Methamphetamin, Desoxyn

 

Methamphetamin umgangssprachlich abgekürzt Meth, Yaba, Ice oder Crystal (Meth)

Wirkungsweise

N-Methylamphetamin vermehrt die Neurotransmitter Dopamin, Norepinephrin (Noradrenalin) und Epinephrin.

Übersicht

Nagayoshi Nagai synthetisierte 1893 als Erster Methamphetamin aus Ephedrin. 1919  stellte Akira Ogata dieselbe Substanz durch die Reduktion von Ephedrin mit rotem Phosphor und Jod als Kristalle dar. 1887 erzeugte Lazar Edeleanu in Deutschland den verwandten Stoff Amphetamin synthetisch.

Eine der frühesten Anwendungen von Amphetaminen war die Herstellung von Pervertin und dessen Verwendung beim deutschen Militär im Zweiten Weltkrieg. Es wurde großzügig unter den Rängen und Divisionen verteilt, bei Elitetruppen, Panzermannschaften und dem Flugpersonal. Schokolade mit Methamphetamin war als Fliegerschokolade für Piloten bekannt, oder als Panzerschokolade für die Panzerbesatzungen. Von 1942 bis zum Tod 1945 erhielt Hitler von seinem persönlichen Arzt, Theodor Morell, intravenöse Injektionen mit Methamphetamin. Sie sollten seine Depression und Müdigkeit beheben. Es ist möglich, dass die Parkinson-ähnlichen Symptome, die er von 1940 an vermehrt entwickelte, ihren Ursprung im Konsum von Methylamphetamin hatten.

Nach dem 2. Weltkrieg gab es ein großes Angebot von Amphetamin in Japan unter dem Strassennamen »shabu« (auch dem Markennamen Philobon (Hiropon ausgesprochen) . Es waren die Restbestände der zuvor vom japanischen Militär angelegten Vorräte. Das japanische Gesundheitsministerium erklärte es daraufhin 1951 als illegal. Man nimmt an, dass dieses Verbot zu den wachsenden Yakuza-Aktivitäten hinsichtlich illegaler Drogenproduktion beigetragen hat. Methylampetamin ist immer noch mit der Untergrundbewegung in Japan verbunden, aber sein Konsum wird durch eine starke soziale Ächtung zu verhindern versucht.

In den Sechzigern begann die Herstellung von Methamphetamin sowohl in Untergrundlabors, als auch die Herstellung Zuhause für den persönlichem Konsum. In den 80ern hatte der illegale Konsum seinen Höhepunkt erreicht.

Neue Gesetze in den USA verboten 1983 den Besitz von Vorläufersubstanzen und Materialien für die Metamphetaminproduktion; einen Monat später geschah dasselbe in Kanada. 1986 verabschiedete die Regierung der Vereinigten Staaten den Federal Controlled Substance Analogue Enforcement Act.  Es war ein vergeblicher Versuch die Zunahme der Verbreitung von Designerdrogen einzudämmen.

Man kann Methamphetamin leicht Zuhause im eigenen Labor kochen (cook up). Pseudoephedrin oder Ephdedrin werden als Ausgangssubstanz benutzt. Sie kommen als die aktiven Substanzen in Medikamenten wie Sudafed und Contac vor, beide sind freiverkäuflich. Vorbeugende Strategien haben in den letzten 17 Jahren eine stärkere Einschränkungen für den Vertrieb von Pseudoephedrin/Ephedrin enthaltenden Produkten verlangt.

Materialien zur Herstellung von Methamphetamin im Heimlabor

Als verschreibungspflichtige Substanz gibt es Methamphetamin nur in einer Form:

Desoxyn oder dextro-Methamphetamin-hydrochlorid; es wird bei Fettleibigkeit und Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) verschrieben.

N-Methylamphetamin, mit dem Markennamen Desoxyn® , ist das Dextro Isomer der psychostimulierenden Substanz Methamphetamin Hydrochlorid (HCL), die auch unter dem Namen Desoxyephedrin bekannt ist und nach der Desoxyn benannt wurde.

Desoxyn, (S)-N,αlpha-dDimethylbenzenethanamin Hydrochlorid gehört zur Amphetamingruppe der Sympathomimetika. N-Methylamphetamin lässt sich relativ einfach durch Sauerstoffabspaltung aus Ephedrin gewinnen. N-Methylamphetamin kann die Blut-Hirn-Schranke besser überwinden als Amphetamin und wird deshalb schneller im Gehirn wirksam. Im Körper wird es durch das Cytochrom P450 Cyp2D6 per N-Demethylierung zum Amphetamin verstoffwechselt, welches dann über die Nieren ausgeschieden wird.

Es gibt drei Formen von illegalen Metamphetaminen:

  • Crank oder Methamphetamin-sulfat.
  • Crystal Meth oder Metamphetamin-hydochlorid.
  • Ice, eine sehr reine Form von dextro-Methamphetamin, welche 2 bis 4 Mal intensiver auf das Gehirn wirkt als das Isomer levo-Methamphetamin.

Wirkung

Die körperlichen Symptome Wirkungen einer kleinen bis mitteleren Dosierung Amphetamine bewirken:

  • Erhöhte Herzfrequenz
  • Temperaturanstieg
  • Hohe Atmemfrequenz
  • Blutdruckerhöhung
  • Eneregiesteigerung,
  • Erweiterung der bronchialen Gefäße
  • Appetitverlust

Ein langfristiger Konsum kann Schlaflosigkeit, Herz- und Blutgefäß-Toxität und eine schwere Unterernährung zur Folge haben. Methamphetamin bewirkt eine Kalzium-Unterversorgung und führt oft zu Zahnfäule. Es wird auch für Schlaganfälle, Arrhythmien und Herzmuskelschäden verantwortlich gemacht. Eine Toleranz entwickelt sich schnell und erzeugt ein hohes Suchtpotential.

Weitere Wirkungen sind:

  • Starke Euphorie
  • Verminderung des  Schlafbedürfnisses
  • Vergrößerung der  Leistungsfähigkeit sowie des Mitteilungsbedürfnisses.
  • Das sexuelle Verlangen wird stimuliert
  • Hunger- und Durstgefühl werden vermindert
  • Bei höheren Dosierungen können Halluzinationen auftreten

Die Effekte ist ähnlich denen von Amphetamin, dabei aber deutlich intensiver. Sie dauern bis zu 12 Stunden an. In der Folge tritt ein Erschöpfungzustand ein. Bei sehr hoher Dosierung kann die Wirkung von Methamphetamin bis zu 36 Stunden anhalten um dann trotz Müdigkeit einer quälenden Schlaflosigkeit Platz zu machen.

Nebenwirkungen

  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Psychosen
  • Paranoia
  • Schlafentzug

Der Konsum von Methylamphetamin kann schnell zu einer mentalen Abhängigkeit führen. Dies gilt speziell für die Konsumformen Rauchen und Injektion. Toleranzausbildung und damit zusammenhängende Vergrößerung der Dosis wurden vermehrt beobachtet.

Charakteristisch bei einer Überdosis sind

  • Erhöhte Körpertemperatur
  • Schwitzen und trockener Mund
  • Schwindelgefühl
  • Zittern
  • Kreislaufprobleme mit plötzlichem Blutdruckabfall
  • Angstzustände

Besonders »Ice« wirkt intensiver auf das Gehirn als reguläre Amphetamine, stimuliert aber Herz, Blutgefäße und Lungen geringer. Die Abnahme der cardiovaskulären Wirkungen sind bis zu 25 % geringfügiger als beim gewöhnlichen »Crank«, verleiten den User aber mehr zu konsumieren. Das Ergebnis sind Überdosierungen und schnellere Unterbrechungen der Neurotransmitter. Solche Störungen bewirken „tweaking“ oder schwere Paranoia, halluzinogenes und überwaches Denken zusammen mit ausgeprägter Selbstmorddepression und starkem Suchtverhalten.
Die Folgen für den Körper können gravierend sein und erfordern eine professionelle Behandlung der Abhängigkeit.


Suchtpotential
hoch

Bezugsquellen:
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Internetshop

Rechtlicher Status
Deutschland

verkehrsfähiges Betäubungsmittel, dass aber nicht verschreibungsfähig ist und nicht mehr medizinisch verwendet werden darf.


USA
Desoxyn  gehört zur Schedule II in den Vereinigten Staaten.


Literatur

Speed, Ecstasy, Ritalin. Amphetamine – Theorie und Praxis
Synthetische Amphetamin-Drogen
Kokain, Ecstasy, Amphetamine und verwandte Designerdrogen
Speed: Eine Gesellschaft auf Droge
ADHS im Erwachsenenalter
Amphetamine Syntheses: Industrial
Pharmacology and Abuse of Cocaine, Amphetamines, Ecstasy and Related Designer Drugs: A comprehensive review on their mode of action, treatment of abuse and intoxication

Pihkal: A Chemical Love Story, Alexander Shulgin

© Jürgen Siebers

Methamphetamin
Dosissteigerung.