LSA – haltige Pflanzen, Argyreia nervosa – Vierzehn Samen und ein Contact High

Ich fuhr mit dem Rad zu Hamlet und hatte kurzentschlossen die Baby- Woodrose-Samen eingesteckt. Hamlet und Kirsten warteten bereits auf mich. Ich sollte die Samen zu mir nehmen, Hamlet und Kirsten würden „auf mich aufpassen“ . Hamlet hatte bereits zwei Wochen vorher acht Samen zu sich genommen – ohne große Wirkung. Ich nahm gegen 21.30 Uhr vierzehn gemahlene Samen ein: mit Whiskey, mit Kamillentee und mit dem Bodensatz. Bereits nach einer halben Stunde wurde mir leicht übel, so daß wir das Haus verließen. Nach einer weiteren Viertelstunde fragte ich mich, warum ich die blöden Samen überhaupt genommen hatte. Ich setzte mich, fror vor mich hin und wartete darauf, daß die Übelkeit sich legte. Irgendwann holten Hamlet und Kirsten Eis, wovon mir aber noch schlechter wurde. Als die Übelkeit gegen Mitternacht soweit abgenommen hatte, daß sie nicht mehr unangenehmer war als die Kälte, gingen wir wieder rein. Das heißt, die beiden gingen; ich wankte. Da ich auch drinnen noch ziemlich fror, legte ich mich in Hamlets Bett, deckte mich zu und spürte, wie mir ganz langsam immer wohler wurde. Allerdings waren noch keine definitiven Drogen-Wirkungen zu spüren. Das einzige, was mir zu diesem Zeitpunkt auffiel, war, daß die Musik intensiver wirkte als sonst; aber auch das hätte ein Placebo-Effekt sein können. Wir hörten eine australische CD (Didgeridoo), die ich mir vormittags gekauft hatte. Bert hatte das Instrument vor einigen Wochen erwähnt. Wir stellten uns vor, in Australien irgendwo in den Outbacks zu sitzen, am Ayers Rock. Wie fühlt sich der Boden an? Welche Pflanzen sehen wir? … Ganz nett, aber immer noch keine eindeutigen Drogen-Wirkungen. Meine positive Stimmung ließ sich auch mit der überstandenen Übelkeit erklären.

Das war ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Pilz und Woo- drose. Während die Wirkung der Pilze schon nach einer Viertelstunde begann und äußerst schubhaft verlief, steigerten sich die Effekte der Samen so langsam, daß ich auch im Nachhinein unmöglich sagen kann, wann genau die eigentliche Wirkung begann. Irgendwann hatten wir die Outbacks ausgereizt, Hamlet war auf dem Boden eingenickt und Kirsten und ich unterhielten uns. Daraus wurde dann im Laufe der nächsten Stunden (von etwa 1.00 bis 4.00 Uhr) das intensivste und — vom Zeitempfinden her — längste Gespräch, an das ich mich erinnern kann. Die Gedanken sprudelten immer schneller und schneller. Einerseits verlief das Gespräch sehr assoziativ (rechtshirnig), andererseits schienen mir die Ge- danken in sich durchaus logisch und präzise (linkshirnig) zu sein, so daß ich Woodrose als eine Art „Hirnschrittmacher“ verstehe, der die Tätigkeit der Hirn- hälften zum einen aufeinander abstimmt, zum anderen sogar noch beschleunigt. Bis zu einem gewissen Grade schien sich dieser Aspekt auch auf Kirsten auszu- wirken. Es war wirklich verblüffend, wie genau wir jeweils erfassen konnten, was der andere meinte. An so eine Verständigung war auf unserem Pilz-Trip im letzten Jahr nicht zu denken gewesen (s. unten: Psilocybe semilanceata, Shroominded). Damals schlug sich Kirsten zwar tapfer, aber für die Dinge, die sich in den Köpfen von Gaphod und Pa’Gung abspielten, gab es in der Echtwelt einfach keine Worte… Ebenso faszinierend fand ich, daß meine Gedanken und Erkenntnisse unter dem Einfluß der Droge regelrechte Glücksgefühle hervorriefen. Jedesmal, wenn Kirsten etwas sagte, dachte ich kurz darüber nach. Bis mir ein Schauer über den Rücken lief und ich wußte, ich hatte verstanden. Erstaunlich war auch, wie ich mich an Dinge erinnerte: Erlebnisse, Gedanken, Zusammenhänge, die ich mal gelernt habe. Plötzlich begriff ich sie. Es war, als hätte ich auf einmal den Master Key zu meinen Gedanken. Die ganzen Puzzleteile, die ich in meiner Eigenschaft als Freak und Berufsdenker angesammelt hatte, lagen gewissermaßen ordentlich ausgebreitet vor mir. Und jedesmal, wenn ich wieder einige zusammenpassende Teile fand, spürte ich dieses wohlige Kribbeln. Nebenbei hörten wir die „Acid Test“. Die einzige Veränderung der Wahr- nehmung, die sich noch ergab, war eine recht unscharfe Sicht. Gegen 4.00 morgens ließ ich die beiden dann endlich schlafen und fuhr nach Hause. Ich fühlte mich schon wieder recht normal, war aber immer noch wahnsinnig glücklich. Außerdem merkte ich, daß meine Gedanken immer noch „fast for- ward“liefen. Es gelang mir einfach nicht, einen Gedanken festzuhalten. Einige Male dachte ich: „Schreib das auf! Das ist was für die Freaks.“ Aber es ging nicht. Ich hätte nicht so schnell schreiben können, wie die Gedanken sich in

meinem Kopf veränderten. Irgendwann lag ich dann im Bett, versuchte zu schlafen, doch dieser Gedankenfluß in meinem Kopf wollte sich einfach nicht beruhigen. Da ich mich immer noch phantastisch dabei fühlte, war mir das egal. Irgendwann muß ich dann doch eingeschlafen sein. Am nächsten Morgen wachte ich um 9.30 Uhr auf, spürte einen wunderschönen Afterglow, der noch bis zum Abend anhielt und redete ziemlich viel. Meinen Eltern fiel es zum Glück nicht auf, aber als ich meinem Bruder von dem Trip erzählte, meinte er nur

Ich spüre, daß meine Erfahrungen aus dem Woodrose-Erlebnis nicht verloren sind, sondern wieder auftauchen werden, wenn ich sie in einer konkreten Situation benötige. Vielleicht beeinflussen sie auch jetzt schon mein Handeln, ohne daß ich es bewußt wahrnehme. Das Contact High? Damit meinte ich den Umstand, daß die Erfahrung für Kirsten clean genauso ungewöhnlich war wie für mich mit Droge. Mir fiel auf, daß ich während der Woodrose-Session in der Echtwelt geblieben war, ich verstand sie allerdings wesentlich besser. Dadurch blieben mir zwar viele interessante Aspekte eines regulären Trips verschlossen (fremde Welten, Abenteuer…), dafür war die Sache aber bei weitem nicht so anstrengend. Wer die Echtwelt nicht verläßt, hat auch keine Schwierigkeiten, sich wieder in sie zu integrieren. Karik

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