Fliegenpilz, Gebrauch und Wirkung

Gebrauch, historisch bis in die Gegenwart

Unbestritten ist sein Gebrauch als schamanistische Droge, welcher vermutlich wohl bis in die Steinzeit zurückgeht und in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet war . In Nordamerika und Sibirien soll er bis heute bei schamanistischen Heil- und Beschwörungszeremonien Verwendung finden. In Sibirien war er vor der Verbreitung des Alkohols das populärste Rauschmittel. Er stand kostenlos in großer Menge zur Verfügung, konnte einfach durch Trocknung konserviert werden und verlor selbst nach langer Lagerung nicht an Wirksamkeit.
Im Gegenteil wird die im frischen Pilz, primär im gelben Fruchtfleisch direkt unter der Huthaut konzentrierte Ibotensäure nach Trocknung in der Sonne, oder Erhitzen in einer Pfanne, durch Dekarboxylierung zu Muscimol, welches erst durch diesen Prozess entsteht und eine ca. 6 fach höhere psychoaktive Wirksamkeit als Ibotensäure aufweist. Dass frisch verzehrte Fliegenpilze eben auch eine psychotrope Wirkung hervorbringen wir allgemein damit erklärt, dass Ibotensäure im Körper zu Muscimol umgewandelt wird und für sich über eine nur geringe psychotrope Wirksamkeit verfügt. Das erklärt auch die Sitte, den Urin von Fliegenpilzkonsumenten aufzufangen und bis zu dreimal wiederzuverwenden, um dadurch das schon im Körper produzierte Muscimol aufzunehmen und die unangenehmen Nebenwirkungen frisch verzehrter Fliegenpilze zu vermeiden.

Verwendung
Die gesammelten Fliegenpilze können einfach durch Heißluft (50-60 Grad) auf dem Backofenrost getrocknet werden. Sie sind bei weitem nicht so empfindlich in Bezug auf Verlust der Wirksamkeit durch Wärme wie psylocibinhaltige Pilze, bei welchen man eine Trocknungstemperatur von 30 Grad Celsius nicht überschreiten sollte.
Eine andere Methode besteht im Erhitzen (Braten) in einer Pfanne (ohne Öl natürlich). Dazu schneidet man die Pilzhüte in Streifen und wendet sie bei kleiner Temperatur so lange, bis der gewünschte Trocknungsgrad erreicht ist. Der Stil wird nicht verwendet, da dieser nur sehr geringe Mengen Ibotensäure enthält und das auch nur bei voll ausgebildeten Pilzen.
Die getrockneten Stücke können nun verzehrt, oder zerkleinert und geraucht werden.
Ebenfalls können etwa 2-3 frische, in Streifen geschnittene Fliegenpilzhüte durchschnittlicher Größe  in Alkohl (1 Flasche Wodka) für ca. 2-3 Wochen eingelegt werden. Der Ansatz sollte hell und sonnig (warm) stehen, damit der Abbauprozess zu Muscimol stattfinden kann. Dann reichen schon 1-2 cl für einen psychoaktiven Effekt.
Manche Konsumenten verwenden ausschließlich die Huthäutchen, was ich persönlich aber für eine Verschwendung halte.
Generell sollte man sich vorsichtig an die passende Dosierung herantasten. Der Wirkstoffgehalt kann extrem zwischen den Fundorten der Fliegenpilze schwanken. So kann schon eine Hälfte eines kleinen Pilzes eine starke visionäre Wirkung haben und dagegen die dreifache Menge fast nichts auslösen. Man sollte auch berücksichtigen, welche Nahrung man vorher zu sich genommen hat, da es durch zum Beispiel sehr fetthaltige Nahrungsmittel zu einer 3-6 Stunden verzögerten Wirkstofffaufnahme im Körper kommen kann. Wir warnen ausdrücklich wie bei allen unseren Beschreibungen vor Selbstmedikamentation!
Das Rauchen  getrockneter Fliegenpilzstückchen ist der sicherste Weg die passende Dosierung zu finden, da man kaum überdosieren kann. Allerdings ist der Effekt auch nicht so intensiv wie bei oral konsumierten Pilzen. Vorteil dabei ist aber auch, dass man sich so Rauchmischungen zubereiten kann, die eine synergetische Wirkung mit anderen Komponenten entwickeln. So bieten sich Mischungen mit Cannabis, Stechapfel oder Bilsenkraut an. Auch hier gilt : Vorsicht! Dies ist keine Anleitung zum Konsum. Es werden auch sehr unterschiedliche Angaben zur letalen (tödlichen) Dosis gemacht. Sie gehen von einem bis zu 10 Pilzen. Andere Quellen geben 100 Gramm frischer Pilze an. Getrocknete Pilze haben einen 5-6fach stärkere Wirkung. Todesfälle wurden bisher aber noch nicht dokumentiert. Das heißt, es gibt wohl bis heute noch keinen wissenschaftlich belegten Todesfall durch eine Vergiftung mit Fliegenpilzen.

 

Getrockneter sibirischer Fliegenpilz

Getrockneter sibirischer Fliegenpilz

Fliegenpilz gemischt mit Damiana

Fliegenpilz gemischt mit Damiana

Amanita muscaria Extract

Amanita muscaria Extract

 

Wirkung
Abhängig vom Fundort des Fliegenpilzes, der Dosierung und des Settings des Psychonauten treten meist nach etwa einer halben Stunde erste Wirkungen in Form von leichter Benommenheit bis hin zu Schläfrigkeit auf in deren Verlauf vielfach intensive farbige Visionen auftreten. Bei dem Konsum von frischen Pilzen kann es in diesem Stadium auch zu Übelkeit und Kopfschmerzen kommen. Gleichzeitig erfährt man eine stark erhöhte Sensibilisierung für Geräusche. Auch eine starke Verschiebung der Wahrnehmung von Größenverhältnissen tritt oft auf, begleitet von Halluzinationen. Zeitliche und räumliche Wahrnehmungsveränderungen, das Gefühl von Klarheit als das Gegenteil von Rausch wird bei höheren Dosierungen auch öfter erwähnt. Ekstatische Zustände wie sie öfter beschrieben werden sind aber wohl eher die Ausnahme, falls diese überhaupt auftreten. Es werden auch manchmal Nebenwirkungen wie Muskelzuckungen der Glieder und Unsicherheit beim Gehen beschrieben. Man sollte sich stets vor Augen halten, dass der Fliegenpilz eine ernst zu nehmende schamanistische Droge ist und man respektvoll damit umzugehen bemüht sein sollte.
Auch sollte immer eine Begleitung anwesend sein, um eventuelle Komplikationen aufzufangen.
Nach etwa 5-6 Stunden ist der Rausch vorüber.

Ibotensäure Strukturformel

Ibotensäure Strukturformel

Muscimol Strukturformel

Muscimol Strukturformel

Bezugsquellen
Hier sind exemplarisch Bezugsquellen  aufgeführt.

Psychoaktive Pilze

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