Passionsblume in der Heilkunde

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

.
.
Passiflora caerulea
.

Die Heilkunde kennt die Passionsblume seit geraumer Zeit, und beschreibt sie auf erstaunlich kontroverse Art und Weise. Während einige Autoren der Passionsblume an sich scheinbar jegliche Wirkung absprechen oder ihr maximal eine leicht sedierende Wirkung zuzusprechen bereit sind wobei obendrein möglichst noch andere Pflanzen in Kombinationspräparaten enthalten sein sollten – führen andere Autoren die Pflanze als Giftpflanze in entsprechen Werken auf. In letztgenannten Büchern, wie dem Standardwerk und Wälzer „Giftpflanzen – Pflanzengifte“ von Roth, Daunderer und Kor- mann, werden zum Beispiel auch Behandlungsmaßnahmen bei Überdosierungen angegeben, die bei anderen Autoren schlicht nicht vorhanden sind. Roth et al. geben dem entsprechend auch als Wirkung der Passifloraarten die eher spektakulären Effekte an:

„… dass der Papaverineffekt synergistisch verstärkt wurde. Es ist also eine lähmende Wirkung auf die glatte Muskulatur vorhanden. Die Indolalkaloide vom Harmantyp wirken in geringen Dosen zentral stimulierend, in größeren (ca. 10 –20mg) sedierend und bei weiterer Dosissteigerung sogar halluzinogen.“

Ein wichtiger Unterschied wird hier zwischen Passiflora incarnata und P. caerulea gemacht. Ersterer werden fälschlicherweise Harmanalkaloide zugeschrieben, allerdings nicht die cyanogenen Verbindungen, welche entsprechend zu Blausäureglycosid-Vergiftungen führen können, also P. caerulea eindeutig zu den Giftpflanzen zählen lassen. Diese Wirkstoffunterschiede innerhalb der Pflanzenfamilie könnten so auch ein Grund für die Unsicherheit anderer Autoren, bezüglich der Wirkung einzelner Pflanzen, sein. Ferdinand Müller z.B. schreibt in seinem Kräuterbuch von 1860 (überarbeitete Neuauflage 1937) über die Passionsblume:

„Die meist mit einer großen Hülle umgebenen Blüten dauern höchstens einen Tag; sie sind als Zierpflanze von größerer Bedeutung als in der Heilkunde … … Das Fruchtmark schmeckt angenehm säuerlich und aromatisch und dient in Wasser gelegt zur Bereitung eines kühlenden Getränks, das bei Skorbut und Gallenkrankheiten Hilfe leistet. In Europa schmeckt das Mark honigartig und nicht so angenehm. In der Homöopathie wird aus dem frischen Kraut der Passiflora incarnata eine Essenz bereitet.“

Außer den enthaltenen Vitaminen und der leichten Säure der Früchte wird also lediglich eine Verwendung als Homöopathikum angedeutet, Die weitaus größte Zahl der Autoren beschreibt die Passionsblume jedoch im Kontext der Behandlung von Depressionen, Schlafstörungen, nervöser Unruhe, Tetanus und Epilepsie.

Apotheker M. Pahlow, der in seinem Buch „Das große Buch der Heilpflanzen“ die P. incarnata ausreichend bespricht (leider als Illustrationen aber ausschließlich P. caerulea zeigt), gibt als Schlafmittel eine Mischung aus je 30 Teilen Passiflora- und Baldrian- sowie 5 Teilen Pomeranzentinktur an, von welcher eine Stunde vor dem Schlafengehen ein Teelöffel verzehrt wird. Derart behandelte Patienten berichten von guten Erfolgen, Nebenwirkungen sollen keine bekannt sein

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.