Humulus lupulus geraucht: Ein wirksames Kopfschmerzmittel

Markus Berger

Hopfen, ein Gewächs aus der Familie der Cannabaceae (die ansonsten nur noch den Hanf Cannabis spp. enthält), ist seit langem als wirksames Phyto-Sedativum bekannt.

Allerdings sind nur Zubereitungen in Tee- oder Tablettenform populär, über gerauchten Hopfen finden sich in der Literatur so gut wie keine Angaben. Im Allgemeinen wird innerhalb der Pflanzenmedizin nur wenig über das Rauchen von Gewächsen berichtet – vermutlich weil die gängige Meinung vorherrscht, Rauchen sei grundsätzlich schädlich.

Doch stimmt das so nicht ganz. Wir kennen Zubereitungen, Rauchmischungen, welche durchaus pharmakologisch sinnvoll und hilfreich bzw. heilsam sein können, z.B. Zigaretten aus dem Huflattich Tussilago farfara, die als Expektorans gebraucht werden, oder die früher sogar in Apotheken erhältlichen Asthma-Zigaretten mit Stechapfel-Zusatz (Datura stramonium).

Im Buch „Recreational Drugs“ von 1977 schreiben die Autoren etwas zu den psychologischen Eigenschaften gerauchten Hopfens: „Lang als Würze im Bier-Brauprozess verwendet, wird der Hopfen jetzt weithin bekannt werden. (…) Wenn Hopfen (…) geraucht wird, produzieren die süß-sauren, flockig fruchtigen Teile der Pflanze einen milden Rausch, untermalt von einem Gefühl des Friedens und des Frohsinns“ (YOUNG et al. 1977).

Aus Experimentierfreude und Unglauben gegenüber dem Gelesenen, rauchten meine Frau und ich vor einigen Monaten zwei Hopfenzigaretten, praktizierten also ein pharmakologisches Bioassay. Meine Frau plagte zu dieser Zeit und schon drei Tage vorher ein uneindämmbarer Kopfschmerz, der nicht migräneartig war (im Fall einer Migräne helfen immer semi-homöopathische Dosierungen pflanzlich gewonnener Tryptamine).

Bereits nach dem ersten Zug an der Hopfenzigarette (welche ausschließlich mit Blättern gefüllt war) stellte meine Frau fest, dass ihre Kopfschmerzen nun plötzlich vorüber seien. Um sicherzugehen, dass dies nicht ein Produkt des bloßen Zufalls gewesen war, versuchte ich – als ich selber einige Tage danach von Kopfweh geplagt war – gerauchten Hopfen auch gegen mein Leiden einzusetzen. Mit Erfolg!

Auch bei mir endete der Schmerz abrupt und kam nicht wieder. Als ich anlässlich eines Vortrages in Berlin von diesem Phänomen erzählte, rief das drei Zuhörer auf den Plan, die mich nach der Präsentation ansprachen. Zwei Personen bestätigten die Erfahrungen, eine Person sagte, dass gerade das Rauchen von Hopfen ihr Kopfschmerzen beschere.

Hier zeigt sich wieder die Bestätigung der These, dass des einen Heilmittel anderen Menschen durchaus zum Nachteil gereichen kann. Ob bei der betreffenden Person eine Unverträglichkeit der Hopfen-Wirkstoffe vorlag oder ob andere Gründe (vielleicht das Rauchen an und für sich?) für die Entwicklung des Kopfschmerzes verantwortlich gewesen sind, lässt sich im Nachhinein nicht mit Sicherheit feststellen. Sicher ist nur, dass alle Probanden, denen ich gegen ihre Kopfschmerzen Hopfenzigaretten zukommen ließ, einstimmig über eine auf das Rauchen folgende Linderung oder sogar völlige Schmerzfreiheit berichteten.

Ein einige Wochen darauf von mir erfahrener, schwerer und krampfartiger Migränekopfschmerz ließ sich auch nach mehrmaligem Rauchen von getrockneten Hopfendolden- und -blättern nicht aufheben. Hier greifen nach meiner Erfahrung nur Verbindungen vom Tryptamin-Typ.

Hopfen enthält Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe (Humulone, Lupulone u.a.) und ein ätherisches Öl, welches sich aus Sesqui- und Monoterpenen (Humulen, Myrcen, Caryophyllen u.a.) zusammensetzt. Interessant wäre zu erfahren, welche Komponenten durch Verbrennung und Inhalation imstande sind, Kopfschmerzen zu verringern bzw. aufzuheben. Hier wäre eine chemische Analyse notwendig!

Vorläufiges Fazit: Gerauchter Hopfen ist in manchen Fällen ein verlässliches Kopfschmerzmittel, obgleich die Pflanze zwar als Sedativum und mildes Hypnotikum, keinesfalls aber als Analgetikum bekannt ist. Künftige Forschungen werden folgen und Fremderfahrungen sind mir immer willkommen (Kommentarfunktion)

Quellen

Young, Lawrence A.; Young, Linda G.; Klein, Marjorie M.; Klein, Donald M.; Dorianne Beyer (1977), Recreational Drugs – Everything you need to know about the drugs people take for pleasure today, Berkeley Books (http://www.drugtext.org/library/books/recreationaldrugs/hops.htm)

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