Pflanzen der Götter: ihre heiligen, heilenden und halluzinogenen Kräfte

Plants of the Gods: Their Sacred, Healing, and Hallucinogenic Powers

Jon Hanna, aus dem Amerikanischen von Juliana Tatcheva

bearbeitete und erweiterte Ausgabe von Richard Evans Schultes, Albert Hofmann, und Christian Rätsch.2001. (Healing Arts Press/Inner Traditions, One Park Street, Rochester, VT 05767 www.innertraditions.com ), ISBN 089281979-0 (7,5“x10,5“ Taschenausgabe, 29,95$),208 Seiten, durchgehend Farbabbildungen, 5 S. Bibliographie, 5 S. Index

Es mag selten vorkommen, dass die zweite Ausgabe eines Buches ihre eigene Besprechung verdient, aber genau das ist der Fall bei der neuen Ausgabe von Schultes und Hofmanns Klassiker „Pflanzen der Götter“ von 1979. Diese, auf den neuesten Stand gebrachte Auflage entstand 1998 als eine deutsche Übersetzung von Christian Rätsch, „Healing Arts Press“ gab die Englische Übersetzung Ende 2001 heraus. Es ist eine wundervolle Arbeit.

Die erste und wichtigste Verbesserung ist die Aufnahme zahlreicher neuer Fotos und Kunstbilder. Obwohl diese neue Ausgabe viele der alten Fotos beibehält, sind auch viele neue enthalten. In manchen Fällen wurde das dargestellte Objekt durch ein Foto besserer Qualität ersetzt – z.B. die Statue von Shiva mit Datura Blüten im Haar (S.11). Sehr viele der alten schwarzweiß Fotos wurden durch hervorragende Farbfotos ersetzt. Obwohl das in den meisten Fällen wunderbar funktioniert, gibt es ein paar Ausnahmen – wie der Ersatz einer schwarzweißen Vogelperspektive auf den Kuluene Fluss (S.24) durch ein Farbbild – bei denen die ursprüngliche schwarzweiß Fotografie viel besser war. Es wird die neuen psychedelischen Kunst von Pablo Amaringo über Walangari Karntawarra Jakamarra, Nana Nauwald bis hin zu Donna Torres vorgestellt. Es gibt auch einige unglaubliche Aquarelle von Christian Rätsch (denk über Codex Seraphinianus auf LSD nach) – wo können wir mehr von seiner Kunst sehen?! Eine wunderbare Wandmalerei mit einer Ayahuasca Zeremonie am Flughafen Cuzco in Peru erinnert uns daran, dass manche Länder eine aufgeklärtere Einstellung gegenüber dem Gebrauch von psychoaktiven Pflanzen haben.

„Vierzehn wichtige halluzinogene Pflanzen“ der ersten Auflage wurde geändert in „Die wichtigsten halluzinogenen Pflanzen“ und wurde um die neuen Abschnitte über Anadenanthera colubrina, Ayahuasca Analoge, Salvia Divinorum und Duboisia hapwoodii erweitert. Es gibt auch zahlreiche Erweiterungen der alten Kapitel, in denen neue Sorten der diskutierten Arten vorgestellt werden. Im „Pflanzenlexikon“ gibt es sechs neue Pflanzen, und der ganze Abschnitt wurde durch Farbabbildungen enorm verbessert. Früher war die Mehrheit der Pflanzen durch Illustrationen visualisiert und es gab nur wenige Fotos; jetzt hat sich die Situation umgekehrt mit nur wenigen Illustrationen. (Schade, dass überhaupt Zeichnungen geblieben sind, obwohl ich vermute, dass es in manchen Fällen schwierig ist, ein Foto von den besprochenen Pflanzen zu bekommen. In anderen Fällen jedoch wäre es nicht schwer gewesen – Fotos von Banisteriopsis caapi, Lagochilus inebrians, Mandragora officinarum, Mimosa tenuiflora [=M. hostilis], Peucedanum japonicum, Scirpus atrovirens, Tabernanthe Iboga, und Virola theiodora sind alle über das Web zu bekommen). Die Karte des „Eingeborenen Gebrauchs von Halluzinogenen“ hat sich erweitert und beinhaltet Hyoscyamus sp., Duboisia sp. und A. colubrina, auch die geschilderte Reichweite des Gebrauchs von Cannabis hat sich erweitert.

Leider sind einige Verarbeitungsprobleme der Erstausgabe geblieben und sogar verstärkt worden. Das Einband des Buches ist zu eng und man muss das Buch über den Rücken knicken, um die Seiten voll zu sehen; das war in der Erstausgabe genauso. Fehler im neuen Layout sind z.B. schattierte Felder für Textabschnitte, die zu eng am Textrand angesetzt sind (manchmal berühren sie diese) und Überschriften, die zu nah an den Abbildungen sind. Das Problem der Angabe fester Alkaloidmengen existiert immer noch (obwohl in manchen Fällen Wertebereiche eingeführt werden). Für Leser mit wenig Wissen auf dem Gebiet könnte der Eindruck entstehen, dass alle getrockneten Trichocereus pachanoi Pflanzen einen 2%igen Meskalingehalt haben, tatsächlich jedoch ist das nicht der Mittelwert sondern das absolute Höchstmaß, wie die wenigen veröffentlichten Isolationsanalysen beweisen (er geht runter bis zu 0,33% und sogar tiefer in veröffentlichten HPLC Analysen). In neuen Fällen, wo Wertebereiche angegeben werden, wie zum Beispiel bei der Mimosa teniflora Wurzelrinde, die angeblich 0,57 bis 1% DMT beinhaltet, ist die Information nicht korrekt. (Die spezifischen Analysen in der Literatur von Goncalves de Lima 1946 und Patcher 1958 berichten von einem DMT-Gehalt der M. teniflora von 0,31 bis 0,57%, und es existieren unbegründete Gegenbehauptungen von 1% bis 11%, siehe auch ER Band X, Nr.3,2001 und Ott 2001). Sowohl die alte als auch die neue Ausgabe enthalten eine viele Angaben über Alkaloid – Gehalte als wären dies feste Größen, tatsächlich sind sie jedoch höchst variabel.

In dieser neuen Ausgabe gibt es auch einige neue Fehler. Rechtschreibefehler sind durch das ganze Buch zerstreut (Sie haben den Namen des Autors Hofmann auf der Rückseite des Einbandes falsch geschrieben!) und in den Abschnitten, die aus dem Deutschen übersetzt wurden, ist es voll mit eigenartigen Phrasen. In manchen Fällen werden Pflanzen vorgestellt, die bestimmte Alkaloide beinhalten sollen, was sie jedoch nicht tun. Zum Beispiel wird angemerkt: „die türkische rote Variation des Grases Phalaris arundinacea beinhaltet reichlich DMT“. Das ist ein Fehler, denn die Variation beinhaltet reichlich 5-Meo-DMT und nicht DMT. Außerdem werden Fotos von vier Kakteen dargestellt (Ariocarpus retusus, A.fissuratus, Astrophyton asterias und Aztekium riterii) -bekannt in Mexiko als „Peyote“- und die Behauptung aufgestellt: „sie beinhalten in erster Linie die Substanz Mescaline und andere psychoaktive Alkaloide“. Das ist ebenso ein Fehler, da nur A. riterii dafür bekannt ist, Mescalin zu erzeugen und keine der anderen. (Es war interessant zur Kenntnis zu nehmen, dass Rätsch eine heftige Menge von Mescaline „0,5-0,8 Gramm“ als eine Dosis bezeichnet, verglichen zu Shulgins konservativer Dosis von 200- 400 mg, aufgelistet in „PiHKAL“; ich tendiere eher zu Rätsch.)

Diese Kritik sollte jedoch nicht überbewertet werden, da es sich um ein wunderbares Werk handelt. Rätsch hat sich eines großartigen Buches angenommen und es noch besser gemacht. Besonders wenn Sie die Erstausgabe besitzen, sind Sie es sich selber schuldig, dieses verbesserte Werk in die Hände zu nehmen. Es ist optisch gelungen und man liest es gern von der ersten bis zur letzten Seite. Sie werden sicher öfter hineinschauen.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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