Einige Erfahrungen mit Anadenanthera colubrina

Letztendlich probierte ich den Samen

Gwyllm Lwydd; Übersetzung: Hartwin Rohde (T.E.R. Vol XII #2 S.53-54)

Ich habe über Anadenanthera colubrina viele Jahre lang nachgedacht. Damals, in der Antike, es waren die 80er Jahre, habe ich das erste Mal davon gehört und es war so selten, wie etwas nur selten sein kann. Ähnlich wie Vilora war es ein großes Mysterium. Ich hatte seine Benutzung in einem Film gesehen und es machte einen sehr unangenehmen Eindruck. Ich kann Schmerzen nicht leiden, speziell in der Nasengegend, so entschied ich längere Zeit für mich, dass Anadenanthera nichts für mich ist (auch wenn die Berichte, die ich von vielen Leuten hörte, sehr positiv waren.) Anadenanthera kam mir dann vor zwei Jahren wieder ins Bewusstsein. Zu dieser Zeit sah ich meine ersten Bäume davon (noch Stecklinge) in den Bergen von Oakland. Dann waren plötzlich Samen auf dem Markt verfügbar. Das ließ mich aufhorchen und ich begann, erneut Fragen zu stellen. Dann traten jedoch einige Änderungen in meinem Leben ein und ich wandte mein Interesse anderen Dingen zu.

Anfang diesen Jahres erhielt ich die neue Aus gabe von „Pflanzen der Götter“ (Schultes & Hofmann), die Erweiterungen und Ergänzungen von Christian Rätsch enthält. Dieses großartige Buch wurde erheblich erweitert und der Einfluss von Rätsch ist nicht zu übersehen. Ich las einige Monate ab und zu darin, bis ich auf ein Kapitel stieß, dass ich nie zuvor gesehen hatte. Es handelt von Anadenanthera colubrina (cebíl) und ergänzt das Kapitel über Anadenanthera perigrina (yopo). Ich dachte vorher, dass cebíl lediglich ein anderer Name für yopo sei, aber nein, es sind unterschiedliche Dinge. Ich las das Kapitel mehrmals und erfuhr dabei, dass einige wesentliche Unterschiede in der Chemie der Samen vorhanden sind. Yopo scheint eine größere Menge DMT und Bufotenin zu enthalten sowie ringförmige Tryptaminderivate wie z.B. 2-methyl- und 1,2-dimenthyl-6-methoxytetrahydro-ß-carbolin. Einige Varianten von cebíl enthalten ausschließlich Bufotenin, während andere auch 5-MeO-MMT. DMT, DMT-N-oxide und / oder 5-OH-DMT-N-oxide enthalten. Faszinierende Sache: Über einige dieser Komponenten weiß ich entweder wenig oder gar nichts. Basierend auf dem Vorhandensein archäologischer Forschungen stellte sich heraus, dass Anadenanthera colubrina das Entheogen mit der längsten zusammenhängenden Nutzungszeit in Südamerika sein könnte. Samen, Schnupfzubehör und Pfeifen mit verbrannten Samen wurden zusammen mit Mumien gefunden, die mindestens 4500 Jahre alt sind. Ich habe eine Vorliebe für das Rauchen, und die Tatsache, dass diese Konsummethode von Anadenanthera colubrina eine der ältesten ist, ließ mich erneut stark über einen Test der Samen nachdenken. Ich holte Erkundigungen ein. Ein Freund gab mit zehn Samen mit dem Warnhinweis: „Es kann sehr unangenehm werden, beachte die Dosierung!“ Ich bin vorsichtig und tat nichts, außer sie für mehrere Wochen physisch zu untersuchen. Dann fuhr ich los zur Mind States IV – Konferenz in Berkeley.

Während ich Kalifornien besuchte, kam ich an weitere Samen. Offenbar sollte es so sein. Ich nahm sie und fragte nach Dosierung und Erfahrungen. Einige waren positiv, andere nicht. Einige sagten, zwei oder mehr Samen, andere wiederum sagten, eine solche Dosierung wäre sehr unangenehm. Ein Freund berichtete, dass ein gerauchter Samen ihn in Selbstmordgedanken während des kompletten Trips verwickelte. Offensichtlich eine Pflanze, welche man nicht einfach mal so aus Spaß verwendet. Während meiner Recher-chen fand ich Nutzer, die einen dritten Weg der Verwendung bevorzugten: Sie legen den Samen zusammen mit dem Kalk, der für das Betelkauen genutzt wird, unter die Zunge. Diese Methode soll die Pflanze langsam wirken lassen. Obwohl sich die sublinguale Methode vernünftig anhört blieb ich beim Rauchen.

Anadenanthera colubrina Samen


Meinen ganzen Mut zusammennehmend röstete ich zwei Samen, bis sie platzende Geräusche von sich gaben. Ich entfernte die äußere Schale und zerrieb das Fruchtfleisch zu feinem Pulver. Dann röstete ich das Pulver noch einmal. Ich reinigte meine Lieblingspfeife, und wie es meine Art ist wartete ich bis Mitternacht. Ich lud die Pfeife mit dem Samenpulver, zog mich zurück in die Finsternis, entzündete die Pfeife und nahm einen kurzen Zug. Ich schloss die Augen, legte die Pfeife nieder und trieb davon. Zuerst fühlte ich mich, als hätte ich eine größere Dosis Niacin genommen. Mein Gesicht wurde reichlich warm, das Herz schlug mir bis zum Hals, während der Takt normal blieb. Ich trieb eine Weile und alles verschob sich ein wenig. Ich entzündete die Pfeife erneut und dann noch ein Mal. Irgendetwas nahm vor mir eine Form an. Dann realisierte ich, dass die Beschränkungen sich aufgelöst hatten. Alles, was ist, ist dieser Platz, dieser Moment. Alle Zusammenhänge waren aufgelöst. In der tintigen Dunkelheit pulsierten rote Wirbel und langsam setzte sich eine Form aus den Flicken zusammen. Es war ein schwarzes facettenreiches Juwel, dessen Facetten durch pulsierende silberne Linien und gruppierte Kugeln skizziert wurde. Es ist wunderschön, wie es einsam dort schwebt. Mein Geist konnte es erreichen und irgendetwas passierte. Hinter dem Juwel erschien eine alte indianische Frau. Durchs Alter gebeugt, humpelt sie aufgeregt zu mir. Sie lächelt und sagt in einigen Sprachen (weder englisch noch spanisch): „Du bist hier! Du bist angekommen!“ Sie ist vor Freude außer sich. Weitere Menschen erscheinen um das Juwel herum. Es scheint so, als ob das ganze Dorf hier ist. Sie gestikulieren, reichen mir die Hände, berühren mich und reden mit mir und miteinander. Die Luft ist mit großer Freude erfüllt. Ich schaue hinter das langsam verschwindende Juwel. Ich sehe sanfte Hügel, ein Dorf und Cebílbäume, welche sich in einem heißen Wind wiegen. Alles scheint schmerzhaft familiär. Dann treibe ich langsam fort in den Schlaf, während die Visionen von mir abfallen wie Staub. Kleine Farbschlangen bleiben, den Ort bewachend übrig, wo das Juwel im Bewusstsein hängt.

Am nächsten Morgen wachte ich total erfrischt auf. Ich bin sehr glücklich und fühlte, dass etwas wirklich Wesentliches passiert war. Das Leben, normalerweise gut, war einfach besser. Ich freue mich auf den kommenden Abend, an dem ich erneut zurückgehen werde. Ich möchte die Landschaft und das Juwel erneut sehen.

Wieder Mitternacht. Ich lehne mich zurück und nehme einen tiefen Zug. Als mein Kopf das Kopfkissen berührt, kann ich einen großen Druck fühlen, der sich auf mich legt. Meine Herzfrequenz beschleunigt sich und mein Gesicht beginnt, sich heiß anzufühlen. Der Druck wächst. Ich setze mich hin und fühle mich, als hätte ich ca. 46mg 5-MeO-DMT genommen. Das Universum drückt mit großer Kraft auf mich. Ich gebe mich ihm hin. Ich fühle, wie die Tryptamin-Trägerwelle durch mein Wesen, durch alle Wesen, durch die Schöpfung vibriert und tönt. Das Gefühl geht zurück. Ein weiterer Zug und es geht los. Fraktale, Spiralnebel, und die Gegenwart.

Aus dem Nichts taucht das Juwel erneut auf. Ich lächele in mich hinein, denn darauf habe ich gewartet. Das Juwel, pulsierend in seiner Schwärze und seinen sich weitenden Facetten füllt den inneren Horizont. Ich lange erneut nach der Pfeife. Das Juwel wächst sowohl im Detailreichtum als auch in seiner Anwesenheit. Es ist nun alles. Der Druck, den ich fühlte, hat hier seinen Ursprung. Alles, wonach ich suche und suchte wird an diesem Platz beantwortet. Die Tryptamin-Trägerwelle wird lauter. Dem Juwel entspringt ein Jaguar, den Kopf herumwerfend. Die Vision wird zu einer ruckeligen Bewegung, während derer sich der Jaguarkopf in einen Drachenkopf und wieder zurück in einen Jaguarkopf verwandelt. Er beginnt, die Kiefer aufeinander zu schlagen indem er seinen Kopf (seine Köpfe) vor und zurück wirft. Er sieht mich, macht einen Satz, verbeißt sich in meine Brust – tief in mein Herz und schüttelt mich wie eine Puppe. So geht es weiter und weiter. Ich fühle mich, als würde er sich von mir ernähren, wobei ich zu der ganzen Szenerie eine gewisse Distanz gewinne, wie ein Beobachter all dieser Geschehnisse. Die Vision kehrt zurück in das Juwel und lässt mich erschöpft liegen. Der Himmel besteht aus pulsierender Farbe und das Juwel hat nun ein nachdenkliches, grüblerisches Wesen. Ich höre ein Geräusch und fühle Vibrationen. Mit geöffneten Augen sehe ich aus dem Juwel und dem Himmel einen gigantischen tanzenden nordamerikanischen Indianer mit Mohawk. Er tanzt von einem Fuß auf den anderen und erschüttert dabei die Erde. Sein Kopf reicht weit in den Himmel, wo er in den Sternen undeutlich werdend verschwindet. Er bemerkt meine Form, die dort liegt, hält kurz inne, springt dann in meine Brust und versinkt in meinem Körper. Die ganze Zeit über singt er seinen Sprechgesang. Er springt aus mir heraus und greift dann erneut nach mir. Wir verschmelzen und werden eins. Die Trägerwelle ist nun brüllend

Potenzierung

B. Green; Übersetzung: Hartwin Rohde (T.E.R. Vol XII #2 S.54-55)

In einer der vergangenen Ausgaben der Entheogen Review las ich etwas über die Herstellung von Schnupfpulver aus pulverisierter Banesteriopsis caapi – Rinde, die mit A. peregrina und irgend einer alkalischen Base vermischt wurde. Nirgends jedoch konnte ich aktuelle Berichte über die Nutzung einer Kombination aus MAO-Hemmern und Bufotenin finden.

Als ich meine Anadenanthera colubrina Samen bekam, fragte ich den Verkäufer, wie hoch denn der Bufoteningehalt dieser Samen wäre. Er meinte, dass er dies nicht wüsste, erklärte jedoch, dass die Samen aus der letzten Charge geraucht sehr potent waren. Er schickte mir sechs Döschen, jedes voll mit Samen, pro Döschen laut. Ich beginne mich aufzulösen und verliere komplett das Bewusstsein.

Zwei Stunden später wache ich auf. Die Farben verschwimmen und meine Persönlichkeit verändert sich permanent, wandert von einem Objekt zum andern, in die Wände, die Bäume zurück ins Haus. Ich fühle mich, als würde ich verrückt werden. Ich gehe hinaus ins Wohnzimmer, langsam meine Gedanken sammelnd, während ich aus dem Fenster in die Dunkelheit schaue. Die Panik bleibt. Nach einiger Zeit gehe ich ins Bett, alle Teile meines „Ich“ sind wieder beisammen und an der richtigen Stelle. Ich schlafe mit einem Lächeln ein.

Der Morgen kam mit all seiner Schönheit und ich beschließe cebíl für eine Weile in Ruhe zu lassen. Was ich von diesen Exkursionen an zu verarbeitenden Eindrücken erfahren habe wird mich noch einige Wochen beschäftigen. Selbst wenn ich einfach nur in einem ruhigen Moment die Augen schließe kann ich die Wärme auf meinem Gesicht fühlen und sehe die sanft welligen Hügel mit den Cebílbäumen. Ein Platz perfekter Ruhe mit großen Mythen und mit Mysterien.

kamen ungefähr zwölf Samen zusammen. Die Samen waren extrem dünn und ca. 13-16 mm breit. Die schwarzen Schalen beinhalteten ein weißes Fruchtfleisch. Die Schalen waren so dünn, dass es als Zeitverschwendung erschien, sie extra zu entfernen. Mir wurde gesagt, dass die meisten Nutzer diese Samen einfach öffneten, trockneten und sie dann komplett rauchten. Einige machten auch ein Schnupfpulver daraus, das interessierte mich jedoch nicht sonderlich.

Ich entschied mich auf Grund der hauchdünnen Außenschale dafür, die Samen einfach zu öffnen und frisch zu rauchen, ohne sie noch extra zu trocknen. Ich tat dies mit einem Samen und der schickte mich auf einen einigermaßen star-ken Trip, der äußerst klar, und durch sich schnell bewegende Muster gekennzeichnet war. Dieses Erleben dauerte ungefähr fünf Minuten und wurde von größtenteils wunderschönen Nachwirkungen gefolgt. Das Material war also potent, ich empfand jedoch keinerlei Angstschübe, wie ich es von DMT gewohnt bin. Das Körpergefühl war hauptsächlich neutral, ansonsten einigermaßen angenehm.

Ungefähr fünf Stunden später öffnete ich eine weitere Samenkapsel, füllte sie in meine Pfeife und legte einige gemahlene Peganum harmala Samen dazu (maximal 150 Milligramm, gewogen hatte ich sie nicht). Ich rauchte diese Mischung und bemerkte, dass der Rauch sonderbar schmeckte, aber nahezu keinerlei Reizungen in Lunge oder Hals erzeugte. Als ich die Pfeife aufgeraucht hatte, bemerkte ich, dass das Körpergefühl erheblich, die Visionen bei geschlossenen Augen jedoch milder waren. Ich hatte keinerlei Bedürfnis noch mehr zu rauchen. Innerhalb der nächsten fünf Minuten wurden die Bilder bei Augenschluss fantastisch schön – stark, klar und sehr farbenfroh. Sie schienen ein zentrales, festes Element (wie ein Wiederholungsmuster oder Design) zu haben, obwohl sich die Motive heftigst veränderten. Nach einigen Minuten änderte sich das „Design“ schlagartig komplett in etwas völlig anderes, was dann nach einigen Minuten (oder so) erneut auf die gleiche radikale Art abgelöst wurde usw. Ich empfand dies als neu und äußerst lustig, weil die Änderungen so dermaßen unvorhersehbare Ergebnisse lieferten. Die Visionen hatten eine erstaunliche Dreidimensionalität. Wie heftig und wunderbar farbenfroh diese Visionen auch waren, ich konnte sie ausschließlich bei geschlossenen Augen wahrnehmen. Mit offenen Augen fühlte ich mich einfach nur sehr „stoned“ mit einer schwachen, nicht beschreibbaren visuellen Wahrnehmungsänderung. Da war auch eine langsame, rhythmische Körperwahrnehmung, die so regelmäßig war, dass ich dachte es könnte mein Herzschlag sein. Doch als ich meinen Puls fühlte, stellte ich fest, dass dieses wellenartige An- und Abschwellen langsamer als mein Puls war.

Die Samen, einzeln geraucht, wirkten insgesamt fünf Minuten, zusammen mit Peganum harmala brauchte es fünf Minuten bis zum Peak und blieb da für die nächsten 15 Minuten mit einem zusätzlichen 25-minütigen Abebben des Rausches. Die zugesetzte Peganum harmala erzeugte also eine erhebliche Potenzierung sowohl in Stärke als auch Länge des Erlebens, ganz zu schweigen von der Verbesserung seitens Qualität und Gefühl der Visionen. Der nächste Schritt wäre ein Sud aus den zerstoßenen Samen und Peganum harmala zu kochen und diesen zu trinken, auch dazu habe ich noch keine Erfahrungen finden können.

[JONATHAN OTT hat seine Erfahrungen mit einer Mischung der freien Bufotenin-Base und Peganum harmala in seinem neuen Buch „Shamanic Snuffs or Entheogenic Errhines“ eingehend beschrieben. Er versuchte diese Kombination intranasal, sublingual, oral und rectal. Er stellte bei jeder Konsumform eine eindeutige Psychoaktivität fest. Erstaunlicherweise hat er keinerlei Versuche mit den verdampften Wirkstoffen beschrieben, Ihr Bericht ist also tatsächlich der erste dieser Konsumform, den wir sehen.-T.E.R.]

Nebenbei gesagt, Opioidnutzer werden keinen Erfolg mit Ayahuasca haben. Jede Form von Opioid, inclusive Codein, Hydrocodon, Oxycodon und selbstverständlich natürliches Opium sind meine erste Wahl, wenn ich eine „Ayahuasca Überdosis“ erwischt habe. Sie sorgen dafür, dass die emotionellen, taktilen und diese „Alien-contact – Gefühle“ nahezu auf Null heruntergeregelt werden. Lediglich ein paar unspektakuläre visuelle Effekte bleiben übrig, die keinerlei emotionelle Wirkung auf mich haben. Ich habe dies eingehend an mir und auch anderen getestet und immer das selbe Ergebnis bekommen. Meiner Meinung nach haben diejenigen, die regelmäßig Opioide konsumieren keine Chance eine echte Ayahuasca Erfahrung zu machen. Interessanterweise ist auch Tabak ein stark wirksames Mittel um diese Ayahuasca – Effekte zu unterdrücken.

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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