Kratom, Geschichte und Anwendung

Traditionelle Einnahme

Kratom wurde das erste Mal 1836 in der westlichen Literatur von Low (Burkhill, 1935) erwähnt. Er schrieb über das Einnahmeverhalten in Malaysia und erwähnte, dass Kratom als Ersatz für Opium verwendet wurde, wenn dieses zu teuer oder nicht verfügbar war. Ursprünglich wurde Kratom in Thailand und Malaysia von männlichen Arbeitern eingenommen, um ihre Produktivität zu steigern und wegen der bei geringer Dosierung euphorisch machenden Wirkung von Kratom (auch Coca-Effekt genannt). Unter anderem erleichterte es auch die Arbeit bei starker Sonne und großer Hitze. Häufige Konsumenten kauen die Blätter 3 bis 10 Mal am Tag, wohingegen Gelegenheitsnutzer nur ein paar Blätter benötigen um den gewollten Effekt zu erzielen. Die Einnahme von Kratom von Frauen war hingegen unüblich. Höher dosiert hat Kratom eine Opium-ähnliche Wirkung und wurde schon bereits Anfang des 19. Jahrhunderts als Schmerzmittel und als Ersatzdroge für einen Opium-Entzug eingesetzt (Takayama, 2004). 1895 hat Holmes als erster Kratom der Pflanze Mitragyna speciosa zugeordnet.

Schon früh (1929) wurde festgehalten, dass die langfristige Einnahme von Kratom zu keiner Persönlichkeitsänderung führt. Anders als der Genuss von Opium hatte der Konsum von Kratom auch keinen schlechten Ruf zu dieser Zeit (Jansen and Prast, 1988).

Einnahme

Heutzutage ist die Kratom-Einnahme in westlichen Ländern sehr verbreitet, was durch die umfangreichen Angebote im Internet bestätigt wird. Es wird häufig von Menschen eingesetzt, die eine Opium-Abhängigkeit entwickelt haben und die Entzugssymptome mit Kratom während gewollten Opiumpausen lindern wollen. Durch seine große Internetverfügbarkeit (es gibt über 50 online Verkäufer) und des im vergleich geringen Preises (30 g kosten zwischen 10 und 40$), ist Kratom eine ökonomische Alternative zu anderen Opium ersetzenden Mitteln (wie z.B. Buprenorphine) und kann ohne Rezept erworben werden (Babu et al., 2008).

Doch findet Kratom auch noch in den Heimatländern der Pflanze trotzt Illegalisierung vermehrt Anwendung. So zum Beispiel in Malaysier, wo von dem stellvertretendem Direktor „of enforcement at the Pharmaceuticals Services Division of Malaysia’s Health Ministry“, Dr. Ahmad Mahmud, berichtet wurde, dass das so genannte „air ketum“, ein Tee gekocht aus Kraom Blättern, selbst von 13 jährigen Kindern vor der Schule und während der Pause von Verkäufern an Straßen gekauft und konsumiert wurde, um wach und fit zu bleiben. Allerdings muss man den Kontext des Artikels beachten, denn diese Aussage wurde gegenüber der Singapurer New Paper gemacht, die einen „Anti-Drogen “ Artikel verfasste. In dem gleichen Artikel wurde ebenfalls ein Malaysischer Kratomverkäufer zitiert, der berichtete, dass er ca. 20 Kilogramm Kratomblätter am Tag zu einem Tee verarbeiten und anschließend um die 250 – 300 Tassen verkaufen würde.

Über die Einnahme in anderen südostasiatischen Ländern in denen Kratom heimisch ist, wie z.B. Myanmar, Idonesien, Papua Neuguinea, Vietnam, Laos oder Kambodscha , ist nur wenig oder gar nichts bekannt.

Verwendung in der Medizin

Kratom wird auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Zum Beispiel wird in der traditionellen Medizin in Westafrika M. inermis und M. stipulosa gegen Malaria eingesetzt. Das Alkaloid Speciophylline, isoliert aus M. inermis, zeigte auch bei Studien Wirkung gegen Leukämie. Dies konnte auch bei dem oxindol Alkaloid Mitraphylline und Speciophylline, isoliert aus Uncaria tomentosa (Rubiaceae), einer holzigen Liane beheimatet in Südamerika, beobachtet werden. Traditionell wurde die Liane gegen Arthitis, Darmproblemen, Krebs, und epidermale Erkrankungen eingesetzt. Stuppner et al. (1993) hat in einer Studie Mitraphylline und Speciophylline auf ihre antileukämische Wirkung an den Zelllinien HL 60 und U-937 getestet. Dabei fand er heraus, dass beide Alkaloide die Ausbreitung verhindern können, indem sie die Abgrenzung der HL 60 Zellen zu Granulozyten und der U-937 Zellen, die verantwortlich vor Lymphknotenerkrankungen sind, zu Makrophagen induziert. Dadurch wird der Reifungsblock, der charakteristisch ist für menschliche akute Leukämie, überwunden.

M. africanus wird in Nigeria eingesetzt um Geisteskrankheiten zu behandeln, und die in Afrika beheimatete Pflanze M. ciliata wird traditionell gegen Entzündungen, Bluthochruck, Kopfschmerzen, Rheuma, Gonorrhö, und Lungenkrankheiten eingesetzt.

In Kratom konnte ebenfalls Alkaloide isoliert werden, welche auch in „uña de gato“ vorkommen, und für einen positiven Effekt auf das Immunsystem und Blutdruck verantwortlich gemacht werden.

Wie zuvor erwähnt wird Kratom schon immer als Opium-Ersatz und während eines Entzugs eingenommen. Auch heute finden man vermehrt Einzelberichte im Internet (meist Foren) von Menschen die Kratom als Hilfsmittel gegen Opium Entzugserscheinungen konsumiert haben. Dennoch wird oft über die gleichen Symptome wie bei einem Opiumentzug berichtet, nur dass die Symptome milder sind und kürzer andauern. Manche geben auch an leichten Depressionen nach Absetzen zu leiden, was das Aufhören noch erschwert.

Eine Studie aus aktuellen Zeiten soll Mitragynin als Methdaon-Ersatz genutzt haben. Es wurde berichtet, dass in Neuseeland Abhängigen Mitragynin anstelle von Methadon verabreicht wurde um eine Abhängigkeit zu behandeln. Diese Geschichte wurde das erste Mal in der „Ibogaine Story“ aufgegriffen, was aber auch die einzige Referenz blieb. Aufgrund fehlender Referenzen scheint diese Studie niemals existiert zu haben und ist lediglich eine Geschichte. Es wurde laut Neuseelandstudie berichtet, dass Patienten jedes Mal Kratom geraucht haben sollen wenn sich Entzugserscheinungen bemerkbar gemacht haben. Diese Behandlung soll 6 Wochen angedauert haben, und es wurde von Visualisierungserscheinungen während der Nacht berichtet in Form von lebhaften hypnagogen Träumen. Dana Beal, eine „Cures not Wars“ Aktivistin aus den USA hat während den Ibogain Experimenten bei einem Treffen des „Australian National Drugs and Poisons Schedule Committee’s“ den Vorschlag gemacht, Mitragynin als Placebo für Vergleiche in der Studie zu nutzen. Allerdings wurde ihr Vorschlag mit der Begründung abgelehnt, dass über Mitragynin noch weitaus weniger bekannt wäre als über Ibogain, abgelehnt. In den Notizen des Treffens wurde vermerkt, dass keine Eintrage für eine Mitragynin oder Kratom Studie in Neuseeland gefunden werden konnte, und das weder Mitragynin noch Kratom ein registriertes Produkt in Neuseeland seien. Diese falsche Annahme könnte aus der Aussage von Jansen und Prast (1988) entstanden sein, denn diese meinten in ihrem Artikel, dass Kratom eine spezielle Rolle als Methadonersatz in Entzugsprogrammen hat. Jansen und Prast haben an der Auckland Universität in Neuseeland geforscht, so dass Beal diesen Artikel womöglich einfach falsch interpretiert hat.

Ibogain und Mitragynin sind chemisch ähnlich, jedoch sind die Wirkungswege unterschiedlich. Zudem sind die Anwendungen zur Behandlung von Abhängigkeiten nicht die gleichen. Ibogain ist als Einmalanwendung gedacht; nach einmaliger Verabreichung soll die Abhängigkeit behandelt und kuriert sein, wohingegen Kratom dazu benutzt wird die Abhängigkeit von Betäubungsmitteln langsam und Stück für Stück zu behandeln. Die Vorteile von Kratom sind, dass es in den meisten Ländern legal verfügbar ist, und dass nicht wissenschaftlichen Berichten zufolge der Entzug sicherer und einfacher ist. Diese Aussagen müssen allerdings noch wissenschaftlich bewiesen werden. Es muss aber immer die bei langem und hohem Konsum süchtig machende Wirkung, die Kratom selbst besitzt, berücksichtigt werden.

Bezugsquellen
Hier sind exemplarisch Bezugsquellen  aufgeführt.

Kratom

 

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