Errata Pharmacopoeia Phyton: Die Brennnessel

Markus Berger

Urtica dioica LINNÉ, Große Brennnessel

Urtica urens LINNÉ, Kleine Brennnessel

„Man fragt sich mit Recht, wie diese Pflanze eigentlich wirkt.“ (HERTWIG 1938: 163)

 

Urtica dioica (zweihäusige Brennnessel) und Urtica urens (einhäusige Brennnessel) sind weltweit verbreitete Ruderalpflanzen. Brennnesseln werden volksmedizinisch unter anderem als Prostatamittel (Wurzel), bei rheumatischen Erkrankungen (Blattextrakt bzw. Bad), bei Fettsucht, gegen Furunkel und als Diuretikum (Kraut-Aufguss) und Blutreinigungskur verwendet.

„Man weiß (…), daß [Urtica dioica] harntreibend und schleimverflüssigend wirkt, daß sie schon früh gegen Wassersucht, Nieren- und Blasensteine und hartnäckige Urinverhaltung verwandt wurde. (…) Es macht nachdenklich, daß sie auch die Verdauungstätigkeit anregt, vor allem rheumatische Erscheinungen und selbst Haarkrankheiten heilt. (HERTWIG 1938: 162f.)“

Industriell spielen die Urtica-Spezies als Faserpflanzen, vor allem aber in der Chlorophyllgewinnung eine Rolle. Außerdem gilt die Brennnessel als Ganzes oder in Teilen als Suppenwürzkraut. Die beiden Nesselarten enthalten psychoaktive Wirkstoffe. Zwar sind diese nur in geringer Konzentration, zum Teil auch nur in Spuren anwesend. Dennoch muss die Brennnessel in die Reihe der bekannten psychoaktiven Pflanzen eingeordnet werden.Nesselsamen dienen im Übrigen als Aphrodisiaka (HERTWIG 1938: 355).

Beide Urtica-Arten enthalten Acetylcholin, Histamin und (durch die Blut-Hirn-Schranken-Blockade der Monoaminooxidase oral nicht wirksames) Serotonin in den Brennhaaren, Scopoletin in der gesamten Pflanze – hauptsächlich aber in der (getrockneten) Wurzel sowie Quercetin-Derivate und Nikotin ebenfalls in der gesamtenPflanze (FROHNE et al. 2004: 401; HUNNIUS 1998: 1430; RÄTSCH 2003: 494; ROTH et al. 1994: 715f.; WICHTL 2002: 618).

ÜBERSICHT: Aktive Substanzen in der Brennnessel:

Acetylcholin Brennhärchen
Histamin Brennhärchen
Serotonin Brennhärchen
Scopoletin Wurzel (0,002 – 0,01 %), gesamte Pflanze
Quercetin-Derivate gesamte Pflanze
Nikotin gesamte Pflanze


Weitere Inhaltsstoffe sind:

  • Ameisensäure,
  • Essigsäure,
  • Buttersäure,
  • andere organische Säuren,
  • Flavonoide (in den Blättern; bis 2 %),
  • Phenolcarbonsäuren,
  • Carotin,
  • Chlorophyll,
  • Xanthophyll,
  • Triterpene,
  • Sterole,
  • Glucokinine,
  • Vitamin C (vornehmlich in jungen Pflanzen),
  • Kaliumsalze,
  • Kieselsäure,
  • Nitrat

und der harzsäureähnliche Nesselgiftstoff.

Außer Scopoletin finden sich in den Wurzeln 3-beta-Sitosterol und das dazugehörige Glucosid, andere Sterine, Lignane, Gerbstoffe, Lektine und Polysaccharide. In den Früchten Proteine, Mineralstoffe undfettes Öl (etwa 30 %), welches sich aus cis-Linolsäure, Linolensöure, Tocopherol und Carotinoiden zusammensetzt (HUNNIUS 1998: 1430).

Bibliografie

Frohne, Dietrich; Pfänder, Hans Jürgen (2004), Giftpflanzen, Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft

Hertwig, Hugo (1938), Gesund durch Heilpflanzen, Berlin: Koch’s

Hunnius (1998), Pharmazeutisches Wörterbuch, Berlin / New York: De Gruyter

Rätsch, Christian (2003), Schamanenpflanze Tabak 2, Solothurn: Nachtschatten Verlag

Roth, Lutz; Daunderer, Max; Kormann, Kurt (1994), Giftpflanzen – Pflanzengifte. Sonderausg., Hamburg: Nikol Verlagsgesellschaft

Wichtl, Max (Hg.) (2002), Teedrogen und Phytopharmaka, Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.