Ibogain als Therapie

Sandra Karpetas spricht …

Jon Hanna (T.E.R. Vol XIII #1, S. 1-11; Übersetzung: Anna Steinacker)
mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

SANDRA KARPETAS ist Projektkoordinatorin am Iboga Therapy House, einem Suchtzentrum in Vancouver, British Columbia, Kanada, das Ibogain zur Suchtbekämpfung verwendet. Für diesen Dienst verlangen sie nicht einen Cent. Obwohl Ibogain in den USA verboten ist, ist es in Kanada nicht spezifisch gelistet. Jedoch selbst wenn Ibogain in den Staaten legal wäre, so wäre die Behandlung im Iboga Therapy House dort verboten, da die Food and Drug Administration die Verwendung nichtgenehmigter, experimenteller Medikation untersagt. Interessanterweise ist einer der Gründe, warum im Therapy House mit Ibogain gearbeitet werden darf, der, dass keine Ärzte in den Behandlungsprozess eingebunden sind. MARC EMERY zufolge, der derzeit den einzigen Geldgeber für das Therapy House darstellt, wären Ärzten durch verschiedene medizinische Reglementierungen die Hände gebunden und sie könnten die Therapie nicht entsprechend durchführen. Dadurch, dass die Ärzte nicht eingebunden sind, kann der therapeutische Prozess überhaupt erst stattfinden. Darüber hinaus würde ein komplett anderes Regelwerk die Therapie behindern, wenn das Therapy House für seine Leistungen Geld verlangen würde. Was am Iboga Therapy House geschieht, ist ein wohlüberlegter und feinfühliger Drahtseilakt, der es Süchtigen ermöglicht, sich von ihrer Abhängigkeit mittels einer Behandlung mit Psychedelika zu befreien. Um die Privatsphäre der behandelten Personen und den Heilungsprozess zu schützen, wird die Adresse des Iboga Therapy House nicht veröffentlicht. An einem kühlen Tag im Spätfrühling sprach ich mit Sandra über ihr anfängliches Interesse an Psychedelika, ihre Arbeit auf dem Gebiet der Schadensbegrenzung und darüber wie sie schließlich Teil dieses innovativen philanthropischen Suchtbehandlungszentrums wurde.

Jon: Wann hast du angefangen, dich für Psychedelika zu interessieren?

Sandra: Betrachtest du Cannabis als Psychedelikum? Wenn das der Fall ist, ich war zehn Jahre alt, als ich meinen ersten Joint rauchte. Das war zusammen mit meiner Mutter und einer Freundin. Während meiner Kindheit hatte ich unzählige Male Bronchitis wie auch Asthma. Meine Mutter hatte davon gehört, dass Cannabis gegen Asthma helfen könnte, also sagte sie: „Okay, ich lasse es dich versuchen. Aber du darfst es unter keinen Umständen allein nehmen. Es wird eine Aktivität unter Aufsicht sein.“ Also rauchte ich meinen ersten Joint im Alter von zehn Jahren, mit dreizehn rauchte ich allerdings schon relativ regelmäßig.

Jon: Hat deine Mutter Cannabis geraucht?

Sandra: Nein.

Jon: Sie hatte nur davon gehört, dass es medizinisch gesehen hilfreich sein könnte. Wie war ihre Einstellung zu Drogen wie Cannabis und Psychedelika?

Sandra: Sie hatte keine wirklichen Informationen darüber. Sie kannte die ganze Propaganda darüber, dass Cannabis gefährlich sein soll, also machte sie sich ernsthafte Sorgen darüber.

Jon: Es brauchte eine ganz schön mutige Mutter, um aus Sorge um die Gesundheit ihrer Tochter ein Medikament zu versuchen, demgegenüber sie nicht nur skeptisch eingestellt war, sondern auf dem auch noch das ganze Gewicht der Anti-Drogen-Propaganda lastete. Interessierte sie sich für Naturheilkunde, hatte sie einen Hang zu natürlichen Heilmitteln?

Sandra: Nicht wirklich, nein. Es lag zum größten Teil an einer gemeinsamen Freundin – die vom Alter her zwischen uns lag und einen guten Vermittler für uns darstellte – und regelmäßig Gras rauchte. Durch sie erfuhr meine Mutter über die Heilwirkung von Marihuana.

Jon: Wie alt war deine Mutter zu der Zeit?

Sandra: Dreiunddreißig.

Jon: Hatte Marihuana denn nun eine heilende Wirkung? Hat es gegen dein Asthma gewirkt?

Sandra: Ich hatte seitdem kein Problem mehr mit Asthma. Ich weiß nicht, ob es psychosomatisch war oder nicht.

Jon: Hat es dein Asthma sofort geheilt, nach dem ersten Versuch?

Sandra: Ich weiß es nicht, ich habe es seitdem immer geraucht. [lacht]

Jon: Ausgezeichnet! Welches der traditionelleren Psychedelika hast du zuerst probiert?

Sandra: Mit fünfzehn habe ich zum ersten Mal LSD genommen. Ich ging mit Freunden ins Kino und sie erzählten mir davon. Natürlich hatte ich schon vorher von LSD gehört. Ich hatte gehört, dass es einen dazu brachte, Dinge zu sehen. Ich hatte gehört, dass es wirklich Spaß machte. Also beschloss ich, es mit meinen Freunden auszuprobieren und es blies mich hinfort. Danach begann sich mein Interesse an Psychedelika zu entwickeln.

Jon: Hast du damals etwas von der Anti-Drogen- Propaganda gegen LSD mitbekommen?

Sandra: Ein bisschen, aber ich schenkte dem wenig Beachtung, denn ich kannte auch die Propaganda gegen Cannabis und das war eindeutig hilfreich und machte Spaß. Als ich jünger war spielte ich auch oft mit Lachgas. Ich erinnere mich an Tage, da ging ein Haufen von uns Kindern in den Supermarkt, holte die gesamte Sprühsahne aus der Milchproduktabteilung und gab sich den Kick im Laden. [lacht] Wie dem auch sei, einige meiner beeindruckendsten und heilsamsten Erfahrungen wurden durch die vorsätzliche Einnahme von Psilocybes ermöglicht.

Jon: Was hast du für eine Ausbildung?

Sandra: Ich habe ehrlich gesagt keine herkömmliche Ausbildung. Ich habe mich auf dem Gebiet der Drogeninformation selbst ausgebildet, obwohl ich auch einige sehr gute Mentoren habe. Aber ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, mir auf den Gebieten, die mich interessieren, so viel Wissen wie möglich anzueignen. Ich habe eine ganze Reihe von Workshops mitgemacht, die verschiedene Themen von Schadensbegrenzung bis Konfliktmanagement zum Inhalt hatten. Aber die meisten Erfahrungen habe ich während meiner Arbeit gesammelt. 1996 trat ich einer Gruppe namens „Mind Body Love“ bei. Das war ein Projekt zur Information von Ravern, das in Vancouver angesiedelt war und dessen Zweck es war, präzise, aktuelle und unvoreingenommene Informationen über psychoaktive Drogen und sexuelle Gesundheit anzubieten. Auf Raves und anderen Veranstaltungen richteten wir sogenannte ’safe spaces‘ (sichere Orte) ein, an denen wir hauptsächlich bestrebt waren, Informationen zu verbreiten, die helfen können Schäden zu verringern, die mit dem Gebrauch von Drogen in Verbindung gebracht werden. Diese Orte, die wir einrichteten, dienten nicht nur der Verbreitung von Informationen, sondern sollten auch eine Hilfe darstellen, wenn die Leute Schwierigkeiten mit ihrem Experiment haben. Diese Erfahrungen wiederum weckten mein Interesse, mehr über transpersonelle Psychologie und psychedelische Psychotherapie zu lernen und auf diesem Gebiet zu arbeiten. Durch diese Arbeit wurde ich verstärkt zu einem Verfechter für die Schadensbegrenzung in Vancouver im größeren Maßstab, besonders in bezug auf junge Menschen und Drogenerziehung. Dank meiner Arbeit auf diesem Gebiet wurde ich irgendwann eingeladen, an Schulen eine Anzahl von Workshops für junge Leute zu leiten. Daraus wurde dann später das Projekt „Higher Knowledge Network“ an der Sunshine Coast (Halbinseln an der Westküste Kanadas mit besonderem Klima). Meine Arbeit in der Schadensbegrenzung steigerte mein Interesse an der Drogenpolitik unddem Recht auf Bewusstseinsveränderung, und so wurde ich aktiv in der Zusammenarbeit mit der Downtown East Side in bezug auf injizierte Drogen. Ich bin Mitbegründerin von VANDU, der „Vancouver Area Network of Drug Users“, einer Gruppe von Fürsprechern, die von „Health Canada“ unterstützt wird und für die ich Co-Autor des Antrags war, der ihre Erstfinanzierung ermöglichte und die mittlerweile eine Reihe von Vorschlägen an die Stadtverwaltung und das Gesundheitsamt eingereicht haben, um die Stadt zu einer Veränderung in der Politik bezüglich intravenös applizierter Drogen zu bewegen. Kurze Zeit später zog ich an die Sunshine Coast, um dort diese Arbeit weiterzuführen, aber ich beschäftigte mich wieder mit der Jugend. Zu diesem Zeitpunkt fingen wir an, mehr Drogenerziehungsworkshops mit Jugendlichen durchzuführen und Konferenzen zu veranstalten.

Jon: Der Unterschied in der Einstellung Kanadas ist für mich erstaunlich. Du hattest die Möglichkeit, in die Schulen zu gehen, mit einem Ansatz, der nicht auf Abstinenz basiert, sondern auf einer realistischeren Schadensbegrenzung, der den Kids eine anwendbare Bildung vermittelt. Wenn man in den USA aufwächst, ist die Botschaft ganz einfach, „Wenn es sich gut anfühlt, tu es nicht.“ Das DARE Programm hat uns enorm zurückgeworfen. Wenn es um Drogenpolitik geht, ist Kanada deutlich fortschrittlicher als die Vereinigten Staaten.

Sandra: Nun, wir haben Jahre gebraucht, um mit den Verantwortlichen in den Schulen und den Gesundheitsorganisationen ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Im Prinzip lief es darauf hinaus, dass wir diese Menschen als Individuen kennenlernen und sie mit verschiedenen verlässlichen Informationsquellen versorgen mussten, wie mit der Arbeit, die Joel Brown zum Thema Jugendliche und Drogenerziehung in Amerika mit dem Center for Educational Research and Development leistet. Diese Art von Informationen haben wir ausgedruckt und häppchenweise an die richtigen Leute geschickt, um sie von einer vernünftigeren Sichtweise zu überzeugen. Das geschah nicht über Nacht. Es brauchte eine Menge Kommunikation und Dialog mit diesen Leuten, um sie von der Notwendigkeit dieses Ansatzes zu überzeugen.

Jon: Glaubst du, dass Kanada für diese Herangehensweise empfänglich ist, weil die Regierung eine allgemein vernünftigere Herangehensweise an die Gesundheitspolitik hat? Vielleicht hat es damit zu tun, dass die Regierung direkt in die Gesundheitsversorgung eingebunden ist, dass sie gezwungen ist, etwas Praktikables zu entwerfen, das auch wirklich funktioniert, im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten.

Sandra: Kanadas Drogenpolitik verfolgt tatsächlich eine Strategie der Schadensbegrenzung. Viele Menschen wissen das nicht, und ein Teil meiner Arbeit war es, die Menschen darüber zu informieren. Ich erinnere sie daran, dass es so ist und gebe ihnen eine Definition, was Schadensbegrenzung ist und was es bedeuten kann. Ja, unsere Politik hier ist anders, unser Gesundheitssystem ist anders. Da es hier einen gleichberechtigten Zugang zur Gesundheitsversorgung gibt, besteht für die staatliche Krankenversicherung die Verpflichtung, aktiv herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Aber ich denke auch, dass viele der Dinge, die wir erreicht haben, mit den Menschen zu tun haben, die wir kennen gelernt und zu denen wir eine Beziehung aufgebaut haben. Der Dialog ist äußerst wichtig für unsere Arbeit. Ich betrachte den Ansatz der Schadensbegrenzung als einen Mittelweg in der Diskussion über den Gebrauch von Drogen in unserer Gesellschaft, mit dem Verbot auf der einen Seite und Förderung auf der anderen. Die Definition von Schadensbegrenzung hat sich über die Jahre definitiv für mich verändert. Es geht nicht nur um die Minderung von Schäden, sondern auch um das Eröffnen des Dialogs. Das ganze Konzept der Versorgung mit unvoreingenommenen Informationen kann eine ernüchternde Aufgabe sein. Für mich besteht die Antwort darin, den Dialog einzuleiten, der zwischen Menschen unterschiedlicher Standpunkte stattfinden muss. Wir müssen uns daran erinnern, dass jeder anders ist und unterschiedliche Substanzen unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Menschen haben.

Jon: Erzähl mir von dem Projekt, das zur Zeit für dich im Mittelpunkt steht, dem Iboga Therapy House.

Sandra: Das Iboga Therapy House wurde im November 2002 von Marc Emery gegründet, der derzeit der einzige Förderer des Projektes ist. Ich wurde im Januar 2003 dort angestellt. Ich hatte 1996 erstmals von Ibogain gehört. 1997 und 1998 als ich mit VANDU arbeitete, dachte ich, dass Ibogain für einige dieser User vielleicht sehr hilfreich sein könnte, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich da rankommen könnte. Informationen über Ibogain waren zu dieser Zeit reichlich rar und ich war außerdem mit einer Reihe anderer Projekte beschäftigt. Als Gegenstand des Interesses wanderte Ibogain erst mal an den Rand meines Bewusstseins. Aber im Dezember 2002 hörte ich, dass Marc Emery dieses Ibogain-Therapie- Projekt durchführte. Ich war neugierig, also rief ich ihn an. Er führte mich durch die Einrichtung, stellte mich den Moderatoren vor und zeigte mir alles. Er erzählte mir, was sie machten, was seine Absichten mit diesem Projekt sind, wie stark er das Projekt fördern will und wo seine Ziele liegen. Ich sah dort echte Wachstumsmöglichkeiten. Er bot mir einen Job an, was ich nicht erwartet hatte. Es war nicht unbedingt das, was ich suchte, aber ich bin wirklich froh, dass ich ihn angenommen habe. Ich habe es als eine Art Herausforderung angenommen, denn ich konnte großes Potential in dieser Arbeit sehen. Und jetzt ist dieses Projekt zu meinem Leben geworden. Ich habe mich ihm ernsthaft verschrieben wie auch der Aufgabe, die Welt über Ibogain zu informieren. Das monatliche Budget für das Therapy House beträgt etwa 10.000 $, aber das variiert abhängig davon, wie viele Leute wir behandeln. Wir sind bemüht, vier Menschen pro Monat zu behandeln. Eine Person in der Woche in einem individuell angepassten Umfeld (setting). Tatsächlich behandeln wir jeden über einen Zeitraum von fünf Tagen. Die Behandlung ist stationär, das heißt, wir stellen während dieser Zeit alles zur Verfügung, was sie brauchen, sowie Pflegepersonal rund um die Uhr. Innerhalb des Projekts habe ich eine Anzahl verschiedener Aufgaben. Ich bin Projektkoordinator, das heißt, ich überprüfe die Klienten auf physische und psychologische Gesundheitsprobleme, helfe ihnen aber auch zu entscheiden, ob sie bereit sind für diese Veränderung in ihrem Leben. Ibogain ist kein Wundermittel, wie es von einigen beworben wurde. Aber es kann ein mächtiger Katalysator und ein Werkzeug für eine voranschreitende Erholung sein. Meine Rolle als Mentor und Betreuer des Klienten während des eigentlichen Vorgangs beinhaltet meine Hilfe bei ihrer Vorbereitung auf eine überwältigende psychedelische Erfahrung und auch bei der Einrichtung des Raumes, in dem diese stattfinden soll. Allgemein achte ich auf „set und setting“ der ganzen Sache. Herauszufinden, was sie von der Erfahrung erwarten und wie gut sie darauf vorbereitet sind, sich wirklich darauf und mit den Dingen, die an die Oberfläche kommen können, einzulassen, spielt definitiv eine Rolle dabei wie heilsam die Erfahrung für sie sein kann. Das ist also meine Aufgabe. Meine Aufgabe ist es, zu informieren und Hilfe zu leisten.

Jon: Legen sich die Klienten normalerweise für die ganze Sitzung hin oder können die Leute aufstehen, herumlaufen oder vielleicht sogar die Umgebung des Therapy House verlassen?

Sandra: Jeder ist anders, aber die meisten Leute ziehen es vor, liegen zu bleiben. Ibogain in großen Dosen, wie es bei der Suchttherapie eingesetzt wird, verursacht Ataxie (Störungen der Muskelkoordination). Oftmals können die Patienten also gar nicht herumlaufen, obwohl wir einige Leute hatten, die zu uns herauskommen konnten und einige Zeit mit uns in den anderen Räumen im Haus verbracht haben. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass einer ins Wohnzimmer kommt und Zeit mit den Mentoren verbringt und kurze Unterhaltungen führt, wahrscheinlich um einen Wechsel in der äußeren Umgebung zu haben. Die meisten Leute aber neigen eher dazu, liegen zu bleiben. Ibogain wirkt an sich schon mehr wie ein Mentor. Es unterscheidet sich von einer LSD- oder MDMA-Therapie, bei der der Therapeut in bezug auf die Eröffnung eines Dialogs und das Erörtern von Problemen, die hochkommen können, eine aktive Rolle spielt, während sich die behandelte Person unter dem Einfluss der Substanz befindet. Ibogain versetzt die Leute eher in einen Zustand, in dem sie sich nach innen konzentrieren und es scheint selbst als Mentor zu wirken. Ein Großteil unserer Aufgabe besteht also, wie gesagt, darin, sie auf diese Erfahrung vorzubereiten und ihnen anschließend zu helfen, diese Erfahrung zu verarbeiten. Und natürlich überwachen wir die Lebenszeichen, helfen ihnen, auf die Toilette zu gehen, achten darauf, dass sie genug trinken und versichern ihnen, dass sie sich an einem sicheren Ort befinden und dass wir für sie da sind, falls sie doch das Bedürfnis haben sollten, über irgendetwas zu reden.

Jon: Hast du irgendwelche heftigen Zusammenbrüche erlebt?

Sandra: Nein, keiner ist ausgeflippt. Ich hatte Leute, die hinterher sagten, es wäre das Schlimmste gewesen, was sie je erlebt haben und dass sie es nie wieder tun würden, die dann zwei Wochen später anriefen und sagten, es sei das Beste gewesen, was sie je gemacht haben und dass sie es wiederholen möchten.

Jon: Unter einigen der Therapeuten, die mit Psychedelika arbeiten, gab es, bevor diese Substanzen verboten wurden, einen Kodex, der mittlerweile auch von vielen im Untergrund arbeitenden Psychedelika-Therapeuten angenommen wurde und der besagt, dass der Therapeut mindestens eine Sitzung mit der Substanz durchführen sollte, die er seinen Klienten verabreicht, damit er aus Erfahrung sprechen kann. Stimmst du dieser Theorie zu? Und wenn ja, was war deine Erfahrung mit Ibogain?

Sandra: Das ist eine gute Frage, denn es war in der Tat so, dass ich anderen einige Monate Ibogain verabreichte, ohne es selbst ausprobiert zu haben. Und ich glaube, dass war wichtig, um eine objektive Sicht auf die Erfahrungen der anderen zu bekommen und meine Interpretationen des Geschehenen auf Verbraucherberichte zu gründen, was ich für eine nützliche Sache halte. Aber ich hatte auch das Gefühl, nicht wirklich verstehen zu können, was passiert, wenn ich es nicht selbst ausprobiere. Mittlerweile habe ich Iboga genommen und es war eine sehr schöne und überwältigende Erfahrung. Ich habe sehr viel daraus gelernt. Es ist sehr nützlich, über Hintergrundwissen zu verfügen, wenn man andere behandelt, aber es ist auch wichtig, daran zu denken, dass der andere nicht zwangsläufig dieselben Erfahrungen machen muss. Jeder Mensch ist einzigartig und diejenigen, die die Behandlung durchführen, sollten die Interpretation eines anderen achten und respektieren. Unsere Aufgabe besteht, wie gesagt darin, über den Verlauf zu informieren und unterstützend tätig zu werden, aber nicht zu versuchen, ihre Erfahrung mit unseren Interpretationen einzufärben.

Jon: Hast du deine Erfahrung mit reinem Ibogainextrakt gemacht oder hast du einen weniger sauberen Extrakt der Tabernanthe iboga Wurzel genommen?

Sandra: Ich würde gern Ibogainhydrochlorid ausprobieren, welches die reine Verbindung darstellt. Ich habe den ‚Indra‘ Extrakt genommen, der einen Auszug aller Alkaloide beinhaltet. Also war es kein reines Ibogain. Ich habe 3000 Milligramm dieses Extraktes genommen, der weniger potent ist als reines Ibogain und zusätzliche Alkaloide enthält, die auch in der Wurzel vorkommen.

Jon: Soweit mir bekannt ist, wurde der Indraextrakt vor einiger Zeit untersucht und man fand heraus, dass er ungefähr 15 bis 20 % an Alkaloiden enthält, von denen wiederum 50% Ibogain sind (die anderen 50% sind Alkaloide verschiedener Wirkung). Das würde deine Dosis an Ibogain bei ungefähr 225 bis 300 Milligramm einordnen. Ich bin nicht sicher, wann diese Tests gemacht wurden, aber ich würde gern wissen, ob dir bekannt ist, wie lange es den Indraextrakt schon gibt oder ob er kürzlich einmal untersucht wurde. Es wäre interessant, zu wissen, wie viel es heutzutage genau enthält, da ich denke, dass dieselbe Charge jetzt schon seit einigen Jahren im Umlauf ist. Ich frage mich, wie stabil Ibogain ist.

Sandra: Einer der Gründe, warum wir den Indraextrakt nicht mehr verwenden, ist der, dass wir keine Antworten auf diese Fragen haben. Nach allem, was ich gehört habe, könnte der Indraextrakt zwischen 15 und 20 Jahren alt sein und ich weiß nicht, wann es zum letzten Mal untersucht wurde. Aber wir hatten niemanden, der es für uns untersucht hat. Da wir jetzt nicht mehr damit arbeiten, haben wir auch keine Absicht, es untersuchen zu lassen. Wir verwenden jetzt Ibogainhydrochlorid, welches ein zu 98 % reiner Extrakt ist. Für diese Chemikalie besitzen wir ein Untersuchungszertifikat, das heißt, es ist angenehmer zu wissen, dass das was wir haben, sauber ist. Ich habe bereits die Erfahrung gemacht, dass es Unterschiede zwischen dem Indraextrakt und reinem Ibogainhydrochlorid gibt. Mit dem Hydrochlorid fühlen sich die Leute weniger oft schlecht, sie müssen seltener erbrechen und haben weniger Schmerzen.

Jon: Wie oft hast du mit dem Indraextrakt gearbeitet und wie oft hast du die reine Verbindung verwendet?

Sandra: Wir haben 16 Menschen mit dem Indraextrakt behandelt und die letzten 15 mit der Hydrochloridverbindung.

Jon: Wie viele dieser 31 Personen sind für eine zusätzliche Behandlung zurückgekommen?

Sandra: Sieben Personen sind für eine zweite Behandlung zurückgekehrt. Und wir hatten einige, die eine dritte Behandlung gewünscht haben, aber das ist noch nicht passiert. Wir haben zur Zeit 13 Personen, die einen Rückfall hatten, und vier von diesen dreizehn möchten entweder eine zweite oder eine dritte Behandlung machen. Von denen, die einen Rückfall hatten, sind fünf unzureichender Schmerzbewältigung zuzuschreiben.

Jon: Also habt ihr eine Erfolgsquote von 58 %. Gab es Personen, die keinen Rückfall hatten, aber trotzdem eine zweite Behandlung durchführen wollten?

Sandra: Ja, es gab einige. Keiner von ihnen hat bis jetzt einen neuen Aufnahmeantrag an uns gestellt, aber sie haben daran Interesse geäußert, es noch einmal zu probieren oder können abschätzen, dass es in sechs oder neun Monaten sinnvoll sein könnte.

Jon: Würdest du so etwas problemlos machen oder gibt es bei euch einen Grundsatz, Wiederholungstherapien betreffend, für diejenigen, die keinen Rückfall hatten?

Sandra: Wir haben angeboten, bis zu drei Behandlungen durchzuführen, wenn es die betreffende Person für notwendig hält. Also sind wir durchaus offen für jene, die eine zweite oder dritte Behandlung wünschen.

Jon: Ich weiß, dass du bisher noch nicht so viele Personen behandelt hast, aber zeichnet sich in deinen Augen ein Trend ab, der zeigt, dass Leute, die von einer bestimmten Substanz abhängig sind, eine höhere oder niedrigere Erfolgsquote haben? Reagiert zum Beispiel ein Heroinabhängiger besser auf eine Behandlung mit Ibogain als ein Kokainsüchtiger?

Sandra: Sowohl diejenigen, die Heroin nehmen als auch die, die Kokain nehmen, haben recht gute Ergebnisse, obwohl die Kokainabhängigen besser zu sein scheinen, was die Abstinenz betrifft. Die Methadonabhängigen sind normalerweise schwieriger zu entgiften, abhängig davon, wie viel sie in ihrem Körper haben und ob sie vorher Probleme mit Schmerzen hatten. Aber auch bei ihnen scheint Ibogain recht erfolgreich zu wirken, was die Linderung des Entzugs angeht. Wie dem auch sei, Schmerzbewältigungsprobleme scheinen ein entscheidender Faktor zu sein, weshalb Opiatabhängige in manchen Fällen größere Schwierigkeiten haben, abstinent zu bleiben als Kokainabhängige.

Jon: Wie läuft das Auswahlverfahren für eure Klienten ab?

Sandra: Wir verlangen Kopien medizinischer Untersuchungen: EKGs, Differentialblutbild und einen Lebertest. Wir müssen uns vergewissern, dass der Klient gesund genug ist, um die Behandlung mitzumachen. Wir überprüfen ihr Herz, denn es gab einige Fälle, in denen die Herzfrequenz stark angestiegen ist, der Blutdruck gesunken oder gestiegen ist, also müssen wir sicherstellen, dass ihr Herz gesund ist. Die Leber wird überprüft, denn die Umwandlung von Ibogain in Noribogain findet in der Leber statt, und letzteres bleibt dann eine Weile im Körper. Also vergewissern wir uns, dass die Leber des Klienten gesund genug ist, um diesen Prozess zu vertragen. Wir akzeptieren auch Personen mit Hepatitis C, wenn ihre Leberenzyme weniger als 200 % über dem Normalwert liegen. Unser Auswahlverfahren beinhaltet auch eine ganze Komponente, in der wir erfragen, wie sich ihre Entzugserscheinungen äußern, welches Konsumverhalten sie haben, wie lange sie die Substanz schon nehmen, wie viel sie in der Regel nehmen, ob sie verschiedene Substanzen mischen, wie ihre Ernährungsgewohnheiten sind und ob sie Sport treiben. Einige dieser Fragen werden gestellt, um etwas über den Klienten zu erfahren und wo sie stehen, und die anderen sollen ihnen in ihrem Erholungsprozeß helfen, in Form von Vorschlägen wie sie ihre Ernährung umstellen oder mögliche Auslöser von Rückfällen vermeiden können. Wir möchten herausfinden, ob sie in der Vergangenheit andere Entzugsmöglichkeiten wahrgenommen haben oder ob sie in anderen Suchtkliniken waren. Im Allgemeinen kommen Leute zu uns, bei denen alle anderen Formen der Suchtbehandlung versagt haben, aber das ist nicht in jedem Fall so und es ist auch keine Voraussetzung. Ein soziales Netzwerk als Unterstützung und ein Nachsorgebehandlungsplan sind unerlässlich. In bezug auf die Nachsorgebehandlung ist es wirklich wichtig zu erfahren, was sie hinterher vorhaben. Für einige kann das heißen, in ein anderes Suchtbehandlungszentrum zu gehen. Für jeden aber bedeutet es, sein Leben auf verschiedenen Ebenen wieder in den Griff zu bekommen. Wir erkundigen uns danach, damit wir ihnen helfen können, diese Veränderungen anzugehen oder geeignete Nachbehandlungsoptionen für sie zu finden. Vor der Behandlung soll der Klient allerdings frei von anderen Medikamenten sein, wie zum Beispiel Antidepressiva. Wir fragen, welche Medikamente der Klient zu sich nimmt und prüfen dann, ob diese Medikamente mit Ibogain contraindiziert sind. In jedem Fall jedoch bitte ich die Leute, ihre Dosis an Medikamenten zu verringern oder ganz abzusetzen, bevor sie das Ibogain einnehmen. Außerdem müssen sie die Droge, von der sie abhängig sind, absetzen. Es ist von der Droge abhängig, wie lange vor der Einnahme von Ibogain sie abgesetzt werden muss. Bei Heroin sind es im allgemeinen zwölf Stunden. Wenn es sich um Methadon handelt, 24 Stunden vorher. Mit Kokain liegt der Zeitrahmen irgendwo zwischen zehn und zwölf Stunden. Das ist aber auch abhängig von ihrer Dosierung und Einnahmehäufigkeit. Aber wir bestehen darauf, dass sie die Droge, von der sie abhängig sind, absetzen.

Jon: Gab es Probleme bei Grenzüberquerungen, wenn ein Patient zum Beispiel Entzugserscheinungen hatte, bevor er bei euch ankam?

Sandra: In einem Fall war es tatsächlich so, weil der Bewerber Informationen über eine frühere Verurteilung aufgrund einer Straftat zurückgehalten hatte. Als er versuchte, die Grenze zu überqueren, wurde er als ‚unerwünscht‘ eingestuft und man wollte ihn nicht einreisen lassen. Er hatte bereits seit einem Tag entgiftet, dann kam er nach Kanada und wurde an der Grenze aufgehalten. Man gestattete ihm, für einen Abend zu uns zu kommen, der nicht ausreichte, um ihn zu behandeln, denn die Erfahrung selbst kann zwischen 20 und 36 Stunden dauern. Außerdem halten wir die Reintegrationsphase für sehr wichtig; wir wollten ihn also nicht einfach die Dosis verabreichen und ihn dann am Morgen zurück ins Flugzeug setzen. Als er wieder zum Flughafen kam, hat man ihn nicht in das Flugzeug gelassen, weil er anfing, starke Entzugserscheinungen zu zeigen. Das war sowohl für uns als auch für ihn eine schwierige Situation, denn er konnte weder die Behandlung machen, noch hatte er Zugang zu der Substanz, von der er abhängig war.

Jon: Wie hoch ist der Prozentsatz von Teilnehmern aus Kanada und wie viele kommen von anderswo?

Sandra: Das hat sich geändert. Es gab eine Zeit, da war es ungefähr 50-50. Aber derzeit sind es ungefähr 60% Kanadier und 40% Amerikaner.

Jon: Ibogain ist dafür bekannt, dass es bei ungefähr 15% der Personen, die es einnehmen, einen moderaten Anstieg des Blutdrucks verursacht. Verabreicht ihr so etwas wie eine ‚Testdosis‘, um zu schauen wie die Person auf das Ibogain reagiert?

Sandra: Wir verabreichen eine Dosis von 100 mg Ibogain, bevor wir die volle Dosis geben, und überprüfen ihre Lebenszeichen – Blutdruck, Puls und Temperatur – eine Stunde lang, um zu sehen, ob es eine allergische Reaktion gibt. Wenn eine solche Reaktion auftritt, brechen wir die Behandlung ab.

Jon: Was ist eine volle Dosis?

Sandra: Das hängt zum größten Teil vom Körpergewicht ab. Es ist jedoch auch abhängig von der Substanz der Sucht, gegen die wir behandeln, der Häufigkeit der Anwendung dieser Substanz und der Dosis, die diese Person einnimmt. Das kann irgendwo zwischen 16 und 20 mg pro Kg Körpergewicht liegen, bei Personen die physisch abhängig sind von der Substanz oder den Substanzen, die sie aufzugeben versuchen.

Jon: Du hast gesagt, dass die Wirkung der Droge zwischen 20 und 36 Stunden anhalten kann. Was ist die durchschnittliche Dauer während derer die Personen unter dem Einfluss von Ibogain stehen?

Sandra: Der Durchschnitt liegt bei 24 Stunden und ist in drei Phasen eingeteilt. Die erste Phase ist eine Zeit der psychologischen Erforschung und des Verwerfens. Eine Vielzahl von zufälligen Bildern erscheint und man hat ein stark visuelles und chaotisches Erleben. Die Bilder scheinen fremd und unzusammenhängend zu sein. Diese Phase hält gewöhnlich zwischen fünf und zehn Stunden an. In Phase zwei kommen mehr Visionen, die spezifisch auf die Person bezogen sind, auf ihre Vergangenheit, ihren Drogenkonsum oder die Familie oder andere Probleme, die sie verarbeiten müssen. Diese Visionen kommen meist etwas langsamer. Wie wir aus Erfahrungsberichten entnehmen, neigen die Leute dazu, zu empfinden, dass diese Phase des Prozesses mehr mit der Bearbeitung ihrer Probleme zu tun hat als der erste Teil. Die zweite Phase kann irgendwo zwischen 10 und 16 Stunden dauern. Die dritte Phase ist das Runterkommen, wenn die optischen Eindrücke nachlassen. Die betreffende Person ist meist noch einige Stunden lang wach, wartet aber darauf einzuschlafen. Das ist individuell verschieden und kann nochmals zwischen drei und zwölf Stunden dauern.

Jon: Sammelt ihr irgendeine Art von Aufzeichnungen während oder nach den Erfahrungen von euren Testpersonen?

Sandra: Wir geben den Personen die Möglichkeit, während der Sitzung einen Kassettenrecorder zu verwenden. Wir versuchen außerdem, uns Notizen zu machen über alles, was die Person während der Sitzung sagt als auch darüber, was sie zu sich nimmt oder jegliche Veränderung der Lebenszeichen. Alle diese Informationen kommen in eine Behandlungsakte. Und wir bitten die Personen immer, hinterher etwas über ihre Erfahrungen aufzuschreiben. Wir geben ihnen Fragen, die eine Anzahl verschiedener Gebiete betreffen und die mentalen, emotionalen und spirituellen Effekte betreffen, die sie erfahren haben, sowie das generelle Wohlbefinden der Person. Wir verwenden das „Peak Experience Profile“, welches von Richard Jensen und Franco Di Leo entworfen wurde und die Hallucinogen Rating Scale“, die Rick Strassmann entwickelt hat. Die Testpersonen werden ebenfalls aufgefordert, einen Bericht über ihre Erfahrungen mit der Behandlung und dem Iboga Therapy House zu schreiben. Das hilft uns dabei, unser Programm zu bewerten und notwendige Veränderungen umzusetzen.

Jon: Kennst du irgendwelche Nebenwirkungen der Behandlung?

Sandra: Hauptsächlich können das Übelkeit und Koordinationsstörungen sein. Gegen Übelkeit geben wir manchmal Gravol®, welches in Amerika als Dramamine® (Dimenhydrinat) bekannt sein dürfte. Manchmal haben wir Personen, bei denen der Blutdruck steigt oder fällt. Allgemein haben wir herausgefunden, dass die Chancen einer Blutdrucksenkung minimal sind, wenn wir die Leute im Vorfeld ausreichend mit Flüssigkeit versorgen.

Jon: Einige Ibogainforscher haben festgestellt, dass die Personen, die sich einer solchen Behandlung unterziehen, eine Verringerung des Schlafbedarfs haben, die bis zu einem Monat anhalten kann. Es wurde die Vermutung geäußert, dass eine strukturelle Veränderung im Hirn stattgefunden haben könnte oder ein langwirkendes Abbauprodukt von Ibogain im Organismus bleibt. Es gibt Leute, die berichten davon, mit nur noch drei oder vier Stunden Schlaf in der Nacht auszukommen. Hast du bei deinen Patienten auch diese Reaktion bemerkt?

Sandra: Ich habe es bei einigen von ihnen festgestellt, aber bei weitem nicht bei allen – eigentlich nur bei sehr wenigen. Robert Goutarel hat die Hypothese aufgestellt, dass Ibogain einen verlängerten REM-Schlaf unterstützt und es gibt Spekulationen darüber, dass dies das Schlafbedürfnis mindert. Aber das sind nur Mutmaßungen. Ein EEG des Gehirns von Leuten anzufertigen, die sich in verschiedenen Stadien unter dem Einfluss von Ibogain befinden, könnte sich als interessant erweisen.

Jon: Zwei der Personen, von denen bekannt ist, dass sie während einer Ibogain-Behandlung gestorben sind, waren Frauen. Diese Todesfälle versetzten einige in Sorge, dass Ibogain bei Frauen stärker toxisch wirkt, vielleicht weil es anders abgebaut wird. Diese Sorge führte dazu, dass die Food and Drug Administration Frauen von ihrer Studie zur Zulassung von Ibogain 1993 ausschloss. Sind dir vergleichende Studien zum Stoffwechsel bekannt, die auf dem Geschlecht beruhen? Laßt ihr Frauen zur Entgiftung im Iboga Therapy House zu? Wenn ja, wie ist das Verhältnis von behandelten Männern zu Frauen?

Sandra: Ja, wir behandeln Frauen. Ungefähr 40% unserer Patienten waren Frauen. Einer unserer Unterstützer bei der Ibogain-Behandlung, der uns sein Behandlungsverfahren zuschickte, schlug vor, menstruierende Frauen von der Behandlung auszuschließen, bis einschließlich eine Woche vor der Periode. Ich habe keinen Hinweis darauf entdecken können, warum das so sein sollte.

Jon: Das einzige, das mir einfällt, ist, dass es Bedenken über den weiblichen Stoffwechsel in bezug auf ihren Hormonspiegel geben könnte, aber ich weiß nicht …

Sandra: Ich bin gespannt auf das, was uns Deborah Mash zu diesem Thema zu sagen hat, da ich glaube, dass sie Forschungen zum Stoffwechsel mit Ibogain und/oder Noribogain durchführt.

Jon: Gab es Fälle, in denen ihr die Behandlung aufgrund einer negativen Reaktion auf die von euch verabreichte Testdosis abbrechen musstet?

Sandra: Ja. Einmal hatten wir jemanden, der Ibogain in der Vergangenheit schon einmal genommen hatte. Wir bemerkten einen drastischen Anstieg ihres Blutdrucks und mussten die Behandlung abbrechen. Und wir hatten außerdem noch eine andere Person, deren Herzfrequenz auf über 120 innerhalb von zehn Minuten anstieg und dann eine Stunde brauchte, um sich wieder zu normalisieren. Es wurde vermutet, dass die Reaktion in diesem zweiten Fall einfach Angst gewesen sein könnte. Aber der Patient zeigte keine äußeren Zeichen von Beunruhigung. Und da wir keine Ärzte sind, bleiben wir lieber auf der sicheren Seite – der Anstieg seiner Herzfrequenz war wirklich drastisch. Also gab es zwei Fälle, in denen die Behandlung abgebrochen wurde.

Jon: Was ist, wenn ihr einen Arzt brauchen solltet?

Sandra: Ich arbeite an der Möglichkeit, einen Arzt oder eine ausgebildete Krankenschwester als Beobachter zur Seite zu haben. Nicht als aktiv Beteiligten, da die Regierung dort Einschränkungen auferlegt hat, aber einfach anwesend als eine Art Sicherheitsnetz. Ich hätte auch gern einen crash cart vor Ort (Notfallbeistellwagen zur Wiederbelebung bei Herzstillstand, Anm.d.Ü.), mit jemandem, der sich damit auskennt, falls es gebraucht wird. Wie dem auch sei, zur Zeit sind wir fünf Minuten vom nächsten Krankenhaus entfernt. Wir haben sie informiert, dass wir diese Behandlung durchführen und wir haben versucht, ein Notfallplan mit ihnen zu vereinbaren. Sie haben gesagt, wenn irgendetwas schiefläuft sollen wir einfach anrufen und sie schicken einen Rettungswagen zu uns. Unsere Mitarbeiter haben außerdem alle eine Erste-Hilfe-Ausbildung gemacht.

Jon: Es gibt Berichte von einigen Todesfällen nach dem Gebrauch der Tabernanthe iboga Wurzel in dem afrikanischen Stamm der Bwiti, die diese traditionell in spirituellen Ritualen einsetzen. Wie viele Menschen sind von der Einnahme der Pflanze gestorben, sei es zum Zweck der Erholung oder der Suchtbehandlung?

Sandra: Ich kenne die Antwort auf diese Frage nicht. Es wäre wichtig, die spezifischen Details zu kennen, die jeden dieser Tode während einer Therapiesitzung betreffen. Es gibt einige offene Fragen, nämlich ob diese Leute vielleicht aufgrund einer gleichzeitigen Einnahme anderer Drogen während sie unter dem Einfluss von Ibogain standen oder kurz danach gestorben sein könnten. Solch eine Vorgehensweise könnte eine potentiell tödliche Überdosis verursachen, wenn sie ihre Suchtdroge in der ‚üblichen‘ Dosis einnehmen. Wenn jemand versuchen sollte, die Droge seiner Wahl direkt nach einer Ibogain– Behandlung einzunehmen, müsste er vorsichtig sein und eine kleine Testdosis einnehmen, um ihr neues Toleranzlevel herauszufinden. Ibogain kann die Wirkung anderer Drogen stark potenzieren. Soweit mir bekannt ist, sind viele der Tode aufgrund dieses Toleranzproblems im Zusammenhang mit einer anderen Droge eingetreten. Aber es gibt einige Todesfälle, die fragwürdig sind. Ich glaube, dass fünf oder sechs Personen in irgendeinem Zusammenhang mit der Ibogain-Therapie gestorben sind, die genaue Zahl ist mir aber nicht bekannt.

Jon: Vor kurzem gab es einen Todesfall in England, in der tatsächlich ein Leichenbeschauer als Todesursache erstmalig Ibogain angegeben hat. Das hat Besorgnis hervorgerufen, dass Ibogain in Großbritannien verboten werden könnte. Wenn man Kanadas Verbindung zu dem Königreich betrachtet, befürchtest du, dass ein Verbot von Ibogain dort die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es auch in Kanada verboten wird?

Sandra: Ja, unbedingt. Daran, dass sich unsere Situation jederzeit ändern könnte, denke ich die ganze Zeit. Und ich bin der Meinung, dass das unsere Aufgabe noch dringender macht, in dem Sinne, dass wir versuchen müssen, jetzt so vielen Leuten zu helfen wie wir können und Daten zu sammeln. Damit wir, falls Kanada droht Ibogain zu verbieten, für seine staatliche Anerkennung als Medikament plädieren können. Oder dafür, es nicht zu verbieten. Oder zumindest dafür, einen Dialog zu eröffnen über sein Potential, damit die Regierung ein wenig genauer hinschaut und keine überstürzten Entscheidungen aufgrund irgendwelcher Einzelberichte trifft. Ich habe das Gutachten des Leichenbeschauers nicht gesehen, also kann ich nicht wirklich wissen, ob der Tod einzig dem Ibogain zuzuschreiben ist oder ob dieser Mensch noch andere Drogen im Körper hatte. Ich wüsste gern mehr darüber.

Jon: In dem richtigen Umfeld ist das Todesrisiko wahrscheinlich sehr gering. Eine größere Gefahr stellt vermutlich das Potential für neurotoxische Effekte von Ibogain dar. Mark Molliver von der Johns Hopkins Universität wies Zellveränderungen im Kleinhirn nach. Dr. Med. Dr. Phil. Karl Jansen hat gesagt, dass die Ibogain-Therapie nur als letzte Rettung eingesetzt werden sollte, bei stark Süchtigen, die es mit keiner anderen Methode geschafft haben, ihre Sucht aufzugeben, da er befürchtet, dass es permanente Veränderungen im Hirn bewirkt. Wie sehr sollten sich Personen, die Ibogain nehmen, Sorgen um Hirnschäden machen?

Sandra: Nach allem, was ich über die Molliver- Studie weiß, wurde nachgewiesen, dass jede Menge, die unter 50 mg je kg Körpergewicht liegt nicht neurotoxisch wirkt. Das war bei Ratten. Ich weiß nicht, ob schon neurotoxische Studien mit Menschen durchgeführt wurden. Ich hoffe auf jeden Fall, dass solche Studien in Zukunft gemacht werden, denn ich bin sehr neugierig. Wie bereits gesagt, liegt die von uns verabreichte Dosis zwischen 16 und 20 mg je kg, wobei 20 mg für die schwersten Fälle von Abhängigkeit reserviert sind. Wir raten den Leuten, die sich für unsere Behandlung bewerben, dass sie erst mal eine andere Form der Behandlung ausprobieren sollten. Nicht nur wegen der möglichen Nervengiftqualitäten, sondern auch weil es eine sehr intensive psychoaktive Erfahrung ist. Nicht jeder ist darauf vorbereitet. Natürlich ist es eine unserer wichtigsten Aufgaben, die Leute auf diese Erfahrung vorzubereiten. Aber ich bin der Meinung, dass Ibogain eine bessere Wahl für diejenigen ist, die andere Möglichkeiten bereits erschöpft haben. Es spricht außerdem sehr für die Wirksamkeit der Ibogain-Therapie, wenn es bei Personen erfolgreich wirkt, die bereits andere Behandlungen erfolglos probiert haben; das könnte Forscher davon überzeugen, dass die Ibogain-Therapie ernstlich untersucht werden sollte.

Jon: Von dem aktiven Stoffwechselprodukt von Ibogain, 12-Hydroxyibogamin oder O-Desmethylibogain, das unter dem allgemeineren Namen Noribogain bekannt ist, nimmt man an, dass es lange Zeit im Körper bleibt. Eine der Wirkungen von Noribogain ist es, dass es den Serotoninspiegel anhebt. Man hat die Theorie aufgestellt, dass dieser höhere Serotoninspiegel ein Grund dafür ist, dass es Abhängigen, die Ibogain genommen haben, leichter fällt, nach ihrer Behandlung abstinent zu bleiben. Weißt du, wie lange Noribogain im Körper bleibt?

Sandra: Ich habe von Studien gehört, die behaupten, dass es bis zu drei Monate im Körper verweilt, aber sicher weiß ich das nicht. Zu diesem Thema müssten auch mehr Studien gemacht werden, da vermutet wird, dass diese Reaktion zu dem langanhaltenden Effekt von Ibogain beiträgt, das Verlangen zu zügeln.

Jon: Es wurde außerdem nachgewiesen, dass Ibogain den durch Kokain verursachten Dopaminanstieg rückgängig macht. Es wirkt also nicht nur auf den Serotoninstoffwechsel sondern auch auf den des Dopamins. Außerdem wirkt es als Konkurrent von MK-801, das sich an den NMDARezeptor bindet, und von dem bekannt ist, dass es die Alkohol- und Opiattoleranzschwelle senkt und eine entgegengesetzte Wirkung auf die Verträglichkeit von Aufputschmitteln hat. Das stimmt mit dem überein, was du über Abhängige sagtest, die ein großes Risiko eingehen, wenn sie die Droge ihrer Wahl nach der Behandlung in derselben Dosierung einnehmen, die sie vorher gewohnt waren. Außerdem wurde nachgewiesen, dass Ibogain sich an die mu- und kappa- Opioidrezeptoren bindet. Pharmakologisch gesehen, ist also eine Menge los mit Ibogain.

Sandra: Ich suche übrigens nach einem Pharmakologielehrer. Vielleicht finde ich einen Studenten, der herkommen und mir diese Dinge erklären kann, denn die einzige Pharmakologie, die ich studiert habe, war …

Jon: … angewendete Pharmakologie? [lacht] Ja, das studieren wir sicher alle.

Sandra: Genau. Aber es ist mir unmöglich, über dieses Gebiet mit irgendeiner Art von Legitimation zu sprechen, denn ich weiß nichts darüber.

Jon: Nun, ich möchte dich trotz dieses Vorbehaltes bitten, Vermutungen anzustellen. Von vielen Abhängigen, die eine Ibogain-Behandlung durchführen, wird behauptet, dass sie keine Entzugserscheinungen haben oder zumindest weniger starke Entzugserscheinungen durchmachen müssen. Bis zu welchem Grad würdest du die suchtmildernden Eigenschaften von Ibogain seiner pharmakologischen Wirkung zuschreiben und zu welchem Grad schreibst du zukünftige Erfolge in bezug auf Abstinenz den psychotherapeutischen Effekten durch Visionen zu? Letztendlich machen die Leute einen sehr intensiven und manchmal zurückblickenden oder „lebensbewertenden“ mentalen Prozess durch.

Sandra: Ich denke, dass man diese Elemente nicht voneinander trennen kann. Obwohl man sicher versuchen kann, die mentale, emotionale, spirituelle und physikalische Komponente voneinander zu trennen, glaube ich nicht, dass wir jemals vollkommen erfolgreich diesen Vorgang verstehen können oder eine wirklich ausgewogene Sicht auf die Geschehnisse haben könnten.

Jon: Vor über zehn Jahren hat jemand ein synthetisches Analogon zu Ibogain entwickelt, das keine Visionen hervorruft, aber theoretisch trotzdem aufgrund seiner suchtbekämpfenden Eigenschaften verwendet werden könnte, oder?

Sandra: Ja. Es heißt 18-Methoxycoronaridin, kurz 18-MC. Aber es wurde noch nicht an Menschen getestet. Dieses Projekt wird von Stanley Glick durchgeführt und ich habe ein großes Interesse zu erfahren, was daraus wird. Jeder, der bei uns eine Therapie mitgemacht hat, hatte eine visionäre Erfahrung auf die ein oder andere Art. Sie haben einen Prozess durchgemacht, in dem es ihnen möglich war, traumatische Erfahrungen in ihrem Leben zu betrachten und eine Art Frieden in bezug auf diese Probleme zu finden – ich bin der Meinung, dass das einen signifikanten Teil des Erfolgs der Behandlung ausmacht.

Jon: Das Konzept von ’set und setting‘ ist in der psychedelischen Gemeinschaft ziemlich bekannt. Eine der frühen großen LSD-Forscherinnen, Dr. Betty Eisner jedoch schlug noch eine dritte Komponente vor, die nicht so breitflächig angenommen wurde. Ich halte sie allerdings für ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger. Eisner hat mit Alkoholikern gearbeitet, die sie mit LSD behandelte. Ihr Vorschlag war der, dass es neben „set“ und „setting“ noch die „matrix“ gibt. Die Matrix bezieht sich auf das einen umgebende Umfeld. Die Matrix kann mit der Verarbeitung der Effekte eines Psychedelikums nach einem Trip helfen. Sie kann Süchtigen helfen, abstinent zu bleiben. Ein potentielles Problem besteht darin, dass Süchtige Freunde haben können, die ebenfalls an einer Sucht leiden. Wenn man nun also aufhört, was tut man danach? Eisner hat also Wohnungen eingerichtet, in denen die Leute nach ihrer Behandlung gewohnt haben. In diesen Übergangshäusern sollte der (hoffentlich) frühere Abhängige von Leuten mit ähnlichen Problemen umgeben sein, die ebenfalls versuchen, mit dem Entzug fertigzuwerden. Jetzt besteht die sie umgebende Matrix plötzlich aus Leuten, die einander beim Erreichen eines gemeinsamen Zieles unterstützen können; ein neuer Freundeskreis. Was mich zu der Frage führt, welche Art von Nachsorge mit den Personen durchgeführt wird, die eine Behandlung am Iboga Therapy House gemacht haben?

Sandra: Wir versuchen, dieses Problem auf einer Reihe verschiedener Ebenen anzugehen. Unsere idealen Patienten für eine Therapie sind solche, die bereits Faktoren vorweisen können, die eine unterstützende Matrix beinhalten. Wir achten also neben der Fähigkeit, sich gut zu ernähren, körperlich in Form zu bleiben und Ähnlichem, auf Personen, die ein gutes Sozial- und Familienleben haben. Da wir viele Bewerber haben, sind wir bei unserem Auswahlverfahren bemüht, die Personen herauszufiltern, die potentiell die größten Erfolgschancen haben, basierend auf einer Anzahl von verschiedenen Faktoren. Wir berücksichtigen all diese Dinge. Das bedeutet nicht unbedingt, dass wir jemanden aufgrund dieser Faktoren von der Behandlung ausschließen würden. Für die Nachsorgebehandlung ist es für uns allerdings hilfreich zu wissen, wo sich der Mensch im Vorfeld befindet. Das hilft uns bei der Erstellung eines individuellen Nachsorgeplans, damit man weiß, auf welchen Gebieten man sich besonders kümmern muss. Ich denke, dass es hilfreich wäre, ein zwei- , drei- oder vierwöchiges Programm im Iboga Therapy House anzubieten, aber das können wir uns im Moment noch nicht leisten. Die Art und Weise wie wir momentan versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten zu agieren, besteht darin, ein lokales Netzwerk in Vancouver aufzubauen. Wir sind dabei, eine Gruppe von Individuen zusammenzustellen, Dienstleister, ganzheitliche Heiler, Therapeuten, Physiotherapeuten und andere, die willens sind, Abhängigen sowohl bei der Vor- als auch bei der Nachbehandlung zu helfen. Wenn zum Beispiel jemand ein Beschäftigungsproblem, aber ein sehr gutes Zu Hause und Familienleben hat, dann können wir ihnen einen Jobberater empfehlen, der über unser Ibogain-Programm Bescheid weiß, der weiß, was diese Leute durchmachen und der gut informiert ist über Probleme, die ein von Chemikalien abhängiger Mensch bewältigen muss. Ein solcher Jobberater wird dem Abhängigen dabei helfen, auf seine oder ihre persönlichen Bedürfnisse und Ziele hinzuarbeiten. Wenn es uns also gelingt, diese Matrix aufzubauen, wird es dem Betroffenen bessere Erfolgschancen bei der Genesung geben.

Jon: Was sind die langfristigen Ziele eures Projekts? Wie sieht es mit der Förderung aus?

Sandra: Marc Emery hat sich bereit erklärt, das Projekt auf unbestimmte Zeit mit monatlich 10.000 $ zu fördern, die wir zur Deckung unserer Betriebskosten benötigen. Obwohl er hinter unserem Projekt steht, ist die Zukunft ungewiss. Marc könnte etwas zustoßen und dann ist er vielleicht nicht mehr in der Lage, das Projekt weiter zu fördern. Oder Kanada beschließt, Ibogain zu indizieren. Veränderungen können schnell und ohne Vorwarnung auftreten. Ich würde uns gern verschiedene Optionen offen halten, damit wir in der Lage wären, unsere Förderung ohne Unterbrechung aus anderen Quellen zu beziehen, sollte irgendetwas unsere derzeitige Förderung einschränken. Wir haben in jedem Fall vor, uns um eine anderweitige Förderung zu bewerben. Ich denke aber, dass wir erst einige Angelegenheiten in Ordnung bringen müssen, bevor wir das tun können. Ich würde das Iboga Therapy House gern in das Papier A Framework for Action der Stadt Vancouver aufnehmen, das die auf vier Säulen beruhende Drogenpolitik umreißt, die sie versuchen, zu implementieren. Die „Safe Injection Site“ (ähnlich den Deutschen „Druckräumen“) ist ein Beispiel für eine Empfehlung, die bereits in die Tat umgesetzt wurde. Heroin auf Rezept ist eine andere, an deren Umsetzung sie arbeiten. Ich würde mich freuen, wenn in Vancouver, hoffentlich innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre, Ibogain die nächste große Sache auf diesem Gebiet werden würde. Es sollte in A Framework for Action unter „Behandlung“ aufgenommen werden, welche eine der vier Säulen des Ansatzes der Stadt ist, mit den Drogenproblemen umzugehen. [Die anderen drei Säulen sind Schadensbegrenzung, Vorbeugung und Strafverfolgung.] Eine der derzeit vorgeschlagenen Maßnahmen besteht in der städtischen Förderung klinischer Studien an Medikamenten die bei der Entgiftung und Behandlung eingesetzt werden können und sie führen Levo-Alpha-Acetyl-Methadol (LAAM) und Buprenorphin als Beispiele an. Ich möchte vorschlagen, dass Ibogain ebenfalls miteinbezogen wird. Einerseits wünsche ich mir also, dass mehr Geld in Forschung und klinische Versuche fließt, andererseits möchte ich mit den Verantwortlichen der Stadt den Dialog darüber eröffnen, dass sie uns helfen, dieses Programm weiterzuführen. Unser Programm ist sicher nicht so exakt wie eine klinische Studie, aber es bietet doch verlässliche Daten und eine zuverlässige Behandlung.

Jon: Wo siehst du dich in fünf oder zehn Jahren?

Sandra: Ich würde mir wünschen, dass dieses Programm auf eigenen Füssen steht und einen ausreichenden Rahmen bietet, dass auch andere damit arbeiten können. Ich könnte andere Leute unterweisen, diese Art von Arbeit durchzuführen. In der Zukunft, wenn das Iboga Therapy House oder eine seiner Inkarnationen eine Förderung von der Stadt erhält, könnte ich entweder dort weiterarbeiten oder jemand anderen anleiten, damit er meine Arbeit übernehmen kann. Ich würde gern zur Uni gehen und transpersonale Psychologie studieren. Ich denke aber, dass Ibogain mich mindestens für die nächsten fünf Jahre begleiten wird. Und ich stehe voll und ganz dahinter. Irgendwann einmal würde ich gern als psychedelische Therapeutin arbeiten.

Jon: Danke, Sandra, dass du dir die Zeit genommen hast, mit mir für The Entheogen Review zu reden. Das Iboga Therapy House nimmt zur Zeit nur Bewerbungen von kanadischen Bürgern an. Das hängt mit einer von der Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies geförderten Studie zusammen, die die Langzeitwirkung der vom Therapy House und der Ibogaine Association, die ähnliche Behandlungen in Mexiko anbietet, angebotenen Behandlung beurteilen soll. Für mehr Informationen über diese Studie siehe MOJEIKO, V.2004. „Developing an Outcome Study of Ibogaine Therapy“, MAPS Bulletin 14(1):7-8 oder besuchen Sie www.maps.org. 14(1):7-8 oder besuchen Sie www.maps.org.

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