Mohnbearbeitung

Org B. und Eds; Übersetzung „Lord Shadowcaster“ (T.E.R. Vol XI #1, S.24-27)

Der folgende Leserbrief an „The Entheogen Review“ zeigt recht gut die Verschmelzung herkömmlicher Mohnbearbeitung, mit den verfeinerten Methoden heutiger Chemiker. Auch wenn der Ausgangspunkt ein wohl doch sehr fragwürdiger Versuch, hinsichtlich der Änderung des Erbgutes einzelner Mohnsorten, ist.

Der Artikel „U of C Poppy Crop Seeds Opium Study“ von Robin Summerfield, erschienen in der Calgary Herald Ausgabe vom 17. Januar 2002, beschäftigt sich mit den Untersuchungen von Dr. Peter Facchini (Biochemiker, Genetiker, Molekularbiologe, Phytochemiker und der erste Mensch, der das Gen für die Morphinproduktion klonte), dem Wächter eines kleinen Schlafmohngartens in einem unbeschrifteten Keller der Universität Calgary.

Facchini arbeitet an der Isolierung der enzym-codierten Gene des Mohns, um die ca.  metabolischen Phasen vom Anfang über Codein zu Morphin zu verstehen und diesen Prozess danach zu ändern. Seine Idee ist, den Stoffwechsel der Pflanze an gewissen Punkten so zu blokkieren, dass sie direkt Codein produziert. Mit einer Codein-produzierenden Pflanzen wäre es nämlich weitaus schwerer, Heroin herzustellen, als mit einem Morphin-produzierenden Gegenstück.

Das wirft eine wichtige Frage auf, welche mir hoffentlich die „The Entheogen Review“ Herausgeber (oder vielleicht die Leserschaft) beantworten können. Sind wir während der Jahrtausende, in denen die Menschheit Schlafmohn anpflanzt, hinsichtlich des mühseligen Prozesses die bloßen Kapseln zu ernten und ihren Nektar zu extrahieren, auch nur einen Quint weitergekommen? Ich persönlich bin an den neuesten Methoden für den Hobbygärtner, zur Isolation der interessanten Stoffe aus dem Mohn, interessiert. Ich habe gelesen, die Kapseln einfach zu sammeln und in Wodka zu legen, würde allein schon sehr gut funktionieren. Stimmt das? Außerdem: Was ist die effizienteste Methode, um Opium zu extrahieren, ohne großartigen technischen Schnickschnack, viel Geld und gefährliche bzw. komplizierte Labortechniken? — Org B.

Wir haben DR. FACCHINI gefragt, was die gewöhnliche Methode bei der Extraktion von Opium für pharmazeutische Zwecke sei, wissend, dass, wenn es um Geld geht, die Leute meist effizient arbeiten. Er antwortete:

„Im Prinzip wird die traditionelle Erntemethode (d.h. das Anritzen der Kapseln und Sammelns des austretenden Saftes) noch in vielen legal Opium-produzierenden Ländern wie der Türkei oder Indien verwendet. In weiterentwickelten wie Frankreich oder Australien werden während des ganzen Zucht- und Erntevorgangs übliche, moderne, landwirtschaftliche Praktiken zum Einsatz gebracht. Tendenziell werden die Kapseln mechanisch geerntet, getrocknet und normalerweise zu rohen Platten gepresst. In manchen Fällen werden diese noch gemäß den Anforderungen des ausländischen Marktes weiterverarbeitet.“

Die traditionelle Methode ist arbeitsintensiver als die meisten Hobbygärtner es sicherlich mögen. Hinzu kommt, dass angeritzte Pflanzen weitaus weniger ‚dekorativ‘ für Gesetzeshüter aussehen – das mag einen vielleicht zu einer alternativen Vorgehensweise bewegen. Der einfachste Weg: Die getrockneten Kapseln zermahlen, in warmem, gesäuertem Wasser einlegen, den Ansatz dann filtern und zu einer dicken Masse trocknen lassen. Das empfiehlt JIM HOGSHIRE in seinem Buch ‚Opium for the Masses‘ (jedoch ohne Säure). Die traditionelle, aufwendigere Methode des Anritzens wird trotzdem häufiger verwendet. Auf diese Weise bringt eine Pflanze mehr Ertrag, da sie weiterhin Opium produziert, solange sie lebt.

Wenn man einen Haufen Kapseln hat, sollte man die Zeit wahrscheinlich nicht mit dem Melken verschwenden. Ein höherwertiges Morphinextrakt kann leicht mit ein bisschen Küchenchemie, wie in ‚Opium Poppy Garden: The Way of a Chinese Grower‘ (RONIN PUBLISHING, 1993 von WILLIAM GRIFFITH) beschrieben, hergestellt werden.

„Um Morphin zu extrahieren verflüssigt man das Rohopium sechs Stunden unter Rückfluss in 95%igen Ethanol. Das entstehende Produkt wird mit Ammoniumhydroxid (15%ige Lösung) auf pH 8.5 gebracht. Der Großteil der anderen Alkaloide ist unlöslich und bleibt zurück. Das Morphin ist im Lösungsmittel und kann zu einem Extrakt eingedampft werden.“

Es ist jedoch einfach genug, einen Zitronensafttee aus den frischen oder getrockneten Kapseln zu machen und diesen dann direkt zu konsumieren. Das hat den Vorteil, dass man nur die intakten Kapseln und kein isoliertes Morphin oder anderweitige unerlaubte Überreste braucht. Vorsicht ist geboten, wenn Grapefruitsaft zur Extraktion verwendet, oder zusammen mit diesem Tee getrunken wird. Er kann die Effekte verstärken und/ oder verlängern, da er den Opioidmetabolismus verhindert.

Für die optimale Düngung, Wässerung und sonstige Bedingungen zur Erhöhung des Opiumgehalts, empfehlen wir dem interessierten Leser ‚Opium Poppy: Botany, Chemistry, and Pharmacology‘ von DR. L.D. KAPOOR (HAWORTH PRESS, 1995). Es wurden schon eine Menge Nachforschungen, bezüglich der Stoffe, die diese Pflanze enthält und wann (und wo in der Pflanze) während der Ernte welcher Stoff am meisten vorkommt, angestellt.

Ich finde die Tatsache besonders interessant, dass die Wurzeln von Setzlingen einen extrem hohen Morphingehalt haben, die höchste Alkaloidkonzentration überhaupt fand man in 84 Tage alten Setzlingen (KAPOOR 1995). Das Morphin verlagert sich also während des Wachstums der Pflanze von den Wurzeln über die Blätter zu den Kapseln (die, wenn sie erscheinen und wachsen, potenter werden als die Blätter und Wurzeln). Das bedeutet, man könnte eigentlich die junge Pflanze ernten, um die Wurzeln statt der Kapseln zu extrahieren. Ich habe keine Ahnung warum dies, angesichts der Tatsache, dass es idiotensicher ist, nicht gemacht wird. Man würde Zeit sparen, da die Pflanzen nicht groß werden müssen und könnte zudem viele kleine Pflanzen auf kleiner Fläche ziehen. Hinzu kommt, dass junge Pflanzen (ohne Kapseln) schwieriger zu erkennen sind. Natürlich wird die Ausbeute durch das Verhältnis von Alkaloiden zu Pflanzenmasse nicht riesig sein, aber man könnte wie gesagt in kurzer Zeit einen Haufen Pflanzen als Erdbedeckung ziehen. Setzlinge in Hydrokultur zu ziehen mag sogar eine sehr gute Idee sein, da es die Säuberung der Wurzeln erleichtert.

Bei Untersuchungen der gesamten Pflanze fand man die höchste Konzentration an Morphin in Pflanzen, die 98 Tage nach Keimung geerntet wurden. Die größte Menge an Morphin hingegen stellte man in Pflanzen fest, die nach 98 bis 114 Tagen gesammelt wurden (MIKA 1955, in KAPOOR 1995). Mehrere Forscher berichteten eine generell höhere Alkaloidkonzentration, wenn ein Stickstoff (oder Stickstoff/Phosphor)-haltiger Dünger verwendet wurde. (SHEBERSTOF et al. 1972; NOWACKI et al. 1976; COSTES et al. 1976; KUZMINSKA 1973A, alle in KAPOOR 1995), jedoch blieb der Morphingehalt gleich (KINOSHITE et al. 1959, in KAPOOR 1995). Kalium senkte den Morphinpegel leicht während Calcium und/oder Magnesium sowohl die Ernte als auch den Morphingehalt steigerten (KUZMINSKA 1973B, in KAPOOR 1995) und die Anwendung von Salzen wie Natriumchlorid und Natriumsulfat sorgte auch für einen erhöhten Morphingehalt (SPASENOVSKI 1980, in KAPOOR 1995). Der Boden gilt mit pH-Wert 7 als ideal (KAPOOR 1995).

Interessanterweise, während DR. FACCHINI nach einer genetischen Lösung forscht, hat vielleicht der ex-Chemiker und Autor OTTO SNOW in seinem neuen Buch  Oxy
([2001, THOTH PRESS, POB 6081, Spring Hill, FL 34611, ISBN 0-9663128-2-1, $31.95, 246 Seiten (beinhaltet sowohl Photos als auch Illustrationen)] eine einfachere Möglichkeit gefunden, die eine gute Lösung für jene Hinterhofschamanen sein mag, welche nicht den eindeutig verbotenen Schlafmohn (Papaver somniferum) anbauen wollen. Statt der Mohnzucht zur Morphingewinnung schlägt SNOW die Kultivierung von P. bracteatum aufgrund seines hohen Thebaingehalts vor um diesen dann in Oxycodon umzuwandeln (oder andere potente Moleküle der Oripavine). Zumindest einer der von SNOW beschriebenen Ansätzen zur Umwandlung von Thebain in Oxycodon verlangt nur einfachste Reagenzien wie Natriumhydrosulfit, Wasserstoffperoxid, Eisessig, Ethanol und Ammoniak. SNOW selbst betont den Unterschied zwischen Alkaloidgehalt und -verteilung und der Relevanz des Timings der Ernte falls Thebain das gewünschte Produkt darstellt.

Weiterhin bietet SNOW einen interessanten Diskurs bzgl. der Extraktion von Thebain und Oripavin aus P. somniferum; falls genügend Pflanzenmaterial verfügbar ist und die Isolierung dieser Alkaloide gewünscht wird.

Das Buch ist, als Referenz für jeden mit Interesse auf diesem Gebiet, empfehlenswert. Es enthält einen gut detaillierten, mit Referenzen versehenen Abschnitt zu den pharmakologischen Eigenschaften, der Isolierung und Reinigung der wichtigsten Opioide und -ebenso wichtig-den vielfältigen Methoden der Identifikation dieser chemisch isolierten Alkaloide. Die Herstellung und Reinigung von Ethorphin und zugehörigen, potenten Oripavinen wird ebenfalls detailliert besprochen. SNOW befasst sich zudem mit mehr als bloßer Opiumproduktion und chemie. Er geht auch auf die einzelnen Mohnsorten (sowohl brauchbare als auch unbrauchbare), bekannte Mohnchemie (inklusive der Schar publizierter analytischer Fehler) und die Isolierung/Synthese der primären, aktiven Stoffe ein. SNOW gelang es, ein faszinierendes Referenz-werk aus vielen offiziellen Publikationen über Opium und Opioide sowohl aus legalen als auch Schwarzmarkt-Quellen zu kompilieren.

Dem Leser wird geraten solche Nachdrucke aufmerksam zu lesen. Viele der, für offizielle Publikationen charakteristischen, Fehler sind auch in diesem Werk vorhanden. Trotzdem stellt SNOWS Werk eine wahre Schatzgrube für jeden, mit Interesse an Opioiden oder der effektiven analgetischen Behandlung chronischer Schmerzen, dar. Oxy
gehört zu den besten Werken auf diesem Gebiet, die in englischer Sprache erschienen sind.—EDS

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

1 Comment

  1. Pingback: Opium – Psychotropicon - Das Online-Magazin für Psychonauten

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.