Ephedraextraktion am Küchentisch

Küchenmethoden (manchmal als ‚Badewannenchemie‘ bezeichnet) sind eine Sache für sich. Sie haben einerseits den Vorteil, dass sie auch für den Laien, der sich einen Einblick in entsprechende Verarbeitungsmethoden, das „Warum“ und „Womit“ verschaffen möchte, verständlich sind. Auf der anderen Seite sind sie oft so stark vereinfacht, dass Teile des interessierenden Wissens nicht vermittelt werden können.

Mit dem vorliegenden Artikel ist dem Autor eine gelungene Balance zwischen Wissensvermittlung und Praxis gelungen. Der Artikel geht eindeutig über die einfache Bereitung eines Ephedratees, wie sie in der einschlägigen Fachliteratur beschrieben wird (z.B. „Psychoaktive Pflanzen“ von Bert M. Schuldes ISBN 3-925817-64-6), hinaus. Das verwendete Material ist ausnahmslos im Apothekenhandel frei erhältlich, und das Resultat, bis zu einer gewissen Konzentration im Fertigpräparat, frei verkäuflich. Ungeachtet dessen sei darauf hingewiesen, dass Ephedrin dem Grundstoffüberwachungsgesetz unterliegt und ab einer gewissen Dosis pro Verpackungseinheit verschreibungspflichtig ist. Der Handel damit ist also in jedem Falle für Privatpersonen in Deutschland verboten, was den Besitz anbelangt, so ist dies in jedem Staate unterschiedlich. Diesbezügliche Bestimmungen sind einzuhalten.

Die folgenden Arbeitsschritte sind in zwei Methoden und einen Zusatz geteilt

✧ Methode 1: Schnelle Extraktion mit wenig Hilfsmitteln – falls es nicht auf die Ausbeute ankommt.

✧ Methode 2: Bessere Extraktion mit Methanol oder Ethanol – falls eine möglichst weitgehende Extraktion gewünscht wird.

✧ Zusatz: Reinigung

Methode 1

Utensilien:

✧ einen Glastopf mit Deckel der sich in der Mitte am besten etwas erhöht, (Ein Stahltopf wird von HCl oder H2SO4 angegriffen ! )

✧ Ein paar Gefäße (Gläser)

✧ Altes T-Shirt o. Mutters teuren Seidenschal

✧ Kaffeefilter, Löffel, Eiswürfel

✧ Säurequelle ( Salzsäure, Essigsäure, Zitronensäure etc.)

✧ Ephedrakraut (250-∞ g) ✧ Form (Plastikpetrischale), Mehl, Wasser

Schritt 1:

Herba Ephedrae (H.E.) zu feinem Pulver/Puder zermahlen. Alles in einen Topf geben, Wasser einfüllen (so das es schön bedeckt ist) und ansäuern. Entweder eine Tüte Zitronensäure dazu oder eine Tasse Essig oder ein paar ml Säure. Schwefelsäure (37.5 % gibt’s beim Autohändler oder Zubehörladen als Batteriesäure.

Vorsicht immer beachten: Erst das Wasser dann die Säure sonst geschieht das Ungeheure! Besonders mit Schwefelsäure aufpassen – es kommt bei höherer Konzentration schnell zum Siedeverzug also langsam in das Wasser eingießen!

Das Ganze auf den Herd stellen und den Topfdeckel falschherum drauflegen, in die Einmuldung kommen jetzt Eiswürfel. Das hat den Effekt, dass siedendes Wasser am Deckel kondensiert und zurücktropft. Diesen Vorgang nennt man „Refluxieren“ oder „unter Rückfluss kochen“. Den ganzen Kram jetzt lieber zu lange als zu kurz bei geringer Hitze (sollte gerade blubbern) 1-2 h durchkochen.

Schritt 2:

Die tiefrote / schwarze Brühe (Vorsicht ist Säure drin) nun über einem Topf oder großem Gefäß durch das Tuch gießen, welches am besten mehrlagig gefaltet ist. So trennt man schon mal die gröbsten Bestandteile ab. Die Flüssigkeit wird gesammelt und mit dem H.E. wird der Prozess 2 Mal wiederholt (Also nochmal durchkochen).

Alle Lösungen werden vereinigt und Backpulver wird solange zugegeben, bis es kaum noch schäumt (wenn man pH Papier hat kann man auf fast Neutralität [pH 5.5-6.5] prüfen). Nun diese Flüssigkeit heiß (geht heiß besser als kalt) durch ein Kaffeefilter gießen. Da die Kaffeefilter aufgrund des sehr fein gemahlenen Pflanzenmaterials schnell verstopfen, muss man sie mehrmals wechseln.

Schritt 3:

Die filtrierten Lösungen nun langsam bei geringer Hitze einkochen und dabei immer schön den am Rand klebenden Kram (dies ist das uns interessierende Öl) in die Mitte schaben. Bewährt hat sich hier der chinesische Wok, da sich alles automatisch in der Mitte sammelt. Wenn der Rückstand dickflüssiger wird (erkennt man am blubbern, oder indem man eine kleine Probe herausnimmt und ins Eisfach legt) sollte man die Hitze herunterregulieren und kurz noch etwas weiter abdampfen, aber nicht mehr kochen lassen.

Schritt 4:

Zu dem Extrakt (heiß) wird jetzt (ohne Hitzezufuhr) Mehl eingerührt; das Ganze wird in eine Form gefüllt (Plastikpetrischale ist fein) und abkühlen gelassen (Kühlschrank oder Eisfach). Falls es danach nicht richtig knochenhart ist (tiefrot bei Salzsäurebenutzung) kann man im Backofen (Petrischale sollte 80°C aushalten) nachtrocknen.

Schritt 5:

Extrakt pulverisieren und testen. Mit 0.3-0.5 Gramm beginnen. Hat man eine gute Dosis gefunden kann man den Rest einteilen. Man kann es auch gut in Kapseln aus der Apotheke füllen (1000 leere Kapseln ca. 15 €).

Anmerkung:

Dieser Extrakt enthält neben den Alkaloiden ebenfalls andere hydrophile (wasserlösliche) Bestandteile.

Methode 2

Utensilien:

✧ Wie oben aber keine Säure sondern Lösungsmittel (Ethanol oder Methanol). EtOH siedet bei 74-79°C (kommt auf die Reinheit an) MeOH bei ca. 65-69°C

Statt Wasser und Säure setzen wir Methanol oder (nicht ganz so gut aber ungiftiger) Ethanol (Ethylalkohol, Brennspiritus ist vergällt, macht aber nichts) ein.

Vorsicht: Methanol ist sehr giftig! 4-5 g führen zur Erblindung, ab 18-20 g kann man seine Verwandten im Paradies (oder der Hölle) wiedersehen. Für Leute, die keine Erfahrung im Umgang mit Chemikalien haben, sollte Ethanol ans Herz gelegt werden.

Schritt 1:

Also schreibe ich mal mit EtOH (Ethanol) weiter: Ephedrakraut pulverisiert in ein Gefäß geben und mit EtOH übergiessen. Einige Tage an einem warmen Ort stehen lassen und am besten mehrmals schütteln, umrühren etc.

Nach einigen Tagen in einen Topf geben und 30 min durchköcheln (auch unter Rückfluss) ! Vorsicht: Dämpfe sind stark endzündlich, keinen Gasherd benutzen und keine Zigarette nebendran anzünden! Methanoldämpfe (Ethanol auch) sind giftig!

Wie unter Methode 1 angegeben wird nun das Material aufgearbeitet (Filtrieren). Den H.E. Rückstand sollte man dann noch 2 Mal mit frischem LSM extrahieren. Alle Rückstande vereinigen und einkochen. Für sehr gute Belüftung sorgen, da eine stark erhöhte Brandgefahr wegen der Dämpfe entsteht! Besonders beim Gebrauch von MeOH (Methanol) muss peinlichst genau darauf geachtet werden das alles LSM abgedampft wird. Bis auf die Tatsache, dass nun Lösungsmittel abgedampft werden entspricht dieses Vorgehen Schritt 3 in Methode 1.

Hier haben wir mit den LSM eine bessere Alkaloidextraktion erreicht, eine eventuelle Gebrauchsdosis also geringer ansetzen!

Reinigung

Dieser Schritt ist nur dann nötig wenn man Wert darauf legt:

Wir arbeiten wie unter Methode 1 und 2 bis zur -Markierung, dann werden die Lösungen vereinigt und mit Natriumhydroxid (NaOH, ist im Abflussfrei enthalten -nicht Bioabflussfrei- besser in der Apotheke holen) basisch gemacht. Die Lösung wird dann ein seifiges Gefühl auf der Haut hinterlassen. Das Beste ist, man holt sich Lackmus oder anderes pH Papier in der Apotheke. Der pH-Wert sollte 12-14 sein !

Nun werden die Alkaloide aus der basischen Lösung mit Hilfe eines organischen Lösemittels extrahiert, z.B. mit Ether, Methylenchlorid, Chloroform oder ähnlichem. Ether geht am schlechtesten.

Also Lösung basisch machen und in einer Glasflasche mit Deckel mehrmals mit dem LSM (Methylenchlorid etc.) ausschütteln. Immer mal den Deckel beim Schütteln kurz öffnen, um etwaigen Druck abzulassen! Man sollte etwa so 5-10% der LSG an LSM zusetzen.

Dies wird drei Mal mit immer frischem LSM getan. Am Schluss werden die benutzten organ. LSM vereinigt und abgedampft.

Der Rückstand wird in etwas verdünnter Salzsäure gelöst (das kann dauern). Entweder es fällt bei Kühlung von selbst aus oder man engt die LSG durch Erhitzen etwas ein und lässt dann langsam abkühlen (stehenlassen). Abfiltrieren, mit etwas LSM (kalt) waschen und trocknen.

Theorie:

Alkaloide sind als stickstoffhaltige Verbindungen basisch. Das heißt, sie lösen sich im Basischen. Mit Säuren bilden sie Salze, die wasserlöslich sind. Hierdurch besteht nun eine gute, einfache Möglichkeit der Reinigung:

In Methode 1 wird die freie Alkaloidbase durch Säure in ihr wasserlösliches Salz überführt. Daher löst es sich im Wasser- / Säuregemisch. Dass es am Schluss etwas sauer bleibt soll bewirken, dass es nach Eindampfen als Salz vorliegt.

Bei der Reinigung wird es als Salz extrahiert oder als Base vom Alkohol gelöst, das ist aber egal. Durch den NaOH Zusatz erhalten wir wieder die freie Alkaloidbase welche vom organischen Lösungsmittel gelöst wird.

Das LSM wird abgedampft, und der zurückbleibende ölige Extrakt in verdünnter Säure gelöst, die es in das kristalline Salz umwandelt. Dieses Salz sollte vorsichtig zu gebrauchen sein. Eine Dosis von 100-250 mg reinem (-)- Ephedrinhydrochlorid wirkt erheblich, und lässt einen die nächsten 5-8h nicht schlafen. Das DAB gibt als größte Einzelgabe 100mg, als größte Tagesgabe 300mg an

also Vorsicht.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

0 Comments

  1. Psychon

    03/07/2014 at 14:07

    Bei Methode 2 erhält man als Endprodukt eine klebrige Substanz. Wie soll man die weiterverarbeiten?

  2. Psychon

    19/09/2014 at 15:08

    Wofür wird eigentlich Mehl eingerührt?

    Kann man ein vermehltes Extrakt wieder in Wasser lösen und abfiltern?

  3. Thomas Straube

    04/05/2015 at 11:52

    Herzlichen Dank für die umfangreichen Infos zur Ephedrea Extraction.
    1. Kann dieser Ephedra-Extract auch mit Butan- oder CO2-Methoden hergestellt werden, so wie wir das vom BHO bei Cannabis kennen?

    2. In Deutschland brauche und habe ich ein gültiges Privatrezept, jedoch ist Ephedra sinica herba (also das Kraut zur Teezubeeitung- keine Kapseln!) von meiner Apotheke über keinen Großhandel im Land mehr verfügbar. Wo könnte meine Apotheke das Kraut fůr mich legal im Ausland einkaufen?
    Ciao, Thomas S.

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