Hanf als Räuchermittel

Markus Berger
mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

Cannabis wird nicht nur gegessen oder geraucht, so wie das allen klar ist, sondern manchmal (wenn auch selten) sogar als Räuchermittel verwendet. Nun könnte die Idee aufkommen, dass es Verschwendung sei, das teure Material in eine Räucherschale auf die Glut zu geben. Psychoaktive Räuchermischungen allerdings haben es oftmals in sich. Sie können bei richtiger Anwendung ebenso wirksam sein, wie gerauchtes Kraut oder Harz. Hinweislich des BtM-Status von Medizinalhanf sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die derzeit einzig legale Bezugsmöglichkeit niederländische Apotheken sind, die seit einiger Zeit Cannabis spp. als in Holland (EU) zugelassenes Arzneimittel verteilen.

Geschichte

Räucherwerk wird schon lange angewendet, Hanf wird seit über 2000 Jahren geräuchert. Der griechische Historiker Herodot (ca. 490-430 Chr.) stellt in seinem Geschichtswerk als erster die schamanische Cannabis-Anwendung als Räuchermittel dar. Die Skythen bauten für Begräbnis- und Reinigungsrituale ein Filzdeckenzelt über einem Feuer auf. In dieses setzten sie sich und warfen Cannabissamen auf die glühenden Steine. Die entstehenden psychoaktiven Dämpfe (THC) wurden dann voller Wohlgefühl inhaliert (Berger 2003; Clarke 1995: 104; Jettmar 1981: 310ff.; McKenna 1992: 197; Rätsch 1996: 85f., 1998: 142f.).

Cannabis indica wurde hauptsächlich in Asien, Cannabis sativa in Europa und Cannabis ruderalis von den Skythen verwendet, wobei nur die Schamanen der mongolischen Skythen den Ruderalhanf rituell nutzen, die der antiken Skythen hingegen Cannabis sativa.

In Indien und Nepal wird der geheiligte und Shiva zugeordnete Hanf bis heute ab und zu geräuchert. Die orale Einnahme und das Rauchen sind aber wesentlich verbreiteter. Cannabisräucherungen werden in Nepal beispielsweise gegen Halluzinationen eingesetzt. Als Gegenmittel bei Vergiftungen räuchert man in Pakistan und Indien mit Haschisch. Die indische Schrift Mahabharata1 nennt eine Räucherrezeptur aus Cannabis, Lack, Harz und Butterfett. Der genannte Lack ist ein Baumprodukt, das Harz vermutlich indischer Weihrauch. Im alten China verwendete man den ebenfalls heiligen Hanf, als eines der ältesten Räuchermaterialien, zur Geisteranrufung, und auch im alten Orient wurde Cannabis schon im neunten Jahrhundert vor Christus von den Assyrern bei Vergiftungen, zur Geistervertreibung und gegen psychische Leiden geräuchert. (Manniche 1989: 83; Rätsch 1996: 86f.; Thompson 1949: 220ff.; Touw 1981: 27). Auch in Europa hatte sich ein Brauch entwickelt:

„Aus mittelalterlichen Quellen geht hervor, dass bei Festen große Mengen Hanfkraut ins Feuer geworfen wurden, um die Stimmung zu heben. Ähnliche Räuchereien wurden in Deutschland bis ins 19. Jahrhundert hinein bei der jährlichen Hanfernte durchgeführt“

(Rätsch 1996: 87).

Anwendung

Natürlich ist es bei allen vorhandenen Möglichkeiten, welche die natürlichen Resourcen bieten, auf Dauer langweilig, immer nur Cannabis zu verbrennen. Daher mischt man Räucherungen traditionell schon seit langem aus verschiedenen Kräutern, Harzen, Rinden und Früchten. Grundsätzlich können wir hier stark vereinfacht die diversen Räuchermixturen in drei Kategorien unterteilen, nämlich in rein olfaktorische,2 heilende und psychoaktive, wobei die Kategorien sich gegenseitig nicht ausschließen müssen.

Als Räuchermittel eignen sich alle Hanfarten

(C. sativa, indica und ruderalis) und Hanfprodukte: Blüten (Marijuana), Blätter und Stengel, Harz (Haschisch) und Samen (auch solche, die als Vogelfutter verkauft werden). Die oftmals im Handel anzutreffenden Räucherstäbchen mit Namen wie „Hanf“, „Hemp“, „Hennep“, „Cannabis“, „Canna“ oder „Mountain Cannabis“ enthalten kein THC und duften auch nur selten wirklich nach Hanf. Besser ist da schon eine Art selbstgemachter Räucherstäbe: Aus frischen Hanfzweigen wird ein, mit Naturfaser gebundenes, gleichmäßiges Bündel gefertigt und zum Trocknen ausgehängt. Sobald es trocken ist, kann es wie ein Räucherstab abgebrannt werden. Solche Bündel lassen sich natürlich auch vorzüglich aus Kombinationen verschiedener Pflanzen herstellen.

Zum Abschluss habe ich für die praktische Anwendung einige wenige Rezepturen auf Hanfbasis bzw. mit Hanfanteil für Räuchermischungen aufgeführt. Ich beginne mit meiner Lieblings-Eigenkomposition, deren Zusammensetzung allerdings immer variieren kann. Nicht immer ist eine solch wilde Mischung dieser verschiedenen Ingredienzien erwünscht. Die psychopharmakologische Wirkung der Rezeptur blieb hingegen bislang den wenigsten Probanden verborgen. Tabelle 1 listet die Zutaten nebst Mengenangaben und Inhaltsstoffen auf (Anwendung auf eigene Gefahr).

Je nach Verfügbarkeit eigenen sich getrocknete Coca-Blätter, Fruchtkörper des Fliegenpilz Amanita muscaria und natürlich Copal-Harz vorzüglich zur Ergänzung der Mischung.

Menge / Material Botanischer Name Inhaltsstoff
1 Teil Marijuana-Blüten Cannabis spp. THC
1 Teil Stechapfelsamen Datura spp. Tropanalkaloide
1 Teil Tollkirschen-Blätter Atropa belladonna Tropanalkaloide
1 Teil trockene, gemahlene Mohnkapsel Papaver somniferum Opiumalkaloide
½ Teil Löwenohr-Kraut Leonotis leonurus Diterpene, Cumarine
½ Teil Salvia-Blätter Salvia divinorum Salvinorin A
½ Teil Stachelmohn-Kraut Argemone mexicana (Isochinolin-)Alkaloide
¼ Teil Kalmus-Wurzel Acorus calamus Asaron (Eugenol, Safrol)
¼ Teil Galanga-Wurzel Kaempferia galanga ätherisches Öl mit div. Wirkst.
3 bis 5 geröstete Yopo-Samen Anadenanthera peregrina DMT, 5-MeO-DMT, Bufotenin
2 bis 6 Eibennadeln Taxus baccata Taxoide
beliebig viel Katzenminze Nepeta cataria Nepetalactone

Tabelle 1: Räuchermischung mit Mengen- und Inhaltsangaben

Christian Rätsch gibt in der „Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen“ zwei Anti-Asthma-Räuchermischungen mit Cannabis-Anteil an. Diese sind medizinisch höchst wertvoll und durchaus auf eigene Gefahr anwendbar.

Asthmazünder „Pressant“ (1904)

Nach Rätsch 1998: 786

  • 40% Folia Stramoni (Datura stramonium, Stechapfel-Blätter)
  • 10% Herba Cannabis indica (Hanf-Kraut bzw. -Blüten) 2,5% Herba Hyoscyami (Hyoscyamus niger; Bilsenkraut-Kraut)
  • 30% Kalium nitricum (Kaliumnitrat)
  • 2% Anethol (aus Anethum graveolens o.ä.) 15,5% Bindemittel (z.B. Gummi arabicum)

Das Gemisch wird verdampft und bei Asthma inhaliert.

Asthmaräucherpulver „Hadra“ (ca. 1920)

Nach Rätsch 1998: 786 Diese Rezeptur ist leider nur teilweise erhalten. So finden sich zwar alle Ingredienzien, nicht aber die Dosierungsangaben. Das Asthmaräucherpulver „Hadra“ wurde früher offiziell in Apotheken Mitteleuropas als Asthmamittel verkauft.

  • Herba Cannabis indica (Cannabis indica), Kraut
  • Folia Stramoni (Datura stramonium), Blätter
  • Herba Hyoscyami (Hyoscyamus niger), Kraut
  • Herba Lobelia (Lobelia inflata), Kraut
  • Folia Eucalypti (Eucalyptus sp.), Blätter
  • Kalium nitricum (Kaliumnitrat)
  • Menthol, ätherisches Öl

Ein weiteres, einfaches Rezept in Dr. Rätschs Buch ist der

„Weihrauch, um Visionen zu erschauen“

nach J. Rose (Rätsch 1998: 786). Man nehme gleiche Teile von:

  • Sandelholz (Santalum album)
  • Hanfblüten, weibliche (Cannabis sativa)
  • Stechapfelsamen (Datura innoxia oder Datura spp.)
  • Eine Prise Veilchenwurzel (Viola odorata L.) und Sandelöl, Benzoe und Tolubalsam zur Aromatisierung.

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Bibliografie

Berger, Markus (2003), Eine wenig bekannte Hanf-Spezies: Cannabis ruderalis Janischewsky, Hanfblatt 05/03

Clarke, Robert C. (1995), Skythian Cannabis Verification Project, Journal of the International Hemp Association 2(2): 194

Jettmar, Karl (1981), Skythen und Haschisch, in: Völger, Gisela (Hg.), Rausch und Realität, Band 1: 310313, Köln: Rautenstrauch-Joest-Museum

Manniche, Lise (1989), An Ancient Egyptian Herbal, London: British Museum

McKenna, Terence (1992), Speisen der Götter, Löhrbach: Werner Pieper and The Grüne Kraft

Rätsch, Christian (1998), Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Aarau: AT Verlag

Rätsch, Christian (1996), Räucherstoffe. Der Atem des Drachen, Aarau: AT Verlag

Thompson, R. Campbell (1949), A Dictionary of Assyrian Botany, London: British Academy

Touw, Mia (1981), The Religious and Medicinal Uses of Cannabis in China, India, and Tibet, Journal of Psychoactive Drugs 13(1): 23-34


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