Kokain

 

Kokain, Strukturformel

Wirkungsweise

Kokain ist ein Dopamin Wiederaufnahme-Hemmer, indem es den Dopamin Transporter (DAT) blockiert. Kokain inhibiert auch die Aufnahme von MAO und  5-HT3, ist außerdem ein Agonist für MGluR5 und ein Sigma Ligand Agonist (siehe Kokain Pharmakologie).

Übersicht

Die Droge Kokain (oder „Crack“ als freie Base) ist ein kristallines Tropan Alkaloid, das aus den Blättern des Coca Strauchs (Erythroxylum coca) gewonnen wird. Sie ist ein Stimulans des zentralen Nervensystems, unterdrückt den Appetit und ruft ein euphorisches Gefühl des Wohlbefindens, verbunden mit vermehrter Energie, hervor. Sie wird deshalb oft als Freizeitdroge benutzt. Kokain wird aber auch in der Medizin als Lokalanästhetikum bei Augen-, Nase- und Halsoperationen eingesetzt.

Kokain ist nichts Neues, sondern ist eine der ältesten bekannten Drogen. Die prähistorische Bevölkerung von Kolumbien und Peru  benutzte die Blätter des Coca Strauchs, die Kokain enthalten, seit Tausenden von Jahren.

Das reine chemische Kokain Hydrochlorid ist seit mehr als 100 Jahren eine verbreitete Droge.

Es gibt eine lange Liste prominenter Intellektueller, Künstler, Politiker und Musiker, die Kokain benutzt haben – von Sir Arthur Conan Doyle und Sigmund Freud zu den U.S. Präsidenten Ulysses S. Grant und Berichten zufolge auch George W. Bush. Kokain konnte einstmals sogar in winzigen Mengen in „Coca Cola“ gefunden werden, heute ist das aber nicht mehr der Fall.

Kurzfristige Wirkungen

Die Wirkungen von Kokain setzen bei einer einzelnen Dosis sofort ein und verklingen  innerhalb weniger Minuten bis Stunden. Kleine Dosierungen (bis zu 100 mg) machen euphorisch, energiegeladen, gesprächig und sensitiv, besonders für die Sinneswahrnehmungen des Sehens, Hörens und des Tastgefühls. Kokain vermindert vorübergehend die Notwendigkeit von Essen und Schlafen. Einige Personen berichten, dass sie einzelne körperliche und intellektuelle Aufgaben schneller erledigen können, während andere das Gegenteil erfahren.

Die Länge der sofortigen euphorischen Wirkungen hängt von der Art der Verabreichung ab. Je schneller Kokain absorbiert wird, umso intensiver ist der Effekt , aber die Dauer der Wirkung umso kürzer. Das Schnupfen von Kokain  verlangsamt den Beginn der Reaktion,  dafür kann sie aber 15 bis 30 Minuten anhalten, während sie beim Rauchen nach 5 bis 10 Minuten abklingt.

Die kurzfristigen physiologischen Wirkungen von Kokain sind verengte Blutgefäße, erweiterte Pupillen, erhöhte Temperatur, erhöhter Puls und Blutdruck. Große Mengen von einigen hundert Milligramm und mehr verstärken die  Effekte, können jedoch auch zu seltsamen, unberechenbaren und gewalttätigen Handlungsweisen führen. Die Konsumenten können Tremor, Schwindel, Muskelzuckungen, Verfolgungswahn oder mit wiederholten Dosen eine toxische Reaktion erfahren, die einer Amphetaminüberdosierung ähnlich ist. Weitere Symptome sind Ruhelosigkeit, Gereiztheit und Angstgefühle. Sehr selten kann ein plötzlicher Tod beim ersten Gebrauch von Kokain eintreten, oder völlig unerwartet danach. Kokain verursachte Todesfälle werden oft durch Herzstillstand oder Herzanfall mit folgendem Atemstillstand verursacht.

Langfristige Wirkungen

Kokain hat ein hohes Suchtpotential. Es ist deshalb schwierig den Konsum und Suchtverlauf zu kontrollieren. Es wird vermutet, dass die stimulierende und suchterzeugende Wirkung von Kokain durch die Hemmung der Wiederaufnahme von Dopamin in die präsynaptische Nervenzelle verursacht wird, was eine Erhöhung der Transmitterkonzentration im synaptischen Spalt und damit ein erhöhtes Signalaufkommen am Rezeptor zur Folge hat. Dopamin wird vom mesolimbischen System (Belohnungssystem) des Gehirns ausgeschüttet, und ist entweder direkt oder indirekt mit Suchtsymptomen verbunden.

Die Entwicklung einer erheblichen Toleranz zu dem von Kokain erzeugten High ist möglich, da viele Süchtige berichten, dass sie bei fortgesetzem  Konsum nie mehr so viel Genuss wie bei der ersten Erfahrung verspürten. Das ist der Grund, warum oft die Dosierungen erhöht werden, um doch noch die  erfahrenen erwünschten Effekte zu erhalten und zu verlängern. Während sich eine Toleranz entwickelt, kann ein Konsument zur selben Zeit empfindlicher gegen die durch Kokain verursachten Betäubungen und Krampfanfälle werden, da sich parallel eine  Sensitivierung zu der gegensätzlichen Toleranz entwickelt. Einige Todesfälle, die anscheinend nach niedrigen Dosen von Kokain eintraten, können mit einer erhöhten Sensitivierung erklärt werden.

Die Anwendung von Kokain in einer Situation, in der die Droge wiederholt und in vergrößerten Dosierungen genommen wird (Party, usw.), führt zu erhöhter Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Wahnvorstellungen und kann mit einer vollen paranoiden Persönlichkeitsstörung enden, in der die Person den Kontakt zur Realität verliert und akustische Halluzinationen erfährt.

Pharmakologie

Die Pharmakodynamik von Kokain weist unteranderem umfangreiche Reaktionen  von den Neurotransmittern Dopamin, Serotonin und Glutamat auf. Die am ausführlichsten erforschte Wirkung von Kokain auf das zentrale Nervensystem, ist die Wiederaufnahmehemmung des Dopamin Transporters (DAT). Der Transmitter Dopamin wird normalerweise nach dem Reizen des postsynaptischen Rezeptordendriten von dem Transporter aus dem synaptischen Spalt zurück in das präsynaptische Axon gepumpt, wo es in Speicherungsbläschen zur Wiederverwendung aufbewahrt wird. Kokain bindet sich an den Transporter als ein Komplex, der die Funktion des Transporters blockiert. Dieser kann seine Wiederaufnahmefunktion dann nicht ausführen, was zur Folge hat, dass Dopamin  im synaptischen Spalt vermehrt auftritt und die postsynaptische Nervenzelle eine erhöhte Stimulierung erfährt. Eine langwierige Anwendung von Kokain, wie bei Dauergebrauch, führt zu einer Disregulation zwischen Zellaufbau und Zelltod, verglichen mit der normalen Balance ohne Kokain. Sie geschieht durch eine Herunterregulation von Dopaminrezeptoren und eine vergrößerte Signaltransduktion. Diese erhöhte Dopamin-Signalübermittlung bei chronischem Kokainkonsum kann zu depressiven affektiven Störungen beitragen und das wichtige „positive Belohnungssystem“ im Gehirn (im mesolimbischen System) zu verstärkten Wirkungen von Kokain sensibilisieren (z.B. verstärkte Dopamin Signalisierung nur dann  auftritt, wenn eine Selbstverabreichung mit Kokain vorgenommen, d.h. Kokain eingenommen wird). Diese Sensibilisierung trägt zu der widerspenstigen Natur von Sucht und Rückfall bei.

Die Wirkungen von Kokain auf Serotonin (5-hydroxytryptamin, 5-HT) finden an vielen Serotoninrezeptoren statt, zeigen aber hauptsächlich die Wiederaufnahmehemmung am 5-HT3 Serotoninrezeptor an. Die Überfülle von 5-HT3 Rezeptoren bei Ratten, die an Kokain gewöhnt sind, sprechen für diese Erklärung. Die genaue Rolle in dem Prozess ist jedoch noch nicht klar. Der Serotonin 5-TH2 Rezeptor, besonders die Subtypen 5-HT2AR, 5-HT2BR und 5-HT2CR, beeinflussen das Wachrufen einer durch Kokain erworbenen Hyperaktivitätsstörung.

Kokain beeinflusst Sigmarezeptoren, indem es als Kokain Agonist funktioniert, d.h. die Zelle aktiviert, an die es sich bindet. Spezifische Rezeptoren, an die es sich bewiesenermaßen bindet, sind NMDA, der D1 Dopaminrezeptor, und der 5. Subtyp des metabotropen Glutamatrezeptors (mGluR5). MGluR5 ist ein notwendiger Faktor bei der Selbstbehandlung mit Kokain und bei der Einschränkung von Bewegungen. Diese verstärkenden Eigenschaften fehlen bei Mäusen, die keinen mGLuR5 Glutamatrezeptor besitzen. Eine Verabreichung von einem Antagonisten für den mGLuR5 Rezeptor verminderte auch zuverlässig deren Kokainselbstverabreichung.

Kokain blockiert auch Natriumkanäle und stört dadurch die Weiterleitung von Aktionspotentialen (Nervenimpulsen); es wirkt dadurch als Lokalanästethikum. Außerdem hat Kokain vielleicht eine Wirkung auf den Kappa-Opioid Rezeptor und hemmt Monoamin Transmitteraufnahmen bei Ratten in diesen Relationen: Serotonin zu Dopamin  2:3, Serotonin zu Norepinephrin  2:5.

Abhängigkeit

Eine Abhängigkeit von Kokain beruht teilweise auf den Hemmwirkungen des Dopamin Transporters (DAT), insbesondere  die dopaminergische Signalvermehrung von Neuronen im ventralen tegmentalen Areal des Tegmentums, einem inneren Teil des Gehirns. Untersuchungen  zeigten aber, dass Mäuse, die keinen Dopamin Transporter besitzen, immer noch nach der Belohnung mit Kokain verlangen. Spätere Untersuchungen ergaben, dass ein kombiniertes Ausschalten vom Dopamintransporter/Serotonintransporter (DAT/SERT) notwendig ist, das Belohnungsverlangen auszulöschen. Glutamat spielt auch eine Rolle bei der Kokainsucht, besonders der 5. Subtyp des metobatropischen Glutamatrezeptors (mGluR5).

Die Belohnungserwartung bei Kokain wird von Circadian-Rhythmen beeinflußt, wahrscheinlich über eine Gruppe von Genen, „Clockgenes“, die Rhythmen wie Menstruation u. a. regulieren. Außerdem besteht eine Beziehung zwischen einer Variante vom Gen CAMK4 und der Kokainsucht. Eine deutsche Forschungsstudie fand heraus, dass Abhängige mit einer signifikanten 25 % höheren Wahrscheinlichkeit eine Variation dieses Gens besitzen, verglichen mit Personen ohne Kokainkonsum.

Es ist wichtig zu beachten, dass eine Kokainabhängigkeit nicht nur von der Belohnung mit Kokain abhängt. Chronische wiederholte Anwendung ist notwendig um Veränderungen im Belohnungszentrum, dem Tegetum des Gehirns, mit darauf folgender Dysphorie zu erzeugen. Die darauf folgende schlechte Stimmung ist praktisch ein Entzugssyndrom. Die Dysphorie vergrößert das Verlangen nach Kokain, während Belohnung mit Kokain  schnell, aber nur vorübergehend, die Verstimmung verbessert. Dieses trägt für fortgesetzte Anwendung und eine eigenständige Aufrechterhaltung der Gewohnheit bei, welche die Situation fortlaufend verschlimmert. Süchtige verstehen nicht, dass  Wirkungen  kurz nach der Einnahme gegensätzlich zu langwierigen Folgen sind.

Kokainsucht kann in speziellen Rehabilitationszentren behandelt werden.

Sucht erzeugendes Potential

Hoch

Deutschland

illegal

USA

Kokain gehört zur Schedule II

Literatur

Coca und Kokain

Zum Beispiel Kokain

Kokain

Breites Wissen: Die seltsame Welt der Drogen und ihrer Nutzer

Cocaine: Scientific and Social Dimensions

Kokain
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