HU-210

Wirkungsweise

HU-210 ist ein Cannabinoidrezeptor-Agonist. Es aktiviert die  Cannabinoidrezeptoren CB1, und CB2, wobei die Affinität zum CB1-Rezeptor höher ist. Es ist anders als Δ9-Tetrahydrocannabinol, dem Hauptwirkstoff von Cannabis, ein voller Agonist.

Potenter als natürliches Cannabinoid

Cannabisrezeptor-Agonisten sind Substanzen, die nach der Bindung an die Cannabisrezeptoren CB1 oder CB2 (oder beiden) cannabisähnliche Wirkungen zeigen.

Sie sind folgendermaßen eingeteilt:

  • endogene Cannabinoide ( Anandamid)
  • klassische Cannabinoide ( Δ9 THC-, HU-210)
  • nicht-klassische Cannabinoide ( CP-47,497 und Homologe)
  • andere Cannabinoide (Aminoalkylindole wie JWH-018 und JWH-073)

(Die in Klammern aufgeführten Substanzen sind exemplarisch für die Stoffgruppe)

Es  wurden bisher eine große Anzahl dieser Substanzen synthetisiert, die teilweise deutlich wirksamer sind als delta 9-THC, dem natürlichen Cannabinoid der Hanfpflanze.

Übersicht

HU-210 ist ein synthetisches Cannabinoid. Die Abkürzung HU steht für Hebrew University, wo die Verbindung 1988 erstmalig synthetisiert wurde. Die Wirksamkeit von HU-210 ist 100 bis 800 höher als das THC aus der Cannabispflanze und hat auch eine deutlich längere Wirkungsdauer. HU-210 ist ein starkes Analgetikum mit vielen Wirkungen, die denen  vom natürlichen THC identisch sind.

HU-210 ist das Enantiomer von HU-211. Dieses weist aber im Gegensatz zu HU-210 keine cannabinoide Wirkung auf. Die originäre Synthese von HU-210 basiert auf einer säurekatalysierten Kondensation von 3,5-Dimethylheptylresorcinol und Myrtenol.

HU-210 wurde im Januar 2009  nach Angaben der „U.S. Customs and Border Protection“ (U.S. Zoll) in „Spice Gold“ Produkten an der U.S. Grenze entdeckt und beschlagnahmt. Mehr als 50 Kg an Spice Produkten wurden aufgrund dieses Befunds beschlagnahmt. Die Analysen von anderen Labors entdeckten allerdings kein HU-210 in diesem Produkt. Es ist möglich, dass die Hersteller von Spice unterschiedliche Substanzen in ihre Produkte mischten (was sehr wahrscheinlich ist und auch von Branchenkennern bestätigt wurde) oder dass die strukturell verwandte Substanz CP 47,497 fälschlich als HU-210 identifiziert wurde. In Deutschland wurde jedenfalls nie HU-210 in Spiceprodukten nachgewiesen. Es ist aber definitiv in einigen der momentan verfügbaren Räuchermischungen zugesetzt. Das bestätigte uns ein Insider.

Dosierung

Die durchschnittliche Dosis von reinem  HU-210 liegt bei wenigen µg, geraucht in einer Kräuter/Tabakmischung, die Wirkungen halten gewöhnlich 6-10 Stunden an. Oral konsumiert ist die Dosis deutlich geringer. Genaue Angaben liegen nicht vor und Selbstversuche sind riskant, da die Wirkung nicht nur verstärkt, sondern auch extrem verlängert wird. Auch treten teilweise intensive Halluzinationen auf. Ähnliches wird auch bei oralem Konsum von Cannabisprodukten wie Haschisch und dessen Extrakten beobachtet .

Mittlerweile gibt es eine reiche Palette an sogenannten „Räuchermischungen“ (Bonzai, AURA Blends, ect.), die eine Vielzahl an unterschiedlichen synthetischen Cannabinoiden enthalten und sich wachsender Beliebtheit erfreuen und einfach über das Internet zu bestellen und zu kaufen sind.

HU-210 und Drogentests

HU-210 ist ein synthetisches Cannabinoid, das gegenwärtig nicht durch Tests im Körper festgestellt werden kann. Die Grundlage für solche Tests ist der Stoffwechselabbau einer verabreichten Droge. Bei diesem Prozess werden bestimmte Produkte gebildet, nach denen mit dem Test gesucht wird. Es handelt sich dabei jeweils um spezifische Abbauprodukte, die nur als Folge des Konsums einer bestimmten Substanz entstehen können. Zurzeit (Jan. 2011) besteht kein Test, der für Stoffwechselprodukte von synthetischen Cannabinoiden angewandt werden kann. Es wird aber spekuliert, dass Forscher an der Entwicklung eines Tests arbeiten, es aber noch Jahre dauern wird bis dieser einsatzfähig ist. Das ist neben der einfachen Verfügbarkeit der Hauptgrund für die Beliebtheit dieser Produktgruppe. Der Konsum von Cannabisprodukten geht durch alle Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen, darunter auch solche, die permanent Drogenkontrollen ausgesetzt sind, wie Polizei etc. Nun ist es auch diesen Personen möglich, ohne dass es feststellbar ist und berufliche und strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten sind, diese Produkte zu konsumieren. Auch Konsumenten die schon rechtliche Probleme wegen Cannabiskonsum hatten und im  Überwachungsraster der Behörden wegen BtMG -Verstößen erfasst sind, können ohne Gefahr den Führerschein bei einer Kontrolle zu verlieren, oder sonstiger Repressalien, weiter konsumieren.

Verbreitet werden aber Informationen zur vermeintlichen Abschreckung, dass es ein Nachweisverfahren gibt. Es soll für alle Hauptwirkstoffe einsetzbar sein und eine aktute Intoxikation (Vergiftung) bei einem Bluttest nachweisen können. Praktisch wurde dieses Verfahren noch nicht eingesetzt.

Handelsformen und Anwendung

Meist werden diese synthetischen Cannabinoide wie HU-210 in konsumfertigen Rauchmischungen als „ Räuchermischung, Herbal Blend, Räucherwerk “ usw. über das Internet und lokale Headshops und Smartshops verkauft. Es gibt eine Vielzahl an Handelsnamen wie AURA, Bonzai, Spice, …Primär sind es Mischungen mit Damiana (Turnera diffusa) und Eibisch (Althaea officinalis), die strukturell Ähnlichkeit mit Marihuana aufweisen und wie dieses im Joint, oder in der Pfeife mit Tabak vermischt, als auch pur geraucht werden. Verkauft werden diese Mischungen meist in Aluminiumtüten mit 1 – 3 Gramm Inhalt, wobei der Standard 3 Gramm Packungen sind. Je nach Art und Wirksamkeit des Cannabinoids sind zwischen 10-200 mg der reinen Substanz pro Gramm der Mischung zugefügt. Dies geschieht indem das Cannabinoid je nach Löslichkeit in Ethanol, Aceton usw. gelöst und maschinell vermengt wird. Das gewährleistet eine gute Verbindung mit dem Trägermaterial (Kräutern), die optisch nach der Trocknung nicht feststellbar ist und unauffällig von Verbraucher gehandhabt werden kann. Der Geruch beim Rauchen ist ebenfalls recht neutral, so dass sogar in öffentlichen Umgebungen unauffällig z.B. in Form von selbstgedrehten Zigaretten konsumiert werden kann.
Eine andere Form sind die sogenannten „ Solids oder Resin “, die das Aussehen, die Struktur und teilweise auch den Geruch von Haschisch imitieren. Diese werden aus fein gemahlenen Kräutern unter Zugabe von Bindemitteln wie Ölen, Harzen und Honig ect. hergestellt und in ähnlicher Potenz mit den syn. Cannabinoinden vermischt, wobei hier diese nicht gelöst werden müssen, sondern im puren Zustand den Trägerstoffen untergemengt werden. Solids sind in Stücken und Platten von 1-500 Gramm im Handel erhältlich. Verwendet werden sie analog zu Haschisch und den Räuchermischungen.
Auch als sogenanntes Duft – oder Aromaöl sind rauchfertige Anmischungen erhältlich.
Diese werden analog zu Haschischöl einfach auf die Zigarette oder den Tabak aufgeträufelt und können dann direkt geraucht werden. Allerdings sind nur wenige synthetische Cannabinoide bei Zimmertemperatur dauerhaft homogen in öligen Lösungen, was die Bandbreite an unterschiedlichen Produkten einschränkt.

Bezugsquellen:
Bezugsquellen werden rein exemplarisch angegeben und dienen nur zur Information.
Internetshop

Sucht erzeugendes Potential

Unbekannt

Dokumentierte Notfälle pro Jahr

Unbekannt

Rechtlicher Status

Deutschland

Illegal seit 2009

USA

HU-210 gehört zur Schedule I in den Vereinigten Staaten.

Literatur

Cannabis und Cannabinoide: Pharmakologie, Toxikologie und therapeutisches Potenzial

Chemistry and Molecular Aspects of Drug Design and Action

The Cannabinoid Receptors

Handbook of Experimental Pharmacology: Cannabinoids: Volume 168

Cannabinoids in Nature and Medicine

Marihuana and Medicine