Polydamnas Drogen

Ägyptisches Bier und der Keykeon von Eleusis

von Thomas Jenden Riedlinger; Übersetzung Juliana Tatcheva und Kolju Datchev

Der folgende Artikel möchte etwas Licht in die geheimen Rituale des Demeter-Kultes bringen, der ungefähr um das Jahr 400 unserer Zeitrechnung nach mehr als 2000 Jahren kontinuierlicher Durchführung endete. Ausgehend von Andeutungen großer Dichter und Gelehrter, die diesem Ritual beiwohnten, wird von einer drogeninduzierten Persönlichkeitsveränderung ausgegangen. Aufbauend auf den Forschungsergebnissen von WASSON, HOFMANN und ihren Kollegen, wird ein Verfahren vorgeschlagen, das tatsächlich zum mystischen Getränk „Keykeon“ führen könnte. Doch VORSICHT! Es handelt sich dabei um ein Getränk aus Mutterkorn-befallenem Getreide. Von einer Nachahmung ist grundsätzlich dringendst abzuraten – Mutterkorn ist einer der wirklich extrem giftigen Pilze. Darüber hinaus sind natürlich nationale Gesetze, die den Umgang mit Ergot-Alkaloiden regeln, in jedem Falle einzuhalten.

Keykeon-Becher

Von allen sogenannten „geheimen Religionen“ des antiken Griechenland ist der Kult der Göttin Demeter in Eleusis bei weitem der wesentlichste. Zwei tausend Jahre lang, von der Mitte der 1400er v.Chr. bis 395 n.Chr., kamen jährlich bis zu dreitausend Menschen, um an den geheimen Ritualen im Tempel von Eleusis in der Nähe von Athen (siehe Karte, Bild 1) teilzunehmen. Jeder, der Griechisch sprach und keinen Mord begangen hatte, durfte dem Ritual einmal im Leben beiwohnen. Für die meisten Menschen war einmal genug, um ihren metaphysischen Glauben komplett zu verändern. „Dreifach glücklich sind jene Sterblichen, die diese Rituale gesehen haben bevor sie ins Reich des Hades eingehen; denn nur ihnen ist dort ein wirkliches Leben sicher“, schrieb Sophokles mit offensichtlichem Enthusiasmus. (Ruck in Wasson et al. 1978). Dem Dichter Pindar zufolge bestätigte das, was sie dort sahen, dass das Leben einen „göttlichen Ursprung“ hat, und dass nach dem Grab eine Form der Weiterexistenz besteht (Ruck in Wasson et al. 1978). Cicero berichtet ebenfalls, dass diese Rituale ihm die „echten Grundlagen“ des Lebens enthüllt und ihn davon überzeugt haben: „wir können mit Freuden leben … und in Hoffnung sterben!“ (Cicero, De Legibus 2.38). Das war nicht etwas, was den Initiierten aufgetragen wurde, fortan in ihren Glauben aufzunehmen. Sie haben es alle selbst erfahren und zwar in einer solchen Art und Weise, dass sogar Sophokles, Pindar und Cicero davon überzeugt waren. Andere berühmte Initiierte, denen man keine Leichtgläubigkeit nachsagt, sind Euripi des und die glorreichen Römischen Imperatoren Augustus, Hadrian und Marc Aurel.

Was genau während dieser mysteriösen Rituale passierte ist nicht bekannt – alle Teilnehmer verpflichteten sich, das Geheimnis selbst unter Todesqualen zu bewahren. Es gibt allerdings sehr wichtige Hinweise in Homers Hymne für Demeter, ein antikes griechisches Gedicht, das von den Gelehrten als die „offizielle Geschichte“ der Kult-Traditionen anerkannt wird (Mylonas 1969). Erschaffen als eine mündliche Überlieferung im zweiten Jahrtausend vor Christi von einem unbekannten Dichter – nicht Homer – und erstmals niedergeschrieben gegen Ende des 7. Jh. v. Chr., erzählt es die Geschichte von Demeter, der Göttin der Landwirtschaft, deren Tochter Persephone durch Hades, den Gott der Unterwelt von der Erdoberfläche entführt wird. Nicht wissend, wohin Persephone verschwunden war, verlässt Demeter ihr Heim auf der Insel Kreta, um sie zu finden. Nach monatelanger erfolgloser Suche erfährt sie schließlich Persephones Schicksal und dass sie nicht aus Hades‘ Händen gerettet werden kann, weil die Entführung von Zeus selbst genehmigt war. Demeter bricht in Trauer auf einem Felsen in der Nähe der Stadt Eleusis zusammen. Einige einheimische Frauen finden sie dort, aber da sie sich als eine alte Frau verkleidet hat, erkennen die Frauen nicht, dass sie eine Göttin ist. Sie bittet die Frauen, ihr zu helfen, eine Arbeit als Kindermädchen für ein Neugeborenes zu finden, woraufhin die Frauen sie der Königin Metaneira, Frau von Zeleus, dem König von Eleusis vorstellen, dessen kleiner Sohn ein Kindermädchen braucht. Für eine Weile, nachdem sie diesen Posten übernommen hat, bleibt die Göttin „trostlos, ohne zu essen und zu trinken, vergehend vor Trauer um ihre Tochter“ (Staples in Wasson et al. 1978), aber schließlich wird sie überzeugt, Nahrung aufzunehmen. Sie lehnt Rotwein unter diesen Umständen als Sakrileg ab, doch sie bittet Metaneira, ihr ein alkoholfreies Getränk aus Gerste, Wasser und Glechon (Minze) zuzubereiten. Der Dichtung zufolge, ist dieser Trank „der Beginn des Mysteriums“ (Staples in Wasson et al. 1978). Somit wurde Alkohol aus den Ritualen in Eleusis verbannt und die Teilnehmer nahmen einen heiligen Trank (Kykeon), hergestellt nur aus Gerste, Wasser und Minze (Mylonas 1969). Dann versucht Demeter, den Sohn von Zeleus und Metaneira in einen Gott zu verwandeln, indem sie ihm jede Nacht, während die Eltern schlafen, Feuer ins Herz gießt. Metaneira sieht sie dabei, schreit entsetzt auf und beleidigt damit die Göttin, welche daraufhin den Prozess der Verwandlung des Kindes in eine Gottheit nicht fortführt. „Ich hätte diesen Sohn unsterblich für alle Zeiten gemacht und ich hätte ihm unsterbliche Ehre garantiert“, erklärt Demeter, „doch nun wird er niemals den Dämonen, die seinen Tod bringen, entkommen“ (Staples in Wasson et al. 1978). Da sie aber den Jungen lieb gewonnen hat verspricht sie, dass er „jährlich, bei Wiederkehr der Jahreszeit“ geehrt werden wird (Staples in Wasson et al. 1978) anscheinend eine Referenz, auf die später in Eleusis gefeierten Kult- Zeremonien.

Ergot Aufschlämmung: Die WASSON/HOFMANN/RUCK Theorie

Es bleibt ungewiss, wie das Kykeon zubereitet wurde. Manche denken allerdings, dass seine Formel mit Sicherheit einen vierten Bestandteil enthielt. Auf der Suche nach einer Erklärung dafür, warum eine transformative Vision dermaßen gleichbleibend von so vielen Menschen jedes Jahr, zwei Jahrtausende lang, erfahren und Außenstehenden nie beschrieben wurde, vermutet man, dass die Teilnehmer eine Art entheogene Substanz tranken, die zu einer unbeschreibbaren Erfahrung führte. Heutige Konsumenten von Entheogenen berichten ähnlich, dass sie Visionen und Einblicke erfahren haben, die nicht in Worte gefasst werden können und deswegen unbeschreibbar bleiben, speziell bei höheren Dosierungen. Dennoch scheint, wie wir gehört haben, kein Beweis vorzuliegen, dass psychoaktive Substanzen irgendwelcher Art im Kykeon von Eleusis benutzt wurden: weder Gerste, noch Wasser, noch Minze sind geistig wirksame Substanzen.

Eine mögliche Lösung ist die Theorie im Buch Der Weg nach Eleusis (1978) von R. Gordon Wasson, Albert Hofmann und Carl A. B. Ruck. Ihrer Meinung nach enthielt das Kykeon mit ziemlicher Sicherheit Ergot-Alkaloide. Ergot ist der bekanntere Name für Claviceps, eine Art der pharmakologisch aktiven Pilze, die sich auf Körnerbil-denden Gräsern ansiedeln. Wasson und seine Kollegen denken, dass der Ergot von Eleusis entweder Claviceps purpurea (Mutterkorn) auf Gerste, oder C. Paspali auf Gras, genannt Paspalum Distichum, gewesen sein muss. C. Purpurea ist wahrscheinlicher, da er sehr gut auf Gerste, dem spezifischen Getreide in Eleusis wächst. Seine chemischen Bestandteile jedoch enthalten einen hohen Prozentsatz potentiell tödlicher, peptider (nicht wasserlöslicher) Alkaloide, hauptsächlich Ergotamine, in Verbindung mit entheogenen nicht peptiden (wasserlöslichen) Alkaloiden, wie Ergonovin (eine botanische Quelle, die manchmal als Ausgangsmaterial für LSD Synthesen benutzt wird).

C. Paspali enthält nur entheogene, nonpeptide Alkaloide, hat aber den Nachteil, dass es selten auf Gerste wächst. Des weiteren nimmt man heute an, dass das Wirtsgras (P. Distichum) nicht in Europa wuchs, sondern ursprünglich aus Amerika kommt und in Europa erst nach Kolumbus eingeführt wurde (Festi & Samorini).

Wenn man eins dieser Ergots zu der heiligen Formel von Demeter hinzufügt ist es bestenfalls eine Abweichung und schlimmstenfalls ein profaner Verstoß. Andererseits kann man auch sagen, dass ergotbefallene Gerste technisch gesehen kein vierter Bestandteil ist. Wasson und seine Kollegen überlegten deshalb, ob die Priester, die das Kykeon zubereitet haben, bestimmte Geheimnisse kannten, um peptide Alkaloide von Claviceps Purpurea zu isolieren und zu neutralisieren. Sie schlussfolgerten, dass man dies hätte machen können, indem man die Pilze in Wasser einweicht und die wasserunlöslichen Teile filtert. Wahrscheinlich hätte dieses Vorgehen nur ungefährliche, nonpeptide Alkaloide, wie Ergonovin, im Wasser gelöst übrig gelassen, die man trinken kann. Allerdings hat Ergonovin nicht die allseits bekannte Potenz reinen LSDs, einer Substanz, die nur durch „Semi-Synthese“ bestimmter Alkaloide, unter der Benutzung von Labor- Methoden, die den antiken Griechen unbekannt waren, gewonnen wird. Tatsächlich produzierte Albert Hofmann 1938 zum ersten mal LSD aus Ergonovin in seinem Labor bei Sandoz Pharmaceuticals in der Schweiz. Reines LSD ist laut Berichten 20 (Wasson et. al. 1978) bis 200 (Ott & Neeley 1980) mal psychoaktiver als die gleiche Dosis Ergonovin. Um die Potenz der LSD annähernd zu erreichen, müsste Kykeon eine vergleichsweise massive Dosis dieses Alkaloids enthalten. Und noch nicht mal das muss unbedingt gewirkt haben. Als Hofmann Ergonovin in der 10 -fachen Dosierung dessen, was bei LSD optimal gewesen wäre konsumierte, stellte er fest, dass die Effekte physisch unangenehm und nur leicht entheogen waren (Wasson et. al. 1978). Das und weitere Forschung von anderen lässt vermuten, dass Ergonovin in hohen Dosierungen zu Übelkeit, Schwindel, Mattigkeit und anderen unangenehmen physischen Effekten führt (Ott & Neeley 1980).

Solche Forschung ist überzeugend, aber sie beweist nicht zwingend, dass das Trinken eines Getränks, hergestellt als Aufschlämmung ergotbefallener Gerste, dieselben Effekte hervorrufen könnte, wie eine reine Dosis von Ergonovin, die im Labor hergestellt wurde. Es ist gut möglich, dass weniger ausgefeilte Methoden der Herstellung von Ergot-Alkaloid-Extrakten, z.B. von Claviceps Purpurea, unterschiedliche Effekte hervorrufen könnten, da der relative Alkaloid-Gehalt des Ergot innerhalb der gleichen Art variieren kann abhängig von der Zeit, der Region und der Getreidesorte des Wirtes. Warum haben eigentlich Wasson und seine Kollegen ihre eigene Theorie nicht ausprobiert und die Filterung einer Aufschlämmung ergotbefallener griechischer Gerste getrunken? Ich vermute – obwohl sie das in ihrem Buch nicht erwähnen – dass sie eine Ergot – Vergiftung fürchteten. Das Problem ist, dass die Verarbeitung ergotbefallener Gerste durch einfaches Einweichen eine zu primitive Methode ist um sicherzustellen, dass alle toxischen Ergopeptide ausgefiltert sind. Ohne Zweifel waren sie besonders über die hohe Konzentration von Ergotamin in C. Purpurea (Mutterkorn) besorgt. Sogar in kleinen Mengen eingenommen, führt dieses Alkaloid zum„Ergotismus“ – Kriebelkrankheit / Sant Antonius Feuer und Gliedmaßenverlust auf Grund eingeschränkter peripherer Durchblutung, Krämpfe, heftiges Delirium und möglicherweise sogar Tod. Deswegen ist es wahrscheinlicher, dass Wasson und seine Kollegen aus gesundem Respekt vor der tödlichen Wirkung solcher Ergotamine dem C. Paspali Vorrang als Kandidat für das Kykeon vor dem C. Purpurea gegeben haben, obwohl C. Purpurea besser auf Gerste wächst und somit (auch unter den Bedingungen des antiken Griechenland) besser zu nutzen wäre.

Ergot Abkochung: Eine neue Theorie

In diesem Kontext möchte ich eine neue Hypothese vorstellen, die möglicherweise erklärt, wie C. Purpurea mit primitiven Methoden verarbeitet wird, um eine sichere, jedoch potente Konzentration entheogener Ergot-Alkaloide herzustellen. Ich gehe davon aus, dass es in einem modifizierten Bier – Brauprozess zubereitet wurde, bei dem man nichts als ergotbefallene Gerste (befallen von C. purpurea), Wasser und Minze benutzt. Sollte dieser Prozess kurz vor der Gärung unterbrochen worden sein, wäre das Ergebnis meiner Meinung nach eine Art alkoholfreies „fast Bier“ [Anm.: Wohl mit unserem Malzbier vergleichbar] mit entheogenen Eigenschaften, das allen Vorgaben aus Homers Werk über Demeter genügen würde. Der Schlüssel zu meiner Hypothese ist, dass die Sicherheit des Tranks nicht nur vom Filtern der Ergotpeptide abhängt, sondern auch davon, die giftigen Alkaloide unverdaulich zu machen, wodurch sie auch bei Einnahme nicht mehr toxisch sind.

Stellen Sie sich ein Verfahren vor, das mit Claviceps purpurea – befallener Gerste startet. Die Gerste wird mit der Hülse gemahlen, bevor sie aufkeimt. Dann wird Wasser zugegeben und das Gemisch wird mindestens eine halbe Stunde gekocht. Danach wird das Wasser mit der ergotbefallenen Gerste abgekühlt und filtriert, um die meiste, möglichst die ganze Spreu zu entfernen. Dann wird das Getränk fast sofort getrunken, ohne Hefe hinzuzufügen, da die Hefe zur Gärung führen und Alkohol entstehen würde. Solch eine Methode, genannt Abkochung, ergibt eine ganz andere Art vom Getränk als wenn das Material einfach in Wasser eingeweicht wird, wie Wasson, Hofmann und Ruck vorschlagen. Denn das Mahlen und Kochen der Gerstenhülsen in Wasser setzt erhebliche Mengen verflüssigter Tannine (gelöst aus den Eiweisverbindungen des Getreides) aus der Hülse frei (jede Erwähnung von Tanninen in diesem Essay bezieht sich speziell auf verflüssigte Tannine als Gegensatz zu hydrolysierbaren Tanninen, die andere chemische Eigenschaften haben. Getreide-hülsen enthalten größere Konzentrationen verflüssigter, keine hydrolysierbaren Tannine). Wenn diese Tannine dem Wasser zugegeben werden, wird das eine Lösung, mit einem stark „zusammenziehenden“ (adstringierenden) Geschmack – Rotwein und Tee sind zwei geläufige Beispiele. In solchen Lösungen binden sich die verflüssigten Tannine mit Alkaloiden und auch mit Peptiden und Proteinen, welche Prolin, eine Aminosäure, in ihrer chemischen Struktur haben. Das Kochen beschleunigt den Prozess der Bindung, indem es passende Moleküle für den Aufbau von Komplexverbindungen zusammenbringt. Während die gekochte Lösung abkühlt fallen diese Komplexverbindungen als Partikel und Krümel aus. Sie können abgefiltert und entfernt werden. Wahrscheinlich würde diese Zubereitung den Ergotismus reduzieren, selbst wenn die Gerste mit Claviceps Purpurea befallen ist, da die chemische Formel von Ergotamin das Prolin enthält. Des weiteren, da die Tannin-Alkaloid Komplexe nicht verdaulich sind, ist die Gefahr, dass einige von ihnen klein genug sein könnten, um durch das Filter zu gelangen, ebenfalls neutralisiert, da sie das Verdauungssystem unverändert verlassen. Entheogene Ergonovine und andere nonpeptide Alkaloide der Claviceps Purpurea, die in Wasser löslich sind, würden alle diese Schritte als aktives Bestandteil überleben und in größeren Konzentrationen die entheogenen Effekte verstärken.

Ein Nachteil dieser Methode ist, dass die Effekte der Ergot -Vergiftung zu schrecklich sind, als dass man eine zu geringe Menge Tannine ris-kieren würde. Es wäre deswegen sicherer, die Lösung mit mehr als genug zu übersättigen, um alle peptiden Ergot-Alkaloide zu vernichten und / oder zu neutralisieren. In diesem Fall würden aber alle Tannine, die sich nicht mit Ergopeptiden gebunden haben, in der Lösung verbleiben. Abhängig davon, wieviel in der Lösung verblieben ist, könnte die Bitterkeit sie ungenießbar machen. Viel schlimmer noch, zu viele Tannine aufzunehmen kann auch giftig sein und Übelkeit, Unterleibschmerzen, Erbrechen, Leberschäden und sogar Tod durch Atemlähmung hervorrufen. Der Tannin-Überschuss müsste aus der Lösung entfernt werden, nachdem alle Ergopeptide ausgefiltert, oder neutralisiert worden sind.

Ich glaube, das ist relativ einfach zu machen, ohne „unerlaubte“ Zutaten hinzuzufügen. Einen Teil der Gerste, die frei von Ergot ist, könnte man getrennt aufkeimen lassen, trocknen, mahlen und dann in kaltem oder lauwarmem Wasser einweichen, wobei man durch das Einweichen eine Lösung bekommt, die viel reicher an Proteinen ist und viel weniger Tannine enthält als die gekochte Lösung aus Ergot-befallener Gerste durch die Abkochungs-Methode. Wenn diese separate Lösung dann der Abkochung beigemischt und eine Weile bei Zimmertemperatur stehen gelassen wird, so binden die überschüssigen Tannin-Moleküle der beiden Lösungen sich mit den Proteinen, die Prolin in ihrer chemischen Struktur haben. Diese Tannin-Protein Komplexe fallen aus der Lösung wie die Tannin-Ergopeptid Komplexe aus und können folglich gefiltert werden, wobei man eine erhebliche Reduzierung in der Lösung verbliebener Tannine erreicht. [Da sich der vorgestellte Mechanismus weitgehend korrekt anhört, sollte man in Betracht ziehen, dass Tannine grundsätzlich dafür bekannt sind, unlösliche Ausfälle mit Alkaloiden zu bilden, die gewünschten nichtpeptiden Alkaloide könnten somit auch als Ausfällungen enden (somit würde die Theorie nicht ganz wie beschrieben funktionieren). Das ist ein guter Grund für einen forschenden Studenten, erst die Theorie zu testen bevor irgendwelche Wirksamkeitstests durchgeführt werden. – EDS.] Die restlichen Tannine würden nicht gefährlich sein. Trotzdem würden sie ausreichen, um den Trank stark bitter zu machen und vielleicht Übelkeit bei Menschen mit einem sensiblen Magen hervorzurufen. Für diesen Fall ist es nahezu perfekt, dass dem Kykeon Minze beigemischt wurde, da sie sowohl die Bitterstoffe neutralisiert (siehe Mundhygiene), als auch Magenirritationen unterdrückt.

Ägyptisches Bier

Lassen Sie mich noch einmal unterstreichen, dass dieser Brauprozess kurz vor der Gärung zu unterbrechen ist und somit eine alkoholfreie Lösung entsteht. In jeder anderen Hinsicht ist er dem Ablauf traditioneller Methoden der Bierbrauerei sehr ähnlich. Das ist sogar eine Untertreibung. Die Zweischritt – Methode der Abkochung/Aufschlämmung, die ich gerade beschrieben habe, ist eine unübliche Technik, die bis zum alten Ägypten zwischen 1550 und 1307 v. Chr. zurückverfolgt werden kann, eine Periode, die sich ziemlich genau überschneidet mit dem Beginn der mystischen Rituale in Eleusis um 1400 v. Chr. Verlässlichen Überlieferungen zufolge, einschließlich der „Chronik der Parier“ des antiken Griechenlands, etablierte sich der Demeter Kult in Eleusis während des Zeitraumes von 1462 bis 1408 v. Chr. (Mylonas 1969).

Bis vor kurzem war diese antike Braumethode effektiv gesehen ein Geheimnis, da sie bereits sehr früh durch uns geläufigere Methoden ersetzt wurde und dem Gedächtnis der Menschheit verloren ging. Von Grabmalereien und stichwortartig geschriebenen Informationen ausgehend, glaubten die Archäologen, dass die alten Ägypter Bier nicht direkt aus Getreide sondern aus gebackenem Brot durch Vermischung von zerstoßenem Brot mit Wasser und darauf folgendem Durchsieben herstellten. Das ergab eine Lösung, reich an Nährstoff und Hefe für die Gärung. Aber Mitte der 90er Jahre ergab eine Analyse der Reste von Biergefäßen, gefunden an zwei verschiedenen archäologischen Ausgrabungen in Ägypten -Deir el – Medina (1550 – 1307 v. Chr.), nahe des Tals der Könige und Königinnen und Amarne (ca. 1350 v. Chr.) in Mittelägypten – etwas Unerwartetes. Die Reste enthielten Spuren sowohl aus gekeimtem, als auch aus nicht gekeimtem Weizen und zwei verschiedene Arten von Stärke. Die erste Art ist ziemlich intakt und typisch für Stärke aus Getreide, das nicht mit Hitze behandelt wurde. Die zweite ist geschwollen und auf eine Art zersetzt, die auf Hitzeeinwirkung schließen lässt. Die Wissenschaftler schlussfolgerten, dass das in den Gefäßen gelagerte Bier in einem Zweischritt-Prozess gebraut wurde, bei dem ungekochtes Malz entweder mit gekochtem Malz, oder mit gekochtem, nicht gekeimtem Weizen kombiniert wurde (siehe Bild 2) – gebackenes Brot war kein Bestandteil der Formel. Genauer gesagt wurde ein Teil der Gerste, oder des Weizens mittels Aufschlämmung nur mit kaltem Wasser behandelt und die gleiche Menge desselben Getreides erfuhr eine Auskochung durch Wasser. Die separat hergestellten Lösungen wurden dann vermischt, durchsiebt und einige Tage lang vergoren.

In ihrer Arbeit, die diese Erkenntnisse veröffentlicht, spekuliert Delwen Samuel nicht über die Gründe, warum die alten Ägypter eine Zweischritt – Braumethode benutzten (Delwen Samuel 1996). Sie und ein Kollege haben woanders vermutet, dass es wahrscheinlich der Regulierung der Brautemperaturen (Samuel & Bolt 1995) gedient haben muss, da in dieser Region die übermäßige Hitze eine Zerstörung der Enzyme, die man braucht, um Zucker durch Gärung in Alkohol zu verwandeln (Fairlay 1992), bewirken kann. Eine andere Möglichkeit ist, dass diese Braumethode das Risiko von Nebeneffekten reduzierte, die durch Getreide eintraten, dass von Ergot oder anderen toxischen Pilzen befallen war. Im Laufe der Zeit könnte dies die Ägypter zur Entdeckung der entheogenen Eigenschaften des Ergot geführt haben. Dies würde den historischen Überlieferungen über die Pflanzenkunde der alten Ägypter entsprechen. Zum Beispiel schreibt Homer in einer Passage über Helena von Troja in der Odyssee (4:219-233):

Aber ein Neues ersann die liebliche Tochter Kronions:

220 Siehe sie warf in den Wein, wovon sie tranken, ein Mittel Gegen Kummer und Groll und aller Leiden Gedächtnis. Kostet einer des Weins, mit dieser Würze gemischet; Dann benetzet den Tag ihm keine Träne die Wangen, Wär‘ ihm auch sein Vater und seine Mutter gestorben,

225 Würde vor ihm sein Bruder, und sein geliebtester Sohn auch Mit dem Schwerte getötet, dass seine Augen es sähen. Siehe so heilsam war die künstlich bereitete Würze, Welche Helenen einst die Gemahlin Thons Polydamna In Ägyptos geschenkt. Dort bringt die fruchtbare Erde

230 Mancherlei Säfte hervor, zu guter und schädlicher Mischung; Dort ist jeder ein Arzt, und übertrifft an Erfahrung Alle Menschen; denn wahrlich sie sind vom Geschlechte Päeons

Haben die alten Ägypter im Ergot eine der „Poly-damna-Droge“ ähnliche entdeckt und deren Kräfte in ihren religiösen Riten eingebracht? War das die Ursprungsquelle des Kykeon, das in Eleusis getrunken wurde? Ich muss jetzt daran erinnern, dass Herodot, der alte griechische „Vater der Geschichte“ glaubte, dass die Ägypter zeremonielle Versammlungen, Prozessionen und Liturgien erfunden und den Griechen beigebracht hatten, einschließlich einer feierlichen Versammlung in einem Tempel, geweiht der Göttin Isis, „dem ägyptischen Äquivalent der Demeter“ (Herodot 1972). Er selber war anwesend bei einer solchen Versammlung zu Ehren des Gottes Osiris, des Bruders und Gemahls von Isis. Er teilt uns allerdings nicht mit, was er dort erfahren hat, angeblich wegen der Ähnlichkeit zum Geheimnis von Eleusis (Herodot 1972).

Das Diagramm zeigt eine mögliche Rekonstruktion der Bierbräumethoden, wie sie im historischen Ägypten genutzt wurden. Adaptiert aus „Rediscovering Ancient Egyptian Beer“ von D.Samuel und P.Bolt 1995, veröffentlicht in Brewer‘s Guardian 124(12):26-31

An diesem Punkt müsste man darauf hinweisen, dass der Mythos von Osiris und Isis verschiedeneThemen aufgreift, die man im Mythos von Demeter und Persephone wieder findet. Wie Demeter in ihrer Rolle als Göttin der Landwirtschaft war Osiris eine Gottheit, die „das Leben aus dem Tode in den Tiefen der Erde erschuf und ist somit die Kraft, die dem Getreide und den flutenden Gewässer innewohnt“ (Allen 1997). Und ähnlich wie Demeter, die Persephone sucht, wandert Isis durch die Welt auf der Suche nach dem Körper von Osiris, nachdem er von Seth, einem Gott, der sie begehrte, getötet wurde. Während der Suche setzt sich die Göttin an einen Brunnen nahe der Stadt Byblos, in den Papyrus-Sümpfen am Nil Delta und weigert sich, mit jedem zu sprechen, außer den Hofdamen der dortigen Königin. Genau wie Demeter in Eleusis verbirgt sie ihre wahre Identität, wird Kindermädchen des jüngsten Sohnes der Königin, taucht den Jungen jede Nacht ins Feuer, um ihn unsterblich zu machen, wird dabei eines Abends von der Königin gesehen, die in Panik schreit, und beschließt deswegen, weil sie beleidigt ist, dem jungen Prinzen „die Unsterblichkeit, die ihm sonst beschert gewesen wäre“, zu entziehen (Spence 1990/1915). Herodot berichtet auch, dass die „Töchter von Danaus“ einem mythischen König der Stadt Argus im südöstlichen Griechenland, das „mysteriöse Ritual der Demeter“ aus Ägypten nach Griechenland brachten (Herodot 1972). Zeitgenössische Wissenschaftler, wie Paul Foucart, James Frazer und Lewis Spence sehen ebenfalls eine Verbindung zwischen Ägypten und Eleusis. Überzeugt von Herodots Schriften und von den Par-allelen zwischen den Mythen von Isis und Demeter, glaubt Foucart, dass der Demeter-Kult in Griechenland wenigstens zum Teil vom Isis-Kult in Ägypten abgeleitet ist (Foucart 1914). Frazer sagt in seinem bekannten Hauptwerk „Der goldene Zweig“, dass der „Kern des Mysteriums, des höchsten Geheimnisses enthüllt ist“, dass der Osiris-Kult und der Demeter-Kult in Eleusis im Grunde genommen der selbe sind und ihren Ursprung in Ägypten haben. Beide beziehen Gottheiten ein, welche die jährliche Wiederkehr der Ernte personifizieren (Frazer 1950/1922). Und Spence behauptet, die griechischen geheimen Rituale wurden schon von den ältesten bekannten Einwohnern der griechischen Halbinsel praktiziert, bevor diese Mitte bis Ende des 2 Jahrtausends v. Chr. erobert wurde. Diese eroberten Völker hatten „einen starken kulturellen Einfluss aus Ägypten erfahren“ und „nahmen eine mystische Attitüde an, um ihre religiösen Rituale vor den Augen der Eroberer zu verbergen“, meint Spence (Spence 1990/ 1915).

Der Einfluss Kretas

Ein Hauptargument gegen alle Theorien, welche die Rituale von Eleusis mit einer Quelle aus dem alten Ägypten verbinden, ist, dass „kein einziges Objekt ägyptischen Ursprungs, oder auf ägyptische Einflüsse hinweisend“ aus dem 2. JT vor Chr. in Eleusis gefunden worden ist (Mylonas 1969). Dafür könnte es jedoch eine Erklärung geben. Obwohl unsere Hauptinformationsquelle über die-geheimen Rituale in Eleusis, Homers Hymne für Demeter, Ägypten nicht erwähnt, identifiziert sie die Nation von Kreta als Demeters Heimat, in der sie als Große Mutter verehrt wurde (Ruck in Wasson et. al. 1978). Arthur Evans, der berühmte Archäologe, der Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in erheblichem Maße Ausgrabungen in Kreta geleitet hat, beobachtete dass die Minoische Kultur, die dort bis Mitte 1400 v. Chr. geblüht hat, „ihre Beziehungen zu Ägypten praktisch nie unterbrochen“ hatte – ungefähr 2000 Jahre lang (Evans 1964). Er betrachtet mit besonderer Aufmerksamkeit die Artefakte aus dem Gelände des Tempels von Knossos auf Kreta, die auf das Ende der minoischen Kultur gegen 1450 v. Chr. datiert werden. Evans meint: „die Darstellung von Nil – Szenen durch minoische Künstler ist manchmal so akkurat und detailliert, dass der Eindruck entsteht, dass Zünfte kretaischer Handwerker zu dieser Zeit auf ägyptischem Boden gearbeitet haben müssten“ (Evans 1964). Ungefähr zeitgleich, um 1470 bis 1450 v. Chr., schmückten ägyptische Maler ein Grab bei Karnak in Theben mit Bildern, die Besucher von Kreta bei der Geschenkübergabe zeigen (Luce 1969). Das Grab gehört Rekhmire (Rekh mi re) ein Wesier des Pharao Tuthmosis III, dessen Name auf ein Gefäß eingraviert war, dass Evans von einem kretaischen Kriegergrab in der Nähe von Knossos ausgegraben hatte (Luce 1969). Das Grab des Kriegers befand sich in Katsabma, einer Hafenstadt von Knossos. Tuthmosis III (auch Thutmose III) regierte von ca. 1490 bis 1436 v. Chr. Rekhmire starb und wurde um 1450 v. Chr. beigesetzt, zu der Zeit war sein Grab 20 Jahre lang im Bau.

Evans erwähnt auch mit „großem Interesse“ ein schmales hohes Kännchen, etwa 15 cm hoch, aus Knossos, das mit zwei modellierten dreifachen Gerstenähren dekoriert war. „Obwohl das Gefäß klein ist, können wir folgern, dass der Likör, für den die Kännchen gedacht waren, in Verbindung mit ‚John Barleycorn‘ standen“ schlussfolgert Evans. Für ihn war es offensichtlich, dass „eine Art Bier in Kreta gebraut wurde“ und dass es „vor dem Wein auf der Insel“ benutzt wurde (Evans 1964). Aber Carl Kerényi, ein Experte für antike griechische Geheimkulte, kommentierte später, dass „die kleine Größe der Gefäße, die in Betracht kamen, eher dafür spricht, dass sie für jenen anderen Gerstentrank benutzt wurden – dessen Konsum für die Teilnehmer an den Mysterien von Eleusis erforderlich war – Zeremonien, die in Knossos angeblich ohne Geheimhaltung durgeführt wurden (Kerényi 1976). Der späte Terence McKenna war auch überzeugt, dass die Mysterien von Eleusis „offensichtlich mit den minoischen Ritualen von Kreta verbunden waren“ (McKenna 1992). Er meint auch inkorrekterweise, dass Wasson und seine Kollegen proklamiert hätten, Kykeon sei „ein Ergot-basiertes Bier, gebraut aus Ergot-Pilzen“ (McKenna 1992), und nimmt somit die Theorie, die ich in diesem Essay vorgestellt habe, vorweg.

Die oben genannten Fakten und Meinungen deuten darauf hin, dass öffentliche Rituale mit Gerstenbier von Kreta nach Eleusis als Geheimnis gelangten -z.B. als ein Mysterium aus den von Spenceangeführten Gründen- das Getränk aus Gerste wurde weiterhin getrunken, nachdem die minoische Kultur in Kreta um 1450 v. Chr. kollabierte. Aber weil die Homersche Hymne für Demeter Alkoholgetränke ausschließt, vermuteten die Wissenschaftler, dass das Kykeon kein Bier 1, und deswegen nicht der heilige Trank des minoischen Kreta gewesen sein kann. Diese Annahme wird durch die Tatsache verstärkt, dass die antiken Griechen selten Bier tranken und Wein bevorzugten. Es spielt keine Rolle, dass für Ägypten das Gegenteil zutrifft, wo Bier allgegenwärtig war, Wein allerdings relativ selten. Wenn die heilige Substanz von Eleusis ihren Ursprung dort hatte, begann es mit einem Bierprodukt, während der Alten und Mittleren Königreiche vor ca. 3100 bis 1630 v. Chr. in denen Gerste vorgezogen wurde; erst später bevorzugten sie Weizen (Sallares 1991). In diesem Falle könnten die minoischen Kretaer dieselbe Formel benutzt haben, die sie durch den Handel mit Ägypten kennengelernt hatten, und später wurde dieselbe von den Priestern in Eleusis adaptiert unter Eliminierung von Alkohol.

Ich fasse zusammen, dass der Kult in Eleusis als eine Satelliten – Gesellschaft von Kreta Aussiedlern begann, die sich dort oder in Athen niederließen und von ihrer Heimat abgeschnitten wurden, als Kreta um 1450 v. Chr. erobert und unterjocht wurde, wahrscheinlich durch Soldaten aus Mycenea, von der griechischen Halbinsel. Vielleicht waren die Gründer des Kults in Eleusis auch Priester, die aus Kreta flüchteten als der Palast von Knossos durch die Eroberer verwüstet wurde. In beiden Fällen haben die Flüchtlinge aus Kreta ihre Religion verstellt, um ihre wahre Herkunft in den Zeiten der Unterdrückung zu verbergen. Sie gründeten den Kult in Eleusis. Auf diese Weise sicherten sie ihr Überleben als eine geheime Religion innerhalb der Kultur, die sich im klassischen Griechenland entwickelte. So wurde die große Mutter von Kreta, deren ursprünglicher Name in Ägypten Isis war, die griechische Göttin Demeter; und ihr heiliger Trank, der einmal ergothaltiges Bier war, wurde ergothaltiges Kykeon, das die selben Bestanteile benutzte, aber keine Gärung erfuhr.

Es ist nicht klar, warum Alkohol aus dem Rezept gestrichen wurde und jede Vermutung wäre spekulativ. Höchstwahrscheinlich haben die Priester in Eleusis auf die Gärung aus zwei Hauptgründe verzichtet. Der Alkohol war für die psychoaktive Wirkung nicht nötig und das Eliminieren des Alkohol verhüllte die Verbindung des Trankes zum ägyptischen und/oder kretaischer Bier. Es könnte auch eine kulturelle Vorliebe gewesen sein, allerdings ohne Bezug auf den Dionysischen Wein, der sich erst später im antiken Griechenland entwickelte. Man sollte nicht vergessen, dass die Homer’sche Hymne auf Demeter höchstwahrscheinlich eine etablierte Tradition reflektiert (mit anderen Worten, es ist eine rückwirkende Erklärung); Die Hymne ist wahrscheinlich später als die Rituale von Eleusis entstanden.

Die Bemühungen, eine Verbindung des Kultes mit Kreta zu verbergen, waren so intensiv, dass man damit auch das „Kyrnos Problem“ erklären konnte. Laut George Mylonas haben Ausgrabungen der Archäologen in Eleusis „kein einziges Objekt“ gefunden, das aus Kreta sein könnte, oder irgendwelche Einflüsse von dort aufweist (Mylomas 1969). Trotzdem sagt er weiter :

„Die Heiligtümer von Demeter haben ein spezielles Gefäß hervorgebracht, das als Kernos bekannt ist… Es ist sehr charakteristisch für unsere Gegend und für den Kult von Eleusis, und es wird als Beweis für kretaische oder minoische Einflüsse angesehen. Trotz der Unterschiede können die Kernoi mit minoischen mehrteiligen Gefäße verglichen werden und wie Nielson sagt ‚Niemand streitet die Verbindung zwischen den minoischen und den griechischen (eloisischen) Exemplaren ab, obwohl sie ungefähr 1000 Jahre auseinander liegen‘. Wir glauben, dass diese zeitliche Differenz minoische Einflüsse ausschließt: hätte es solche gegeben, würden wir erwarten solche Gefäße in den früheren Schichten des Heiligtums von Eleusis zu finden (Mylonas 1969)“

Meiner Meinung nach reflektiert sowohl das Fehlen von minoischen Kernoi in den frühesten Schichten von Eleusis als auch ihr prominenter Gebrauch im Kult, solange nachdem das minoische Kreta untergegangen war, eine Strategie der Erhaltung: es sind keine Kernoi in den frühesten Schichten gefunden worden, weil sie nur als sakrale Objekte und nicht öffentlich gebraucht wurden, eine übliche religiöse Praxis. So, sorgfältig behandelt und im Geheimen von Priester zu Priestergeneration mehrere hundert Jahre lang weitergegeben, konnten sie schließlich möglicherweise als ein Emblem des Kultes wiederaufleben. Zu diesem Zeitpunkt war der Stil der Kernoi ein minoischer Anachronismus, eine treue Hommage an die Heimat des kretischen Kultes.

Schlussfolgerung

Wie Wasson, Hofmann und Ruck habe ich meine Kykeon Theorie nicht persönlich mit rohen Zutaten ausprobiert. Dies, weil ein solches Getränk zubereitet mit Ergot-Alkaloiden, bevor es analysiert und als nichttoxisch eingestuft ist, lähmend und vielleicht tödlich sein kann. Ein besonderes Problem in diesem Fall ist, dass verhältnismäßig geringe Schwankungen in der chemischen Struktur der Ergot Alkaloide und Polyphenole, wie zum Beispiel flüssige Tannine, dramatische Unterschiede in den pharmakologischen Effekten verursachen können.

Deswegen muss der relative Gehalt aller Substanzen in der gewonnenen Lösung sehr präzise mittels Massenspektrometeranalyse und andererhochentwickelter Labormethoden festgestellt werden. Nur dann würde ich mich sicher fühlen, ein Getränk von einer ungetesteten Rezeptur, wie der meinen, oder die meiner Vorgänger, zu trinken. McKenna sagt dazu in einem sehr treffenden Spruch für alle, die versucht sind, die Wasson/ Hofmann/Ruck Theorie durch eigenes Experimentieren zu beweisen: „Es gibt alte Mykologen und kühne Mykologen, aber es gibt keine alten, kühnen Mykologen“ (McKenna 1992).

Was die archäologischen Beweise meiner Theorie betrifft, erwarte ich keine weiteren von Eleusis. Man kann die Beweisstücke von dort weiter interpretieren, aber es werden keine unerwarteten Erkenntnisse von der Ausgrabungsstätte auftauchen. Das wird von George Mylonas, einem ehemaligen Direktor von der Ausgrabungen von Eleusis, in einer Passage seines Buches über den Kult von Eleusis klar ausgedrückt:“

„Jahrelang, seit meiner frühen Jugend, habe ich versucht, die Fakten herauszufinden. Meine Hoffnung stand dem Fehlen monumentaler Beweise entgegen; der Glaube, dass Inschriften gefunden werden könnten, auf denen die Hierophanten ihr Ritual und dessen Bedeutung niedergeschrieben hätten, schwand mit der Zeit völlig; die Entdeckung eines unterirdischen Raumes, gefüllt mit den Archiven des Kultes, die mein Wesen während meiner Jugend dominierte, erwies sich als ein unerreichbarer Traum, da in Eleusis weder unterirdische Räume, noch Archive des Kultes existieren; der Letzte Hierophant hat das Geheimnis, das unzähligen Generationen von Priestern mündlich überliefert wurde, mit ins Grab genommen (Mylons 1969).“

Es ist immer noch möglich, die Unmenge archäologischer Funde aus dem minoischen Kreta und dem alten Ägypten zu erforschen, in der Hoffnung, Beweise zu finden, die irgendwie die Ursprünge der mysteriösen Rituale unter besonderer Beachtung der bisher nicht berücksichtigten botanischen Artefakte in Eleusis zu erklären. Das Klima des griechischen Festlandes ist nicht sehr günstig für die Erhaltung pflanzlicher Proben. Das in Kreta ist besser, wie die Entdeckung großer Gefäße, genannt Pithoi, in Knossos beweist, die immer noch Linsen, Gerste und Bohnen beinhalteten (Wood 1985). Das trockene Klima in Ägypten ist perfekt für solche Erhaltung. Aus diesem Grund konnten Bierreste in Gefäßen, die vor mehr als 2000 Jahren eingegraben wurden, analysiert werden.

Ägyptische Mumien haben ebenso Beweise für einen möglichen Handel mit Kreta geliefert. Bill Baumann berichtet, dass der Mumifizierungsprozess das Füllen von Körperhöhlen mit aromatischem Evernia furfuracea, das auch als Eichenmoos bekannt ist, beinhaltet. Da E. furfuracea nicht in Ägypten wächst, geht Baumann davon aus, dass es von den „etwas feuchteren Inseln des griechischen Archipels“ (Baumann 1960) importiert worden sein muss . Dies ist ein Hinweis auf Kreta und auf die Cycladen, wo es häufig vorkommt.Ein anderes und deutlich sachdienlicheres Beispiel der ägyptischen Archäobotanik hat mit einem Grab im Grundstein eines Beerdigungstempelsnahe Abusier, Ägypten, zu tun, welches vor 4000 Jahren versiegelt und dem Flugsand der Wüste überlassen wurde (Lindau 1904). Das Grab war die nachträgliche Erweiterung (ca. 2000 v. Chr.) eines Beerdigungstempels, der vom König Niuserre der fünften Dynastie (2450 – 2321 v.Chr.) gebaut wurde. Als es deutsche Archäologen zu Beginn des 20.Jh. wieder öffneten, stellte man fest, dass im Grab lose Weizenstreu gemischt mit Ähren eines Krautes namens Lolium Temulentum vorhanden waren. Letzteres ist eher als Unkraut bekannt, hatte aber die Aufmerksamkeit eines deutschen Botanikers namens Gustav Lindau erregt,welcher vermutete, dass die Samen in den Ähren selbst eine Art Grab wären, und zwar das Grab „des Pilzes des Taumellolchs“. Damit meinte er all die verschiedenen Pilze, die allgemein den L.Temuletum besiedeln. Nur mit einem optischen Mikroskop ausgerüstet bestätigte sich seine Ahnung sofort: Jedes einzelne Samenkorn war zum Zeitpunkt der Beisetzung mit einem Pilz infiziert. Die Identität des Pilzes bleibt eine offene Frage, deren Beantwortung von DNA-Analysen der Lindauischen Proben abhängig ist, welche allerdings wahrscheinlich nicht mehr existieren. Wie einige meinten, war es möglicherweise Endokulidium Temulentum, ein Pilz, welcher speziell auf Taumellolch gefunden wird (Sallares 1991). Aber eine andere, faszinierendere, Möglichkeit wäre Claviceps Purpurea, der ebenso häufig den Taumellolch infiziert. Sowohl Hofmann als auch Ruck schlagen in „Die Straße nach Eleusis“ („The road to Eliusis“) Taumellolch als eine mögliche Quelle des Ergot vor, der bei der Herstellung des Kykeon genutzt wurde (Wasson et al. 1978). Ruck merkt an, sowohl allein als auch zusammen mit Staples, dass die antiken Griechen den Taumellolch als zurückgebildete oder primitive Form der Gerste ansahen (Ruck in Wasson at al. 1978, Ruck und Staples 1994). So scheint es möglich, dass Ergot-durchsetzter Taumellolch oder von diesem geernteter Ergot die verdächtige geheime vierte Zutat des Kykeon wäre, was deshalb akzeptiert wurde, weil das Kraut so sehr schnell mit Gerste verwechselt werden kann.

Diese Beispiele stellen natürlich nicht sicher, dass zwischen dem antiken Ägypten und Eleusis eine Verbindung bestand, noch nicht einmal, dass Claviceps Purpurea im antiken Ägypten überhaupt existierte. Sie repräsentieren jedoch jene Art der vergessenen Entdeckungen, die vielleicht einen Bezug zu den Geheimnissen von Eleusis haben und möglicherweise auf die Verbreitung ihrer Mysterien. Wie Wasson in seinem treffend benannten Buch „The Wondrous Mushroom“ prägnant bemerkt: „Neue Perspektiven in der Ethnomykologie winken uns.“ (Wasson 1980)

Anmerkungen

1)Eine wichtige Ausnahme ist das Essay von Charles Musés „Die heiligen Pflanzen von Ägypten“, das bei Rätsch, C. (Ed. 1989) erschienen ist. „Das Tor zum inneren Raum: Heilige Pflanzen, Mystizismus und Psychotherapie.“ Prism Press, pp. 143

159. Musès behauptet, dass die mysteriösen Riten von Eleusis auf Kulte in Ägypten zurückgeführt werden können, bei denen Blätter von einem baumähnlichen Busch, genannt Khat (Qat) –Catha Edulis konsumiert wurden. Er erwähnt, dass sein Freund, der Ägyptologe Jean-Claude Goyon, einmal in einem Brief vom 18.02.1985 sagte, dass die alten Ägypter „wahrscheinlich auch ergotisiertes Gras kannten“. Goyon fasst glaubwürdig zusammen, dass dieses wahrscheinlich in dem seltsamen Mythos um die ägyptische Göttin Hathor reflektiert wird, die sich an Gerstenbier betrank, welches mit Alraune und Blut der von ihr getöteten Menschen vermischt war. Musés greift die Grundidee seines Freundes auf „es war nicht ein Gras (viel weniger ein Pilz), worauf sich die antiken Hieroglyphen und hieratischen Texte (des alten Ägypten) bezogen…wenn sie von einer heiligen Pflanze, welche die Götter manifestiert, sprechen.“ Nach Musés ist diese Pflanze zweifellos Catha Edulis

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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