Eine psychonautische Analyse der Gattung Coleus spp.

Gehört das Buntblatt in die psychopharmakologische Pharmakopöe?

Nachdem ich in der Vergangenheit diverse inadäquat erforschte psychoaktive Pflanzen in jeweils speziellen Arbeiten2 auf ihre Relevanz für die Psychonautik untersucht habe, ist es nach meinem Dafürbefinden nun an der Zeit, die Gattung Coleus (Buntblatt) eingehend unter die Lupe zu nehmen. Unter Zuhilfenahme verschiedener Erfahrungsberichte und bibliografischer Quellen erschliesse ich in diesem Stück die Welt der als Psychoaktiva genutzten Buntblatt-Arten systematisch.

„Man braucht keine Labortiere, man braucht keine großartige Forschungsfinanzierung, man braucht keine Unmengen von Universitätspersonal, man muss nur die Aktivität der Pflanzen verstehen und man muss sie halt kosten.“ [Jonathan Ott]1

1. Prélude:

Allen Unkenrufen zum Trotz … (Hintergrundmotivation für diese Arbeit)

Christian Rätsch hat Coleus blumei in die grosse monografische Übersicht seiner ‚Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen‘ aufgenommen, sie also ganz klar in die Reihe der bekannten Psychonautika eingeordnet, obgleich in seinem Werk auch Kapitel für ‚wenig erforschte‘ und ‚angebliche‘ psychoaktive Pflanzen existieren. Das finde ich persönlich sehr gut, auch wenn einige Autoren der Ansicht sind, das Buntblatt sei nicht aktiv. Genau dies herauszufinden ist Ziel vorliegender Arbeit. Ich werde zunächst anhand diverser Literaturstellen darstellen, wie manche Autoren der Gattung Coleus die Psychoaktivität absprechen, um anschliessend die Stimmen zu reflektieren, die die geistbewegende Wirkung der Coleus-Spezies bejahen.

2. Botanik und Geschichte der Gattung Coleus spp.

Die ungefähr 150 Arten umfassende Gattung Coleus gehört zur Familie der Lippenblütler (Labiatae / Lamiaceae) und stammt aus den tropischen Gebieten der Alten Welt. Coleus wurde relativ zeitig, vermutlich während der Kolonialzeit, nach Amerika eingeschleppt, wo die Pflanzen schnell ein wichtiger Bestandteil der Zauberkulte wurden. Bei den Mazateken wird die Buntnessel als Salvia divinorum-Ersatz verwendet und gehört zur selben pflanzengeistlichen Familie. Salvia divinorum gilt hier als Mutter (la hembra), Coleus pumilus als Vater (el macho), Coleus blumei als Kind (el nene) bzw. Patenkind (el ahijado) (Gartz 2001: 17; Ott 1996: 381; Rätsch 1998: 181; Wasson 1962: 79). Die Pflanzen sind zumeist krautig oder buschig und erreichen eine Höhe von etwa einem Meter. Die Arten tragen bis zu 15 Zentimeter lange, kreuzständige, ovale, zackige, bunte Blätter. Die annähernd glockenförmigen, purpurnen bis bläulichen, ca. einen Zentimeter langen Blüten wachsen in endständigen rispigen Ähren. In ihrer tropischen Heimat vermag Coleus das ganze Jahr über Blüten zu bilden, heute ist die Gattung hauptsächlich als Zierpflanze verbreitet und blüht im Wohnzimmer von Juni bis September. Gerade von C. blumei existieren eine Menge Kultivare, also Hybridformen, was häufig zur Verwechslung mit anderen Spezies führt. So sieht z.B. die Hybride Coleus blumei cv. Verschaffetii der Coleus forskohlii verblüffend ähnlich (Rätsch 1988: 52; Rätsch 1998: 181). Medizinisch wird Coleus gegen Elephantiasis (Samoa), Dysenterie und Verdauungsschwierigkeiten (Südostasien) und Kopfschmerzen (bei den Nekematigi aus Papua-Neuguinea) eingesetzt (Ott 1996: 381; Rätsch 1998: 182; Uhe 1974; Valdes et al. 1987: 474). Die Art Coleus atropurpureus Benth. wurde lange Zeit als empfängnisverhütendes Mittel benützt (Rätsch 1998: 182; Schneider 1974: 349). Auch in der modernen Zeit und Welt gibt es Zubereitungen aus Coleus, in diesem Falle aus Coleus forskohlii: Eine amerikanische Diätpille („Lean for Less®“ von Health from the Sun™) enthält Coleus forskohlii Puder.3 Das Produkt ForseLean® aus dem Hause Sabinsa Corporation beinhaltet gleiches.

3. Erfahrungswerte

In diesem Teil stelle ich die diversen Literaturstellen nebeneinander, vergleiche deren Aussagen und vervollständige die Thesen mit eigenen Erfahrungen. In diesem Kontext werden natürlich einige chemisch-analytische Aussagen sowie Beschreibungen zur Verwendung der Pflanzen mitzitiert, obwohl diese später in eigenen Abschnitten gesondert behandelt werden.

3. 1. Behauptung: Coleus ist nicht psychoaktiv Den Anfang macht Bert Marco Schuldes. Sein Buch ‚Psychoaktive Pflanzen‘ listete Coleus blumei in den ersten Auflagen noch als aktives Gewächs, während die Art in aktuellen Versionen des Buchs mittlerweile dem Kapitel ‚Nicht psychoaktive Pflanzen‘ untergeordnet ist:

„Die Buntnessel findet man in jedem Fachbuch über Rauschdrogen. Auf der anderen Seite haben nach Erscheinen der ersten Auflage sowohl ich selber, als auch eine grössere Zahl mir bekannter Personen Versuche mit dieser Pflanze unternommen, teils auch mit wirklich großen Mengen der Blätter. In keinem Fall kam es zu irgend einer Wirkung. Im wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten der Erklärung: irgend eine der etwa 150 Buntnessel-Sorten ist psychoaktiv, aber die scheint es in Deutschland nicht zu geben. Oder die Information ist schlicht falsch. Dafür spricht eine Mitteilung des Ethnopharmakologen Daniel J. Siebert. Er war selbst im Gebiet der Mazateken und schrieb mir, dass dort nur ein einziger Indianer behauptet, die Buntnessel wäre psychoaktiv. Die anderen Indios verneinen dies.

(Schuldes 2001: 97)

Coleus spp. (Foto: M. Berger)

 

Auch Jim DeKorne hat allerhand Anhaltspunkte zu glauben, Coleus sei inaktiv:

„Wasson hatte berichtet, dass seine mazatekischen Informanten ihm erzählt hätten, dass Coleus, eine verbreitete Zierpflanze und eine Verwandte von S. divinorum, ebenfalls von Heilern als Halluzinogen benutzt würde. Dies ist viele Male in der Literatur wiederholt worden. Einige Briefpartner erzählten mir, dass Coleus nicht psychoaktiv ist, andere sagten, er sei wirksam. Da ich ihn nicht probiert habe, kann ich mich nicht für eine der Positionen entscheiden. (Nach einer gewissen Zeit verliert man den Enthusiasmus für Versuche mit grossen Mengen bitterer, zum Erbrechen reizender Blätter, besonders, wenn weniger zweideutige psychotrope Pflanzen so leicht erhältlich sind!) Hier ist ein Bericht eines Schamanen, der es wissen sollte: Der Heiler hatte ebenfalls zahlreiche Exemplare von Coleus-Arten, die in der Nähe seines Hauses wuchsen. Wasson hatte berichtet, dass die Mazateken glauben, dass Coleus eine Heilpflanze oder ein halluzinogenes Kraut ist, das eng mit S. divinorum verwandt ist (…). Trotzdem sagte Don Alejandro, dass die Pflanzen keine medizinischen seien und dass seine Tochter sie auf dem Markt gekauft hatte, weil sie hübsch sind (…)“

(DeKorne 1998: 174-175)

Ein Nutzer der Newsgroup alt.drugs berichtete folgendes (http://www.erowid.org/plants/ other/coleus_info1.shtml):

Ich versuchte es, aber ohne Ergebnis. Ich kaufte drei Coleus-Pflanzen im Gartenmarkt und nahm die meisten der Blätter, schlussendlich fast hundert Stück, ungefähr 25 davon waren sehr gross (über 4 Zoll). Ich spülte sie (…) irgendwie hinunter (und sie schmeckten sehr säuerlich). Eine mögliche Erklärung [für die Inaktivität] ist, dass ich vielleicht die falsche [Coleus-]Art verwendete.“5

3. 2. Behauptung: Coleus ist psychoaktiv

Mazatekische Schamanen sind der Ansicht, Coleus wirke ähnlich wie Salvia divinorum, in Brasilien wird Coleus (‚maconha‘), u.a. während der Macumba-Zeremonien und sogar als Marijuana- Substitut geraucht (Rätsch 1988: 52). Während meiner Recherchen zu einem Artikel über die verschiedenen pychoaktiven Salbei-Spezies (erscheint demnächst in Entheogene Blätter) fand ich im Internet einen interessanten Artikel („The other psychoactive Salvias“), der u.a. auch die psychotropen Eigenschaften einer Coleus-Art thematisiert (http://www.spiritplants.com/articles/ othersalvia.html):

„Eine als Forskolin-Extrakt bekannte, aus Coleus barbatus (= Coleus forskohlii) isolierte Substanz, (…) aus der Klasse der Neo- Clerodan-Diterpene und mit einer ähnlichen chemischen Struktur wie Salvinorin A, wurde im Rahmen (…) einer Experimentenreihe getestet und für ähnlich, wie gerauchte Salvia splendens-Blüten befunden, die um einiges stärker als die Blätter sind.“6

Der Autor vergleicht im Artikel die Wirkung gerauchter Coleus forskohlii (hier noch mit dem Synonym Coleus barbatus angegeben) mit der des Feuersalbeis (Salvia splendens Sellow ex Roem. et Schult.) und kommt dabei zu dem Schluss, dass beide Pflanzen in der Tat ähnliche Effekte induzieren, also definitiv psychoaktiv sind, was ich nur bestätigen kann. Aus Salvia splendens wurden die Neo-Clerodanditerpene Salviarin und Splendidin isoliert, die im Vergleich zu Salvinorin A eine zwar etwas schwächere aber analoge Wirkung haben.

Im Kapitel ‚Rauchmischungen‘ seiner Enzyklopädie führt Christian Rätsch Coleus spp. als psychoaktives Rauchkraut an (Rätsch 1998: 789). Im Abschnitt ‚Diterpene‘ werden bicyclische Diterpene in Coleus blumei sowie Forskolin, Labdane und Coleone in Coleus spp. als ‚Diterpene in psychoaktiven Pflanzen‘ gelistet (Rätsch 1998: 831). Im ‚Lexikon der Liebesmittel‘ erfassen die Autoren Coleus blumei und Coleus pumilus als mexikanische Aphrodisiaka (Müller-ebeling et Rätsch 2003: 579), und im Abschnitt ‚Rauch und Rausch‘ des Werks ‚Räucherstoffe‘ wird Coleus spp. als aktive Räucherungs-Ingredienz angegeben (Rätsch 1996: 30).

Im ‚Handbuch der Rauschdrogen‘ taucht erneut die These von der Psychoaktivität der Buntnessel auf. Die Autoren behaupten, dass nordmexikanische Medizinmänner

„(…) in einigen (…) nach Amerika importierten Pflanzen (Salvia divinorum (…), sowie den Buntnessel-Arten Coleus pumilus und Coleus Blumei [sic!]) halluzinogene Eigenschaften entdeckten, auf welche man in Europa nie gekommen war“

(Schmidbauer et Vom Scheidt 1994: 355).

Wolfgang Schmidbauer unterstreicht die Behauptung mit der Aussage, dass:

„(…) die Lippenblütler-Gattung Coleus (Buntnessel) in Amerika als Rauschmittel verwendet [wurde] (vor allem Coleus pumila und Coleus blumei)“

(Schmidbauer 1968/69; Schmidbauer et Vom Scheidt 1994: 671).

Professor Buzz hält in seinem Buch ‚Recreational Drugs’ fest:

„Wenn Psilocybinpilze nur schlecht verfügbar sind und die User einen milderen aber ähnlichen Trip geniessen möchten, dann bedienen sie sich manchmal der Coleus-Pflanze, hauptsächlich der Arten Coleus blumei und Coleus pumila. Die mazatekischen Indianer aus Südmexiko trippen schon seit Jahren mit dieser psychedelischen Minze“

(Buzz 1989)7.

Ein pseudonymisierter User des Lycaeum-Forums postete am 19. August 2003 die seiner Ansicht besten Methoden und Massnahmen, um beim Konsum von Coleus eine Wirkung zu provozieren (http://forums.lycaeum.org/cgi-bin/ ultimatebb.cgi?ubb=get_topic&f=2&

Die Pflanzen sollten in der vollen Sonne und bei feuchtem Boden gut gewachsen sein. Blattmaterial erntet man am besten, wenn die Blätter am buntesten (also am reifsten) sind. Grüne Blätter gelten als weniger potent. Die stärksten Blätter sollen Coleuszüchtungen mit tief purpurnem oder hellpinkem, purpur geadertem Blattwerk haben. Die Blätter sollten sparsam geerntet werden, um die Pflanze nicht zu töten, und in einem Trockenraum oder über einem nicht allzu warmen Heizkörper getrocknet werden. Das Rauchen von einem oder zwei Chillums dieser getrockneten Blätter soll eine geringfügige Intensivierung der Farben, ein verbessertes Vorstellungsvermögen und Tagträumereien induzieren. Selbst mit geöffneten Augen sollen sich nach dem Coleus-Genuss surrealistische Traumszenen eröffnen. Coleus-Blätter vor dem Schlafen geraucht, sollen das Vermögen, sich nach dem Schlaf an das Geträumte zu erinnern erhöhen. Ausserdem sollen sich die Effekte im Synergismus mit Cannabis verstärken. Meine eigenen Erfahrungen finden sich zum Vergleich weiter unten.

Die Newsgroup alt.drugs enthält einen von Nutzer ‚Keith‘ geposteten Eintrag unter dem Titel „Coleus — hallucinogenic?“ von 1994, der, wenn authentisch, das Dargestellte bestätigt (http://www. e rowid.org/plants/other/ coleus_info1.shtml):

„Auch auf die Gefahr dümmlich zu wirken, möchte ich meine Coleus-Erfahrung von vor 20 Jahren nicht unerwähnt lassen. (…) Ich schwöre, dass ich etwas erfuhr, das einer milden Dosis Psilocybin sehr ähnlich war. [Ich sah] winklige, sich wiederholende Muster an den Wänden (wenn ich sie anschaute) und dergleichen (…).“8

3. 3. Die neutrale, wertfreie Betrachtung

Einige Autoren enthalten sich einer Meinung und geben einfach ihre Beobachtungen wieder. So geben R.E. Schultes und Albert Hofmann in ‚Pflanzen der Götter‘ für Coleus an:

„Zwei Arten9 dieser auf den Philippinen beheimateten Pflanze haben bei den südmexikanischen Mazateken eine Bedeutung erlangt, die derjenigen von Salvia ebenbürtig ist. Coleus hat magisch-religiöse Bedeutung und wird in der Wahrsagekunst verwendet. Die Blätter werden frisch gekaut, manchmal wird die Pflanze zerstossen und mit Wasser zu einem Getränk verdünnt. Noch ist bei keiner der 150 bekannten Coleus-Arten eine halluzinogene Wirksubstanz entdeckt worden“

(Schultes et Hofmann 1998: 68-69).

Weiter heißt es:

„Die frischen Blätter werden genau wie Salvia divinorum verwendet, d.h. als Priem gekaut. Mazatekische Wahrsager und Schamanen benutzen die Buntnesselblätter anscheinend nur als Ersatz für Salvia divinorum. Aus diesem Zusammenhang erklärt sich die Reputation des Buntblattes als psychoaktive Pflanze“

(Schultes et Hofmann 1998: 165)

In der fünften Auflage des Werks von 2001, ergänzt Christian Rätsch:

„Im Buntblatt wurden kürzlich salvinorinartige Substanzen (Diterpene) von noch ungeklärter chemischer Struktur entdeckt. Möglicherweise werden diese Diterpene durch das Trocknen oder Verbrennen chemisch zu wirksamen Stoffen modifiziert“ (Schultes et Hofmann 2001: 39, [vgl. auch Rätsch 1998: 182]).

Hier befinden sich gleich zwei vorsichtige Thesen im Zitat. Zum einen die These, Coleus sei möglicherweise nur assoziativ als eine geistbewegende Pflanze zu verstehen, nämlich im Zusammenhang mit ihrer Verwendung als Salvia divinorum– Substitut. Zum anderen mutmaßt Rätsch, dass in Coleus anwesende Diterpene während der Lagerung oder des Rauchens in aktive Prinzipien umgewandelt werden könnten. Eigene Erfahrung im Rahmen meiner langjährigen Bioassays mit verschiedenen Kultivaren der Gattung bestätigen meistenfalls die oft angeführte Psychoaktivität der Buntnessel.

4. Chemie

4. 1. Coleus-Arten und ihre Inhaltsstoffe (Auswahl)

4. 1. 1. Coleus amboinicus LOUR. (Syn. Coleus aromaticus Benth.)

Bisher bekannte Inhaltsstoffe: Triterpensäuren, Flavonoide (Brieskorn et al. 1977; Brieskorn et al. 1979), Oxalessigsäure, Ätherische Öle mit etwa 43 % Carvacrol.

Coleus blumei (Foto: M. Berger)

4. 1. 2. Coleus blumei BENTH. (Syn.: Coleus scutellarioides Benth., Solenostemon scutellarioides)

Bisher bekannte Inhaltsstoffe: Diterpene (möglicherw. Forskolin [vgl. Coleus forskohlii]), Rosmarinsäure in Zellkulturen (Gertlowski et al. 1993; Häusler et al. 1992; Karwatzki et al. 1992; Meinhard et al. 1992; Meinhard et al. 1993; Petersen 1992; Petersen 1993; Petersen 1997; Petersen et al. 1993; Petersen et al. 1995; Rätsch 1998: 182; Szabo et al. 1999)

4. 1. 3. Coleus carnosus A. CHEV. (Syn.: Plectranthus neochilus, Coleus neochilus (Schltr.) Codd, Coleus pentheri Gürke, Coleus schinzii Gürke)

Bisher bekannte Inhaltsstoffe: Coleone und Royleanone (Yoshizaki et al. 1979).

4. 1. 4. Coleus forskohlii (WILLD.) BRIG. (Syn.: Coleus barbatus (Andrews) Benth., Plectranthus barbatus)

Bisher bekannte Inhaltsstoffe: Die Diterpene Forskolin10 (7beta-acetoxy-8,13-epoxy-1alpha, 6beta, 9alpha-trihydroxylabd-14-en11-one; Syn.: Colforsin, Coleonol [Diastereomer des Forskolin]), Deacetylforskolin (in der Wurzel), 9-Deoxyforskolin (Wurzel), 1,9-Deoxyforskolin (Wurzel) und 1,9-Dideoxy- 7-Deacetylforskolin (Wurzel), Coleforsin, Coleol, Coleonon, Coleosol, 1,9-Dideoxy-Coleonol B, Coleonol B, Coleonol C (6-Azetoxy-8,13-Epoxy- 1,7,9-Trihydroxylabd-14-en-11-one), Coleonol D, Coleonol E (1,9-Dideoxyforskolin), Coleonol F, Deoxycoleonol (7-Azetoxy-8,13-Epoxy-1,6-Dihydroxylabd-14-en-all-one), Barbatusin, Barbatusol, 3- Hydroxy-3-Deoxy-Barbatusin, Ciclobutatusin, Allylroyleanone, Plectrin, Plectirinon A, Plectirinon B (in den Blättern), 20-Deoxocarnosol (im Stengel), 6- Hydroxy-Carnosol, 1-Acetoxycoleosol, 8,8′-Diapocarotenedial (Crocetin Dialehyd), 8,13-Epoxylabd- 14-en-all-one, Napthopyron, Cariocal sowie weitere Diterpene und diverse Triterpene (Bhat et al. 1977; Bhat et al. 1979; Gabetta et al. 1989; Jauhari et al. 1978; Ott 1996: 381; Rätsch 1998: 182; Tandon et al. 1977; Tandon et al. 1978; Valdes et al. 1987; Zelnik et al. 1977).11

4. 1. 5. Coleus pumilus BLANCO. (Syn.: Coleus rehneltianus

Bisher bekannte Inhaltsstoffe: Diterpene

4. 1. 6. Coleus somaliensis

Bisher bekannte Inhaltsstoffe: Diterpene Hidroquinone und Colcon I (Moir et al. 1973; Ruedi et al. 1977).

4. 1. 7. Coleus spicatus BENTH. (Syn.: Plectranthus spicatus)

Bisher bekannte Inhaltsstoffe: Triterpene und Flavone (Painnly et al. 1983).

4. 1. 8. Coleus zeylanicus (BENTH.) CRAMER

Bisher bekannte Inhaltsstoffe: Abietan-Diterpene (Mehrotra et al. 1989).

4. 2. Terpene

4. 2. 1. Definition

In diesem Abschnitt gehe ich aus Verständnisgründen kurz auf Terpene ein, welche zumeist die Hauptinhaltsstoffe der Coleus-Spezies ausmachen. In Coleus spp. wurden, neben einigen anderen Substanzen (wie Flavonoiden usw.), Diterpene und Triterpene nachgewiesen. Bei den Terpenen, die u.a. häufig Bestandteil ätherischer Öle sind, handelt es sich um lipoide Verbindungen, also um einfache Lipide. Terpene sind Oligomere12 des Kohlenwasserstoffs Isopren. Es gibt Monoterpene, Diterpene, Triterpene, Tetraterpene, Sesquiterpene, Sesterpene und Polyterpene. Diese werden wiederum unterteilt in acyclische Terpene, monocycliche Terpene, bicyclische Terpene und tricyclische Terpene. Ein bekanntes monocyclisches Diterpen ist z.B. das Vitamin A.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Stoff Forskolin aus Coleus forskohlii ist ein bicyclisches Diterpen vom Labdantyp, so wie auch das aus Salvia sclarea isolierte (-)-Sclareol. Zum Vergleich: Salvinorin A und Salvinorin B aus Salvia divinorum sind ebenfalls bicyclische Diterpene, allerdings vom Neoclerodantypus (Vostrowsky 2002: Kap. 5 Terpene).

4. 2. 2. Subkulturelle Extraktion der Inhaltsstoffe aus Coleus spp.

Dieser Abschnitt erläutert, wie man ohne Zuhilfenahme einer kostspieligen professionellen Exraktionsanlage die Inhaltsstoffe einer Pflanze extrahiert. Diese Methode hat sich im subkultuellen Underground eingebürgert, um die Nutzung natürlicher Psychedelika-Quellen einmal auf andere Weise zu erschliessen. So werden auf diese Weise beispielsweise auch das DMT aus Phalaris oder die Salvinorine aus Salvia extrahiert. Das beschriebene Verfahren birgt Risiken für Leib und Leben und muss als reine Information betrachtet werden. Selbstversuche sind mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit zu unterlassen.

4 .2. 2. 1. Vorbereitungen

Lösungsmittel: Aceton (Baumarkt oder Apotheke), Isopropylalkohol (im Reinigungsmitteln für PC bzw. in Literflaschen aus der Apotheke), Chloroform oder hochprozentiger Alkohol (zwischen 95 und 98 %).

Reinheitstest für Aceton aus dem Baumarkt: Ein paar Tropfen auf eine Glasoberfläche träufeln und verdunsten lassen. Im Ergebnis sollten keine RückstaÅNnde auf dem Glas verbleiben. Achtung: Alle angegebenen Lösungsmittel sind explosiv und deren Dämpfe gesundheitsschädlich!

4 .2. 2. 1. Vorgang

Die zur Extraktion vorgesehenen Coleus-Blätter sollten, so sie nicht aus eigener Zucht stammen, vorsichtig abgespült werden, man weiß nie, mit welchen Chemikalien die Pflanzen im Gartenfachhandel behandelt worden sind. Dann wird das Material zum Trocknen ausgelegt. Die Blätter sollten gänzlich trocken sein, bevor das Prozedere beginnt.

Die getrocketen Blätter werden zerkleinert und in ein peinlichst sauberes Behältnis, z.B. ein Einmachglas getan. Das ganze grosszügig (und vorsichtig!) mit Lösungsmittel bedecken, gewissenhaft verschliessen und an einem gut temperierten und dunklen Ort aufbewahren (mindestens bei Zimmertemperatur). Das Glas steht nun für sieben Tage und sollte jeden Tag ein paar mal durchgeschüttelt werden. Zum Schluss wird das Lösungsmittel vermittels eines Metall- oder Papierfilters abgeseiht. Die Blätter können nun nach dem gleichen Schema noch zwei bis drei mal behandelt werden. Die enstandenen Lösungen vermengt man schlussendlich miteinander und lässt sie verdampfen. Entweder zu einem Flüssigextrakt oder, bei kompletter Eindunstung, zu einer gummiartigen rauchbaren Masse.

5. Einnahmetechniken

Normalerweise werden getrocknete Coleus-Blätter pur oder mit anderen Pflanzen(-teilen) gemischt geraucht. Als Dosis werden drei Blätter und mehr angegeben. Die Mazateken kauen die frischen Blätter als Priem (Rätsch 1998: 181). Hinweise aus ‚Recreational Drugs‘:

„Man benötigt zwischen 50 und 70 grosse, bunte Blätter, um überhaupt etwas zu spüren. Diese müssen gründlich gekaut und heruntergeschluckt werden. Falls man möchte, können die Blätter auch geraucht oder in lauwarmem Wasser für eine Stunde oder länger eingelegt und der Absud davon getrunken werden. Niemand kann sagen, was der Buntnessel den psychoaktiven Kick verleiht, aber wir wissen, dass nur frische Blätter wirken. Getrocknete Blätter haben praktisch keinen Effekt.“ (Buzz 1989)13

Diese Behauptung kann natürlich nicht einfach so im Raum stehengelassen werden. Für weitere diesbezügliche Informationen siehe nächsten Abschnitt.

Beim Kauen eines Priems aus Blättern, sollte dieser nach Möglichkeit für etwa 15 Minuten im Mundraum (z.B. in der Backentasche, wie bei Salvia oder Coca) verbleiben und gründlich ausgekaut und ausgelutscht werden.

Das Buntblatt kann zerstossen und mit Wasser zu einem Trank bereitet werden (z.B. auch im Mixer). Auch das Anfertigen eines alkoholischen Extrakts ist möglich. Hudson Grubber tätigt in seinem Buch zu dieser Methode einige Aussagen, die leider ohne Quellenangaben hingenommen werden müssen und bisher nicht weiter verifiziert wurden:

„Die Dosierung kann schwanken, beginne mit 10 bis 20 frischen Blättern. Benutze frische Blätter, weil das aktive Prinzip höchstwahrscheinlich instabil ist. (…) Die Blätter sollten gekaut werden, denn beim Auspressen des Saftes werden einige der aktiven Inhaltsstoffe zerstört“

(Grubber 1973).14

Ein Beitrag mit dem Titel ‚Coleus Preparation‘ findet sich in der Internet-Newsgroup alt.psychoactives. Dieser hält interessante Hinweise zur Einnahmevorbereitung bereit (http:// w w w. e r o w i d . o r g / p l a n t s / o t h e r / coleus_info1.shtml):

„Nimm 30 bis 50 grosse helle Blätter und wasch sie! Sie könnten mit Insektiziden verseucht sein (meine holte ich mir aus des Nachbars Garten, da kann ich nie sicher sein). Zerkleinere die Blätter – ich benutze immer eine Schere (die Stückchen müssen klein genug sein, um sie herunterschlucken zu können ohne zu kauen (…). Tu das zerhackte Blattwerk in einen Plastik- Verschlussbeutel und friere das Material ein, um die Zellen aufzubrechen. 15 Zur Anwendung, nimm die Tüte aus dem Eisschrank und konsumiere die Preparation am besten sofort, mische das Blattmaterial günstigerweise mit etwas aromatischem oder einer zaÅNhflüssigen Trägersubstanz, so dass du die Mixtur einfach schlucken kannst, Schokoladenpudding ist zum Beispiel O.K.“16

Coleus blumei (Zeichnung: Louis van Houtte)

6. Wirkung

Wiederum Professor Buzz:

„Obwohl die Droge keine unerwünschten oder gar gefährlichen Nebenwirkungen hat, fühlen manche User ungefähr eine halbe Stunde nach oraler Einnahme der Pflanze eine gewisse Übelkeit. Aber dieses Unwohlsein verschwindet rasch und wird durch einen Psilocybin– ähnlichen Trip, begleitet von farbigen Halluzinationen sowie telepatischen und hellseherischen Zuständen abgelöst. Der Trip dauert etwa zwei Stunden.“

(Buzz 1989)17

Und Christian Rätsch:

„Bei ca. 30% der Probanden, die getrocknete mexikanische Coleus blumei

– Blätter rauchten, traten ähnliche Wirkungen wie bei einer kleinen Dosis gerauchter Salvia divinorum ein (Anstieg des Pulses, Köperschwere, walzende Gefühle, tanzende Lichter vor Augen). Möglicherweise bedarf es einer besonderen Körperchemie, um mit der Pflanze zu reagieren. Es kann auch sein, dass die Wirkung erst nach mehrmaligem Probieren wahrgenommen wird.“ (Rätsch 1998: 182).


Ich vertrete die These von der Eingewöhnungszeit, die man auch beim THC- (Cannabis spp.) und Salvinorin- (Salvia divinorum) Konsum beobachten kann. Meine eigenen Experimente vermittels der Heffterschen Technik bestätigten mir initial und individuell die Vermutung.

© Markus Berger

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