Einige Anmerkungen zur Absinth-Herstellung

Markus Berger

1923 verbannt, verboten und verschrien. 1991 reanimiert, reintegriert und rehabilitiert. Viele Urteile musste Absinth über sich ergehen lassen. Nicht nur in Deutschland. Es wurden Entscheidungen getroffen, Gesetze geschaffen und Fragen eruiert. Ist dieser Wermutschnaps gefährlich? Im Falle eines Missbrauchs sicherlich. Da ist man sich einig. Allerdings sind in diesem Fall alle Substanzen gefährlich – nicht nur psychoaktive – auch Zucker, Eiweiß und andere alltägliche. Nun, da Absinth, das entheogene Alkoholikum, unter Einhaltung gewisser Auflagen, wieder legalisiert wurde, ist es interessant zu wissen, welche Rezepturen denn überhaupt als solches gelten bzw. wie man sich selbst ein ähnliches Getränk zusammenstellen kann. Vorliegender kleiner Absatz beschäftigt sich mit praktikablen Rezepturen, fordert hingegen nicht zur illegalen Heim-Destillation des Trunks auf, da diese Form der Zubereitung große Gefahren in sich birgt.

Eins gleich zu Anfang: Die laienhafte Absinth-Herstellung durch Destillation ist verboten und außerordentlich riskant, da bei unsachgemäßer Bedienung während des Prozesses kanzeröse (krebserregende) und explosive Verbindungen entstehen können. Der öffentliche Verkauf, Erwerb, Besitz und Genuss des Getränks hingegen ist nicht mehr illegal. Hunderte berauschender, aphrodisierender und gaumenkitzelnder Rezepte gibt es mittlerweile für den Genuss des psychedelischen Gebräus. Trinkrituale aus alten Zeiten werden wieder aus den Mottenkisten der Köpfe geholt und neue werden kreiert (1, 3). Rätsch gibt eigenartigerweise immer noch an, dass Absinth weltweit unzulässig sei (2). Wie dem auch sei. Wenden wir uns den gänzlich ungeheimen Inhaltsstoffen dieses magisch anmutenden Trunks zu. Das Zusammenmischen verschiedener legaler Kräuter in gekauftem Alkohol ist glücklicherweise (noch) kein Straftatbestand in Deutschland.

Die allgemeinen Ingredienzien:

Zur Produktion von Absinth oder Absinth – ähnlicher Getränke werden verschiedene Pflanzen(teile) gebraucht. Einführend eine Übersicht dieser Gewächse, geordnet nach verwendeten Teilen.

✧ Kraut (Blätter und Stengel):

✧ Artemisia absinthium (Wermut)

✧ Hyssopus officinalis (Herba Hyssopi, Ysopkraut)

✧ Mentha piperita (Pfefferminze)

Origanum dictamnus (Diptamdostblätter)

Wurzel:

✧ Acorus calamus (Kalmuswurzel)

✧ Angelica archangelica (Angelikawurzel)

Frucht:

Illicium verum (Sternanisfrüchte)

Samen:

Foeniculum vulgare (Fenchelsamen)

Rinde:

Cinnamomum verum (Zimtrinde)

Sonstige Pflanzen, die zur Absinth-Komposition verwendet werden:

✧ Chamomilla recutita (Kamille)

✧ Coriandrum sativum (Koriander)

✧ Elettaria cardamomum (Kardamom)

✧Juniperus communis (Wacholder)

✧ Majorana hortensis (Majoran)

✧ Melissa officinalis (Melisse)

✧ Myristica fragrans (Muskat)

✧ Origanum vulgare (Oregano)

✧ Petroselinum crispum (Petersilie)

✧ Pimpinella anisum (Anis)

✧  Spinacia oleracea (Spinat)

Nun kommt es, wie bei allen Delikatessen, auf die Mischung an. Urtümlicher Absinth besteht aus dem destillierten ätherischen Öl des Wermut, welches zusammen mit Anis, Fenchel, Melisse, Ysop und anderen Gewürzkräutern in hochprozentigem Alkohol bereitet wurde. Heutzutage hat man mehrere Kräuter, Früchte und Samen für die Zubereitung von köstlichem Absinthzur Verfügung. Diese sind von eigenem, meist starkem Geschmack und können je nach Vorliebe individuell beigegeben werden. Mag man Pfefferminze liebend gern, Kamille hingegenüberhauptnicht, dosiert man nach persönlicher Präferenz. Weniger geschmacksknospen – orientiert sind die psychoaktiven Bestandteile handzuhaben. Die erhöhte Zugabe von Wermut steigert nichtnur den bitteren Geschmack des fertigen Getränks, sondern auch dessen Thujon-Gehalt, der letztlich für die psychedelische Wirkung des Absinth sorgt. Thujon (alpha- und beta-Thu jon; beide sind Steroidi somere) kommt außer im Wermut auch im Thuja- Strauch Thuja orientalis vor und ist ein entheogener Wirkstoff, der in seiner Molekularstruktur dem THC nicht unähnlich ist (2). Oral appliziert (also z.B. getrunken) wirkt Thujon tatsächlich ein wenig wie Haschisch oder Marijuana. Meist wird der hohe Alkoholgehalt für die Wirkung des Absinth verantwortlich gemacht. Dies ist allerdings ein Irrtum. Alkohol an sich und allein ist bei Leibe kein Psychedelikum.

Herstellung

Ein gut wirksames und bekömmliches Absinth-Rezept:

  • 45g Artemisia absinthium (Wermut)
  • 10g Hyssopus officinalis (Herba Hyssopi, Ysop)
  • 8g Melissa officinalis (Zitronenmelisse)
  • 8g Pimpinella anisum (Anis)
  • 10g Illicium verum (Sternanisfrucht)
  • 3g Acorus calamus (Kalmuswurzel)
  • 5g Melissa officinalis (Melissenblätter)
  • 8g Mentha piperita (Pfefferminze)

Die gemörserten Bestandteile werden in einem Liter max. 85 %igem Ethylalkohol eingelegt. Das Gebräu zieht nun etwa drei Wochen – zwanzig Tage sind in Ordnung. Anschließend filtert man, idealerweise mit einem Seidentuch, die Kräuter ab.

Das Mixen Absinth-ähnlicher Getränke:

Um Absinth-Substitute zu erarbeiten, kann man die Zusätze variieren. Dem eigenen Kreationsvermögen sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Nur mit dem Probieren der Eigenkom position sollte man anfangs vorsichtig sein. Weniger ist meistens mehr. Von experimentellen Beimischungen anderer psychoaktiver Kräuter wird abgeraten. Nur der sehr erfahrene Anwender kann versuchen, ihm bekannte Gewächse minimal dosiert einzubringen. Dann aber bitte auf eigene Verantwortung und nur sehr vorsichtig!

Rezept 1:

Man benötigt:

  • 20g Artemisia absinthium (Wermut)
  • 500 ml Wodka
  • 5g Angelica archangelica (Angelikawurzel)
  • 3g Coriandrum sativum (Korianderpulver)
  • 2g Elettaria cardamomum (Kardamompulver)
  • 3g Foeniculum vulgare (Fenchelsamen)
  • 10g Pimpinella anisum (Anis)

Das zerstoßene Wermutkraut in eine verschließbare Karaffe o.ä. geben und den Wodka darübergießen. Dies lässt man drei Tage ziehen. Mittels eines Seidentuchs oder eines engmaschigen Siebes filtert man das Wermutkraut ab und gibt die restlichen pflanzlichen Bestandteile in den Alkohol. Die Flüssigkeit zieht nun abermals sieben bis zehn Tage. Nach letztmaligem Abfiltern der Kräuter ist das Absinth-ähnliche Getränk fertig.

Rezept 2:

Für die zweite, etwas andere Rezeptur benötigt man:

  • 2l 94%igen Ethylalkohol
  • 120g Artemisia absinthium (Wermut)
  • 30g Hyssopus officinalis (Herba Hyssopi, Ysop)
  • 20g Melissa officinalis (Zitronenmelisse)
  • 25g Pimpinella anisum (Anis)
  • 50g Illicium verum (Sternanisfrucht)
  • 20g Mentha piperita (Pfefferminze)

Man gibt alles in ein verschließbares Gefäß und lässt die Mixtur 14 bis 20 Tage ziehen. Danach die pflanzlichen Bestandteile filtern. Zum Genuss wird das fertige Getränk mit ⅔ Wasser gemischt – am Besten beim Portionieren direkt ins Glas.

 

Literatur:

1) Büttner, Erika, Die grüne Fee, Absinth, Buchverlag für die Frau, 2002

2) Rätsch, Christian, Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, AT-Verlag 1998

3) Werner, Helmut, Absinth. Die grüne Wunderfee, Ullstein 2002

Interessante Internetadressen:

http://www.absinth.de/

http://www.absinth.com/

http://www.tabu-absinth.de/

http://www.absinthwelt.at/

http://homedistiller.org/ (beschreibt, wie man aus einfachsten Küchengeräten Destillen baut und mehr)

mit freundlicher Genehmigung von Hartwin Rhode „Entheogene Blätter“

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