Erythroxylum Coca – Coca

Der Coca Strauch, von dem weit über 200 Arten bekannt sind, wird in der Natur über 5 Meter hoch. Er hat hat ovale, spitzzulaufende Blätter, kleine, auf dem Stengel sitzende Blüten, und eine charakteristische rote Rinde. Er ist auf das Klima tropischer Gebirgslagen angewiesen. Coca wird seit mindestens 3000 Jahren in den Anden angebaut. Ohne Über- treibung kann die Coca Pflanze als eine der wichtigen Stützen der altamerikani- schen andinischen Hochkulturen bezeichnet werden. So beruhte zum Beispiel die Kommunikation im Reich der Inka auf einem System von Läufern, die Nachrichten damals weit schneller beförderten, als es die moderne peruanische Post vermag. Ohne Coca wären diese Leistungen in der dünnen Gebirgsluft nicht möglich gewesen. Coca war darüber hinaus eine wichtige kultisch gebrauchte Pflanze. Der Cocastrauch ist durch den Cocain-Mißbrauch völlig zu Unrecht in Verruf geraten und kriminalisiert worden. Coca ist nicht Cocain!

Anwendung: Cocablätter werden mit Kalk oder Pflanzenasche vermischt gekaut. Coca wird in seinen Ursprungsländern auch als Tee getrunken, sicher die am wenigsten schädliche Konsumform. In Peru ist Cocatee sogar in Form von Teebeuteln im ganzen Land legal erhältlich, die Cocainmenge in einem solchen Teebeutel ist kaum meßbar. Reines Cocain wird geschnupft, seltener injiziert oder geraucht. In der Medizin wird Cocain nur noch selten als örtliches Betäu- bungsmittel verwendet.

Wirksame Inhaltsstoffe: Cocain, Ecgonin, weitere kaum erforschte Alkaloide, zahlreiche Vitamine und Spurenelemente. Der Alkaloidgehalt liegt bei etwa 0,2 – l ,2% der Trockenmasse, etwa 80% hiervon sind Cocain.

Wirkungen: Coca wirkt anregend, leistungssteigernd, erotisierend. Coca greift in die Wärmeregulation des Körpers in einer Weise ein, die den Körper besser die Verhältnisse im Gebirge ertragen läßt. Cocatee wirkt leicht anregend. Cocain hat diese Wirkungen ebenfalls, allerdings in deutlich stärkerem Maße. Hier kommt noch eine Komponente hinzu: Wer Cocain genommen hat, dessen Ego wird aufgeplustert. Der Konsument fühlt sich geistreich, interessant und witzig. Und er glaubt, daß einen die anderen genauso sehen. Cocain enthemmt und euphorisiert. Es kommt zu Rauschzuständen, teils auch mit angstbetonten Inhalten. Nach etwa 2 Stunden klingt der Rausch in einem depressiven Kater aus – häufig Anlaß, eine weitere Dosis zu sich zu nehmen.

Nebenwirkungen: Cocatee: keine nennenswerten. Cocablätter: Übermäßiger, anhaltender Konsum der Blätter kann zur Abhängigkeit führen. Der größte Teil der Indios scheint jedoch die Blätter kontrolliert zu nutzen. Der gelegentlich behauptete „frühzeitige Verschleiß durch den Cocaismus“ ist nicht bewiesen. Vermutlich ist die Armut und die Ausbeutung der indigenen Bevölkerung viel eher für deren niedrigere Lebenserwartung verantwortlich als die Coca. Dagegen weist der andauernde und/oder übermäßige Gebrauch reinen Cocains eine Reihe schwerwiegender Nebenwirkungen auf. Es kommt leicht zu einer starken Abhängigkeit, wie nicht nur die Biographie Sigmund Freuds eindrucksvoll be- weist. Akut erhöht Cocain Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur. Das kann einen Herzinfarkt auslösen, oder das Platzen von Gefäßen im Gehirn be- wirken. Überdosen führen zu Lähmungen, die in einer tödlichen Atemlähmung ihren Höhepunkt finden können. Nicht selten sind Cocainpsychosen, Verfall der Intelligenz, Selbstmordversuche. Eine typische Form der Cocainpsychose ist die Halluzination von Fremdkörpern oder kleinen Insekten unter der Haut, die sich die Patienten dann aufkratzen, manchmal auch aufschneiden. Auch die anfänglich erotisierende Wirkung verkehrt sich bald ins Gegenteil: Impotenz ist eine weitere regelmäßig auftretende Folge des Dauerkonsums von Cocain.

Sonstiges: Wie die Münchner Medizinische Wochenschrift 136(1994) Nr. 7 berichtete, konnte im Gewebe altägyptischer Mumien neben Nikotin und THC auch Cocain nachgewiesen werden. Eine sehr informative ausführliche Broschüre über traditionellen Cocain- gebrauch, zeitgenössischen Cocainhandel und die Ausbeutung der indigenen Bevölkerung ist die im Literaturteil genannte Schrift 500 Jahre Conquista von Herrmann Herf. Cocain und die Coca-Pflanze unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz.

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