Papaver somniferum – Schlafmohn

Neben dem Hanf ist der Schlafmohn wohl die älteste und verbreitetste psychoaktive Pflanze. Er wird etwa einen Meter hoch, hat weiße oder violette, am Grund dunkelviolette Blüten und gehört der Familie der Mohngewächse (Papaveracea) an. Er wird in den meisten Gebieten Asiens, neuerdings auch in Südamerika angebaut, um die vielfältig verwendbaren Mohnsamen, Opium und Morphin für medizinische Zwecke, die dekorativen getrockneten Samenkapseln, zum größten Teil aber, um Rohstoff für die illegale Heroinproduktion zu gewinnen. Als Heil- und Rauschpflanze kann der Mohn auf eine mindestens 6000 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Im alten Ägypten, bei den Sumerern, in Indien, China und Griechenland war der Schlafmohn wegen seiner hervorragenden Wirkung bei Husten, schweren Durchfällen und vor allem als starkes schmerzlinderndes Mittel bekannt. Deneben wurde er bereits frühzeitig als Rauschdroge und Aphrodisiakum geschätzt.

Verwendung: Um Rohopium zu erhalten, werden die Samenkapseln kurz nach dem Abfallen der Blütenblätter mehrfach angeritzt. Der austretende Milchsaft trocknet ein und wird am nächsten Morgen abgekratzt. Eine Mohnkapsel liefert dabei etwa 0,05 Gramm Opium. Dieses Rohopium wird durch mehrfaches Kochen in destilliertem Wasser und Abseihen gereinigt und entweder in dieser Form geraucht oder mit Alkohol zu Opiumtinktur verdünnt. Gelegentlich wird Opium auch gegessen, in Indien ist dies heute noch die dominierende Einnahmeform.

Wirksame Inhaltsstoffe: Das Hauptalkaloid Morphin, daneben Codein, Thebain, Papaverin sowie einige unbedeutende Nebenalkaloide. Wirkungen: Der Konsum von Opium führt zu einem ausgeprägten Glücks- gefiihl, das meist in einem Zustand ruhiger Träumerei erlebt wird. Raum- und Zeitgefühl können unter Opiumeinfluß verändert sein. In den auftauchenden Wachträumen können beeindruckende, farbenprächtige Szenen erlebt werden. Die sexuelle Erregbarkeit steigt. Häufig wurden und werden im Orient Pillen, die aus Mischungen von Opium, Cannabis und anderen Pflanzen bestehen, als erotisierendes Anregungsmittel gebraucht. Erotische Szenen sind auch häufig Inhalt der Opiumvisionen. Die Opiumwirkungen werden durchweg als sehr viel farbiger und interes- santer beschrieben als die Wirkung reinen Morphins. Medizinisch wurde und wird Opium als Schmerzmittel und als zuverlässiges Mittel bei starken Durchfällen, wie sie z.B. bei der Ruhr auftreten, verwendet. Codein findet sich in vielen Hustensäften.

Nebenwirkungen: Häufiger Konsum von Opium kann zu Abhängigkeit führen. Bei Dauergebrauch bildet sich Gewöhnung an die Opiumwirkung aus, so daß die Dosis zunehmend erhöht werden muß, um die gleichen Wirkungen zu erzielen. Überdosen von Opiaten können zum Tod durch Atemlähmung führen. Chronische Opiumkonsumenten magern häufig ab, da Opium die Darm- bewegung lahmt und so appetitdämpfend wirkt. Trotz des dadurch bedingten schlechten Ernährungszustandes erreichen Opiumkonsumenten nicht selten ein ebenso hohes Alter wie ihre nüchternen Zeitgenossen. Über daraus hinausgehende Schäden gibt es durchaus geteilte Meinungen. Berichte aus den ersten 30 Jahren dieses Jahrhunderts, die sich vor allem auf das damals weitverbreitete Opiumrauchen in China beziehen, beschreiben immer wieder, daß übermäßiger Opiumgenuß mit negativen Folgen eher die Ausnahme gewesen sein soll. Andere Autoren vertreten die gegenteilige Meinung und behaupten, daß der chronische Opiumgenuß zu schwerwiegenden körperlichen und geistigen Verfallserscheinungen führen soll. Der englische Schriftsteller Thomas De Quincey (l 785-1859) beschreibt in seinem Buch,Bekenntnisse eines Opiumessers“ seine euphorischen Erlebnisse unter Opiumeinfluß, aber auch sein Leiden an seiner Abhängigkeit.

Bezugsquellen: Der Anbau von Schlafmohn ist nicht mehr gestattet, auch wenn man diese Pflanze immer noch in vielen Bauergärten finden kann. Mohnsamen dürfen weiterhin besessen und gehandelt werden.

Sonstiges: Opium, Morphin und verschiedene Zubereitungen und Verwandte dieser Stoffe unterstehen dem Betäubungsmittelgesetz. Einige davon sind verschreibungsfähig, wie z.B. Opiumtinktur und Morphin.

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