Lophophora williamsii, Wirkung

Effekte nach der Einnahme

Peyote schmeckt sehr bitter, und nach dem Konsum wird einem meist schlecht. Deshalb wird der Konsum von vielen Indianern als ‚harter Weg‘ bezeichnet, denn erstmal muss man diese überschmeckende Knolle herunter bekommen, und anschließend erbricht man sich nicht selten. Es reichen im Schnitt 4-12 Peyote-Buttons und eine berauschende Wirkung hervor zu rufen. In dem folgenden Abschnitt sollen die Symptome nach Peyote-Einnahme in zeitlicher Abfolge dargestellt werden.

Zu Beginn der Rausches kann es nach ca. 15-30 min zu motorischen Störungen kommen. Unter anderem kann man auch eine Erhöhung des Herzschlages, und eine beschleunigte Atmung. Manchmal kann es auch zu Heißhungerattacken nach Abklingen des Rausches kommen. Meist kommt es in dieser Zeit auch zu Übelkeit, Hitze- oder Kältewallungen, Schwindelgefühl oder vermehrtem Schwitzen, was vermutlich durch die Strychnin-ähnlichen Verbindungen (wie z.B. Lophophorin) in Peyote verursacht wird (Geschwinde, 2003).

Ungefähr 1-2 Stunden nach Einnahme tritt dann die berauschende Wirkung von Peyote ein. Die Rauschzustände unterscheiden sich erheblich, je nachdem ob man Peyote oder reines Meskalin zu sich genommen hat. Der durch Meskalin erzeugte Rausch ist in der Regel kürzer, aber heftiger als der durch Peyote erzeugte Trip.

Nach ca. 12 Stunden klingt der Rauschzustand weich wieder ab und man verspürt keinen ‚Drogen-Kater‘. Allerdings kann es zu Heißhungerattacken auf Süßes kommen, vergleichbar mit Marihuana.

Es wird von einer Änderung der Wahrnehmungssinne gesprochen, die im folgenden näher beschrieben werden. Bevor man aber die Beschreibungen liest, muss noch gesagt werden, dass unsere Sprache völlig unzureichend ist die auftretenden Phänomene zu beschreiben, so dass Menschen ohne solch eine Erfahrung diese nachempfinden können. Offenbar ist unser Gehirn dem normalen alltäglichen Zustand so angepasst, dass wir mit unvollständigen Symbolen arbeiten müssen.

Gesichtssinn. Der Konsum von Peyote als auch von Meskalin geht mit Halluzinationen und Visionen einher, die auch in absolut dunklen Räumen und bei blinden Testpersonen beobachtbar sind. In dem Artikel von Becker (1985) wurde diese visuellen Erscheinungen von Ringer folgendermaßen beschrieben:

Ich hatte die Halluzination eines Teufelskopfes, der an einem Menschenschädel nagte. Auf dem Höhepunkt des Rausches war meine Persönlichkeit ausgelöscht. Die ganze Bilderwelt trat mir als etwas noch nie in diesem Leben Erinnertes entgegen, als etwas Urfremdes, Entpersönlichtes„.

Zudem kommt es auch meist zu einer gesteigerten Farbwahrnehmung. Diese Farben sind meist kaleidoskopartig und sehr intensiv in ihrer Leuchtkraft. Zwei sehr schöne Beschreibungen der Farbwahrnehmung kamen von zwei weißen Autoren, Havelock Ellis und Weir Mitchell, die ihre Erlebnisse folgendermaßen beschrieben:

Ellis. Zunächst war da bloß ein vages Licht- und Schattenspiel, das Bilder suggerierte, doch nie ausmalte. Dann wurden die Bilder deutlicher, doch zu konfus und überladen, als daß sie beschreibbar gewesen wären, es sei denn, zu sagen, sie hätten den Charakter von Kaleidoskop-Gebilden gehabt, symmetrische Gruppierungen spitziger Objekte. Dann, im Verlauf des Abends, traten sie deutlich hervor, blieben aber unbeschreibbar — meistenteils ein ungeheures Feld goldener Juwelen, die mit roten und grünen Steinen besetzt waren, dauernd im Wandel… Die Visionen glichen niemals gewohnten Gegenständen; sie waren äußerst klar umrissen, doch stets neuartig; sie kamen ständig heran und entzogen sich doch ständig dem Zugriff, der Ähnlichkeit mit bekannten Dingen. Ich sah wohl dicke, glanzvolle Felder von Juwelen, die einzeln dalagen oder in Trauben, manchmal blitzten und funkelten sie, ein anderes Mal zeigten sie ein abgemattetes reiches Glühen. Dann wieder mochten sie unter meinem starrenden Blick in blumenartige Formen überspringen und schienen dann wieder in prachtvolle Schmetterlingskonturen überzuwechseln oder in die endlosen Membrane glitzernder, irisierender, faserfeiner Flügel wundervoller Insekten…

Mitchell. Für das, was sich da zwei verzauberte Stunden lang vor mir ausbreitete, gibt es kaum Hoffnung, in der Sprache Worte zu einer Beschreibung zu finden, die anderen die Schönheit und den Glanz dessen vermitteln könnten, was ich schaute. Sterne, reizvolle strömende Farbfilme, dann ein abrupter Sturzbach unzähliger weißer Lichtpunkte über das Blickfeld, als ob die Millionen ungeschauter Gestirne der Milchstraße in einem funkelnden Fluß vor meinen Augen vorüberzögen… Grelle Zickzacklinien… die wundersame Lieblichkeit anschwellender Wölkchen in lebhafteren Farben, doch schon waren sie vorüber, ehe ich sie benennen konnte. Ein weißer Speer aus grauem Stein wuchs in riesenhafte Höhe und wurde ein ragender, reich ausgestatteter gotischer Turm mit feinsten Ziselierungen, mit vielen ziemlich verwitterten Statuen, die in Bögen oder auf steinernen Zinnen standen. Während ich auf jeden vorspringenden Winkel starrte, jeden Sims, wurde ich gewahr, daß sogar die Fugen der Steinfassaden stets verschieden mit Trauben augenscheinlich kostbarer, riesiger, jedoch ungeschliffener Kleinode bedeckt oder behangen waren, und einige wirkten eher wie Massen durchschimmernder Früchte. Diese waren grün, purpurn, rot und orange, niemals hellgelb und niemals blau. Allen schien ein inneres Licht zueigen, und auch nur die schwächste Vorstellung der vollkommen befriedigenden Kraft und Reinheit dieserprächtigen Farbenfrüchte zu geben, übersteigt meine Fähigkeiten. Alle Farben, die ich je geschaut, waren im Vergleich zu diesen trüb…

Gehörsinn. Nach Einnahme von Peyote oder Meskalin wird das Geräuschempfinden auch beeinflusst, und leise Geräusche können z.B. als sehr laut empfunden werden. Zudem wird auch häufig darüber berichtet, dass man die Musik gesehen hätte und selbst unmusikalische Personen empfanden Musikstücke als wahres Erlebnis das seines gleichen sucht (Becker, 1985). Es kommt auch sehr häufig vor, dass man Stimmen hört oder andere Höreffekte Wahrnimmt. So wurde z.B. von Indianern berichtet, die sich darüber beklagten, dass sie nach Peyotegenuss in der Nähe des Kaktus keinen Schlaf fanden, weil dieser einfach zu laut war (Stafford, 1980).

Zeitgefühl. Nach Einnahme von Meskalin kommt es auch häufig zu einer verzerrten Zeitwahrnehmung, was man auch Zeitlupen- bzw. Zeitrafferphänomen nennt. Dabei ist es nicht selten, dass beide Phänomene während ein und denselben Trips vorkommen. Eine schöne Beschreibung dieses Phänomens lieferte das Parlamentsmitglied Christopher Mayhew der unter der Aufsicht von Humphrey Osmonds vor laufender BBC-Kamera Meskalin zu sich nahm. Der Bericht wurde im London Observer veröffentlicht und seine Erfahrungen waren folgendermaßen:

Was geschah mit mir am Freitag, den 2. Dezember 1955 zwischen 12.30 und 16.00 Uhr? Auch nachdem ich mehrere Monate über der Sache gebrütet hatte, blieb meine erste verblüffende Überzeugung richtig – daß ich an jenem Nachmittag mehrmals außerhalb der Zeit existiert habe. Ich meine dies keineswegs metaphorisch, sondern buchstäblich. Ich meine, daß der wesentliche Teil meines Selbst, vollkommen seiner bewußt… in einer zeitlosen Realitätsordnung außerhalb der uns bekannten Welt war…

Ich nahm meine Umgebung nicht mehr wahr und freute mich an meinem Dasein im Bewußtsein meiner selbst, in einem Zustand atemloser Verwunderung und vollkommener Seligkeit. Das hielt eine gewisse Zeit an, die – für mich – einfach überhaupt nicht aufhörte. Sie dauerte nicht nur Minuten oder Stunden – mir kamen sie wie Jahre vor…

Mehrere Tage danach erinnerte ich den Nachmittag vom 2. Dezember nicht derart, daß ich mehrere Stunden in meinem Salon verbracht hatte, die von diesen seltsamen „Ausflügen“ unterbrochen wurden, sondern als Jahre vollkommener Seligkeit, die von kurzen, zauberhaften Vorgängen im Salon unterbrochen wurden…

Beim ersten Male, als ich so von einem Ausflug „zurückkehrte“, nahm ich an, eine ungeheuer lange Zeit wäre verflossen und rief erstaunt dem Kamerateam zu: „Ihr seid noch da?“ Ihre Geduld zu warten schien mir außerordentlich, doch tatsächlich war natürlich keine solch lange Zeit vergangen und sie hatten überhaupt nicht warten müssen…

Nebenwirkungen

Es kann wie nach der Einnahme von Psilocybin-haltigen Pilzen zu ‚Bad Trips‘ kommen, wenn man aber die ‚Safer Use Regeln‘ beachtet, sollte dies nur selten vorkommen und keine nachhaltigen psychischen Konsequenzen mit sich ziehen (vergleiche hierzu die Seite ‚Psilocybe cubensis, Wirkung‘).

Zu den Nebenwirkungen von reinen Meskalin gehören Angstzustände, Herzrasen, ein Schwindelgefühl, Durchfall, Erbrechen und Kopfschmerzen. Auch nach langjährigen Gebrauch von normalen Dosen gibt es keine organischen Schäden. Zudem macht es auch nicht körperlich süchtig. Wie bei Psilocybin und auch LSD stellt sich nach Gebrauch an 2-3 Tagen hintereinander eine Toleranz (mit Cross-Toleranzen zu LSD und Psilocybin) ein, und man muss wesentlich mehr Peyote essen bevor sich ein vergleichbarer Effekt einstellt. Diese Toleranz verschwindet aber nach einer Abstinenz von 3-4 Tagen. Bei Gewohnheitsessern treten u.a. Abstumpfung des Charakters, Gleichgültigkeit in Bezug auf die Umwelt sowie negative Einstellung zur Arbeit ein (Becker, 1985).

Bezugsquellen
Hier sind exemplarisch Bezugsquellen  aufgeführt. 
Psychoaktive Kakteen