Extraktion am Beispiel von Trichocereus pachanoi

Um einen Vergleich zwischen Labormethoden und traditionellen Zubereitungen bekannter Entheogene anstellen zu können, soll im Folgenden eine verallgemeinerte Alkaloidextraktion angegeben werden. Dieses Verfahren ist zwar einer einfachen Laborausstattung angepasst, wird in ähnlicher Form jedoch auch industriell angewandt, z.B. bei der Extraktion von Morphinen aus Mohn. Was die rechtliche Seite der vorliegenden Extraktion betrifft, so sei darauf hingewiesen, dass Meskalin in einer Reihe von Staaten nicht verkehrsfähig ist. Möglicherweise benötigte Genehmigungen zum Umgang mit dieser Substanz sind also vor eigenen Experimenten einzuholen.

Vorarbeiten/ benötigte Utensilien:

✧ konzentrierte Salzsäure (mindestens 25- prozentig), 99-prozentiges Isopropanol (Isopropylalkohol / 2-Propanol): Apotheke

✧ Ether, Methylenchlorid oder Chloroform: Laborfachhandel

✧ Aceton: Drogerie oder Baumarkt ✧ Trockenmittel Natriumsulfat, Magnesiumsulfat oder Calciumchlorid: Apotheke, Baumarkt

✧ Sieb: Teesieb etc. am besten aus Kunststoff

✧ Ein paar große Bechergläser, einen 1-l Scheidetrichter mit Kunstoffstopfen, Universal pH Papier, Laborfilter (groß): aus dem Laborfachhandel

✧ Natronlauge: Man kauft in der Apotheke Natrium-/ Kaliumhydroxid (es wird normalerweise zum Ätzen von belichteten Platinen oder zum Entfetten von Gegenständen verwendet) und löst es unter Kühlung und Rühren in Wasser. Am besten macht man die Base 2-3 molar also 80-120g/l, dann wird das Volumen der ganzen Geschichte nicht so groß und man kann besser extrahieren (gut kühlen und rühren sonst wird es zu heiß und beginnt zu spritzen).

✧ Lösung zum Fällen (HCl in Isopropanol): Zu 150ml 99% Isopropanol werden 25ml konzentrierte Salzsäure (25%-36%) und mindestens 3 Esslöffel des Trockenmittels gegeben. Das Gemisch wird 20 Minuten gerührt, die Feststoffe abgefiltert und die Lösung gut verschlossen aufbewahrt.

Zuerst muss das Pflanzenmaterial gründlich getrocknet und so fein wie möglich pulverisiert werden. Somit ist die Oberfläche am größten und die Extraktion wird vollständiger verlaufen.

Beschreibung der Extraktion anhand von Trichocereus pachanoi :

Die gut getrockneten Kaktusschnipsel werden in einem elektrischen Mixer sorgfältig zu Pulver zermahlen. Das Pulver wird dann in einen Glastopf (nicht Metall !) gegeben, mit verdünnter (1-prozentiger) Salzsäure bedeckt und 1 h auf niedrigster Stufe erhitzt. Man gießt die Säure durch ein Sieb oder einen Filter ab, sammelt diese und wiederholt diesen Vorgang mit frischer Säure noch weitere ein bis zweimal, damit möglichst alle Alkaloide extrahiert werden (natürlich gibt man das aufgefangene Pflanzengut wieder in den Topf zurück). Bei der zweiten und dritten Extraktion erhitzt man es möglichst 2 oder 3 h. Bis zum Sieden sollte es nicht kommen, da sonst Chlorwasserstoff ausdampft, der stechend riecht, außerdem sinkt dadurch die Konzentration in der Lösung.

Der Grund für eine erste Extraktion mit einer Säure besteht darin, dass die Alkaloide lipophil sind d.h. sie sind fettliebend und somit nicht in Wasser löslich. Die Säure bildet mit den Alkaloiden (hier Meskalin) hydrophile Salze, die sich also gut in Wasser lösen. Die vereinigten Säurephasen werden nun in einen großen Scheidetrichter (1l oder größer) gegeben. Dieser sollte höchstens zu ⅔ gefüllt sein. Hinzu kommen etwa 20 Vol% eines Entfettungsmittels also eines organischen Lösemittels wie Ether, Methylenchlorid, Chloroform, Toluol o.ä. Aceton eignet sich nicht, da er mit Wasser in beliebigem Verhältnis mischbar ist.

Der Scheidetrichter wird nun mit einem dichtschließenden Stopfen (am besten einen Kunststoffstopfen) verschlossen und man schüttelt einmal vorsichtig (!) die Flüssigkeiten durch. Indem der Scheidetrichter nun auf dem Kopf gehalten wird (natürlich den Stopfen, wie beim Schütteln, dicht geschlossen halten) kann man den Hahn langsam öffnen um den entstandenen Druck abzulassen.

Gerade bei der Arbeit mit Ether, Methylenchlorid und Chloroform entsteht wegen der hohen Dampfdrücke und dem niedrigen Siedepunkt der Lösemittel ein hoher Druck im Trichter der abgelassen werden muss. Er kann sonst zum Bersten des Trichters führen. Der Hahn wird wieder geschlossen, ein oder zweimal geschüttelt und der Druck wird wieder abgelassen. Man merkt nun ob sich viel oder wenig an Druck aufbaut und kann dementsprechend lange schütteln.

Nach 10 – 15 SchüttelvorgaÅNngen hängt man den Trichter senkrecht an ein Stativ und wartet bis sich die Phasen vollständig getrennt haben. Wenn man Ether oder Toluol genutzt hat, so liegen diese Lösemittel oberhalb der Wasserphase, bei Nutzung von Methylenchlorid oder Chloroform liegen diese Lösemittel unter der Wasserphase. Die organische Phase (also die genannten Lösemittel) werden abgetrennt, hierzu muss natürlich auch der Stopfen entfernt werden.

Der Sinn hierbei liegt darin eine Vorreinigung zu erzielen. Fette und andere organische Bestandteile des Extraktes können dadurch abgetrennt werden. Man wiederholt diesen Vorgang mit neuem Lösemittel solange, bis dies klar und sauber bleibt.

Die Säure/Wasserphase wird nun in ein großes Becherglas gegeben und in ein Kühlbad gestellt. Unter Rühren wird solange Natronlauge langsam hinzugegeben (vorsichtig denn es kann sonst sehr heiß und ungemütlich werden), bis Universal pH Papier einen pH-Wert von mindestens 12 anzeigt.

Durch den Basenzusatz wird aus den Alkaloidsalzen (Meskalinhydrochlorid etc), wieder die Meskalinbase frei, die nun nicht mehr in Wasser löslich ist, dafür aber mit einem organischen Lösemittel, wie es vorher schon benutzt wurde, extrahiert werden kann.

Also lässt man die nun basische wässrige Lösung abkühlen, füllt sie in den Scheidetrichter und fügt wieder ein organisches Lösemittel hinzu. Auf 700ml einer wässrigen Lösung kommen etwa 150ml des Lösungsmittels. Nun wird verfahren wie vorher beschrieben: Einmal schütteln, belüften, schließen, wieder schütteln, belüften usw. Man lässt absitzen, öffnet den Deckel und trennt die organische Phase, also das Lösemittel nebst Alkaloiden, ab (am besten Methylenchlorid nutzen, das liegt unten). Neues Lösemittel einfüllen und wiederholen.

Die organischen Phasen werden gesammelt und eingeengt. Dazu destilliert man etwas des Lösemittels ab um die Menge zu reduzieren. Chloroform und Methylenchlorid sind nicht brennbar, also hierfür bestens geeignet. Toluol (Kp.: 110 °C, Lebergift!) ist brennbar und Ether (Kp.: 40 °C) erst recht! Also bei den letzteren auf keinen Fall mit offener Flamme arbeiten! Die anderen chlorierten Lösemittel sind giftig und wirken narkotisch auf das ZNS also am besten im Freien vorsichtig abdampfen, die Siedepunkte sind sehr niedrig (Methylenchlorid 40°C , Chloroform 61°C). Man sollte ca. 200 – 300 ml übrig lassen. Das kommt dann wieder in den Scheidetrichter, man schüttelt es 3 mal mit Wasser (ca 50 ml) und 2 mal mit gesättigter Kochsalzlösung (50 ml) aus. Dann fügt man 3-4 Kaffeelöffel Natrium- oder Magnesiumsulfat (Trockenmittel aus dem Baumarkt oder besser aus der Apotheke) hinzu lässt 20 min rühren und filtert das Trockenmittel ab. Die organische Phase ist nun wasserfrei. Diese gereinigte Phase wird nun komplett vom Lösemittel befreit (vorsichtig auf niedrigster Stufe einkochen) oder abdestilliert.

Der zurückbleibende Rest wird in ein wenig 99-prozentigem Isopropylalkohol gelöst. Eventuelle Trübungen werden abgefiltert. Unter Rühren fügt man solange vorsichtig die Fällungslösung -den HCl-gesättigten Isopropylalkohol (s.o.)- zu, bis der pH-Wert der Lösung leicht sauer ist (pH 4-6.5). Nun wird die Lösung mit Ether oder Aceton verdünnt, bis sie trüb wird und die ersten Kristalle sich bilden. Das mit Frischhaltefolie gut verschlossene Gefäß wird im Eisfach einige Stunden oder Tage gekühlt und die ausgefallenen Kristalle werden abgesaugt oder abgefiltert. Es wird mit Aceton nachgewaschen und trocknen gelassen. Sollten bei dem Fällen Probleme auftreten dann kann man auch vorsichtig auf ein Viertel einkochen und abkühlen lassen bis es kristallisiert und mit Aceton nachwaschen.

Wenn man davon ausgeht, dass der getrocknete Kaktus ca. 1 % Meskalin und verwandte Alkaloide enthielt und wenn die Sache gut gemacht wurde, so kann man mit bis zu 1.3 g Meskalinhydrochlorid/ 100g verwendetem Kaktusmaterial rechnen.

Bezugsquellen
Hier sind exemplarisch Bezugsquellen  aufgeführt. 
Psychoaktive Kakteen

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.