Entheogene amanitas

von Tengu (Japan); Übersetzung „Lord Shadowcaster“ (T.E.R. Vol VII #2, S. 33)

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

Der vorliegende Selbstversuch geht aus einem Leserbrief an unsere Schwesterzeitschrift „The Entheogen Review“ hervor. Der Schreiber greift leider die, als falsch erkannte, Theorie auf, dass in Amanita muscaria das Pilzgift Muscarin in größeren Mengen vorkommt. Leider wird diese Annahme durch die ebenso falsche Annahme ergänzt, dass im Pantherpilz (Amanita pantherina) geringere Mengen dieses Giftes vorkommen. Trotzdem ist dieser Selbstversuch ein schönes Beispiel für eine Überdosis an Amanita – Pilzen.

Viele Wirksamkeitstests sagen aus, dass Amanita muscaria und A. pantherina Entheogene sind. Ich habe A. muscaria in den Bergen von New Mexico und Japan gesammelt. Die Pilze aus der Gegend von Santa Fe verursachten ziemliche Übelkeit und ließen mich einen ganzen Karton Taschentücher verbrauchen, da ich durchgehend am sabbern war. Die japanische Variante erzeugte wenig Speichelbildung und war stärker,jedoch ebenfalls mit viel Übelkeit verbunden. Ich werde keine von beiden noch einmal ausprobieren. Der Held ist  A. pantherina. Er ist stärker, sauberer und verursacht wenig oder gar keine Übelkeit – vielleicht aufgrund des niedrigeren Muscaringehalts, ein Gift in A. muscaria mit den obengenannten Nebenwirkungen.

Amanita pantherina

Die Pilze lassen einen in eine Welt übertreten, in welcher der innere Monolog zum Schweigen kommt. Die Sicht wirkt, als ob man schnorcheln würde; die Luft scheint dick, Maße und Entfernungen sind verzerrt. Normalerweise, nach ca. einer Stunde, schläft man ein. Am besten stellt man einen Wecker auf eine Stunde und lässt sich einlullen. Das traumartige Schlafen ist interessant, obwohl beide Gehirnhälften konstant zu summen scheinen, pulsierend von rechts nach links gleich dem Herzschlag. Das Summen wird stärker, bis man das Bedürfnis hat, sich hinzulegen. Kämpf nicht dagegen an, stell einfach den Wecker. Wenn du aufwachst hat die Welt sich so verändert, als würde man durch ein großes Aquarium gucken, Spiegel sind sehr befremdlich.

Ich empfehle nicht mehr als 2 Gramm (getrocknet) für den Anfang. Ich hatte einmal unbedacht acht Gramm japanischen  A. pantherina (im September unter Espen gefunden) in einem Tee zu mir genommen. Um 16 Uhr trank ich den Tee. Nach zwei Stunden waren die Effekte beängstigend stark, also nahm ich zwei Kapseln Mariendistel (Silybum marianum), um meine Leber von der Ibotensäure zu reinigen. Die Stärke des Trips stieg an – vielleicht durch die Mariendistel. Es ist möglich, dass durch sie die gespeicherten Toxine ins Blut zurückführt statt ausgeschieden wurden. Ich rate daher zur Achtsamkeit, wenn man Mariendistel mit A. pantherina kombiniert. Es wurde zu einem Alptraum, während mein Gehirn links und rechts zuckte. Schon bald drehte sich alles, als ob man zu viel Alkohol getrunken hätte, dann das millionenfache davon. Dann wurde es astronomisch; der Raum, in dem ich mich befand, tauchte nicht mehr auf. Ich klammerte mich an das einzige, was ich noch spüren konnte: ein Lautsprecher. Ich erinnere mich daran, wie ich den Lautsprecher festhielt, während ich quer durch das All raste. Verglichen mit meinen LSD- und Ayahuascatrips und anderen Kombinationen nichts hatte mich bisher so weit von der Realität entfernt. Die Zeit hatte sich aufgelöst. Sie war viele Stunden weiter gegangen. Ich war überzeugt, dass ich in der Hölle war. Ich dachte: Scheiße! Warum die Hölle? Ich bin kein schlechter Mensch! Ich war überzeugt, dass ich gestorben war. Ich erinnerte mich, dass das Pharmcotheon besagt, dass A. pantherina nicht tödlich sei (Ott 1993), aber ich glaubte, dass die Mariendistel dieses nun bewirkt hatte. Ich war zu Tode beängstigt. Ich hatte meinen Körper verloren. Ich war nur ein Geist unter tausenden von Blitzen, der durch einen fantastischen großen, an ein schwarzes Loch erinnernden, Abgrund raste. Die wirbelnde Unwelt setzte sich für eine Dauer fort, die mir wie meine ganzen 37 Jahre schienen – bis ich um 3 Uhr in der Nacht wieder halbwegs mein normales Bewusstsein erreichte. Ich erwachte in einem verwüsteten Haus. Essen und Bücher waren durch die Gegend geschmissen worden. Sachen waren auf Papier geschrieben. Ich erinnerte mich nicht an all das. Ein 12 Stunden langer Trip zur Hölle. Am nächsten Tag lief ich raus in den Garten und berührte Pflanzen, umarmte Bäume und lächelte jeden den ich sah an – glücklich, noch am Leben zu sein. Also, wenn du Amanitas probieren willst, nimm A. pantherina in kleinen Mengen. — Tengu, Japan.

Begrenzter Erfolg gegen Amatoxinvergiftungen wurde mit Silybum marianum erzielt (OTT 1993, zitierend aus Der Marderiosan & Liberti 1988; und FOSTER 1991). Jedoch besteht hier kein Zusammenhang zu muscarinischen Reaktionen oder Überdosen von Muscimol/Ibotensäure. Und während Atropin gegen Muskarinvergiftungen eingesetzt wird, ist es kontraindiziert, wenn Muscimol/Ibotensäure beteiligt sind (OTT 1993). Wir haben keinerlei Ahnung, ob S. marianum in diesem Fall zu der Stärke von A. pantherina beigetragen hat. Für mehr Informationen über menschliche Erfahrungen dieser Pilze empfehlen wir „Psycho-Mycological Studies Of Amanita – From Ancient Sacrament To Modern Phobia“ (OTT 1976).

Bezugsquellen
Hier sind exemplarisch Bezugsquellen  aufgeführt.

Psychoaktive Pilze

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