Keine Beeinträchtigung der Intelligenz von Jugendlichen durch Cannabis

Jugendlichen Eines der großen Märchen um Cannabis dreht sich darum, dass sein Konsum negative Auswirkungen auf die Intelligenz hat, vor allem im Jugendalter. Im Januar 2016 wurden die Ergebnisse von zwei Studien mit Jugendlichen veröffentlicht, die feststellen, dass der Cannabiskonsum nicht der Hauptfaktor für einen geringeren IQ oder schlechtere Schulleistungen ist.

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Eines der großen Märchen um Cannabis, das außerdem zum Klischee der Popkultur geworden ist, dreht sich darum, dass sein Konsum negative Auswirkungen auf die Intelligenz hat, vor allem im Jugendalter. Im vergangenen Januar wurden die Ergebnisse zweier Studien mit Jugendlichen veröffentlicht, die besagen, dass der Cannabis-Konsum nicht der Hauptfaktor für einen geringeren IQ oder für schlechtere Schulleistungen ist.

Seit dem Verbot von Cannabis hat die durch den Film „Reefer Madness“ angetriebene Propaganda gegen die Pflanze diese als Substanz beschrieben, die zweifellos vor allem Jugendliche und Heranwachsende mental schädigt. Über die Jahrzehnte hat sich diese Idee festgesetzt und den Mythos in ein Klischee der Popkultur verwandelt, und daher machen sich viele auch heute noch Sorgen, dass sich Cannabis konsumierende Jugendliche verschiedenen kognitiven und psychologischen Wirkungen aussetzen.

Keine Beeinträchtigung der Intelligenz von Jugendlichen durch CannabisDie Propaganda der Reefer Madness-Ära besagte, dass Cannabis Jugendliche geistig schädigt (CC. Chuck Cocker)

Obwohl Studien über die kognitiven Auswirkungen von Cannabis veröffentlicht wurden, die Cannabis mit  kognitiven Defiziten in Zusammenhang bringen,  wie mit dem Gedächtnisverlust und mit einem niedrigeren Intelligenzquotienten, sind viele dieser Studien methodisch inkonsistent und weisen widersprüchliche Ergebnisse auf, weshalb das Vorliegen eines realen Risikos nach wie vor umstritten ist.

Zwei wissenschaftliche Studien bestätigen dies

Im Januar dieses Jahres wurden die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die den Konsum von Cannabis durch Jugendliche nochmals in den Fokus stellt. Eine Gruppe von Wissenschaftlern ist endlich einen Schritt weiter gegangen und hat die erste Studie folgender Art durchgeführt: Der Konsum von Cannabis wurde bei jugendlichen Zwillingen langfristig analysiert, indem Veränderungen des IQs eines Zwillings, der Cannabis konsumiert, mit dem seines Zwillingsbruders, der kein Cannabis konsumiert, über einen Zeitraum von 10 Jahren verglichen wurden.

Die Ergebnisse wurden wenige Tage nach der Veröffentlichung einer ähnlichen Studie im Januar 2016 vorgestellt. Bei dieser Studie hatte eine Gruppe von Forschern aus Großbritannien festgestellt, dass der Konsum von Cannabis in keinem Zusammenhang mit dem IQ oder mit den schulischen Leistungen von Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren steht.

Die Schlussfolgerungen, zu denen beide Gruppen von Wissenschaftlern gelangen, widerlegen die älteren Studien, bei denen als Ergebnis veröffentlicht wurde, dass der Konsum von Cannabis das sich bei Jugendlichen noch in der Entwicklung befindliche Gehirn schädigen kann. Die neueren Studien stellen nun fest, dass der Konsum von Cannabis nicht der Hauptfaktor für einen geringeren Intelligenzquotienten (IQ) oder für schlechtere schulische Leistungen ist.

Eine wissenschaftliche Studie mit jugendlichen Zwillingen

Im Januar 2016 wurde die Studie veröffentlicht mit dem Titel: „Impact of adolescent marijuana use on intelligence: Results from two longitudinal twin studies“ („Auswirkungen von Cannabiskonsum im Jugendalter auf die Intelligenz: Ergebnisse von zwei Längsschnittstudien mit Zwillingen“), erschienen in Proceedings of the National Academy of Sciences. Das von Nicholas J. Jackson von der University of Southern California (USC) geleitete Forschungsteam führte eine Längsschnittstudie durch, um die potenziellen Auswirkungen des Cannabiskonsums auf den Intelligenzquotienten von eineiigen jugendlichen Zwillingen zu testen, die über die gleichen Gene und die gleiche Vorbildung verfügen und von denen einer Cannabis regelmäßig konsumiert und der andere nie.

Um diese neue Studie durchzuführen, haben die Forscher die Statistiken aus zwei anderen Studien über Zwillinge im Jugendalter zur Auswertung zusammengeführt. Konzentriert haben sie sich auf mehr als 3000 Personen, genau gesagt auf 3066 Jugendliche, mit denen sie Intelligenztests durchgeführt haben, als diese zwischen 9 und 12 Jahre alt waren, also vor dem Beginn ihres Cannabiskonsums. Über einen Zeitraum von 10 Jahren führte das Team sodann fünf Intelligenztests und vertrauliche Befragungen über den Konsum von Cannabis durch. Die Jugendlichen wurden auch auf ihren Konsum anderer Substanzen wie Schmerzmittel, Opiate, Kokain und auf exzessiven Alkoholkonsum hin befragt.

Danach wurden die Ergebnisse dieser Tests mit den Tests abgeglichen, die mit den Teilnehmern durchgeführt wurden, als sie zwischen 17 und 20 Jahren alt waren. Dabei wurden Veränderungen bei den Punktzahlen der IQ-Tests registriert, um die Differenz zwischen einem Jugendlichen, der Cannabis konsumiert, und seinem nicht-konsumierenden Zwillingsgeschwisterteil zu bestimmen und um festzustellen, ob eine Verschlechterung im Falle des Cannabiskonsums stattgefunden hat.

Keine Beeinträchtigung der Intelligenz von Jugendlichen durch CannabisÜber einen Zeitraum von 10 Jahren wurden verschiedene Intelligenztests und Befragungen zum Konsum von Cannabis und anderen Substanzen durchgeführt (CC. Alberto G.)

Nach Angabe der Forscher waren sie bei der Untersuchung der Wirkungen des Cannabiskonsums bei Zwillingen in der Lage, die Variablen möglicher Interferenzen wie durch Merkmale der familiären Vorgeschichte und durch genetischer Veranlagungen auszugleichen. Da Zwillinge für gewöhnlich im gleichen Haushalt aufwachsen und den Großteil oder die gesamte DNA-Zusammensetzung gemeinsam haben, konnte man bei einem Vergleich sehr präzise Schlüsse ziehen.

Es wurde beobachtet, dass diejenigen, die in diesem Zeitraum mit dem Cannabiskonsum begonnen hatten, die Tendenz aufwiesen, eine Intelligenz auf geringerem Niveau zu entwickeln als die Nicht-Konsumenten. Sie haben jedoch auch festgestellt, dass die Zwillinge, die kein Cannabis konsumierten, am Ende ebenfalls eine geringere Intelligenz aufwiesen – was darauf hinwies, dass der geringere IQ nicht ein Resultat des Cannabiskonsums ist. Dieses Ergebnis könnte vielmehr durch eine Reihe von Faktoren des Kontexts bestimmt worden sein, wie etwa das familiäre Umfeld oder die genetischen Voraussetzungen, statt den Konsum von Cannabis als Hauptfaktor für diese geringeren Werte anzusehen.

Jackson und sein Team fanden heraus, dass jedenfalls keine Dosis-Wirkung-Beziehung zwischen dem Konsum von Cannabis und einer Verschlechterung des IQ festgestellt werden kann. Und nicht nur das. Sie bestätigten außerdem, dass beim Vergleich zwischen Cannabiskonsumenten und ihren nicht-konsumierenden Zwillingsgeschwistern keine signifikative Differenz bei der intellektuellen Leistungsfähigkeit festgestellt wurde. Diese Korrelation trifft sogar auf die Probanden zu, die Cannabis mehr als 30 mal geraucht bzw. täglich über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten konsumiert hatten.

Letztlich weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass ihre Untersuchung sich von vorherigen Studien zu diesem Thema unterscheidet, da es sich um eine Längsschnitt- und keine Querschnittstudie handelt. D. h. es wird eine Überwachung des Verhaltens und der Entwicklung der Subjekte über einen langen Zeitraum durchgeführt, anstatt lediglich eine Teilnehmergruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beobachten. Dieser Ansatz stellt zuverlässigere Daten zur Verfügung, da er den Forschern gestattet zu beobachten, wie eine Reihe von Faktoren die Entwicklung eines Jugendlichen beeinflussen kann, und die tatsächlichen Gründe der Verminderung des IQ zu identifizieren, anstatt einfach Cannabis dafür verantwortlich zu machen.

Die Konsumenten von Cannabis verloren im Laufe der Studie etwa vier IQ-Punkte , ihre abstinenten Zwillingsgeschwister wiesen jedoch einen ähnlichen Rückgang auf, was nahelegt, dass dieser Verlust geistiger Leistungsfähigkeit auf etwas anderes als Cannabis zurückzuführen sein muss, so Jackson. „Unsere Ergebnisse bringen uns zu der Annahme, dass dieses „andere“ im Zusammenhang mit Faktoren aus der gemeinsamen Umgebung der Zwillinge steht, was das Zuhause, die Schule oder die Freunde einschließt.“

Keine Beeinträchtigung der Intelligenz von Jugendlichen durch CannabisZwei Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Cannabis nicht für einen geringeren Intelligenzquotienten (IQ) verantwortlich ist (CC. David Mulder)

Eine weitere Studie mit Jugendlichen

Nur einige Tage zuvor wurden ebenfalls im Januar 2016 die Ergebnisse einer ähnlichen Studie unter dem Titel  Are IQ and educational outcomes related to their cannabis use? A prospective cohort study” („Stehen IQ und schulische Leistungen im Zusammenhang mit dem Konsum von Cannabis? Eine prospektive Kohortenstudie“) in der Zeitschrift Journal of Psychopharmacology veröffentlicht, die im Grunde genommen zu denselben Ergebnisse kam wie das Team von Jackson.

Bei dieser von britischen Forschern durchgeführten Studie wird versucht, Antworten auf die große Debatte über die Wirkung des Cannabiskonsums auf intellektuelle und schulische Leistungen von Jugendlichen zu geben. Das Team untersuchte dazu die Beziehungen zwischen dem Cannabis-Konsum bei Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren, ihrem Intelligenzquotienten und ihren schulischen Leistungen. An der Studie nahm eine Gruppe von 2235 Jugendlichen – darunter keine Zwillinge – aus Großbritannien teil, von denen 24% angaben, Cannabis schon mindestens einmal probiert zu haben.

Anhand der statistischen Auswertung und nachdem potenzielle Störfaktoren wie Depressionen im Kindesalter, Verhaltensprobleme und der Zigaretten- und Alkoholkonsum ausgeblendet wurden, haben die Forscher festgestellt, dass die Ergebnisse von Jugendlichen, die Cannabis in 50 oder mehr Fällen konsumiert hatten, keine Unterschiede im Vergleich zu denen aufwiesen, die noch nie Cannabis konsumiert hatten, sowohl hinsichtlich des IQ als auch der schulischen Leistungen.

Interessant dabei ist, dass sogar nach dem Ausblenden der Ergebnisse der Konsumenten von Cannabis die Tabakraucher deutlich schlechtere schulische Leistungen aufwiesen. Dies zeigt, dass eine starke Verbindung zwischen dem Zigarettenkonsum und der schulischen Leistung besteht. All das weist darauf hin, dass der Cannabiskonsum keinen geringeren IQ bei Jugendlichen erwarten lässt und auch in keinem Zusammenhang mit einem geringeren IQ oder einer geringeren schulischen Leistung eines Jugendlichen steht.

Keine Beeinträchtigung der Intelligenz von Jugendlichen durch CannabisJugendliche Tabakraucher wiesen dabei schlechtere schulische Leistungen als die Cannabiskonsumenten auf (CC. Brainbitch)

Die Forscher stellten abschließend fest: „Zusammengefasst konnte die Vorstellung, dass der Cannabiskonsum an sich einen ursächlichen Zusammenhang mit einem niedrigeren IQ und einer geringeren schulischen Leistung hat, bei dieser großen Auswahl an Jugendlichen nicht bestätigt werden.“

Die Tragweite dieser Studienergebnisse

Die Klischees und falschen Vorstellungen, die Befürworter des Cannabis-Verbots in das kollektive Bewusstsein eingepflanzt haben, sind zahlreich. Aber es fällt ihnen immer schwerer, Behauptungen aufrecht zu erhalten, die dank solcher aktuellen Studien widerlegt sind. Die wissenschaftlichen Untersuchungen sind von grundlegender Bedeutung, um die Zweifel und Ängste all jener auszuräumen, die sich noch nicht damit anfreunden können, die weltweite Aufhebung der strikten Auflagen gegen Cannabis zu unterstützen.

Obwohl die Bewegung für die Legalisierung von Cannabis unaufhörlich wächst und alles unternimmt, um über die Wirkungen von Cannabis besser informiert zu sein und sie besser zu verstehen, und obwohl die medizinische Forschungsgemeinde immer neue Entdeckungen macht, brauchen wir noch mehr Möglichkeiten, Untersuchungen über diekognitiven Wirkungen von Cannabis durchzuführen. Dafür jedoch müsste man die Substanz Personen verabreichen und dabei beobachten, wie Dauer, Häufigkeit und Dosis das Gehirn tatsächlich beeinflussen. Solche Studien sind jedoch aufgrund der derzeit geltenden Auflagen fast unmöglich durchzuführen. Wir brauchen daher unbedingt einen klaren gesetzlichen Rahmen zur Regulierung von Cannabis, und zwar aus vielen Gründen.

 

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