Einige psychoaktive Wüstenpflanzen

Lazar, aus dem Amerikanischen von Irina Nazarenko und St1

Meine Gruppe und ich haben während der letzten Jahre eine Anzahl potentiell psychoaktive Pflanzen untersucht. Mehrere Duzend Pflanzen wurden untersucht, fünf Pflanzen hatten psychoaktive Eigenschaften, wenn sie allein oder in verschiedenen Verhältnissen gemischt eingenommen werden. Unsere Erkenntnisse veröffentlichen wir nun in „Entheogen Review“ und hoffen auf Kommentare in diesem Medium.

Methoden

Das geerntete Pflanzenmaterial haben wir erst an der Luft im Schatten getrocknet, nachdem es sehr trocken war, haben wir es in einem Mixer zu feinem Pulver zerkleinert. Wir haben die Klingen sorgfältig geschärft, damit die Zerkleinerung effizienter geschieht, als es bei stumpfen Klingen der Fall ist (letzteres würde zu einer starken Thermischen Beanspruchung des Materials beim Pulverisieren führen, die zu suchenden Substanzen könnten zerstört werden). Nachdem wir eine kleine Menge zerkleinerten, haben wir das Material mit einem 40er Sieb selektiert, was dabei im Sieb verblieb haben wir zusammen mit einer neuen Ladung Pflanzen im Mixer erneut zerkleinert. Sollte kein 40er Sieb vorhanden sein, dann hilft auch ein Mückenfenster-Einsatz, doch das Endprodukt wird nicht so fein sein und die Absorption bei der Verdauung wird langsamer vonstatten gehen. Die pulverisierten Pflanzen sammelten wir in fest verschließbaren Dosen, die an einem dunklen, kühlen Ort gelagert wurden.

Mit Hilfe einer kleinen Pillenpresse konnten wir das Pflanzenmaterial zu ca. 250mg fassenden Tabletten pressen. Dies machte die Dosierung für die biologischen Tests einfacher. Die meisten Leser werden keine Pillenpresse haben, für sie ist es einfacher mit einem Messlöffel zu dosieren. Man mixe das Pflanzenmaterial mit Fruchtsaft und trinke es – eine einfache low-tech Methode. Ein 1/4 – voller Teelöffel, wie er hier beschrieben ist, wird ca. 480 bis 535mg Material enthalten.

Für unsere Tests haben folgten wir der Vorgehensweise, die in „A Protocol for Psychoactive Drug Evaluation“ [Shulgin et al. 1986] beschrieben wurde. Man beginnt mit einer geringen Dosis und arbeitet sich langsam an die korrekte Dosis heran (1.5 bis 2.0 fache Dosis der jeweils vorigen), wobei zwischen den Tests jeweils 3 Tage Pause zu machen ist. Das ist eine relativ sichere Methode, solche Planzen zu testen, sollten dabei Probleme auftauchen, so hört man auf und notiert die Ergebnisse. Das obige Vorgehen sollte darin resultieren, dass angenehme Wirkungsintensitäten für einzelne Pflanzen und deren Mituren gefunden werden. Wir haben festgestellt, dass die Reaktion der einzelnen Individuen auf die Pflanzen sehr stark voneinander abweichen, es ist also sorgfältig zu arbeiten. Pflanzen verschiedener Quellen können in ihrer Psychoaktivität stark voneinander abweichen. Es wurden schon Vergiftungen durch Überdosierung von Blauem hawaiianischer Stachelmohn (Argemona glauca) und Mexikanischem Stachelmohn (Argemona mexicana) berichtet [Pendell 1995], testet diese Pflanzen also vorsichtig.

Argemona glauca

ist ein Mitglied der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae), der natürlich auf Hawaii vorkommt. Er wächst auf der trockenen Seite der Insel bei 300m über Meeresspiegel. Er kann in warmen trockenen Gegenden aus Samen gezogen werden. Wenn die Pflanze blüht (sie zeigt große weiße Blumen) so sind einige Blätter von jeder Pflanze abzuschneiden. Sind diese staubig, so müssen sie abgewaschen werden. Um die Oberfläche zu trocknen legt man die Blätter kurz in die Sonne. Die endgültige Trocknung erfolgt über einige Tage im Schatten – die Blätter sollten man nun mit der Hand zerbröseln können. Für die Arbeit mit dieser Pflanze sind schwere und feste Lederhandschuhe sehr zu empfehlen.

Argemona glauca

WIRKUNGEN:

500mg erzeugen nette, einfach handhabbare, leichte Wirkungen, die man bei der Gartenarbeit, beim Laufen oder anderen Arbeiten mit geringem Anspruch an die Konzentrationsfähigkeit genießen kann. Sie vergehen nach 2-3 Stunden. Mehr als 2g bringen einen Effekt, der mit dem von Hanf vergleichbar ist. Hanf ist auch in Kombination mit dieser Mohnsorte nutzbar, um die Effekte der beiden Pflanzen zu ändern oder zu verstärken.

Argemona mexicana

ist ein weiterer Vertreter der Papaveraceae, welcher in Mexiko, Süd Arizona und New Mexico vorkommt [Emboden 1979]. Die Blüten sind, im Unterschied zu den sonst weißen Blüten der Papaveraceae, hellgelb. Die Pflanze kann im Freiland bis zum 40ten Breitengrad wachsen, manchmal auch noch drüber hinaus. In Mexiko ist es eine kurzlebige, mehrjährige Pflanze, im Norden ist es eine einjährige Pflanze, da die Wurzeln den Winter nicht überstehen. Um gut wachsende Pflanzen zu erhalten sollte man im zeitigen Frühjahr eine Vorzucht unter Gewächshausbedingungen machen und die Pflanzen erst nach den letzten Nachtfrösten ins Freiland pflanzen. Sammlung und Verarbeitung der Pflanze sind, ebenso wie die grundsätzlichen Dosierungen und Effekte, die selben wie bei A. glauca.

Argemona mexicana
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Argemona munita var. rotunda (Stachelmohn),

beheimatet im Nordteil des Great Basin, wächst in Höhen von 1300 bis 1800m am Straßenrand und gilt als Unkraut. Es ist eine kurzlebige, mehrjährige Pflanze, die in ihren 5-7 Jahren jeweils größer als im Vorjahr wird. Ernte und Zubereitung sind identisch mit A. glauca. Die Wirkung ist auf eine subtile Weise verschieden von den beiden obigen Arten, auch wenn sie grundsätzlich gleich ist. Sie scheint ein wenig schwächer zu sein, was aber vielleicht auch eine Frage der Reife ist.

Argemona munita

Einige andere Argemona-Sorten (A. grandiflora, A. polyanthemos, A. plieacantha) scheinen merklich schwächer in den wirksamen Bestandteilen zu sein, wir waren nicht sehr überwältigt von den Ergebnissen.

Kommentare

Das hellgelbe Harz der Pflanzen kann extrahiert werden, indem Blätter und Stängel durch einen Entsafter geschickt werden und die resultierende gelbe Flüssigkeit verdunstet wird. Das Resultat ist ein dunkelbrauner Rückstand, welchen man von der Verdunstungsschale abzukratzen hat. Dieses Material kann man rauchen und essen, das Ergebnis ist jeweils gleich. Es scheint jedoch im Vergleich mit getrockneten Blättern irgend etwas zu fehlen.

Im allgemeinen haben diese drei Argemona-Arten stimmungshebende, antidepressive Wirkung die mit kleinen Dosen gerauchten Hanfes modifiziert oder verstärkt werden können. Die uns am angenehmsten erscheinende Art ist A. glauca mit einer kleinen Menge Hanf. Diese Kombination scheint eine starke Intensivierung der Empfindungen beim Geschlechtsverkehr zu bewirken. Alle Argemona- Arten können geraucht werden, dies ist allerdings die ineffektivere Methode, das Verdauungssystem ist für den Aufschluss des Pflanzenmaterial bestens ausgerüstet. Die Alkaloide der Argemona-Arten werden im Magen sehr schnell in gut lösliche Hydrochlorid- Salze umgewandelt, die dann durch die Magenschleimhaut oder den weiteren Verdauungstrakt vollständig aufgenommen werden. Verschiedene Alkaloide sind in diesen Mohnarten enthalten, die in ihrer Konzentration zwischen den verschiedenen Spezies variieren. Dies sind: Argemon, Berberin, Protopin, Artarin, Kryptopin, Allokryptopin, Senguinarin und Stylopin. Das sind Isoquinoline, es scheinen keine umfassenden quantitativen Untersuchungen über das Vorkommen dieser Alkaloide in den verschiedenen Argemona-arten zu existieren. Einige dieser Alkaloidarten wurden auch in Opium gefunden, scheinen aber kein Suchtpotential zu haben.

Leonuris sibiricus (Sibirischer Löwenschwanz)

ist ein interessantes Mitglied der Minzefamilie (Labiatae), welche von Sibirien bis in die Jungel Malaysias überall anzutreffen ist [Ott 1996A; Pendell 1995]. Einigen Quellen zufolge ist die Pflanze ausdauernd, wir stellten jedoch fest, dass sie nur zweijährig ist. Im ersten Jahr bildet sie eine Basalrosette mit einem sehr starken Wurzelgeflecht, im zweiten Jahr gibt es eine schlanke Pflanze mit bis zu 2m Höhe mit einer großen Zahl helllila Blüten an den Zweigenden. Dies die Zeit der Ernte. Die blühenden Pflanzenenden werden abgeschnitten, Blätter und Blüten von den Stängeln entnommen und all das auf Sieben im Schatten getrocknet. Das Trockenmaterial wird zu Pulver verarbeitet, wie es oben beschrieben ist. Folgende psychoaktive Alkaloide sind enthalten: Leonurin, Le onurid und Homorunin [Emboden 1979, Lazar 1995].

Leonuris sibiricus

Wirkung

Dieses Material bewirkt einen netten relaxten Effekt, der über 2 bis 3 Stunden anhält und oft als unpersönlich empfunden wird. Eine Kombination mit Tagetes lucida und / oder Hanf ändert die Wirkung erheblich. Einige Berichte sprechen davon, dass solch eine Kombination deutliche Wirkungen zeigen kann.

Tagetes lucida (Studentenblume),

beheimatet in Mexiko, Verbreitung als Zierpflanze [Emboden 1979; Ott 1996A]. Sie hat aromatische Blätter und gelbe Blüten. Während der Zuchtphase bemerkte einer aus unserem Grüppchen, dass der Geruch der Blüten einen netten, milden Anstieg geistiger Klarheit und Stimulanz bewirkt. Dies hält für 10 bis 15 Minuten an. Wir konnten nicht herausfinden, ob dieser Effekt durch den Pollen oder durch Dämpfe erzeugt wurde.

Unserer Erfahrung nach ist es am besten, wenn man die Samen Anfang Frühling im Haus vorzieht, und später, bei warmem Wetter in den Garten verpflanzt. Sie sollten nicht zu stark gegossen werden, da sonst große, üppige Pflanzen entstehen, die wenig Wirkstoff enthalten. (Das gilt auch für die anderen hier besprochenen Kräuter.)

Dieses Kraut war einer der Bestandteile des zeremoniellen Kakao-Getränks von Montezuma (sic!) und wurde auch in anderen rituellen Zeremonien genutzt [Emboden 1979]. Ein daraus bereiteter Tee schmeckt zwar sehr lecker, hat aber keine psychoaktive Wirkung, wahrscheinlich weil die psychoaktiven Inhaltsstoffe Öle und deshalb nicht sehr wasserlöslich sind. Unserer Erfahrung nach muss man, um dieses Kraut wirksam zu sich zu nehmen, dazu eine Kleinigkeit essen, (z.B. einen Keks), wahrscheinlich um die Pflanze umgehend in den Darm zu bringen, wo sie schnell absorbiert wird. Da der Duft etwas an Anis erinnert, kamen wir auf die Idee, die Wirkstoffe und das Aroma der Pflanze mit Alkohol zu extrahieren und erhielten so nach dem Verdünnen und Zuckerzusatz eine Art Anisette. Das Resultat überzeugte sowohl durch die Wirkung als auch den guten Geschmack, aber nachdem der Likör ca. eine Woche gestanden hatte, bemerkten wir keine Effekte mehr (außer denen des Alkohols).

Tagetes lucida

Wirkung

Das Kraut wirkt bei verschiedenen Leuten sehr unterschiedlich, sowohl quantitativ, als auch in der Richtung des Effekts. Allerdings gab es keine negativen Erfahrungen, nur sehr unterschiedliche. Wir testeten Dosierungen bis 2000mg (sowohl alleine als auch in Kombination mit anderen Kräutern) und die meisten Teilnehmer hatten kein Bedürfnis, in der Dosierung noch höher zu gehen. Ein paar berichteten, dass ihnen die Dosis etwas zu hoch war. T. erzeugt einen „klaren“ Zustand, der auf unterschiedliche Weise erlebt werden kann: Musik hören, nachdenken, „grooven“, Selbstreflektion, Kommunikation usw. Einige der beobachteten Effekte waren: innere Klarheit, Wachheit, Closed-Eye- Visuals, körperliche Wärme, Kribbeln, ein allgemein wohliges Gefühl und eine leichte Verzerrung der Zeitwahrnehmung. Die Veränderungen dauerten in den meisten Fällen zwei bis drei Stunden und beeinträchtigten nicht den Schlaf, allerdings berichteten mehrere Testpersonen über verstärkte Träume (mit teilweise wirrem Inhalt). Wir probierten auch Tagetes minuta, mit ähnlichen Resultaten, allerdings ist die Pflanze recht klein, so dass wir nur wenig Material ernten konnten.

Die Kombinationen der erwähnten Pflanzen zeigte in den meisten Fällen einen synergistischen Effekt; unsere Tests mit verschiedenen Kombinationen und Verhältnissen sind noch nicht abgeschlossen, trotzdem wollen wir einige generelle Erfahrungen mitteilen: Zunächst, alle fünf Pflanzen lassen sich gut mit Cannabis kombinieren. Die Mischungen der Argemone-Arten mit Leonuris testeten wir nicht, da diese Pflanzen schon allein Müdigkeit erzeugten. Gut wirksame Kombinationen waren: Argemone und Tagetes, und Leonuris und Tagetes (jeweils mit oder ohne Cannabis) in allen Mischungsverhältnissen. Testpersonen, die während der Experimente müde wurden, empfanden eine Tasse Kaffee oder ein leichtes Coffeinpräparat als hilfreich. Generell lösten die Mischungen der Pflanzen eher eine starke entheogene Erfahrung bei den Probanden aus als einzeln eingenommen, und die Wirkungen wurden individuell als sehr unterschiedlich empfunden.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“


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