Peyote und andere psychoaktive Kakteen

gelesen von Hartwin Rohde

Autor: ADAM GOTTLIEB, DR. RETO F. DICHT, 2. Auflage 2002, 94 Seiten und zusätzlich 8 Farbseiten, DIN-A5 Klebebindung, Paperback, Verlag: Nachtschatten Verlag, Kronengasse 11, 4502 Solothurn, Schweiz, www.nachtschatten.ch, basierend auf „Peyote And Other Psychoactive Cacti“ 1977 by Kistone Press und 1997 by Twentieth Century Press, aus dem Amerikanischen von Jolanda SUZUKI-TSCHUDIN, ISBN 3-907080-66-1, Preis 14,- €.

Ein kleines Büchlein, welches sicher schon so manchem Neuling den Weg zu den Kakteen gezeigt hat, wurde nun im Nachtschatten-Verlag erneut aufgelegt.

In diesem Falle aber nur von einer Neuauflage zu sprechen würde dem Büchlein nicht gerecht werden, ist es doch um zwölf Seiten gewachsen und mit wunderschönen Fotos ergänzt worden.

Die Überarbeitungen wurden grossenteils von Dr. Dicht durchgeführt, einem Schweizer Arzt, der als Mitglied der internationalen Organisation für Succulentenfoschung (IOS) und Experte für die Kakteengattung Coryphanta ist. Von ihm stammt das Vorwort zur Deutschen Ausgabe.

Stacy Schaefer trug mit der Zusammenfassung eines Artikels aus der Integration bei, der sich mit den Problemen der Huichol in den USA beschäftigt, die zwar grundsätzlich das Recht zum entheogenen Gebrauch des Peyote haben, dieses jedoch nur sehr schwer warnehmen können, da sie auf ihren Pilgerfahrten zu den Peyotefeldern ihrer Ahnen über Staatsgrenzen gehen müssen und spätestens dort der Willkür des jeweiligen Provinzchefs ausgesetzt sind.

Es geht in diesem Buch nicht ausschließlich um die Bestimmung, die Zucht und den sinnvollen Gebrauch des Peyote. Die Autoren haben es verstanden, auch die gesellschaftlichen und ethnologischen Hintergründe zu beleuchten. Was die gesetzliche Lage betrifft, so wird recht eingehend auf die Situation in den USA abgehoben, deren Ausmaße dann doch recht groteske Züge annehmen und in dieser Form eigentlich nicht karikierbar sind, es reicht die bloße Aneinanderreihung der Sachverhalte, um eine bittere Komik erkennen zu lassen. Für die meisten Europäischen Staaten reicht in dieser Hinsicht eine Nebenbemerkung des Verlegers, auch wenn sich die Situation in Deutschland langsam derjenigen in den USA nähert.

In den folgenden Kapiteln gehen die Autoren näher auf den Peyote und dessen Hauptwirkstoff Meskalin ein. Die Ausbreitung und Durchführung des Peyotegebrauches werden kurz angerissen, und die Erstisolierung des Meskalin wird erwähnt. danach geht es mit praktischen Hinweisen für den heutigen Gebrauch weiter.

Anwendungsgebiete des Peyote außerhalb des hedonistischen oder religiösen Gebrauches werden angerissen und es wird etwas zur ethnobotanischen Einordnung verschiedener Peyotesorten geschrieben.

Nachdem die „Vorbetrachtungen beendet sind, wird ein Querschnitt über die Wirkungen des Peyote gegeben, nicht ohne auf den sehr sinnvollen Hinweis zu verzichten, dass die Nutzung eines so mächtigen Augenöffners grundsätzlich gut geplant sein soll, es ist des öfteren von Ritualen die Rede … eine sehr effektive Art der Vorbereitung. In den nächsten Seiten findet der Leser dann eine Sammlung wunderschöner Farbfotos, die teilweise von Christian Rätsch, anderen Teils von R. Dicht stammen. Die Graustufendarstellung auf der gegenüberliegenden Seite kann davon nur einen unzureichenden Eindruck hinterlassen .

Nach dem kurzen Abstecher in die Farbenpracht der Kakteen wird der Leser an die Farbigkeit seiner eigenen Gedanken gewöhnt, das nächste Kapitel widmet sich der Einnahme des Peyote, was nicht immer einfach ist, da dem Peyote eine massive Bitterkeit anhaftet. Die Einnahmetipps reichen von einer eisernen Selbstbeherrschung, auf Grund derer man den Geschmack einfach ignorieren soll, bis hin zu Klistieren und Zäpfchen, sowie deren Anwendung.

Das Kapitel zu Ernte und gezieltem Auffinden des Peyote in freier Wildbahn ist dann wohl eher für Bewohner Mittelamerikanischer Wüsten/ Steppen interessant, wird aber auch erfrischend knapp gehalten. Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings allemal, in wie weit die dauernde Aberntung des wildwachsenden Peyote die natürlichen Bestände gefährdet. Einige der Hinweise kann ein interessierter Züchter vielleicht auch bei der Ernte der eigenen Züchtungen beachten.

Der Tatsache des immer schwieriger werdenden Auffindens erntefrischer Peyote haben sich nicht erst seit neuestem die Indigenen Peyotenutzer stellen müssen. Die Suche nach anderen Kakteen, die den Geist des Peyote beherbergen, war also schon früher notwendig, und hat eine ganze Reihe von Kakteen zu Tage gefördert, die als Peyoteersatz dienen konnten.

Viele dieser Kakteensorten werden dann in den folgenden Kapiteln beschrieben. Dies kann natürlich in einem Buch, welches als Einführung gedacht ist, und diesem Anspruch sehr gut gerecht wird, nicht in aller Einzelheit und für wirklich jeden bekannten psychoaktiven Kaktus stattfinden, doch die wesentlichsten Gruppen sind enthalten und nachvollziehbar gut dargestellt. Ein Buch, welches eine solche Aufstellung von mehr als 300 Sorten beinhaltet, wird es ab Frühjahr 2003 von Makrus Berger geben, eine kleine Abhandlung zum Thema Ariocarpus Scheideweiler kann man in der Novemberausgabe der „Entheogene Blätter“ finden. Ein Beispiel für die dort besprochenen Kakteen ist auf der nächsten Seite zu finden. es werden auch einige andere Spezialitäten besprochen, wie z.B. der Aztecium ritteri, wie er unten zu sehen ist. Selbstredend darf die Gruppe der Trichocerei nicht fehlen, die sich auch bei der Indigenen Bevölkerung auf Grund der guten Zucht- und Beschaffungsmöglichkeiten als Sakrament durchzusetzen beginnt.

Das folgende Kapitel von Derek K. Westlund behandelt detailliert die Grundzüge der Kakteenzucht von Peyote und anderen Sorten. Westlund wird als einer der Gründer der Peyote-Stiftung beschrieben und schreibt unter anderem für das Magazin „Peyote – The Medicine Journal„.

Begonnen wird (natürlich) mit einer Beschreibung der benötigten Umweltbedingungen und Hinweisen zu deren Nachstellung. Da dies recht einfach zu bewerkstelligen ist, kommt er nach diesem kurzgehaltenen Kapitel zur Zucht der Kakteen aus Samen und wird nun um so gründlicher. Von der Auswahl des richtigen Fungizides (oder der richtigen Methode zum organischen Schutz der Pflanzen) über die optimale Substraterde werden alle wesentlichen Faktoren behandelt, die für eine erfolgreiche Zucht von Nöten sind. Er beschreibt sämtliche Arbeitsschritte von der Aussaat, über das Keimen bis zum Umtopfen der Pflanzen in einfachen, nachvollziehbaren Schritten. Natürlich kann er dabei nicht auf jeden einzelnen Spezialsachverhalt eingehen, der mit Sicherheit jedem fortgeschrittenen Hobbyzüchter einfallen könnte, doch das ist im Rahmen dieses Buches auch nicht gewollt. „Peyote und andere psychoaktive Kakteen“ richtet sich an den Menschen, der gerade beginnen will, sich näher mit dem Thema der entheogenen Nutzung von Kak- teen zu beschäftigen.

Nun ist die Kakteenzucht aus Samen nicht unbedingt jedermanns Sache, vor allem, weil oft das Ziel eines sicher wirkenden Kaktus verfolgt wird.

Aus diesem, und einigen anderen Gründen, wird im nächsten Kapitel dann sehr detailliert auf die Zucht von Kakteen aus Clonen eingegangen, und zwar durch Bildung von Ablegern und durch Aufpfropfen, wobei Letzteres noch einmal gesondert besprochen wird, da hier ein sehr schöner Effekt genutzt wird, der den Hormontransport in der Wirtspflanze zur Wachstumsförderung des Pfropfes ausnutzt.

Weil man immer mal einen Fehler macht, und sich Krankheiten oder Fäulnis nicht danach richten, ob man denn auch eine Ersatzpflanze hat, wird im Folgenden kurz und bündig gehaltenen Kapitel, auf solche Probleme und deren Behebung eingegangen, um dann von einem Kapitel zur Wiksamkeitssteigerung gefolgt zu werden.

Auch dieses Kapitel ist sehr kurz gehalten, weil einerseits die benötigten Chemikalien nur sehr schwer zu erhalten sind, und andererseits der Aufwand den zu erwartenden Nutzen nur sehr selten auch rechtfertigen sollte.

Anders sieht es da mit der Extraktion von Meskalin aus dem abgeernteten Pflanzgut aus. Die schon erwähnte Bittekeit des Peyote ist für viele Forscher ein ernsthaftes Hindernis auf dem Weg zu einer intensiven Peyoteerfahrung.

Der Autor beschreibt zwei Möglichkeiten, die wirksamen Alkaloide aus dem Rohmaterial zu extrahieren. Das vorletzte Kapitel beschreibt dabei die Extraktion mit anschließender Waschung des Meskalines, das letzte Kapitel gibt nur ungefähr an, wie man vorgehen kann, wenn man einfach alle Alkaloide aus dem Kaktus entfernen möchte. Diese beiden Vorgehensweisen bildeten in der August- Ausgabe von „Entheogene Blätter“ das Titelthema.

Zu guter Letzt enthält das Buch noch ein chemisches Glossar zu den Alkaloiden, eine Quellenliste für weitere Informationen und eine Bezugsquellenliste (auch wenn sie dort „andere Adressen“ heißt). Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Buch seinem Anspruch als Einführer und erster Schritt in der Welt der entheogenen Kakteen zu bilden, gerecht wird – der Klassiker ist besser geworden.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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