Kochbücher und Cubensis

von Yachaj, Übersetzung St1

In der folgenden Übersetzung eines Artikels aus „The Entheogen Review“ beschreibt der Autor Methoden der Pilzzucht und Zubereitung, die es jeweils erlauben, eine sehr kleine Menge Material verfügbar zu haben, ohne dass größere Vorräte angelegt werden müssten.  Aufgrund der Gesetzeslage ist zumindest in Deutschland von einer Extraktion der Pilzalkaloide abzuraten, auch Anbau und Besitz von Pilzmaterial ist in Deutschland nicht statthaft, wenn ein Missbrauch zu Rauschzwecken vorgsehen ist.

Die frühen Tage

Letztendlich war es ein Eintrag in einem Kochbuch vor 350 Jahren, der die großtechnische Zucht essbarer Pilze in der westlichen Welt auslöste. Diese Techniken wurden in den letzten Jahrzehnten von den Liebhabern geistbewegender Pilze wieder auf ein Hobby-Verfahren reduziert. Deshalb wollen wir heute den Kreis schließen und uns wieder den Kochrezepten zuwenden, die sich mit entheogenen Gaumenfreuden beschäftigen: Psilopunsch.

Die ersten belegten Pilzzüchter waren die chinesischen Taoisten. Sie trafen keine klare Unterscheidung zwischen heiligen, essbaren und Drogenpilzen, sondern beurteilten die Verfahren von Produktion und Konsum ganzheitlich.

Die ersten Aufzeichnungen über ihre Pilzzuchttechniken wurden vor etwa tausend Jahren veröffentlicht, und behandelten den Arznei- und Gourmet-Pilz Lentinula edodes (Shiitake), doch ihre Methoden wurden in der westlichen Welt erst im späten 20. Jahrhundert bekannt. Die zögerliche Akzeptanz von Pilzen in Europa wird oft mit der angelsächsischen Neigung zur „Mykophobie“ erklärt, also damit, dass Pilze generell mit Gift, Schmutz und Krankheit assoziiert werden, anstatt mit Gesundheit und spiritueller Erforschung.

Mykophobie

Dieser Terminus wurde von Valentina und R. Gorden Wasson geprägt, den beiden Amateurmykologen, die mit der Veröffentlichung ihres Buches „Mushrooms Russia and History“ 1957 die Benutzung der Psilocybepilze als Sakramente wieder in die europäische und amerikanische Kultur einführten. Jonathan Ott, Schüler von Wasson, liefert in seinem Buch „Pharmacophilia or the Natural Paradises“ eine mögliche Erklärung des kulturellen Phänomens Mykophobie. Er berichtet von den Anhängern des Philosophen Zarathustra, (der ca. 500 v. Chr. gelebt haben soll), die den aus Amanita muscaria, dem Fliegenpilz, gebrauten Trank haoma (oder Soma) zu sich nahmen. Diese Tradition wurde laut Ott bis ins dritte Jahrhundert nach Christi von dem iranischen Propheten Mani und den Maichæern fortgeführt. Als eine Religion und Konkurrenz zum Katholizismus breitete sich der Manichæismus in ganz Europa aus. Dieser Einfluss und die Popularität inspirierte die Päpste Alexander III und Innocent III zu den ersten Kreuzzügen, denen eine geschätzte Anzahl von einer Million Menschen zum Opfer fielen, und die den Manichæismus effektiv auslöschten. Die plündernden Katholiken beseitigten alle Spuren der konkurrierenden Sekte, und somit auch die Zeugnisse über den heiligen Pilz.

Ob die Kreuzzüge tatsächlich gegen die heiligen Pilze gerichtet waren, und so zur europäischen Mykophobie beigetragen haben, darüber streiten sich die Gelehrten. Tatsächlich wurden aber wurden seit dieser Zeit im angelsächsischen Raum sogar die essbaren Pilze tabuisiert. Erst im 17. Jahrhundert fanden Pilze wieder ihren Weg in die europäische Gesellschaft, natürlich nicht als Entheogene, sondern als exotische Zutaten in der hohen Küche. Diese Rehabilitation der Gourmet- Pilze war ein wichtiger Schritt, und ebnete den Weg zu den Zuchttechniken der heutigen Tage.

Kochen in der Renaissance

Die europäische Geschichte essbarer Pilze begann wahrscheinlich mit dem Kaiserling (Amanita caesaria), dem hochgeschätzten Pilz der Römer, der bis heute seinen Platz auf der italienischen Speisekarte hat. Italien wurde schon „Mutter der Westlichen Küche“ genannt, und hat in der Renaissance die französische Küche stark beeinflusst.

Ein entscheidendes Ereignis war die Ankunft von Katharina von Medici in Frankreich im 16. Jahrhundert, und ihre Heirat mit Heinrich II, der später König von Frankreich wurde. Ihr Hofstaat bestand unter anderem aus einem Gefolge von Köchen, die in den Feinheiten der Florentiner Kochkunst bewandert waren. Francois La Varenne, der Vater der französischen Küche, verbrachte seine Lehrjahre in den Küchen der Medici. 1652 veröffentlichte er sein revolutionäres Buch „Le Cuisine Francais“, das erste echte Buch der Küchenchemie, mit Rezepten in alphabetischer Sortierung. Es enthielt – als erstes seiner Art – Rezepte für die Zubereitung von Gemüse, und Agaricus bisporus [heutzutage als Zucht-Champignon bezeichnet! St1] gab den Speisen ihren exquisiten Touch und wurde zum unverzichtbaren Teil der französischen Küche.

Melonen und Champignons

Zu der Zeit, als La Varennes Kochbuch veröffentlicht wurde, entdeckten die Melonenzüchter um Paris, dass der kostbare Champignon des Buches sich spontan in dem Pferdekompost manifestierte, mit dem sie ihre Felder düngten. Sie witterten eine willkommene Einnahmequelle, als ihnen auffiel, dass sie dem Zufall nachhelfen konnten, wenn sie den Kompost mit Wasser besprühten, mit dem man vorher die begehrten Pilze gewaschen hatte. Wir wissen heutzutage, dass sie damit Sporen und Mycelfragmente auf das fruchtbare Substrat übertrugen und so die Technik der Flüssig-Inokulation entdeckt hatten.

Ein Züchter, dessen Name nur als „Mr. Marchand“ überliefert wurde, entwickelte die Transplantation von Mycelium, und der Botaniker Joseph Pitton de Tournefort (1665 – 1708) schrieb 1707 als Erster über die Pilzkultivirung. Er entwickelte auch die Abdeckmethode und half bei der Verbreitung der Techniken ins benachbarte Ausland, Deutschland, England und Italien. Holland begann 1825 mit der Champignon-Kultivierung und kurze Zeit später wurde in England Impfbrut aus gepresstem Pferdedung entwickelt und nach Australien, Dänemark, Deutschland und USA exportiert. In Frankreich wurde am Pasteur-Institut 1839 die Methode der Kompoststerilisierung und sterilen Beimpfung entwickelt.

Die weitere Entwicklung und der Einfluss klassischer Methoden auf die Kultivierung von Psilocybinpilzen wurde in der Ausgabe Winter Sonnenwende 2001 der Entheogen Review im Detail diskutiert. Die Technik der Myceltransplantation führte zu industriellen Zuchtmethoden, die schließlich wieder zu den Küchenmethoden für Amateurzüchter zusammengeschrumpft wurden. Innerhalb der letzten 25 Jahren ist dann Psilocybe cubensis bei den Heimzüchtern zum populärsten Pilz der Welt aufgestiegen. Der Anspruch, den richtigen Pilz am richtigen Ort zu züchten, ist damit gelöst, und es ist an der Zeit, sich mit der Fragestellung zu beschäftigen, wie man genug P. cubensis zum passenden Zeitpunkt züchtet, und wie man einen Aufguss mit optimaler Stärke daraus bereitet.

Nicht zu viel

Bisher war es für viele von uns ein Problem, die richtige Menge frischer Pilze zum richtigen Zeitpunkt zu ernten. Schnell wachsende Pilze wie Cubensis behalten nur für kurze Zeit ihren optimalen Zustand. Nach der Ernte verlieren sie rasch an Feuchtigkeit (und Gewicht), wenn sie an der Luft aufbewahrt werden, und es wird schwierig, eine exakte Dosis abzumessen, während sie in geschlossenen Gefäßen leicht verderben.

Die einfachste Lösung dieses Problems ist, kontinuierlich Pilze zu züchten, also ständig eine kleine Ernte zu erzeugen, zum Beispiel indem man jede Woche ein kleines Einmachglas beimpft (nach der Psilocybe Fanaticus Methode, PF TEK und alle nicht für Sporenabdrücke oder ähnliches benötigten Pilze vernichtet. Auf diese Weise hat man zu jedem Zeitpunkt eine Ernte frischer Pilze vorrätig oder in Arbeit.

Schnell wachsende Probleme…

Leider können Cubensis sich so schnell entwickeln, dass sie oft schon in einem vollentwickelten Stadium sind, wenn der Züchter sie bemerkt. Die Minipilze (Primordien) die man am frühen Morgen gesichtet hat, sind oft schon überreif und sporend, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt. Da aber die Alkaloide rapide abnehmen, sobald sich der Hut öffnet und die Sporen reifen, und da die Sporen von Psilocybe cubensis bei manchen Menschen allergische Reaktionen auslösen ist es nicht zu empfehlen, aufgeschirmte Pilze zu anderen Zwecken als der Sporengewinnung oder als Anschauungsexemplare zu verwenden.

Ein anderes Problem ergibt sich, wenn angestrebt wird, in einer Gruppe Pilze einzunehmen, und nicht genügend frische Fruchtkörper für jeden zur Verfügung stehen. Wie kann man also sicherstellen, dass jederzeit genügend frische Pilze bereitstehen, ohne immense Mengen „auf Verdacht“ zu produzieren?

…und eine „clevere“-Lösung

Hippies „mycro-tek“ bietet eine elegante Lösung auf beide Probleme (siehe Entheogen Review Winter Sonnenwende 2001). Man hat herausgefunden, dass Viertelliter-Gläser im Stadium der Halbreife (also bevor die Hüte sich öffnen und die Sporen reifen) ohne Probleme gekühlt und bis zu drei Monate aufbewahrt werden können. Bei Temperaturen um 4°C stellt nämlich Psilocybe cubensis das Wachstum ein und die Enzyme, die Psilocybin abbauen, sind bei dieser Temperatur kaum aktiv. Zur Zeit stellt daher die „mycro“-Version der PF TEK die beste Art dar, frische Pilze zu lagern.

Die einzige Vorsichtsmaßnahme, die man hierbei treffen muss, ist, den Mycelkuchen gegen Austrocknen zu schützen. Das geschieht z.B. dadurch, dass man die Alufolie, [die bei der PF TEK ohnehin das Einmachglas abdichtet; Anm. von St1] mit einem Gummiring fixiert. Außerdem muss man alle Pilze und Primordien innerhalb von 2 Tagen nach dem Auftauen des Mycels ernten, da die Fruchtkörper ohnehin nicht mehr weiterwachsen und vom Mycel abgestoßen werden. Bei der Ernte sollte man darauf achten, den Stiel nahe an der Basis anzufassen und aus dem Mycel herauszudrehen.

Eine einfache Methode, einen Mycelblock von allen anhaftenden Primordien und kleinen Pilzen zu befreien ist, sie einfach mit einem scharfen, gezackten Messer abzustreifen. Dabei ist es nicht schlimm, wenn man die äußere Schicht mit abstreift, da das Mycel sich innerhalb weniger Tage wieder regeneriert. Wenn der Substratkuchen sauber ist, kann man ihn einfach wieder in das Einmachglas füllen, durch Abwiegen feststellen, wieviel Wasser bei der Fruchtkörperbildung verlorengegangen ist, und dieses durch Wassertropfen in die aufliegende Vermiculitschicht wieder nachfüllen. Nun verschließt man das Glas mit etwas Alufolie, und bewahrt es bei Raumtemperatur auf. Ein bis zwei Wochen später setzt dann die nächste Fruchtkörperbildung ein.

Es kann nie schaden, wenn man die Pilze im jungen. konzentrierten Stadium erntet. Die gesamte Produktion von Biomasse pro Substratmenge bleibt in etwa gleich, wenn also ein Primordium geerntet wird, werden vom Mycel automatisch neue gebildet. Das Mycelium bildet auch viel mehr Primordien aus, als es ausreifende Pilzkörper versorgen kann. Um eine gleichzeitige Bildung von Fruchtkörpern im perfekten Reifezustand auszulösen, kann man die ersten Primordien mit einer sterilisierten Pinzette ernten, sobald ihre Spitzen sich röten. Jedes der so geernteten Primordien kann z.B. mit einem McAlpine-Agar geklont oder zur Erzeugung einer Peroxid-Impfkultur verwendet werden.

Die Primordien werden solange entfernt, bis man eine simultane Bildung von mindestens 12 gefärbten Primordien pro Glas bemerkt. Diese werden nun in Ruhe gelassen und zur Halbreife gebracht (nötigenfalls sollte der Kuchen im Glas gedreht werden, die Pilzköpfe wachsen zum Tageslicht). Sobald der erste Pilz der Gruppe fast so weit ist, dass er seine Kappe öffnet, dichtet man die Alufolie wie oben mit einem Gummiband ab und lagert das Glas im Kühlschrank bei ca. 4°C ein.

Auf diese Weise kann man eine größere Anzahl frischer, ungeernteter Pilze aufheben, die jederzeit für eine Gruppe zur Verfügung stehen.

Frisch oder Trocken?

Für die folgenden Beschreibungen wurden die Sorten „Hawaiian“, „Matias Romero“ und „Stropharia“ ausgewählt die – nach der Methode von Psilocybe Fanaticus gezogen – einen bekannten und relativ stabilen Alkaloidgehalt haben. Frische Pilze werden nicht nur wegen ihres höheren Alkaloidgehaltes bevorzugt, es entfällt auch der zusätzliche Arbeitsschritt des zeitaufwendigen Trokknens. Die Benutzung des erhitzten Fruchtsaft dient einerseits der effektiven Extraktion der Alkaloide; andererseits werden die Pilzenzyme unterstützt, die das Psilocybin in das schneller anflutende Psilocin umsetzen.[2]

Ich muss hier anmerken, dass bei der einzigen dokumentierten Methode der enzymatischen Reaktion von Psilocybin zu Psilocin mit Hilfe der pilzeigenen Dephosphorylase als Säure verdünnte Essigsäure und eine zehnminütige Kochzeit eingesetzt wurde. Man kann zwar selbst reinen Essig einigermaßen genießbar machen, wenn man ihn mit genügend Süssstoff versetzt, aber ich empfehle trotzdem Fruchtsaft, des besseren Geschmacks wegen. Zitronensäure und die anderen Fruchtsäuren sind so eng verwandt mit Essigsäure, dass ich keinen Unterschied in der Reaktion erwarte. Allerdings kann es sein, dass die beschriebene Dephosphorylierung nur mit Psilocybe cubensis funktioniert. Die Kaffeekanne (siehe gegenüberliegendes Bild von Hans Vogt) kommt zum Einsatz, um die Pilzmasse während der Extraktion unter der Flüssigkeitsoberfläche zu halten. Die Ascorbinsäure wird als Antioxidans eingesetzt und soll das empfindliche Psilocin so weit wie möglich vor der Oxidation durch Luftsauerstoff schützen. Theoretisch kann Psilo- Punsch im Kühlschrank einen Monat lang aufbewahrt werden, und im gefrorenen Zustand noch länger, aber empfehlen kann ich das nicht. (Die Konzentration kann sich im Laufe der Zeit durch andere enzymatische Abbaureaktionen verringern, und Kontaminanten wie Bakterien oder Schimmelpilze können nicht nur die Wirkstoffe abbauen, sondern auch zu einer Lebensmittelvergiftung führen. Diese Gefahr besteht besonders, wenn der Saft über mehrere Monate in einem Kühlschrank mit integriertem Gefrierfach aufbewahrt wird, da bei dieser Sorte ständig leichte Temperaturschwankungen auftreten.)

Wenn man die PF TEK und die folgenden Rezepte exakt befolgt, erhält man einen Psilo- Punsch, von dem 100ml exakt 10 Gramm der frischen Pilze (oder einem Gramm getrockneter Pilze) bzw. einer Dosis von 7mg der Alkaloide entspricht. Diese Dosis liegt etwas über der minimalen wirksamen Dosis: Das normale Wachbewusstsein ist nicht stärker beeinträchtigt als nach dem Konsum einer moderaten Menge Wein auf leeren Magen [Für viele Menschen ist ein Gramm P. cubensis schon eine deutlich wirksame Dosis; Anm. von St1].

Psilobrei

Der erste Schritt bei der Bereitung eines solchen Psilopunsches ist die Herstellung von Pilzbrei. Für jede Testperson werden 25 Gramm frischer Psilocybepilze in kleine Streifen geschnitten und rasch in eine Kaffee-Presskanne (Bodum- Typ, siehe Bild) gebracht, dazu eine pulverisierte Vitamin-C-Tablette [oder eine Messerspitze Vit.-C-Pulver; Anm. von St1] und 100-150 Milliliter kochenden Fruchtsaftes.

Eine etwas perfektionistischere Methode (besonders geeignet für kalte Extraktion bzw. schmutzige Pilze) gestaltet sich folgendermaßen: Zunächst wird das anhaftende Vermiculit und sonstiger Schmutz mit kaltem Wasser von den Pilzen abgewaschen, danach werden sie für wenige Minuten in einer Lösung aus einem Gramm Vitamin C pro Liter Wasser untergetaucht. Diese Behandlung entfernt blaue Flecken von den Pilzen und steigert ihren Wassergehalt fast auf die maximal mögliche Menge. Nun werden die Pilze ins Eisfach gelegt, der Frost sprengt die Zellwände, so dass die Alkaloide leichter extrahiert werden. Sobald die Pilze hartgefroren sind, werden sie mit 100-150 Milliliter Fruchtsaft und einer Vitamin C-Tablette in einen Küchenmixer getan und zu einem feinen Brei zerkleinert. In Ermangelung eines Mixers kann man die gefrorenen Pilze auch in eine Papiertüte geben und mit einem Schuhabsatz (nicht Hammer!) zu Brei zerstampfen. Welche Methode man auch benutzt, zum Schluss landet der Brei in der Kaffeekanne.

Psilopunsch

Man lässt den Brei unter die Flüssigkeitsoberfläche gedrückt bei niedriger Temperatur stehen. Man gießt den Saft durch ein Teesieb und einen Trichter (nichts verschwenden!) in einen Messbecher (Babyflaschen sind perfekt dafür). Man wäscht die restlichen Alkaloide aus dem Brei, indem man portionsweise mehr Fruchtsaft in die Kaffeekanne gibt, den Matsch abpresst, und durch den Filter in den Messbecher gießt, bis man ein Volumen von 250ml in der Flasche hat. Man verschließt die Flasche und denkt daran, dass dieser Sud 24 Stunden haltbar ist.

Haltbarkeit

Psilopunsch kann nicht sehr lange bei Raumtemperatur gelagert werden, da die wasserlöslichen Pilzenzyme aktiv bleiben und die Alkaloide im Laufe der Zeit zersetzen. Eine Methode, um dieses Problem zu beseitigen, ist, den Punsch für eine kurze Zeit auf 120°C zu erhitzen, was die meisten Enzyme zerstört. Dr. Steven Pollock beschreibt in seinem Buch „Magic Mushroom Cultivation“ von 1977:

„Die Gläser werden nun auf den Bodeneinsatz eines Dampfdruckkochtopfes gestellt und bei einem Druck von 2 bar eine Stunde lang gekocht. Wenn man das tut, sollte die Brühe zusammen mit den Pilzen eingemacht werden. Die entstehende Pilzdosensuppe sollte sich über mehrere Monate – womöglich Jahre – halten. Doch das Einmachen ist riskant; wenn die Sterilisation nicht radikal war, oder die Gläser nachträglich kontaminiert werden, droht dem Enthusiasten eine ernsthafte Lebensmittelvergiftung.“

Andererseits aber kann die lange Kochzeit die Alkaloide zerstören. Der deutsche Forscher Dr. Jochen Gartz beschreibt auf Seite 27 der 1999er Ausgabe seines Buchs „Narrenschwämme“ dass das Psilocybin ab einer Temperatur von 50°C beginnt, sich zu zersetzen. Leider konnte ich keine vergleichbaren Daten zur Stabilität von Psilocin in saurer Lösung finden. Auf den Seiten 65-67 des Handbuchs „The Compleat(sic) Psilocybin Cultivator’s Bible“ (Hongero Press 1976) wird für die fertigen Pilze in Einmachgläsern ein 45- minütiges Kochen bei 2 bar empfohlen, allerdings rät der Autor auch zu einer Dosis von 50 Gramm der Frischpilze, das ist doppelt so viel wie nach meiner Methode. Da ich die Haltbarkeit des Psilopunsches bis zum Abgabetermin des Artikels nicht herausfinden konnte, kann ich denjenigen, die mein Rezept befolgen auch keine Informationen hierzu geben (allerdings hält sich der Trank nach der Sterilisierung sicherlich länger als einen Tag). Diese Dampfdruckmethode könnte auch die Verträglichkeit des Punsches für diejenigen verbessern, die empfindlich auf Pilzproteine reagieren. Andererseits kann die begrenzte Haltbarkeit des kalt zubereiteten Psilopunsches natürlich auch sinnvoll sein, z.B. wenn er verlorengeht oder in die falschen Hände gerät.

Punsch aus Trockenpilzen

In dem oben beschriebenen Rezept kann eine reproduzierbare Dosis nur aus frisch geernteten Pilzen ermittelt werden. P. cubensis, deren Kappen gerade noch goldgelb schimmern, aber noch nicht anfangen zu schrumpeln, können jedoch schon um die 10% ihres Gewichtes verloren haben. Eine 25-Gramm-Dosis dieser Pilze ist also um mehr als 10% kräftiger als erwartet. Noch stärker eingetrocknete Pilze können bis zu zehn mal so stark wirken, wie erwartet.

Um eine sichere Psilocybinerfahrung mit reproduzierbarer Dosis zu gewährleisten, sollte man die Pilze unbedingt verarbeiten, bevor sie eintrocknen können. Sobald man dieses Stadium verpasst hat, ist Trocknen die beste Lösung. Ich empfehle es, die Pilze zunächst in ein Küchensieb zu legen, und mit dem Luftstrom eines Ventilators zu trocknen. Im Winter kann man das Sieb auch über eine Wärmequelle platzieren, ein Fernseher oder Computermonitor erzeugt einen hierfür idealen Warmluftstrom. Allerdings muss man sichergehen, dass die Pilze hierbei nicht über 30°C erhitzt werden.

Nach ca. 24 Stunden, wenn die Pilze fast trocken aber noch geschmeidig sind, werden sie in eine Plastiktüte gestopft und diese (offen) in ein Schraubglas mit einer Schicht Trockenmittel auf dem Boden gebracht. Das Glas wird fest (luftdicht!) zugeschraubt und am besten für eine Woche in den Kühlschrank gestellt; zur Not kann man die Pilze aber auch bei Raumtemperatur trocknen. Danach wird die Plastiktüte fest verschlossen. Die vollständig getrockneten Pilze sollten möglichst im Gefrierfach gelagert werden, man muss sich aber darüber klar sein, dass die meisten Plastiktüten nicht völlig gasdicht sind, und deshalb mit der Zeit Luftfeuchtigkeit durchlassen. In feuchten Pilzen können die Enzyme mit der Zeit die Alkaloide abbauen. Wenn man die getrockneten Pilze länger lagern will, sollte man die Tüte besser in dem fest verschlossenen Schraubglas über Trockenmittel im Gefrierfach aufbewahren. Das Schraubglas kann außerdem mit einem Klebeschild versehen werden, auf dem Spezies/Sorte, Erntedatum und evtl. der Fundort eingetragen werden.

Es gibt unterschiedliche Trockenmittel, aber das beste, das mir unterkam, ist Drierite(tm), eine Mischung aus Calciumsulfat (Anhydrit) und Calciumchlorid. Beide Salze kann man einfach herstellen, indem man Kreidepulver (Calciumcarbo nat) mit kochender [verdünnter] Schwefelsäure bzw. Salzsäure [Vorsicht, Schäumt und ätzt! St1] umsetzt und das Produkt im Backofen scharf trocknet. Allerdings dürfte es in den meisten Fällen einfacher sein, das Drierite zu kaufen, als es herzustellen. Auf jeden Fall aber sollte man es vor der ersten Verwendung im Backofen trocknen.

Psilopunsch aus Trockenpilzen

Man füllt eine Ziploc(tm)-Tüte mit 2.5 Gramm der gut getrockneten Pilze und einer Vitamin-CTablette. Man presst die Luft aus der Tüte, verschließt sie und wickelt einige Schichten Papier um die Tüte. Mit einer Schuhsohle wird der Inhalt zu einem feinen Pulver zerstampft. Wenn der Staub fein genug zermahlen ist, passen die 2.5 Gramm exakt in einen Standard-Kaffeedosierlöffel von 15 Millilitern. (Diese Maßeinheit ist auch sinnvoll, wenn man eine exakte Dosis ohne eine genaue Waage abmessen will.)

Man füllt den Staub in ein Teesieb, platziert das in ein Trinkglas und gießt soviel kochenden Fruchtsaft hinein, dass der Inhalt mit Flüssigkeit bedeckt ist. Man stellt das Glas in den Kühlschrank und lässt es über Nacht stehen. Das Teesieb wird dann in einen Trichter gelegt, der in einem Messbecher (Babyflasche) steht. Man gießt den Saft aus dem Glas über das Teesieb und füllt mit Saft auf, bis genau 250 Milliliter Flüssigkeit aufgefangen sind. Dann entsprechen 100 Milliliter Flüssigkeit genau einem Gramm getrockneter Pilze.

Die Qualität erhalten

Um einen Psilopunsch konstanter, verlässlicher Qualität zu erhalten, sollte man gewährleisten, dass 100ml davon knapp unter der wirksamen Dosis bleiben. Wird diese Bedingung exakt eingehalten, ist die relative Stärke der Pilze nicht länger entscheidend – nur die Stärke des Punsches zählt. Getrocknete, nach der PF TEK gezüchtete Pilze enthalten normalerweise 0.66 bis 1.0% Alkaloide; P. mexicana und P. tampanensis etwas weniger, P. baeocystis, P. cyanescens. P. semilanceata und Panaeolus [Copelandia] cyanescens etwas mehr, und Psilocybe azurescens kann bis doppelt so stark sein. Ein korrekt zubereiteter Psilopunsch sollte aber immer einheitlich so zubereitet sein, dass weniger als ein halbes Weinglas, auf leeren Magen getrunken, keinerlei psychoaktiven Effekt hat. Wenn zum ersten Mal Psilopunsch konsumiert wird, trinkt man nicht mehr als hundert Milliliter (ein Weinglas) pro Stunde auf leeren Magen. Mit geringen Dosen kann man die persönliche Empfindlichkeit, etwaige Beschwerden usw. in entspannter Stimmung feststellen.

Medizinische Eigenschaften

Laut Pollock „erzeugen geringe Dosen zwar keine farbenfrohen Visionen, bieten aber interessante und wertvolle Erfahrungen.“ Mit die wertvollsten dieser Ergebnisse sind z.B. die Linderung von schwer therapierbaren Zwangsneurosen [i.O: obsessive compulsive disorder. St1] (einer chronischen, nervenzehrenden psychogenen Störung) oder von Clusterkopfschmerzen, der schlimmsten Form von Migräne. Die Diskussion der medizinischen Einsatzmöglichkeiten von Psilopunsch würden den Rahmen dieses Artikels sprengen (siehe http://www.erowid.org/plants/mushrooms/ mushrooms_medical1.shtml für weiterführende Informationen), aber ich glaube, dass Psilopunsch das ganzheitliche Ideal einer Pilzzubereitung mit medizinischen, spirituellen und wohlschmeckenden Eigenschaften in sich vereint.

Alternativen

Man sollte allerdings die kulinarischen Eigenschaften der Psilocybepilze nicht überbewerten. Während die psychoaktiven Effekte der Psilocybearten – besonders in der zweiten Stunde nach Einnahme – sehr stark mit denen von Cannabis harmonieren, kann man dasselbe nicht von den Wirkungen auf den Appetit behaupten. Der Magen der meisten Menschen „schrumpft“ gewaltig, sobald die Alkaloide zu wirken beginnen – egal, ob voll oder leer! Der schlaue Psilonaut nimmt daher den Pilzpunsch ein, wenn er sehr hungrig ist. Das erzeugt zwar am Anfang ein unbehagliches Gefühl, aber nach einer Stunde würde man sich sehr viel unbehaglicher fühlen, wenn man etwas gegessen hätte. Kalorienreiche Pilzmilchshakes, Omelettes, Pizzas, Suppen und andere Gerichte sind nicht zu empfehlen, jedenfalls nicht von mir! (Obwohl derartige Rezepte analog zu Cannabis durchaus im Umlauf sind.)

Eine Alternative zu Psilopunsch ist es, einen Pilztee zu kochen. Ein sehr sinnvolles Rezept stammt aus Paul Stamets‘ Buch „Psilocybin Mushrooms of the World“ (Ten Speed Press, 1996), der umfassendsten Darstellung, die zur Zeit zu diesem Thema erhältlich ist. Auf Seite 50 erwähnt er „Cruz Sud“ wie folgt:

„Ihr braucht zwei Kessel. Bereitet im einem Kessel einen Kräutertee zu – der beste, den wir finden konnten, besteht aus einer Mischung von Orangenschalen, Nelken, Muskatnuss und Zimt. Gebt genügend Wasser hinzu, für jede Dosis eineinhalb Tassen. Lasst das Wasser aufkochen und danach schwach sieden. Gebt die gehackten oder zerbröselten Pilze in den zweiten Kessel. Umwickelt den zweiten Kessel mit einem Handtuch, um die Wärme zu halten und gießt den heißen Tee durch ein Sieb zu den Pilzen. Hin und wieder umrühren! Eine Stunde ziehen lassen, danach teilt pro Person und Dosis eine Tasse aus. Nach 10-20 Minuten wird der Tee ausgeteilt[3]. Mit einem Gramm getrockneter oder 10 Gramm frischer Pilze pro Tasse kann die Dosis genau aufgeteilt werden.Der übrig bleibende Bodensatz wird auch gleichmäßig verteilt und aufgegessen.“

Ein großer Vorteil des Pilztees im Vergleich zu Psilopunsch ist die kürzere Zubereitungszeit. Der größte Nachteil ist, dass man bei der letzteren Methode die Pilze mit essen muss, vor allem wenn man andere Sorten als Cubensis benutzt. Psilocybe semilanceata zum Beispiel gibt seine Alkaloide nicht so leicht in die Lösung ab. Man hat noch nicht herausgefunden, warum das so ist, aber wenn man diese Tatsache übersieht, bekommt man einen schwachen Tee mit einem hoch aktiven Bodensatz und verteilt die Alkaloide eventuell sehr ungleichmäßig an eine Gruppe von Teilnehmern. Außerdem droht hierbei eine größere Gefahr von Übelkeit, denn nicht jede[r] verträgt Chitin, das Polysaccharid, aus dem die Zellwände der Pilze aufgebaut sind.

Eine andere Möglichkeit ist der alkoholische „blue juice“ (Blaue Saft), der ebenfalls in Psilocybin Mushrooms of the World beschrieben wird:

„… die zerbröselten [getrockneten] Pilze in 75%igem Alkohol einweichen. Nach zwei bis drei Tagen kann man die Feststoffe abfiltern und erhält ein dunkelblaues Elixier, das entsprechend umgefüllt werden kann. Für jeweils 5 Gramm frisch getrockneter Pilze[5] wird eine Alkoholmenge von 25-50 Millilitern empfohlen. Psilocybin und Psilocin sind in dieser Konzentration löslich und der Alkohol dient als Konservierungsstoff.“

Dieser Extrakt ist vorteilhaft, da er nur 1/10 Volumen von Psilopunsch hat, und wegen der desinfizierenden und enzymhemmenden Wirkung des Alkohols. Es wird zwar oft empfohlen, Alkohol in der Kombination mit Pilzen zu vermeiden, aber die Erfahrung mit wenigen Millilitern zu beginnen, sollte kein Problem sein. Diese Menge hilft oft, das „Lampenfieber“ zu mindern, das häufig den Anfang eines Trips begleitet, und Wirkung des Alkohols klingt bereits ab, wenn die Alkaloide richtig loslegen.

Das alkoholische Elixier wird auch niemand versehentlich mit normalem Fruchtsaft verwechseln. In dem beschriebenen Rezept werden alle Pilzbestandteile vom Punsch abgefiltert, und der Extrakt hat keinen warnenden Geruch oder seltsamen Geschmack. Es gab schon Berichte darüber, dass diese Eigenschaften benutzt wurden, um solche Mituren durch Konzerttüren, Festivalzäune und sogar Zollstationen zu befördern[4], es ist aber normalerweise eine gute Idee(tm), in den Saft etwas Salz und ein paar Tropfen Lebensmittelfar be zu mischen, als redliche Warnung, dass dies nicht die Sorte von Saft ist, mit der man einen Arbeitstag beginnen will – schützt Eure Mitbewohner vor einer saftigen Überraschung!

Anmerkungen

  • [1] Psilocybe Fanaticus und ich haben uns im Artikel „Mushroom Cultivation: From Falconer to Fanaticus and Beyond“ auf den Namen „Stropharia“ für den Pilz „Slim Matias Romero“ geeinigt.
  • [2]Es ist nicht immer die beste Entscheidung, das Psilocybin in Psilocin umzuwandeln. Im demnächst erscheinenden Trout’s Notes „Some Simple Tryptamines – A Brief Overview and Resource Compendium“ (Einige einfache Tryptamine – Kurzes Übersichts- und Quellenhandbuch), erwähnt der Autor, dass Psilocybin im Vergleich zu Psilocin eine halb so starke Blutdruckwirkung hat, 82% schwächer serotoninantagonistisch wirkt und eine 97% schwächere Steigerung der Körpertemperatur auslöst (zitiert nach: Cerletti et al. 1968). Das ist von besonderer Bedeutung, wenn die Pilze mit MDMA konsumiert werden sollen. [Siehe auch Entheogen Review Frühjahrs Tagundnachtgleiche 2002, pp. 20-21 zur Erörterung des Serotoninsyndroms.
  • [3]Die Zeitangaben in diesem Zitat sind verwirrend. Erst soll der Tee mit den Pilzen eine Stunde lang ziehen, dann heißt es, man solle 10-20 Minuten warten, bevor man den Tee verteilt. Sollen die Teilnehmer den Tee dann kalt trinken? Wir haben uns darauf geeinigt, die Pilze 15 Minuten in dem heißen Tee ziehen zu lassen, und dann zu trinken. Außerdem sollte normaler Beuteltee aus dem Laden nur fünf Minuten lang ziehen.
  • [4]Das ist nur möglich, weil die Pilzalkaloide nicht auf der „Drugs of Concern“ – Prioritätsliste der DEA (http://www.usdoj.gov/dea/concern/ concern.htm) verzeichnet sind. Unter anderem bedeutet das, dass während einer normalen Gepäckröntgenkontrolle nicht danach gesucht wird, während andere Substanzen hierbei angezeigt werden. Auch die meisten Blut- Haar- und Urintests sind zur Zeit nicht zum Nachweis von Pilzmetaboliten geeignet. http://www.erowid.org/plants/mushrooms/ mushroom_testing.shtml)
  • [5] Ich bin’s, St1, der Übersäzzer ;-). Im amerikanischen Original wie auch im Zitat heißt es, man solle 25-50ml 75%igen Alkohol pro 5 Gramm frische Pilze nehmen. Dann würde man aber pro Dosis 90-180 Gramm reinen Alkohol zu sich nehmen, was ca. 2-4 Litern Bier entspricht. Ich halte weder den Autor noch Stamets für eine derartige Schnapsnase und habe das „frische“ daher stillschweigend als „frisch getrocknete“ verstanden. ■

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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