LSD-Artefakte, Blotter Art


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Das Unsichtbare sichtbar machen

Dr. Christian Rätsch

Für ALBERT HOFMANN, den Begründer der LSD-Kultur2)

60 Jahre LSD

„LSD ist das ultimative Psychedelikum, der ultimative Ausdruck der chemischen Magie. Seine Potenz macht es zu einer eigenen Klasse, zum Traum des Schmugglers und zur Verzweiflung des Rauschgiftbullen.Wie einfach lässt es sich über Grenzen tragen, in der Post versenden, von einer Person zur anderen reichen – in einer Art, die zu einem verbotenem Sakrament passt!“ — ANDREW WEIL, Ph.D.1)

Eine wirksame Dosis LSD (100-250 Mikrogramm) ist so wenig Material, dass man es nicht mit dem bloßen Auge sehen kann. Außerdem ist LSD eine farblose, geschmacklose und geruchlose Substanz. Sehr zur Freude der gesetzlosen Psychonauten und „Keller-Schamanen“ des modernen Untergrundes.

Für den geneigten Konsumenten ist diese Tatsache nicht so leicht zu bewältigen. Man sieht nichts doch erfährt man alles…

LSD ist praktisch unsichtbar. Ganz so unsichtbar „wie eine homöopathische Dilution“. Deswegen hört man oft die Bemerkung, dass LSD »homöopathisch wirkt“.

Aber Substanzen, die man konsumieren will, muss man händeln, und dazu muss man sie sichtbar machen. Im LSD-Untergrund benutzt man dazu einen Trick. Ein Stück Fließpapier wird mit einer LSD-Lösung getränkt. Es wird dann in Quadrate geteilt, die nach den Berechnungen des Laboranten eine gewünschte Dosis enthalten (vorausgesetzt, dass die Moleküle gleichmäßig in der Trägermasse verteilt sind. Gewöhnlich sind die Blotter-Bögen durch Perforation in tausend Einheiten aufgeteilt. Die Dosierungen pro Einheit liegen meist zwischen 50 und 120 Mikrogramm.

Nun, ein Stück Fließ- oder Löschpapier sieht sehr unerotisch aus. Das weiße oder graue Papier kann auch leicht mit anderen herumfliegenden Blättern verwechselt werden. Darum hat sich eingebürgert, die LSD-Pappen oder Acid Blotter (engl. blotter bedeutet „Tintenlöscher“) mit Bildern, Ornamenten und Schriften zu bedrucken. Entweder wird der ganze Bogen mit einem Bild oder jede Einheit mit je einem Motiv bedruckt. Es sind aber keine willkürlich benutzten Motive, sondern Symbole und Ausdrücke der LSD-Kultur. Diese bedruckten LSD-Pappen spiegeln die kognitiven Strukturen der LSD-Kultur wider. Es sind echte Artefakte, kulturelle Produkte. An ihrem Aufdruck kann man sie erkennen, vorausgesetzt man versteht die aufgedruckte Symbolik (vgl. Rätsch 1994). Das kognitive System (‚belief systeme‘) der LSD-Kultur findet in dieser Iconographia Psychedelia ihren materiell-sichtbaren Ausdruck.

1) Aus einem Zitat, das der berühmte Art- und Ethnobotaniker für die Jubiläumsfestschrift 50 Jahre LSD-Erfahrung geschrieben hat (in: Rätsch 1993: 80)

2) Dieser Artikel beruht z.T. auf einem Kapitel in meiner Jubiläumsschrift 50 Jahre LSD-Erfahrung, ein Büchlein, das mit LSD-Blottern illustriert ist; Rätsch 1995: 20-22. Er ist etwas mit den Erfahrungen der letzten 10 Jahre angereichert worden.

3) Mitinitiiert wurde das Projekt (Cure of Souls) von Carlo McCormick; Kontakt über: Psychedelic Solution, 33 West 8th St., 2nd Floor, New York, N.Y.10011, USA; vgl. Lyttle

„Blotter Art“ oder Iconographia Psychedelia

Die LSD-Hersteller zeigen eine starke Kreativität und schaffen deutliche Bezüge zwischen der Substanz, ihrer Wirkung und den damit verbundenen Vorstellungen und Konzepten. Das symbolische System der LSD-Kultur lässt sich am besten anhand dieser Artefakte erkennen und verdeutlichen (vgl. Chapiron und Vilà 2000: 84f.).

Abb. 1: Ein Ausschnitt des Blotter Acid Art-Ausstellungskatalogcovers. (OWEN UND DICKSON 1999: 10)

Acid Blotter mit einem Portrait von Albert Hofmann oder mit der LSD-Strukturformel verkörpern Vater und Sohn, Erfinder und „Sorgenkind“. Trips mit dem Schriftzug CHILL PILL oder mit Darstellungen von Magic Mushrooms (Psilocybe spp.) oder Fliegenpilzen (Amanita muscaria) beziehen sich auf die ethnopharmakologischen Verwandtschaften.

Abb. 2: LSD-Blotter mit einem Emblem der Native American Church. Der Peyotevogel schwebt mit ausgebreiteten Flügeln vor einem stilisierten Tipi, dem Ort der rituellen Peyoteeinnahme. Der Peyotevogel ist das Symbol für den befreiten Geist, der in die visionäre Welt fliegt.


Es gibt auch Blotter mit Emblemen des Peyotevogels, dem Zeichen der Native American Church. Damit wird die Heiligkeit von LSD und dem meskalinhaltigen Peyotekaktus (Lophophora williamsii) angedeutet. Ebenso werden die phänomenale Ähnlichkeit der Erfahrungen mit diesen Entheogenen ausgedrückt.4)

Manchmal findet man Trips, auf die verschiedene Früchte gedruckt sind. Die Eichel soll an die heiligen Bäume (Eiche) und Haine der Heiden erinnern. Die Erdbeere nimmt Bezug auf die trippigen Bilderwelten des mittelalterlichen Malers Hieronymus Bosch. Dort erscheinen Erdbeeren und erdbeerähnliche Gebilde als Symbole für die Früchte vom Baum der Erkenntnis oder als Symbole der magischen Alraunenfrüchte (Mandragora). Erdbeeren sind auch in Hans Kruppas psychedelischem Roman „Die fliegenden Erdbeeren“ (München: Goldmann, 1988) als Symbole einer kosmischen Superdroge verewigt.

Auch werden gelegentlich Tiere auf Trips abgebildet. Oft werden Katzen oder Tiger gezeigt, die deutliche Bezüge zur Hexerei, zum Schamanismus und zu den Ekstasegöttern Shiva und Dionysos tragen. Besonders auffällig ist der Oktopus, ein achtarmiger Tintenfisch oder Kraken, als Trip- Symbol. Er gilt als Beispiel für ein dezentralisiertes, erweitertes Bewusstsein, das in alle Bereiche des Seins seine Arme ausstreckt. In der Tat ist der Oktopus unter den Wirbellosen (Mollusken) das weitaus intelligenteste Tier mit einer außergewöhnlich guten Wahrnehmung und beispiellosen Anpassungsfähigkeit (Cousteau und Diole 1973).

Trips sind oft mit asiatischen Symbolen bedruckt. Das Daichi oder Yin-Yang-Symbol deutet die kosmische Harmonie, die LSD verschaffen kann, an. Die japanischen Glückzeichen sollen dem LSD-Schlucker Glück auf seiner Reise bringen. Die Lotusblüte weist auf die durch LSD mögliche Erleuchtung hin. Die acht buddhistischen Glückssymbole zeigen die Nähe der LSDKultur zur tibetischen Mystik (Fields 1996: 55). Der chinesische Drache verkündet die kosmische Weisheit. Buddha stellt die durch LSD erfahrbare Buddha-Natur dar. Psychedelika und Buddhismus, ein großes Thema (Badiner und Grey 2002, Zaehner 1974)! Nicht umsonst wird LSD Nes- Zen oder Instant Nirvana genannt: „LSD was a kind of ’super-samsara’…“ (Fields 1996: 54)

Abb. 3: LSD-Trips auf Pappe; bedruckt mit einem Buddhabild aus demHimalaya (nach einem Holzblockdruck).

Auf den LSD-getränkten „Erleuchtungsbögen“ finden sich auch Motive des Tantra und der hinduistischen Mystik. Allen voran das OMSchriftzeichen: der Sound des Kosmos – The White Noise!

Der elefantenköpfige Hindugott Ganesha ist der Gott der Schreibkunst und Weisheit, er gilt als der Überwinder aller Hindernisse und symbolisiert das Vertrauen in die Richtigkeit der Erfahrung; er stellt den Bezug zu dem Ekstase- und Askesegott Shiva (der Vater von Ganesha) her. Ganesha gilt in der tantrischen Tradition als der Hüter der Schwelle und ist damit der Gott der mystischen Einweihung. Er steht mit dem Wurzelchakra in direkter Verbindung. Der Hindugott Krishna, der hin und wieder auf Trips erscheint, symbolisiert die leidenschaftliche, göttliche Erotik, die sich auf dem Trip einstellen kann.

Abb. 4: LSD-Trips aus dem Untergrund, bedruckt mit einem nepalesischen Bild (Holzblockdruck) von Ganesha.

Vielfach sind auf Trips Symbole aus der Kultur des Alten Ägypten zu sehen. Pyramiden, Skarabäen, Sphinxe, Ankh-Zeichen und Horusaugen werden meist abgedruckt. Pyramiden gelten als Symbole für die Unsterblichkeit, an der der LSDReisende oft teilhaftig wird. Mit LSD kann man auch das Rätsel der Sphinx erraten; zwar nicht aussprechen, wohl aber intuitiv verstehen. Der Skarabäus, der Sonnenkäfer, der aus dem Mist Kugeln dreht und sozusagen den alchemistischen Prozess der Verwandlung von Scheiße in Gold vollendet, ist ein mächtiges Amulett und Schutzsymbol. Das Horusauge ist das Symbol für den Blick in die Ewigkeit und in die inneren Zusammenhänge unserer Welt. Durch das Horusauge werden die verschiedenen Wirklichkeiten kaleidoskopartig zu einer höheren Daseinsschau verdichtet.

Abb. 5: Das Auge in der Pyramide (nach einer LSD-Pappe) ist ein eindeutig psychedelisches Emblem auf dem Cover der Acid Rock-Band Animal Bag (o.T.; Polygram, 1992).

Besonders stark ist das Auge in der Pyramide. Diesem, vielleicht am weitesten verbreiteten, Tripsymbol ist ein ganzer Romanzyklus (Shea und Wilson 1978) gewidmet: Illuminatus! Illuminatus! ist ein psychedelisches Literaturkunstwerk, ganz im Gegensatz zur US-amerikanischen Dollarnote, die sich auch mit dem Auge in der Pyramide schmückt …

Abb. 6: Das klassische Albumcover zum Thema LSD: Dr. Timothy Leary Ph.D., L.S.D. (Pixie Records, Monaural CA 1069, New York, o.D.[1966]; LP). Tim Leary spricht auf dieser LP über LSD, dessen kulturelle Bedeutung, sowie über Formen und Gefahren des Gebrauchs psychedelischer Substanzen. Man hat sich später über diese Cover-Graphik die Nase gerümpft, weil sie angeblich nicht psychedelisch genug war: „DR. TIMOTHY LEARY himself who should theoretically have known better – his seminal albums were adorned with a simplistic spiral optical (LSD) or retina-contagious red lettering on blue ground. The idea that you represent a perception-shifting subject by literal perception shifting colours the red and the blue, is tacky in the first place. Tut, tut, DR. LEARY, you should have known better.“ (THORGERSON 1990: 163) – Aber Leary wusste es besser, er hat sich in der Cover-Gestaltung bewusst an die Moiré-Muster nach Oster (1966) gehalten. Das Cover dieser L.S.D.-LP wurde später zur Vorlage des Kataloges zu der New Yorker Kunstausstellung „The Cure of Souls“ (McCormick 1987) von LSD-Trip-Drucken (Blotter Acid Art).


Oft sind Trips mit „psychedelischen“, graphischen Mustern bedruckt, also phosphenartigen Strukturen, denen Psychonauten oft auf ihren Reisen begegnen (Lyttle und Smith 1990). Neuerdings gibt es auch Trips mit aufgedruckten Fraktalen; sie zeigen die sich selbstorganisierenden LSD-Visionen.

Manchmal werden Trips mit magischen Symbolen, die aus der mittelalterlichen Magie und Alchemie stammen, bedruckt; z.B. mit Pentagrammen. Damit werden die magischen Qualitäten des LSD beschworen. Außerdem wird der Bezug zur Hexenwelt hergestellt. Hexen gelten in der LSDKultur als weise Frauen, die gut mit psychedelischen Zauberpflanzen umgehen konnten bzw. können (man denke nur an die „Neuen Hexen“!). Die rechtliche Verfolgung der LSD-Genießer hat deutliche Parallelen zur frühneuzeitlichen Hexenjagd. Es gibt auch Blotter, die mit besenreitenden Hexen bedruckt sind.

Häufig findet man als Trip-Aufdruck verschiedene Flugobjekte. Flugzeuge und Raketen sollen den psychedelischen Höhenflug, die Höhe, das high, andeuten, während Ufos5) oder fliegende Untertassen den interstellaren, kosmischen Charakter der LSD-Erfahrung aufzeigen. Ufos werden gerne auf LSD-Reisen gesichtet und betreten. Sie sind der Zugang zum Hyperraum, zur Fünften Dimension. Ufos gelten als Symbole für erweiterte Bewusstseinszustände (McKenna 1989).

Viele Trips werden mit den typischen Hippie- Symbolen verziert: mit dem Peace-Zeichen, mit der Friedenstaube, dem Pandabären, mit Herzen, mit dem Blauen Planeten, dem Saturn, Mondphasen, Sonnen, aber auch mit alchemistischen und astrologischen Symbolen, Sternzeichen und Tierkreiszeichen, I Ging-Hexagrammen, Tarot-Bildern, geflügelten Augen, Smiley, Che Guevarra- und Gorbatschow-Portraits, Jesus am Kreuz. Hiermit werden global wichtige Dinge heraufbeschworen: ökologisches Bewusstsein, kosmische Beziehung und der angestrebte Weltfrieden. – Make peace, not war!

Abb. 8: Wirbelnde Acid Blotter gehören zur psychedelischen Grundausstattung von Drugs Bunny. (Postkarte; Sunny Side Up Productions)

Eine Reihe von Comic-Charakteren wurde auf Trips verewigt: Mickey Mouse als Zauberlehrling, denn der LSD-Schlucker geht auch in die Zauberlehre; sowie weitere Figuren aus den klassischen Walt Disney-Zeichentrickfilmen „Fantasia“ und „Alice im Wunderland“, z.B. der Mad Hatter oder White Rabbit, das weiße Kaninchen.

Nun zu den Mickey Mouse-Antipoden: Ein ähnlicher „Klassiker“ ist „Felix the Cat“, die „glückliche Katze“, ein Ahnverwandter von „Fat Freddy’s Cat“, der eigensinnigen Katze aus dem Freak-Brüder- Universum. Manche Blotter versprechen die Beavis And Butthead Psychedelic Experience oder zeigen die Simpsons, deren Gefallen an LSD und anderen Psychedelika oft in den Trickfilmepisoden thematisiert werden. Natürlich lacht auch der für seinen Zaubertrank berühmte Druide Miraculix oder ein Conehead den LSD-Schlucker an, bevor er die Pappe im Munde zergehen lässt. Mr. Natural, der erleuchtete Meister von Robert Crumb, und der Joker sowie andere Clownsgesichter deuten den kosmischen Scherz an, der auf LSD schon so manchen Lachkrampf ausgelöst hat.

Abb. 9: From Blotter Art to Album Cover: R.K.L. – Rich Kids On L.S.D., Greatest Hits (Destiny Records, 1988) – Mit dem Albumtitel wird nicht eine Anthologie der Charts-Titel der Hard Core Punk-Band bezeichnet, sondern die heftigsten Trips des LSD-Universums gepriesen (Live Recording): „Greatest Hits supplied by Mark McCloud“.


Manchmal werden legendäre Musiker, z.B. Elvis Presley oder Ozzy Osbourne, abgebildet: „Just Say Ozzy!“ Natürlich fehlt auch nicht das Zeichen der Rolling Stones: die dicken Lippen mit ausgestreckter Zunge.

Schließlich tauchen unzählige Motive aus der Ikonographie der kalifornischen Kultband Grateful Dead auf: Totenköpfe mit Rosen, Knochen, Spaceheads, tanzende Teddybären, Pandas, Schallplattencover, zum Teil in Ausschnitten. Dazu gehören auch einige Covermotive von Soloprojekten der Grateful Dead, z.B. stammt der schwarze Panther von der Jerry Garcia Band, Cats Under The Stars (Arista, 1978), oder das geflügelte Herz von Mickey Hart’s Rolling Thunder Projekt (Warner Bros., 1972). Beide Motive entstammen den Kelly/Mouse Studios, wurden also von Topkünstlern der Psychedelic Poster Art (Grushkin 1987), die ebenfalls reichlich Motive als Vorlagen für Acid Blotter-Drucke lieferten, kreiert (vgl. Mouse 1993). Die Motive gehen verschiedene Wege: vom Poster zum Cover oder vice versa; davon zum Acid Blotter oder vice versa …

Viele Album-Cover psychedelischer Bands haben die Blotter Art beeinflusst. Neuerdings sieht man immer häufiger den Gebrauch von LSD-Tripps und den häufig für Blotter benutzten Symbole auf Album-Covern. Der Prozess hat sich umgedreht. So hat die US-amerikanische Metal-Band aus Seattle Nevermore eines ihrer Alben The Politics of Ecstasy (Century Media, 1996) nach dem gleichnamigen Buchtitel von Timothy Leary (1990) genannt, und mit Acid Blotter verziert.

Abb. 11: Der 50-Jahre-Jubiläumstrip 1943-1993. (40 x 40 mm; pro Einheit ca. 250 μg LSD)

Im Jahre 1993 erschien zum 50. Jubiläum der ersten LSD-Erfahrung (19. April) ein starkdosierter Blotter (ca. 250 μg/Quadrat) mit der legendären Velofahrt von Albert Hofmann. Schon ein Jahr später wurde er nachgedruckt7). Von dieser Auflage (1994) gelangte ein Sample in die Gewahr der Polizei. Dieses Bild verwendete die Schweizerische GTFCH (Polizeigewerkschaft) für ein Plakat, um damit die Preisverleihung des Jean-Servais Stas- Preis an Albert Hofmann (1995) zu schmücken.

Die Acid Blotter sind inzwischen ein internationales Sammelobjekt geworden, ganz wie die originalen Sandoz-LSD/Delysid®-Ampullen (Power 1986). Dabei werden legale Fließpapier-Bögen mit den Motiven bedruckt, aber nicht mit der illegalen Substanz getränkt. Die Hersteller dieser „entgifteten“ LSD-Artefakte haben Timothy Leary, Albert Hofmann und andere Idole der psychedelischen Gemeinschaft gebeten limitierte Anzahlen von solchen fake Blotter-Druckbögen zu signieren. Dadurch haben sie einen sehr viel höheren Wert im Sammlermarkt (Lyttle 1990)! Albert Hofmann hat mir erzählt, dass ein einfaches Stück Papier mit seiner handgezeichneten LSD-Strukturformel plus Unterschrift im Auto- graphen- und Antiquariatshandel schon jetzt mindestens 1000,- Schweizer Franken bringen! Ein hoher Wert für ein handschriftliches Zeugnis eines noch lebenden Menschen. Aber nichtig im Verhältnis zum Wert den uns Albert Hofmann mit seinem „Sorgenkind“ geschenkt hat! Herzlichen Dank und beste Glückwünsche zum 60. Jubiläum der meiner Meinung nach wichtigsten Erfindung des 20. Jahrhunderts!

Es wäre an der Zeit eine psychedelische Kunstgeschichte, wie schon von Claudia Müller- Ebeling in ihrem Artikel „Kunst im Rausch“ (1994) angedeutet, zu schreiben: die Kunstgeschichte der LSD-Artefakte: Acid Art History!

Literatur

Badiner, Allan Hunt und Alex Grey (Hg.) 2002. Zig Zag Zen – Buddhism and Psychedelics, San Francisco: Chronicle Books.

Chapiron, Christian und Christian Vilà 2000, Psychoactif (un livre hallucinant), Paris: Éditions du Lézard.

Cousteau, Jacques-Yves und Philippe Diole 1973, Kalmare: Wunderwelt der Tintenfische, München, Zürich: Droemer-Knaur.

Fields, Rick 1996, „A High History of Buddhism“, Tricycle – The Buddhist Review, 5th Anniversary Special Issue: Buddhism & Psychedelics, Fall ’96: 45-58.

Grushkin, Paul D. 1987, The Art of Rock: Posters from Presley to Punk, New York usw.: Artabras.

Hofmann, Albert 1993, LSD – Mein Sorgenkind (aktuelles Vorwort, korregierte Fassung), München: dtv.

Kleps, Art 1971, The Boo Hoo Bible: The Neo-American Church Catechism, with a review by TIMOTHY LEARY, San Cristobal, N.M.: Toad Books.

Kruppa, Hans 1988, Die fliegenden Erdbeeren: Ein verrückter Roman, München: Goldmann.

Leary, Timothy 1990, The Politics of Ecstasy, Berkeley: Ronin Publishing (zuerst erschienen bei G.P. Putnam, 1968; dt. Politik der Ekstase, Hamburg: Wegner, 1970; dann Linden: Volksverlag, 1982).

Lyttle, Thomas 1990 (Hg.), Psychedelic Monographs and Essays Vol. 5, Boynton Beach, Florida: PM&E Publishing Group.

1993 „LSD Myths“, High Times May 1993: 60-61.

Lyttle, Thomas und Elvin D. Smith 1990, „Neurostructuralism and Hallucination“, in: Thomas Lyttle (Hg.), Psychedelic Monographs and Essays Vol. 5: 42-61, Boynton Beach, Florida: PM&E Publishing Group.

McCormick, Carlo 1987, The Cure of Souls, New York: Psychedelic Solution Catalog.

McKenna, Terence 1989, Wahre Halluzinationen, Basel: Sphinx.

Mouse, Stanley 1993, Freehand: The Art of Stanley Mouse, mit einem Vorwort von Mickey Hart, Berkeley, Hong Kong: SLG Books.

Müller-Ebeling, Claudia 1992, „Visionäre und psychedelische Malerei“, in: C. Rätsch (Hg.), Das Tor zu inneren Räumen, Südergellersen: Verlag Bruno Martin, S.183-196.

1994 „Kunst im Rausch“, Esotera 4/94: 90-95.

Oster, Gerald 1966, „Moiré Patterns and Visual Hallucinations“, Psychedelic Review 7: 33-40.

Owen, Ted und Denise Dickson 1999, High Art: A History of the Psychedelic Poster, London: Sanctuary Publishing.

Philipp, Ines 2002, „The Church: ‚Marihuana ist der Schlüssel zu meiner Musik!‘“, Hanf! Magazin 02/

02: 60-61. Power, Jed 1986, Drug Antiques: A Photographic Look at Old & Unusual Artifacts and Rarities, Peabody, MA: Cape Ann Antiques. Rätsch, Christian (Hg.) 1993, 50 Jahre LSD-Erfahrung: Eine Jubiläumsschrift, Löhrbach: Werner Pieper’s Medienexperimente/Solothurn: Nachtschatten Verlag (Der Grüne Zweig 159). 1994 „Die LSD-Kultur: Eine kulturanthropologische Skizze“, Jahrbuch des Europäischen Collegiums fürBewusstseinsstudien 1993/1994: 37-72, Berlin: VWB.

Shea, Robert und Robert Anton Wilson 1978, Illuminatus! (3 Bde.), Basel: Sphinx.

Thorgerson, Storm 1990, Classic Album Covers of the 60‘s, Zürich: Edition Olms.

Usó, Juan Carlos 2001, Spanish Trip: la aventura psiquedélica en España, Barcelona: La Liebre de

Marzo. Wilkinson, Peter 2001, „The Acid King“, Rolling Stone August ’02: 54-63. Zaehner, R.C. 1974, Zen, Drugs and Mysticism, New York: Vintage Books.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

2 Comments

  1. Martin Sausb

    29/09/2011 at 23:43

    Hejho,
    das Medienprojekt PSI-TV hat ein englisch-sprachiges Video mit Marc McCloud rausgebracht zu diesem Thema, vielleicht ist das ja interessant:

    http://www.psi-tv.de/blotter-art-mark-mccloud-lsd-symposium-2006-25-09-2011#more-1629

    Bring the Fire! A Pictorial History of LSD Blotter Art
    (english, without translation)

    Bring the Fire! Eine Bildergeschichte der LSD Blotter Art
    (englisch, ohne Übersetzung)

    A colorful presentation of forty years of art history on LSD impregnated blotting paper. Over one hundred images of „The Greatest Hits“ of the past four decades from the world’s biggest collection will be shown.

    DEUTSCH:
    Die vierzigjährige Geschichte der Kunst auf LSD-getränktem Löschpapier wird hier höchst farbenfroh präsentiert. Gezeigt werden über hundert ausgewählte Darstellungen der «Greatest Hits» der vergangenen vier Jahrzehnte aus der grössten Sammlung der Welt.

  2. Pingback: Blotter Art – Mark McCloud – LSD Symposium 2006 | Medienprojekt PSI-TV

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