit erneut zu schütteln, um bereits bewachsene Roggenkörner gleichmäßig im Glas zu verteilen, was eine schnellere und bessere Durchwachsung mit Myzel fördert. Man schüttelt so lange im Abstand von ca. 4-5 Tagen, bis das Roggenglas gleichmäßig durchwachsen und keine größeren unbewachsenen Stellen mehr sichtbar sind.

Zusatz von Erde

Materialien die zur Herstellung der Deckerde benötigt werden:

  • Rindenhumus
  • 2-3 Esslöffel Gips auf ca. 2 kg Rindenhumus

Man gibt die Deckerde auf das Roggensubstrat, sobald es gerade eben vollständig mit dem Myzel durchwachsen ist. Man darf nicht zu lange warten, und sollte man aus irgendwelchen Gründen die Deckerde nicht zum richtigen Zeitpunkt aufbringen können, dann muss man das Glas entsprechend kühl lagern. Die Deckerde ist ein wichtiger Bestandteil zu Anzucht von Psilocybe cubensis da dieser Pilz sehr viel Wasser benötigt und das Wasser im Roggen nicht ausreicht, um den Pilz über das Myzel zu versorgen. Daher wird eine Schichte feuchter Erde auf das Roggensubstrat gegeben, welche die ausreichende Menge an Wasser liefert. Wenn man eine Hand des vorbereiteten Humus aufnimmt und feste presst, müssen sich ein paar Tropfen lösen, aber nicht mehr, da man sonst Gefahr läuft das Myzel zu ertränken. Der Humus den man gewöhnlich im Baumarkt kaufen kann, muss man nicht vollständig sterilisieren sondern nur eventuell vorhandene Eier oder Sporen abtöten. Dies kann man sehr leicht entweder im Schnellkochtopf oder in der Mikrowelle machen. Im Schnellkochtopf reicht es die Erde ca. 1 Stunde auf 70-80 °C zu halten, und in der Mikrowelle braucht man nur 30 Minuten. Es ist wichtig, dass man erst beginnt die Zeit zu messen, wenn alle Teile der Erde (auch der innere Teil) auf die gewünschte Temperatur gebracht wurden. Vorteile von Rindenhumus sind, dass dieser arm an Nährstoffen ist und somit seltener Schimmelpilze auftreten als mit der üblichen Deckerde; Rindenhumus kann sehr gut Wasser speichern und bleibt stets locker, auch bei hohem Feuchtigkeitsgehalt. Es sollte ungefähr eine Schicht von 2 cm Deckerde auf das Roggensubstrat aufgetragen werden, und anschließend muss das Glas wieder verschlossen werden. ACHTUNG! Das Glas darf NICHT luftdicht verschlossen werden, da sonst Staunässe entsteht und sich sehr leicht Schimmelpilze bilde. Am besten ist es, das Glas zwischen Deckel und Rand mit einer Folie abzudecken, wie sie auch zum Kochen in der Mikrowelle verwendet wird (diese Folie hat kleine Löcher die keine Insekten etc. ins Glas hineine lassen, aber die Feuchtigkeit hinaus). Zur richtigen Belüftung sollte man einmal täglich den Deckel und die Plastikfolie entfernen. Im inneren des Glases sollte eine Temperatur von ca. 23 bis 27 °C herrschen. Die Temperatur sollte sind zu warm sein, da sonst das Wachstum von Schimmelpilzen gefördert wird. Die Gläser wedren wieder in der Styroporbox und an einem erhöhten Standort gelagert. Nun muss man 7-10 Tage warten, bis das Myzel ca. 10-20% der Deckschicht durchwachsen hat. Dann kann mit der Einleitung der Fruchtung begonnen werden.

Einleitung der Fruchtung

Materialien die zur Einleitung der Fruchtung benötigt werden:

  • Sprühflasche mit sehr feinem Zerstäuber
  • Präparierte Styroporbox
  • Leuchtstoffröhre (ganz normale)

Hier wird durch die Regulierung von verschiedenen Faktoren die Bilddung von Fruchtkörpern angeregt. Die folgenden Faktoren sind hierbei von großer Wichtigkeit:

  • Luftfeuchtigkeit
  • Licht
  • CO2-Gehalt
  • Temperatur

Luftfeuchtigkeit. Die Luftfeuchtigkeit muss zur Bildung von Fruchtkörpern erhöht werden (auf ca. 95%). Dies kann man dadurch bewerkstelligen, dass man alle zwei Tage 1-2 Sprühstöße Wasser (mit einem sehr feinen Zerstäuber) in die Styroporkiste sprüht. ACHTUNG! Viele Anfänger meinen es zu gut mit dem Wasser und ertränken ihre Kulturen.

Licht. Für die Fruchtung braucht das Myzel ausreichend Licht. Dies reicht man, indem man den Deckel der Styroporkiste so präpariert, dass man ein Fenster hinein scheidet, so dass ca. 5 cm am Rand des Deckels an Styropor stehen bleiben. Nun deckt man das entstandene Loch mit klarem Plastik ab und befestigt dieses am verbleibendem Rand. Nun hat man ein Fenster gebastelt und es ist völlig ausreichend ca. 40 cm über dem Deckel eine normale Leuchtstoffröhre anbringt (keine Hochleistungslampe, da diese zu hell und zu warm ist). Für gewöhnlich ist eine Belichtungsdauer von ca. 10-12 Stunden ausreichend. Dies sind nur Richtwerte, und man muss selber sehen, wie viel Licht die jeweilige Kultur benötigt; sollten die Primordien (kleine Pilze die sich aus Stecknadelkopf großen Knoten aus dem Myzel bilden) mit einem langen Stiel und kleinem Hut heran, sollte die Lichtmenge ein wenig erhöht werden, wohingegen starke Hüte mit kurzen Stielen weniger Licht benötigen. Niemals die Kiste direkt ins Sonnenlicht stellen, da sonst eine Überhitzung des Kiste statt findet, die das Myzel abtöten würde.

CO2-Gehalt. Der CO2-Gehalt der Luft muss reduziert werden. Die einfachste Methode dies zu bewerkstelligen ist einfach 2-3 mal täglich den Deckel der Styroporbox zu lupfen und damit frische Luft in die Kiste zu fächeln.

Temperatur. Für eine erfolgreiche Bildung von Fruchtkörpern muss die Temperatur der Kulturen abgesenkt werden. Bei tropischen und subtropischen Arten (wie Psilocybe cubensis) ist eine Absenkung der Temperatur nicht zwingend erforderlich, beschleunigt aber die Fruchtung. Es genügt, die Temperatur ca. um 4-5 °C zu senken.

Wenn all diese Faktoren beachtet hat, dann sollten sich nach ca. 7 (± 2) Tagen kleine Knötchen auf dem Myzel bilden, die ca. eine Größe von 5 mm aufweisen. Aus diesen Knötchen reifen dann nach weiteren 5-8 Tagen die Primordien heran, ein frühes Stadium des Pilzes. Nach ca. einer Wochen sollten sich aus den Jungpilzen ausgewachsene Pilze entwickelt haben. Nun muss man auf die Luftfeuchtigkeit achten, die nicht zu hoch sein darf. Man sollte sie auf ca. 85% absenken um ein Ertrinken der Pilze und die Bildung von Fäulnis zu vermeiden. Hierzu sprüht man einfach seltener Wasser auf die Kulturen. Die Pilze werden miest seitlich an der Gefäßwand heranwachsen, und nur sehr wenige oben auf dem Substrat. Deswegen sollte man sobald die Pilze heranwachsen den Substratkuchen aus dem Glas stürzen und einfachh auf eine Unterlage stellen, und den Pilzen ihren freien Willen lassen. Daher ist es auch notwendig, dass das Glas gerade oder nach unten hin komisch zuläuft, um ein leichtes Herausstürzen zu ermöglichen. Das Substrat ist zu diesem Zeitpunkt zu mit Myzel bewachsen, dass es ein fester Kuchen ist und auch ohne Glas drum herum stabil bleibt. Diese Kuchen werden dann einfach zurück in die Styroporkiste gestellt. Man wird beobachten, dass zu Beginn sehr viele Jungpilze entstehen, aber nur ein Teil davon zur kompletten Größe heranwächst. Sobald dieser Teil ausgewachsen ist, müssen alle Pilze geerntet werden, da die kleineren aufgehört haben zu wachsen und es nichts bringt noch länger zu warten. Wenn man versucht die kleinen Pilze noch weiter heranreifen zu lassen, wird man feststellen dass sie sehr schnell verschimmeln und damit auch die anderen Pilze gefährden.

Zum Trocknen auf ein Herdgitter gelegt

Ernte

Der richtige Zeitpunkt für die Ernte ist gekommen, wenn die Pilze ganz kurz davor sind ihre Hüte zu öffnen. Denn zu diesem Zeitpunkt haben die Pilze bereits das meiste Psilocybin produziert, welches durch weiteres Wachstum des Pilzes lediglich verdünnt würde. Man erntet die Pilze am besten indem man den Stiel aus dem Substrat dreht. Sollte der Pilz zu fest auf dem Substrat sitzen und sich nicht heraus drehen lassen, so kann man auch ein sauberes, scharfes Messer verwendet und den Stiel so dicht wie möglich am Substrat abschneiden. Hier sollte darauf geachtet werden, dass das Substrat nicht zu feucht gehalten wurde, da sich sonst sehr leicht Schimmel an der Schnittkante des Pilzes ausbreiten kann. Nach dieser ersten Ernte kann man noch 3-4 weitere Ernten einbringen, indem man einfach die Fruchtung wieder einleitet (wie zuvor beschrieben). Danach ist das Substrat verbraucht und man muss wieder von neuem anfangen. Das verbrauchte Substrat kann man aber noch sehr gut als Kompost für andere Pflanzen verwenden, und manchmal bilden sich sogar wieder neue Fruchtkörper aus, die erneut geerntet werden können.

Fertig getrocknet, ca 10% des Frischgewichts.

mit

2 Comments

  1. Shaquita Pohorilla@Mikrowelle

    15/01/2011 at 20:57

    Guter Artikel, es fehlen lediglich Bilder! 😉

    • sodmin

      04/02/2011 at 20:31

      Danke für das Lob,
      wir haben die ersten Bilder hochgeladen. Es ist halt viel Arbeit, aber wir bleiben dran.
      Wir wären auch für gutes Bildmaterial dankbar. Auch von anderen psychoaktiven Pilzsorten!

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