Extraktionen im Vergleich

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

„Eine Extraktion kann vollständig, selektiv und einfach sein. Such dir zwei der drei Eigenschaften aus.“ (abgewandelte Usenet-Metapher)

Der vorliegende Artikel beschreibt in Kurzform die wesentlichen Extraktionsmethoden moderner Grosstadtschamanen, wobei deutlich erkennbar ist, dass die althergebrachten Vorgehensweisen lediglich in der Wahl der Mittel abgeändert wurden. Ein Kennzeichen solcher Überlieferungen ist die weitgehend fehlertolerante Herangehensweise unter Nutzung verhältnismäßig einfach, und in direkter Umgebung auffindbarer Mittel. Der Schritt zur Laborchemie ist noch nicht getan, doch die ausschließliche Nutzung natürlich vorkommender Ressourcen ist nicht mehr vorhanden. Ebenso entfällt die komplette Ritualhandlung der Zubereitung „heiliger Trünke“.

Umsicht ist jedoch auch bei Nachahmung dieser Techniken unbedingt angebracht, werden doch teilweise sehr giftige, teilweise ätzende Substanzen verwendet. Auch der juristische Teil ist nicht zu vernachlässigen, so ist bei einigen der vorgestellten Substanzen sehr wahrscheinlich eine explizite Genehmigung zur Herstellung und für den Besitz notwendig. Diese Genehmigungen müssen vorher besorgt werden, und sind von Staat zu Staat unterschiedlicher Natur.


Tryptamine selektiv

Die DMT-Extraktion ist meistens darauf ausgelegt, sämtliche Pflanzenfette und Eiweiße zurückzulassen und einen rauchbaren, also möglichst konzentrierten Extrakt der Tryptamine zu produzieren. Um niemanden zu langweilen, wird hier nicht die typische A/B-Extraktion beschrieben, sondern eine andere Variante (siehe  B/A-Extraktion von Desmathus illinoensis).

B/A-Extraktion von Desmathus illinoensis: 100g Wurzelrinde werden pulverisiert und mit sehr wenig 25% Natronlauge getränkt, so dass sich gerade alles Material vollsaugt, aber noch keine Pfützen entstehen. Dabei erwärmt sich das Material und riecht nach Ammoniak. Man gießt genügend Waschbenzin darauf, dass das Pflanzenmaterial bedeckt ist, verschließt das Gefäß mit Haushaltsfolie und erwärmt es unter Rühren im Wasserbad auf dem Elektroherd einige Minuten, oder bis das Benzin gerade siedet. Danach lässt man es einen Tag lang unter gelegentlichem Umrühren (verschlossen) stehen. Die Flüssigkeit wird abgepresst und durch einen Kaffeefilter gegeben. Das Pflanzenmaterial wird noch ein zweites und drittes Mal mit Benzin übergossen, jeweils vor dem Abpressen erhitzt und einen Tag stehengelassen. Die vereinigten Benzinextrakte werden dreimal mit je 20ml 1-prozentiger Salzsäure extrahiert. (In das vollständig extrahierte Benzin mischt man ein paar Farbreste und gibt es beim nächsten Schadstoffmobil ab!) Der abgetrennte Wasser/Säure-Extrakt wird mit Natronlauge stark alkalisch gemacht, wobei er sich trübt, und mit 3×5 ml Benzin extrahiert. Das Benzin lässt man am Fenster verdunsten und erhält die Tryptaminbasen.

Phenethylamine – vollständig

Andererseits ist die typische Meskalinextraktion aus Kakteenmaterial wie auch die meisten Vorschriften zur Herstellung von Ayahuasca-Analogen oder Ephedratee-Verfahren nicht darauf ausgelegt, möglichst reines, kristallines Alkaloidmaterial zu erhalten, sondern will eher eine vollständige Extraktion der Alkaloide erreichen, wobei Verunreinigungen durch, in den Pflanzen enthaltene, wasserlösliche Stoffe (z.B. Kohlenhydrate, bestimmte Eiweiße und Salze) in Kauf genommen werden.

Die Vorschrift besteht im Wesentlichen aus einem ausgiebigen Kochen des Pflanzenmaterials in angesäuertem Wasser, wobei die Art der Säure und die Kochdauer hauptsächlich von den persönlichen Vorlieben der Autoren abhängt. Bei den traditionellen Ayahuasca-Rezepten wird die Säure komplett weggelassen und die Brühe wird mehrere Stunden lang eingekocht, was zwar bei einigen modernen Autoren die Haare aufstellt, das Resultat aber kaum verändert. Eine detaillierte Beschreibung der Extraktion von Mescalin und anderen Alkaloiden findet sich hier: Alkaloid-Extraktion

Salvinorin

Bei der Extraktion von Salvia divinorum besteht eine komplett andere Situation; das begehrte Salvinorin A ist nicht nur ein Terpenabkömmling und als solches kaum wasserlöslich, es trägt auch noch drei Estergruppen1) und ist somit einigermaßen empfindlich gegen die Einwirkung von Säuren und Basen. Salvinorin A ist in Ether und Aceton gut löslich, in Alkohol löst es sich nur unter Hitze gut, in Wasser und Hexan kaum.

Auch hier hat man die Wahl, ob man hauptsächlich erschöpfend extrahieren, also möglichst viel des wertvollen Salvinorins aus dem Kraut extrahieren will, oder ob man das Salvinorin in relativ konzentrierter Form gewinnen will, wobei aber ein nennenswerter Teil der Ausbeute verlorengeht. (Die nicht-einfachen Vorgehensweisen (s.o.), die eine erschöpfende und gleichzeitig selektive Extraktion ermöglichen, sind uns leider unerreichbar.)

Neueste Studien zeigen, dass Salvinorin A hochselektiv agonistisch am κ-Opioid-Rezeptor angreift, was seine bizarre, halluzinogene Wirkung erklären könnte. Meiner Meinung nach hat Salvia keinerlei Missbrauchpotential, trotzdem ist es vor einiger Zeit in Australien illegalisiert worden. Benutzt die Pflanze und den Extrakt mit Respekt und Umsicht, gebt Stecklinge an Eure Freunde weiter, und bleibt sauber.

Extraktion von Salvinorin

Als Lösungsmittel für die vollständige Extraktion des Blattmaterials, die auf jeden Fall den ersten Schritt darstellt, werden Aceton und Diethylether („Äther“) empfohlen. Da Ether nur schwer erhältlich ist, bietet sich Aceton an, es durchdringt das getrocknete Blattmaterial sehr gut, ist lipophil genug, um fettige Zellbestandteile aufzuschließen und löst Salvinorin auch in Kälte ausreichend auf.

Das Blattmaterial wird vollständig getrocknet, staubfein pulverisiert und in einen Kaffeefilter gefüllt, der mit Bindfaden umwickelt wird.

Das Gebilde wird in einem Glasgefäß mit Aceton übergossen und sanft mit einem Löffel plattgedrückt, so dass es größtenteils von Lösungsmittel bedeckt ist. Das Gefäß wird mit Haushaltsfolie verschlossen und einen Tag lang stehengelassen, danach wird das Aceton in ein sauberes, flaches Glasgefäß abgegossen, wobei möglichst viel Lösungsmittel mit dem Löffel aus dem Päckchen gepresst wird. Die Prozedur wird mit frischem Aceton wiederholt.

Es resultiert ein einigermaßen vollständiger Extrakt, der in Blattmaterial aufgesaugt werden kann um einen xy-fachen rauchbaren Trockenextrakt zu erhalten, oder nach dem vollständigen Verdunsten und Zusammenschaben zum sogenannten „Black Wax“ wird, einem Konzentrat, das man angeblich sublingual konsumieren kann. Aus dem „Black Wax“ kann man drittens mit Haushaltsmitteln ein Salvinorin-Konzentrat herstellen:

Ein Gramm des getrockneten Salvinorin-Extrakt wird in 20ml heißem, 96% (unvergälltem!) Alkohol aufgekocht und mit 2ml Benzin versetzt. Dazu tropft man genügend Wasser (ungefähr einen Milliliter), dass sich die grüne Benzinschicht vom weisslichtrüben Alkohol absetzt, und trennt die Schichten schnell und vollständig voneinander ab. (Ich benutze dazu eine große Glasspritze, in die ich das Gemisch portionsweise einsauge.) Die trübe Alkohollösung enthält nach der Trennung von der Benzinphase das meiste Salvinorin, aber kaum noch Chlorophyll oder Pflanzenfette. Nach gründlichem Verdampfen (Alkohol und Wasser müssen verdampfen!) erhält man eine hellgrüne wachsartige Substanz, die man von Alufolie rauchen kann, um eine typische Salvinorinwirkung zu verspüren.

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