IV. Insekten

Apidae, Biene

Apis mellifera


Es ist derzeit nicht geklärt, ob das Bienengift bzw. ein Bestandteil dessen für die psychoaktive Wirkung mancher Honigsorten verantwortlich gemacht werden kann, wahrscheinlich ist es jedoch nicht. Bienen produzieren nämlich hauptsächlich aus solchen Pflanzen entheogenen Honig, die selbst psychoaktive bzw. giftige Wirkstoffe enthalten, z.B. Aconitum spp, Atropa spp., Brugmansia spp., Cannabis spp., Euphorbia spp., Ipomoea spp., Ledum spp., Paullinia spp., Rhododendron spp., Taxus spp. oder Turbina spp.

Inhaltsstoffe: ? (s.o.)

Psychoaktive Gattungen:

✧  Apis spp.; davon als aktiv2 bekannte Art: Apis mellifera (Syn.: Apis mellifica; Traditionelle Namen: Honigbiene, Honey bee)

✧  Melipona spp. (Wildbiene)

✧  Trigona spp. (Wildbiene)

Coccinellidae, Marienkäfer

Coccinella septempunctata


Anscheinend enthalten einige Marienkäferarten (so z.B. Coccinella septempunctata) Cantharidin, den Hauptwirkstoff der Spanischen Fliege (siehe nächsten Punkt) (Müller-Ebeling et Rätsch 2003: 641). Der bis zu 8 Millimeter große Marienkäfer kommt in ganz Europa vor und gilt als Glückssymbol.3

Inhaltsstoffe: Cantharidin

Psychoaktive Gattungen:

Coccinella spp.; davon als aktiv bekannte Art: Coccinella septempunctata (Traditioneller Name: Siebenpunkt Marienkäfer, Lady bird)

Meloidae, Ölkäfer

Lytta vesicatoria


Der als Spanische Fliege bekannte Ölkäfer (Lytta vesicatoria) ist ein beliebtes aber auch umstrittenes, weil gefährliches Aphrodisiakum. Auch andere Gattungen der Meloidae (Mylabris, Cantharis, Pseudomeloe) enthalten gleiche Inhaltsstoffe wie Lytta und werden analog genutzt.

Inhaltsstoffe: Cantharidin

Psychoaktive Gattungen:

✧  Lytta spp.; davon als aktiv bekannte Arten: Lytta vesicatoria (Syn.: Cantharis vesicatoria; Traditionelle Namen: Spanische Fliege, Blister beetle, Spanish Fly), Lytta gigas (Traditioneller Name: Blaue Kantharide), Lytta coelestina

✧  Mylabris spp.; davon als aktiv bekannte Arten: Mylabris fasciata, Mylabris oculata, Mylabris cericea, Mylabris phalerata, Mylabris cichorii

✧  Cantharis spp.; davon als aktiv bekannte Art: Cantharis vellata

✧  Pseudomeloe spp.


Exkurs: Weitere Cantharidin-haltige Käfer

Es existieren weitere Cantharidin-haltige Käfer-Gattungen (die man als Kanthariden bezeichnet), die allerdings nicht den weltweiten Popularitätsstatus der originären Spanischen Fliege oder ihrer Substitute und Analoge besitzen.

Zwei Käferarten, nämlich Decavatta lunata Palles und Elicita wahlbergia Fabr. werden bei Müller-Ebeling et Rätsch (2003: 641) angegeben. Meine Recherche führte diesbezüglich ins Leere. Keine mir zugängliche Quelle (inkl. Google-Websuche) kannte auch nur die Gattungsnamen Decavatta und Elicita. Auch für die im selben Werk, auf selber Seite als Cantharidin-haltig angegebenen Rosenkäfer (Cetonidae), die in Ägypten gegen Tollwut angewendet werden, fand ich, bis auf die Originalliteraturstelle bei Leuenberger (1972: 114), keine weitere Bestätigung. Allerdings gehe ich davon aus, dass die Angaben der Wahrheit entsprechen und bislang einfach keine ausreichende Forschung betrieben wurde. Ich werde weiter recherchieren und bin für Hinweise dankbar. Nach einer nun dringend notwendigen ausreichenden Analyse und Forschungstätigkeit müssen die Cetonidae vermutlich künftig als expliziter Punkt in die Übersicht aufgenommen werden.

Formicidae, (Schuppen-)Ameise

Myrmecocystus spp.

Bislang ist nur die Gattung Myrmecocystus aus Kalifornien als psychoaktiv identifiziert worden. Kalifornische Indianer schluckten zu Initiationszwecken die lebendigen, in Adlerflaum gepackten Ameisen, um eine entheogene Wirkung zu erzielen. Der psychotrope Wirkstoff wurde anscheinend durch Bisse in die Magen- oder Bauchwand übertragen.4

Inhaltsstoffe: Nepetalacton Actinidin (ein psychotroper Wirkstoff der Katzenminze!) im Ameisengift.

Psychoaktive Gattung:

✧  Myrmecocystus spp. (Honigameise)

Exkurs: Eine halluzinogene Mottenlarve?

Auf den Internetseiten von Earth und Fire Erowid (www.erowid.org)5 [Erowid: Artikel auf Seite 317 — Anm. Herausgeber] findet sich ein Artikel aus dem „Journal of Ethnopharmacology“ von 1984 mit dem Titel „A Pointer to a New Hallucinogen of Insect Origin“6 vom Australier E.B. Britton7. Hier geht es um einen psychoaktiven Wurm, genauer gesagt um eine Made, die vermutlich die Larve der Mottenspezies Myelobia smerintha Huebner ist. Der französische Forscher Augustin de Saint-Hilaire (1779-1853) berichtete 1830 als erster8 von der Gewohnheit der Malalis, einem ostbrasilianischen indigenen Volk, diese ‚bichos da tacuara‘ (Bambuswurm, bamboo worm) genannte Made zu psychotropen Zwecken zu essen. Die Larve findet sich zur Blütezeit des Bambus in dessen Stämmen und bewirkt wohl einen Effekt, der mit der trauminduzierenden Wirkung des Traumgrases Calea zacatechichi oder sogar ein wenig mit Opium vergleichbar ist9 (Britton 1984; Ott 1996: 414).

Familie Genus Wirkstoffe
Insekten
Apidae, Biene Apis spp. ?
Melipona spp.
Trigona spp.
Coccinellidae,Marienkäfer Coccinea spp. Cantharidin
Meloidae, Ölkäfer Lytta spp. Cantharidin
Formicidae, (Schuppen-)Ameise Myrmecocystus spp. Actinidin

1 Moscher zitiert die DPA Depesche vom 28.05.1998

2 Wie oben zu lesen ist, ist höchstwahrscheinlich nicht die Biene selber aktiv, sondern manche von ihr produzierten Honigsorten.

3 Sowohl der Marienkäfer als auch der Fliegenpilz stellen gleichermaßen Glückssymbole dar. Auffällig ist dabei, dass der rote rundliche Käfer mit seinen schwarzen Punkten einen interessanten Kontrast zum roten rundlichen Fliegenpilz mit seinen weißen Punkten (Velumresten) bildet.


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