Ibogawurzel – ein Erfahrungsbericht

Joachim G.

Am späten Nachmittag probierte ich von dem, wegen der totalen Trocknung schon teilweise pulverisierten Iboga, eine Dosis von etwa einem gestrichenen Teelöffel. Diese Menge entspricht wohl nicht mehr als schätzungsweise 2g.

Diese kleine Menge behielt ich ziemlich lange im Mund, so dass über Enzyme schon ein gewisser Teil des Wirkstoffes über die Mundschleimhaut aufgenommen wurde und schnell zu wirken begann. Pulverisierte Wurzelhaut ist ja ein Konzentrat und enthält natürlich erheblich mehr Ibogain oder Voacian als die üblichen 2%, die man aus Wurzeln extrahieren kann.

Da dieser Tag nicht mit stressigen Beschäftigungen überladen war, konnte ich mich bewusst auf die Wirkung konzentrieren und in mich hineinhören.

Als erstes merkte ich etwas zunächst nebensächliches, nämlich dass meine Zahnschmerzen verschwanden unter denen ich seit wenigen Tagen litt. Einem bevorstehenden Zahnarzttermin sah ich mit Ruhe entgegen.

Ich war absolut motorisch aktiv mit banalen Dingen wie Aufräumen meines Büros, Ordnen von Papierkram und ähnlichem beschäftigt und hielt immer wieder erstaunt inne weil meine Gedanken unglaublich intensiv um meine vor 8 Jahren verstorbene Mutter kreisten, die ich sehr liebte. Ein Auslöser mag ein Bild auf meinem Schreibtisch gewesen sein. Nur dieses Bild sehe ich ja sonst auch ohne in Reminiszenzen zu verfallen.

Diese Phänomen ging so weit, dass ich immer wieder in meinem Beschäftigungsdrang inne hielt und mich auf die ungeheure Flut von Bildern einließ, die mein Bewusstsein durchströmten. Ich kann mich nicht erinnern seit ihrem Tod ein so plastisches, klares Tagtraumerlebnis mit meiner Mutter gehabt zu haben. Ich sah Bilder aus frühester Kindheit, Gespräche und problematische Situationen mit ihr als ‚Halbstarker‘, Spaziergänge mit ihr vor besonders wichtigen Weichenstellungen z.B. Diskussionen vor meiner einjährigen Reise nach China nach dem Ende meines Psychologiestudiums.

Ich war richtig fasziniert von den unendlich vielen unterschiedlichen und dabei kristallklaren visuellen Erinnerungen, wobei auch noch der sinngemäße Faden der Gespräche völlig nachvollziehbar war.

Dieser außergewöhnlich klare Zustand dauerte etwa 1½h. Ich nahm keine zweite Dosis von Iboga an diesem Tag, verspürte aber trotz dieser mentalen Anstrengung bis abends keine Müdigkeit und ging wie gewohnt gegen 22.30 Uhr zu Bett.

Ich hatte eine wunderbare Nacht im Tiefschlaf – allerdings mit einer gigantischen Traumarbeit. Als ich am nächsten Morgen erwachte – ich stehe meist gegen 6 Uhr auf -hatte ich das Gefühl, ich saß die ganze Nacht in der ersten Reihe bei einem Film-Festival. Diesmal blieb ich noch etwas liegen und ließ nochmals einen Teil der Bilder ablaufen. Ich träume im allgemeinen enorm viel, insofern kann ich beurteilen, dass diese Nacht ein Feuerwerk an Assoziationen war, an die ich mich in wachem Zustand noch bestens erinnern konnte.

Ja, Iboga hat was außergewöhnliches.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“


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